Wer in Berlin eine Wohnung sucht, hat die Qual der Wahl. Ob Altbau oder Neubau,ob mit Dachterrasse,als Maisonettewohnung oder gleich ein Loft, alles ist im Angebot.So las sich die Offerte in dem Internetportal auch deshalb interessant, weil sie anders war. Für Individualisten wurde in Zehlendorf in einem Gebiet mit einer Mischung aus Gewerbe und Wohnen eine Wohnung in einem dörflichen Umfeld angeboten.Mehrere 1920 erbaute Häuser auf einem Privatgrundstückversprachen ein ruhiges Wohnen am Rande der Stadt, verkehrsgünstig und mit Einkaufsmöglichkeiten in unmittelbarer Nähe.Die Wohnung, so hatten wir dem Expose entnommen, wurde 2011 renoviert und mit neuer Sanitär- und Küchentechnik ausgestattet. Und als besonderes Highlight wurde ein 400 qm großer Garten mit einer Laube zur alleinigen und individuellen Nutzung angeboten.
Es klang interessant und so fuhren meine Lebensgefährtin und ich am Pfingstmontag uns das alles einmal ansehen.Um es vorweg zu sagen, es war ernüchternd. Mischung aus Gewerbe und Wohnen war noch sehr charmant ausgedrückt. Mehrere Häuser, in der Mitte ein Weg, dazwischen Nebengebäude, das war die dörfliche Idylle. Eingepfercht wird sie von zwei Industriegebäuden, auf der anderen Seite der Straße, gegenüber vom Eingang in die Wohnanlage, befindet sich die Warenannahme eines bekannten Möbelhauses. Es war nicht ersichtlich, ob die ausgewiesenen WC-s wirklich existierten, mit deutlich sichtbaren Wegweisern, angebracht an den Häusern, wurde jedenfalls auf sie verwiesen. Die angebotene Wohnung war noch nicht fertig renoviert, was mir der Makler in einer Mail aber schon mitgeteilt hatte. Von außen waren durch die Holzfenster noch Werkzeuge und Arbeitsmaterial zu sehen.
Die 10qm Terrasse war von der Wohnung aus nicht begehbar und erwies sich als schnöde asphaltierte Freifläche,begrenzt von zwei Hauswänden. Das ganze Areal wirkte unaufgeräumt,hinter dem Nachbarhausstand ein mit einer Plane abgedecktes Autowrack .Aber da war ja noch der eigene Garten, nur 100 Meter von der Wohnung entfernt.Die Gärten, die wir entdeckten,sahen alle gepflegt und individuellgestaltet aus, außer einem. Mannshohes Grassahen wir,hier hatten sich die Kräfte der Natur ungezügelt von Menschenhand mindestens zwei Jahre lang ungehindert entfalten dürfen.
Der absolute Clou aber war die Laube, die sich als halb verfallener Geräteschuppen erwies.Wir konnten nicht anders, wir mussten lauthals lachen.
Dass bei Wohnungsfotos für professionelle Internetportaleimmer wieder mal ein Weitwinkelobjektiv verwendet wird, um die Zimmer größer erscheinen zu lassen, ist bekannt.Auch ist die deutsche Sprache in der Beschreibung von Gegebenheiten sehr dehnbar. Aber dieses Angebot war einfach nur dreist. Und dafür verlangt der Vermieter auch noch eine Staffelmiete.
Wir haben jedenfalls wieder etwas fürsLeben gelernt.Der Begriff der Mischnutzung von Gewerbe und Wohnen kann sehr weit ausgelegt werden und ein halbverfallener Geräteschuppen ist eine Laube.
Oder anders gesagt, wenn sich Phantasie und Frechheit vermischen, wirdaus dem hässlichen Entlein immer noch ein strahlend schöner Schwan.
P.S. Ich werde in loser Folge weiter berichten über kreative Makler sowie geweckte und unerfüllte Erwartungen.