Dass unser Gesundheitswesen an allen Ecken und Enden knirscht, ist bekannt. Auch ist es längst ein allgemein akzeptierter Zustand, dass in Deutschland eine mehrstufige medizinische Versorgung existiert. Da gibt es den Kassenpatienten, dann den Kassenpatienten, der sich privat Bausteine dazu kauft, sowie den Privatpatienten, wobei es auch bei diesem unterschiedliche Graduierungen gibt. Was aber allzu gerne verschwiegen wird, ist, dass die gesetzlichen Krankenkassen die Ärzte zu einer wirtschaftlich angemessenen und medizinisch unbedingt notwendigen Behandlung verpflichten.
Dass Ärzte gegenüber ihren Patienten darüber ein wenig den Mantel des Schweigens anheben, ist selten. So wie der Arzt heute, der offen über seinewirtschaftlicheSituation sprach, wird selten mal ein Mediziner reden.
Eine Budgetierung sowohl der Honorare als auch der Kosten für verschriebene Rezepte schränken den Gestaltungsspielraum des Mediziners Arzt ein. So stehen einem Hautarzt pro Quartal lediglich 22 Euro pro Patient für Rezepte zur Verfügung, für einen Neurodermitispatienten viel zu wenig.Alles, was überdiese Summe hinaus geht, muss der Mediziner Arzt entweder auf ein Privatrezept schreiben, das der Patient zu 100% allein bezahlt, oder er muss es selber zahlen. Hier kommt aber der Unternehmer Arzt ins Spiel, der damit seinen Gewinn schmälert.
Außerdem riskiert er, bei Überschreitung der ihm auferlegten Budgets von den Krankenkassen in Regress genommen zu werden, was wiederum seinen Gewinn schmälert. Es war ein Gewissenkonflikt zwischen dem Mediziner und dem UnternehmerArzt, der mir heute geschildert wurde.So passiert es, dass so mancher niedergelassene Mediziner bei Erreichen seines ihm zur Verfügung stehenden Budgets seine Praxis schließt und erst zu Beginn des neuen Quartals wieder öffnet, weil ihm dann wieder ein neues Budget zur Verfügung steht.
Und dass aus diesen wirtschaftlichen Erwägungen auch keine für den Patienten optimale Behandlung erfolgt,hat dieser Arzt heute offen bestätigt. Diese ist von den Krankenkassen auch nicht gewollt, weil diese nur die medizinisch notwendige und wirtschaftlich angemessene Behandlung bezahlen. Dies ist eine politisch gewollte Konstellation, stellte der Arzt heute betrübt fest.
Als ich ihm entgegnete, dass durch eine solchewirtschaftliche Knebelung der Eid des Hippokrates ausgehebelt wird, gab er mir noch eines mit. Dieser wird bei der Approbation schon lange nicht mehr abgenommen, erfuhr ich. Bei seiner eigenen Approbation, und der Arzt war ein schon etwas älterer Mann, spielte dieser Eid überhaupt keine Rolle mehr.
Wenigstens diese Ehrlichkeit herrscht, dachte ich so bei mir, als ich vor der Praxis eine Zigarette rauchte und das soeben Gehörte noch einmal durchdachte.Und wie naiv wir Deutschen doch sind, das wir davon ausgehen, dass wir beim Arzt wirklich als Kassenpatienten eine auf uns individuell abgestimmte Behandlung erhalten.
Im Zweifel wird sich immer der Unternehmer Arzt durchsetzen.