rolf netzmann

der weg nur ist das ziel

21.09.2011 | 05:42

Das neue Citius, Altius, Fortius

In wenigen Tagen startet der deutsche Film „HELL“ in den Kinos. Ein Endzeitthriller ist es, die einst lebenspendende Sonne hat die Erde verbrannt. Auch Deutschland ist betroffen. Gestern Abend stand ich vor einem der Plakate, die den Film ankündigen. Mehrere Menschen fahren in einem abgedunkelten Auto,  nur so können sie die tödliche Sonne ertragen, quer durch Deutschland in ein Gebirge, wo es noch Wasser geben soll.

Während ich das Plakat so betrachte,  kommen bei mir Fragen auf. Das Handeln  der Filmfiguren ist darauf gerichtet, zu überleben. Sie haben ihre Bedürfnisse auf das Lebensnotwendigste reduziert, auf das, was Marx die Grundbedürfnisse nannte, auf denen alle anderen bis zu dem Bedürfnis nach Luxus aufbauen. Luxus ist für die handelnden Figuren Wasser, weil es das Überleben sichert.  Wie aber leben wir  in der Realität, welche Bedürfnisse befriedigen wir? Schätzen wir den Luxus des Wassers, das uns ja scheinbar uneingeschränkt und überall zur Verfügung steht? Unsere Welt ist voll von materiellem Luxus, der uns den nicht materiellen manchmal mühelos vergessen lässt.

Citius, Altius, Fortius, schneller, höher, stärker, es hat eine ganz andere Bedeutung bekommen. Was Coubertin damit verband, hat mit der heutigen Realität nicht mehr  viel gemeinsam. Schneller als das Vorgängermodell ist das neue Auto, höher als früher bauen wir Wolkenkratzer, stärker als wir es merken  fokussieren wir unser Denken und Handeln auf die Befriedigung unserer konsumtiven Bedürfnisse.  Dass wir dabei die nur begrenzten Ressourcen unserer Erde restlos ausbeuten, verdrängen wir perfekt.

Der Film zeigt die Figuren in einer Extremsituation, in die wir als Menschheit schneller als gedacht geraten könnten.  Verlässlichkeit, Freundschaft, ein sich Aufeinander – Verlassen-Können werden wieder wichtig.

Nachdenklich laufe ich weiter. Braucht es erst eine wie auch immer geartete Apokalypse, um uns den Luxus unseres Lebens eindeutig zu dokumentieren? Braucht es so viele unterschiedliche Luxusgüter oder könnte der Mensch auch mit weniger zufrieden sein? Die Definition von Luxus ist sicherlich sehr persönlich und von einer Vielzahl individueller und gesellschaftlicher Faktoren abhängig.  Doch fast jeder Mensch strebt danach.

Gut möglich aber, dass das Streben nach dem neuen Citius, Altius, Fortius die Menschheit irgendwann in der Zukunft einmal wieder auf die Achtung und bewusste Wahrnehmung ihrer Grundbedürfnisse zurückführt. Oder schaffen wir das vielleicht auch allein, obwohl  diese doch so leicht  erfüllt werden können?  Dass uns das bewusste Handeln von Tieren unterscheidet, ist das Eine. Dass dieses  Handeln immer mehr  auf die Erfüllung von nicht Lebensnotwendigem gerichtet ist, das Andere. Nur sollte dies das Einzige sein, was den Unterschied zwischen Mensch und Tier ausmacht?  Ist unser analytisches Denken von den täglichen Verlockungen der Konsumgesellschaft  längst aufgefressen worden?

Rohe Gewalt, von Menschen an Menschen verübt,  könnte den Gedanken aufkommen lassen, dass wir uns so weit von den Tieren und deren Überlebenskampf nicht entfernt haben. Nur dass  wir Menschen diese Gewalt verüben, um am Luxus, wie auch immer er definiert wird, teilhaben zu können, macht den Unterschied aus.

Was wieder einmal beweist, dass der Mensch eben doch das gefährlichste und unberechenbarste Tier der Erde ist.

 
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Kommentare
GEBE schrieb am 21.09.2011 um 09:26
Die Menschheit und wir?

Also, ich verstehe dies nicht: “Gut möglich aber, dass das Streben nach dem neuen Citius, Altius, Fortius die Menschheit irgendwann in der Zukunft einmal wieder auf die Achtung und bewusste Wahrnehmung ihrer Grundbedürfnisse zurückführt. Oder schaffen wir das vielleicht auch allein, obwohl diese doch so leicht erfüllt werden können?“

Wer ist die ‚Menschheit’ und wer ist ‚wir’?
Ist diese Dissoziierung Grund dafür, auch im übrigen Text zu Anthropomorphismen zu gelangen, insbesondere in Ihren merkwürdigen Konklusionen, Herr Netzmann, in denen Sie einerseits das bewußte Handeln als Unterscheidungsmerkmal zum Tier angeben, andererseits den Menschen als “… das gefährlichste und unberechenbarste Tier der Erde“ … bezeichnen? Begehen Sie hier vielleicht den kardinalen Denkfehler, das Kreatürliche mit dem Bösen gleichzusetzen? Begehen Sie evtl. auch den Vorstellungsfehler, sich bei diesen Aussagen nur bestimmte Tiere vorzustellen? Wo beginnen Sie, die Tiere? Wo beginnen Sie bei Ihnen? Wie steht es mit der Taube, dem Schwan, wie meinetwegen mit dem Grottenolm als gefährliches Tier, deren Gefährlichkeit Sie durch den Menschen nur als gesteigert angeben? Was für ein gesteigertes Tier sind Sie dann selbst? Worin liegt Ihre Gefährlichkeit? Wo ist Ihr analytisches Denken abgeblieben?

Verzeihung, aber dieses Blog ist ein Potpourie von Platitüden. Ich sehe es als ein heilloses Durcheinanderpurzeln von Vorstellungsversatzstücken an. Bewiesen ist nichts damit – außer, daß Sie sich Ihre eigenen Annahmen als Zirkelschlüsse selbst beweisen.
rolf netzmann schrieb am 23.09.2011 um 10:14
@GEBE, Sie kennen doch bestimmt auch den alten Spruch der indianer " erst wenn der letzte Baum gefällt, der letzte Bach ausgetrocknet..... werden die Menschen erkennen, dass man Geld nicht essen kann". Wo bleibt die menschliche Vernunft, wo ist das analytische Denken gegenwärtig zu erkennen, wenn die Menschheit fröhlich an dem Ast sägt, auf dem sie sitzt?
Tiere kämpfen um ihr Überleben, fressen oder gefressen werden, nur der Stärkere überlebt. Und wie ist es bei den Menschen? In den USA erleben wir es beim beginnenden Wahlkampf, die Republikaner propagieren diesen alten Traum,der schon immer unrealistisch war, vom Tellerwäscher zum Millionär aufzusteigen.Vertrau Dir selber, dann kommst du weiter. Wo bleiben hier menschliche Werte wie Achtung vor dem Anderen oder Solidarität? Beobachten Sie mal den Alltag, wie oft eine Mutter mit Kinderwagen an einer Treppe steht und alle vorbei laufen.
Der Mensch hat die Möglichkeit, die Natur zu bewahren. Dass pro Tag auf der Erde Arten von Fauna und Flora aussterben,unwiederbringlich verschwinden, ist nicht eine Laune der Natur, das ist durch uns Menschen verursacht. Und deshalb muss der Mensch als das gefährlichste und unberechenbarste Raubtier bezeichnet werden.
Heute früh habe ich beim Morgenkaffee wieder Eichhhörnchnen beobachtet und mich gefragt, wann diese possierlichen Tiere wohl aussterben werden. Wann werden wir deren Lebensgrundlagen vernichtet haben, weil sie nicht in unsere Vorstellungen passen und uns Menschen im Wege sind? Es sind, finde ich, durchaus Fragen, die zu stellen sind...
h.yuren schrieb am 21.09.2011 um 13:06
lieber rolf, DER mensch existiert nicht. das ist eine abstraktion.
wichtiger wäre es, sich gedanken über die strukturen zu machen, in denen menschen gefangen sind wie tiere in den instinkten.
es gibt die sensationspresse und sensationsfilme. das hinkucken lohnt sich nur für forschungszwecke.
rolf netzmann
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