Empfehlung der Woche

Frieden – Wie geht das?

Frieden – Wie geht das?

Klaus von Dohnanyi, Erich Vad

Hardcover, gebunden

160 Seiten

22 €

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Meine Frau weint

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Angela Schanelec

Drama

Deutschland, Frankreich 2026

93 Minuten
ab dem 11. Juni im Kino!

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Kultur : Das neue Citius, Altius, Fortius

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In wenigen Tagen startet der deutsche Film „HELL“ in den Kinos. Ein Endzeitthriller ist es, die einst lebenspendende Sonne hat die Erde verbrannt. Auch Deutschland ist betroffen. Gestern Abend stand ich vor einem der Plakate, die den Film ankündigen. Mehrere Menschen fahren in einem abgedunkelten Auto,nur so können sie die tödliche Sonne ertragen, quer durch Deutschland in ein Gebirge, wo es noch Wasser geben soll.

Während ich das Plakat so betrachte,kommen bei mir Fragen auf. Das Handeln der Filmfiguren ist darauf gerichtet, zu überleben. Sie haben ihre Bedürfnisse auf das Lebensnotwendigste reduziert, auf das, was Marx die Grundbedürfnisse nannte, auf denen alle anderen bis zu dem Bedürfnis nach Luxus aufbauen. Luxus ist für die handelnden Figuren Wasser, weil es das Überleben sichert.Wie aber leben wir in der Realität, welche Bedürfnisse befriedigen wir? Schätzen wir den Luxus des Wassers, das uns ja scheinbar uneingeschränkt und überall zur Verfügung steht? Unsere Welt ist voll von materiellem Luxus, der uns den nicht materiellen manchmal mühelos vergessen lässt.

Citius, Altius, Fortius, schneller, höher, stärker, es hat eine ganz andere Bedeutung bekommen. Was Coubertin damit verband, hat mit der heutigen Realität nicht mehr viel gemeinsam. Schneller als das Vorgängermodell ist das neue Auto, höher als früher bauen wir Wolkenkratzer, stärker als wir es merken fokussieren wir unser Denken und Handeln auf die Befriedigung unserer konsumtiven Bedürfnisse. Dass wir dabei die nur begrenzten Ressourcen unserer Erde restlos ausbeuten, verdrängen wir perfekt.

Der Film zeigt die Figuren in einer Extremsituation, in die wir als Menschheit schneller als gedacht geraten könnten. Verlässlichkeit, Freundschaft, ein sich Aufeinander – Verlassen-Können werden wieder wichtig.

Nachdenklich laufe ich weiter. Braucht es erst eine wie auch immer geartete Apokalypse, um uns den Luxus unseres Lebens eindeutig zu dokumentieren? Braucht es so viele unterschiedliche Luxusgüter oder könnte der Mensch auch mit weniger zufrieden sein? Die Definition von Luxus ist sicherlich sehr persönlich und von einer Vielzahl individueller und gesellschaftlicher Faktoren abhängig. Doch fast jeder Mensch strebt danach.

Gut möglich aber, dass das Streben nach dem neuen Citius, Altius, Fortius die Menschheit irgendwann in der Zukunft einmal wieder auf die Achtung und bewusste Wahrnehmung ihrer Grundbedürfnisse zurückführt. Oder schaffen wir das vielleicht auch allein, obwohl diese doch so leicht erfüllt werden können? Dass uns das bewusste Handeln von Tieren unterscheidet, ist das Eine. Dass diesesHandeln immer mehr auf die Erfüllung von nicht Lebensnotwendigem gerichtet ist, das Andere. Nur sollte dies das Einzige sein, was den Unterschied zwischen Mensch und Tier ausmacht?Ist unser analytisches Denken von den täglichen Verlockungen der Konsumgesellschaft längst aufgefressen worden?

Rohe Gewalt, von Menschen an Menschen verübt,könnte den Gedanken aufkommen lassen, dass wir uns so weit von den Tieren und deren Überlebenskampf nicht entfernt haben. Nur dasswir Menschen diese Gewalt verüben, um am Luxus, wie auch immer er definiert wird, teilhaben zu können, macht den Unterschied aus.

Was wieder einmal beweist, dass der Mensch eben doch das gefährlichste und unberechenbarste Tier der Erde ist.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.