rolf netzmann

der weg nur ist das ziel

17.01.2011 | 10:45

Die Sucht nach öffentlicher Anerkennung

Mit Katy Karrenbauer erlebt das geneigte Publikum im Dschungelcamp das Gesicht der früheren RTL Erfolgsserie "Hinter Gittern" . Das Ende der Serie bedeutete auch das Ende für Karrenbauer . Nun ist sie nicht die Erste, welche im Dschungel versucht, an frühere Popularität anzuknüpfen, Gottlieb Wendehals, Costa Cordalis oder Carlo Thränhardt stehen als andere Beispiele dafür.

Mit den Deutschland sucht... Formaten bietet RTL jungen Leuten eine Chance, ihre Talente öffentlich zu entfalten, so könnte man es wohlwollend ausdrücken. So wird mit Hoffnungen und Träumen junger, und auch älterer, Menschen gespielt,  ist aber auch eine Beschreibung dafür.

Beide Beispiele haben eines gemeinsam, die Sucht nach öffentlicher Anerkennung. Die Dschungelcamper hatten sie früher und wollen sie zurück, die Deutschland sucht... Kandidaten möchten sie erreichen.

In Berlin hatte jetzt das Musical "Hinterm Horizont" Premiere, mit Songs des Rockstars Udo Lindenberg. Auch er hat in seiner Karriere Höhen und Tiefen erlebt. Nur, suchte er bewusst nach öffentlicher Anerkennung?  Lindenberg machte zeitlebens" sein Ding", wie ein Titel seiner letzten CD heisst. Er glaubte an sich, war am Anfang seiner Karriere kein Star, schrieb seinen Erfolgssong "Andrea Doria" in einer Hamburger Kneipe auf einen Bierdeckel. Er wurde zum Star durch seine Leistung, sein Auftreten, dadurch, dass er immer authentisch blieb.

Aktuelle deutsche Bands wie "Unheilig" tingelten jahrelang durch kleine Clubs und spielten vor 50 -100 Leuten ihre Songs, ehe sie entdeckt wurden und heute große Hallen füllen und Nr. 1 Hits produzieren. Unheilig Sänger " der Graf" meinte kürzlich in einem Interview, dass für ihn immer die Musik das Wesentliche war, nie die öffentliche Aufmerksamkeit, welche ihm immer noch unheimlich sei.

Das macht den Unterschied aus, egal ob der Altmeister Lindi oder jüngere Bands wie Unheilig, sie streben nicht nach Aufmerksamkeit  um jeden Preis, sie leben ihre Musik und brauchen keinen Bohlen oder Raab als medienwirksame Promoter.

So sind sie, wie andere Stars, eben auch in der Lage, unvermeidliche Tiefen in der künstlerischen Karriere als das anzunehmen, was sie sind, Pausen der Regeneration, des sich Sammelns, um danach wieder zu kommen.

Tina Turner war mit ihrem Mann Ike ganz oben auf der Welle des Erfolges, ehe sie beide abstürzten. Mit ihrem Hit "Privat Dancer" kam sie wieder zurück und ist bis heute ein Star.

Konstantin Wecker war ein gefeierter Liedermacher, ehe er im Drogensumpf versank, mit dem Gesetz in Konflikt kam und abstürzte. Nur ist er ein Beispiel dafür, wie ein solcher künstlerischer und persönlicher  Fall auch neue Kräfte und Ideen generieren kann. Der Wecker, der nach dem Entzug zurück kam, ist kraftvoller und poetischer als vorher, er bringt leidvolle persönliche Erfahrungen in seine Kunst ein, wirkt gereifter als Mensch.

Das Dschungelcamp oder der Auftritt vor den RTL Jurys ist sicherlich auch eine bleibende persönliche Erfahrung, keine Frage. Nur hat es wirklich den früheren Stars oder den DSDS Siegern dauerhaften Erfolg beschert? Es war für alle ein Hype, ein Moment der medialen Aufmerksamkeit, ehe der nächste Absturz kam.

Dauerhafter, langanhaltender Erfolg kann durch keinen Hype erhalten werden. Er kommt aus der Persönlichkeit der Künstler, aus ihrer  Seele, aus ihrem Inneren. Und er kommt aus der erlebten Erfahrung, dass Erfolg sich hart erarbeitet werden muss und sich ein Stammpublikum, eine Fangemeinde erst langsam herausbildet. Dass jetzt die geplante Tournee des letzten DSDS Siegers abgesagt wurde, weil zu wenig Tickets verkauft werden konnten, ist nur eine Bestätigung dafür.

In diesem Sinne, macht euer Ding, egal was die andern sagen....

 
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Kommentare
GeroSteiner schrieb am 17.01.2011 um 18:31
Gute Zusammenfassung des RTL-Zirkusprogramms.

Letztlich geht es nicht nur um die Anerkennung, sondern schlicht um das Geld für das Brot der nächsten Woche.
hardob schrieb am 17.01.2011 um 20:47
Lieber Herr Netzmann, sind wir nicht alle ein bisschen so wie die, die sich im und durch RTlL vorführen lassen? Wollen wir nicht auch ein bisschen öffentliche Aufmerksamkeit, die, die wir im Internet veröffentlichen? Ich jedenfalls bin immer zufireden, wenn ich einen Kommentar, eine Antwort zu meinen Posts einfange. Das zeugt von einem gewissen Maßhalten, aber im Prinzip ....
rolf netzmann schrieb am 17.01.2011 um 20:57
@hardob, vom grunde her ja, nur würde ich mich niemals so vor bohlen präsentieren oder im dschungel mich erniedrigen lassen
ich freue mich auch über kommentare und damit aufmerksamkeit, stimmt, nur ist dies nicht mit den genannte rtl formaten vergleichbar, sondern für mich eine sinnvolle freitzeitbeschäftigung, bei der ich einen teil von mir freigebe, bei voller kontrolle, wo ich selber meine grenze ziehe....
hardob schrieb am 17.01.2011 um 21:36
womit Sie mir ein kleine Freude bereitet haben :) Danke.
jayne schrieb am 18.01.2011 um 09:01
ich glaube auch, daß bei den teilnehmern dieser dsds-, dschungelcamp- und anderer einschlägiger shows oft ganz traurige dinge im hintergrund stehen und den auslöser für die teilnahme bilden, und bei manchem eher eine therapeutische begleitung angesagt wäre, aber selbstvermarktung ist ja angesagt in dieser neoliberal verfaßten, laut brüderle (bei anne will) nichtkapitalistischen gesellschaft, und nur wenige stellen dieses konzept infrage ... Schön, was Du zu lindenberg, tina turner und wecker schreibst ...
mahung schrieb am 18.01.2011 um 12:12
"Aktuelle deutsche Bands wie "Unheilig" tingelten jahrelang durch kleine Clubs und spielten vor 50 -100 Leuten ihre Songs, ehe sie entdeckt wurden und heute große Hallen füllen und Nr. 1 Hits produzieren. Unheilig Sänger " der Graf" meinte kürzlich in einem Interview, dass für ihn immer die Musik das Wesentliche war, nie die öffentliche Aufmerksamkeit, welche ihm immer noch unheimlich sei.

Das macht den Unterschied aus, egal ob der Altmeister Lindi oder jüngere Bands wie Unheilig, sie streben nicht nach Aufmerksamkeit um jeden Preis, sie leben ihre Musik und brauchen keinen Bohlen oder Raab als medienwirksame Promoter."

Auch wenn ich Dir im Grunde völlig Recht gebe. Bei "Unheilig" muss ich entschieden widersprechen. Egal, wo die Band herkam und egal wer denen dann aus Marketinggründen diesen Pseudo-Gothik bzw. Gothik-Schlager-Stiel eingeredet hat - diese "Band" verkauft sich und ihre Reputation gnadenlos. Gefühlt jeden zweiten Monat tritt die "Band" aus Gründen der Crosspromotion im RTL-Seifen-Format GZSZ auf und an Raab sind die auch nicht vorbei gekommen. "Unheilig" kommt nur noch als glatt geschliffenes, auf Kommerz gebürstetes Produkt rüber, wirkt wie eine Retortenband. Egal was der "Graf" alles so in Talkshows von sich gibt. Was auch meistens komplett nervt (subjektives Werturteil ;-).

Udo hingegen ist für mich über jeden Zweifel erhaben.
rolf netzmann schrieb am 19.01.2011 um 03:21
statt Unheilig, die mir mit ihren Texten und der Musik gefallen, hätte ich auch " wir sind helden" oder "silbermond" nehmen können, bands, welche langsam gewachsen sind, ehe sie einem breiteren publikum bekannt wurden....
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