rolf netzmann

der weg nur ist das ziel

03.11.2011 | 04:32

Ein ungewöhnlicher Millionär

Wer diesen Mann einmal gesehen hat, mit dicker Hornbrille, Rauschebart und in etwas schmuddeliger Kleidung, wird nicht glauben, dass er einen millionenschweren Unternehmer erlebt hat.  Wer dazu noch weiß, dass die weit weniger bekannte Firma dieses Mannes  den Namen Pomoschnik rabotajet GmbH trägt, wird mit den gängigen Klischees des Millionärs noch weniger zurecht  kommen.

Doch Klaus Ernst Emil Zapf ist mit seinem  Umzugskombinat, wie es heute noch auf den gelben LKW zu lesen ist, reich geworden. Nach eigenen Angaben lebt er in einer Hausmeisterwohnung und braucht nur 300€ im Monat für sich. Nach dem er 2007 den Chefposten in seiner Firma aufgegeben hat, widmet er sich einer anderen Tätigkeit, die weitaus weniger im Fokus der Öffentlich steht. Zapf ist einer der Profikläger, die Unternehmen das Leben schwer machen. Er kauft sich in Gesellschaften ein und nutzt sein Stimmrecht, um geplante Fusionen oder Übernahmen, welche den Vorständen üppige Boni einbringen würden, zu verhindern. Weil gegen den Willen von Aktionären diese Übernahmen nicht vollzogen werden können, müssen sie erst einmal auf Eis gelegt werden.  Üblicherweise werden dann Vergleiche mit den Aktionären geschlossen, bei denen erhebliche Summen fließen können. Das hat Zapf inzwischen schon Klagen eingebracht.

Dieser ungewöhnliche Millionär fordert nun eine Reichensteuer von 70%. Dass  er sich damit unter  anderen deutschen Millionären keine Freunde schafft, ficht ihn nicht an. Mit denen hat ihn noch nie etwas verbunden. Zapf, der sein  Jurastudium schmiss, um  mit 23 Jahren seine Umzugsfirma zu gründen, hat schon immer sein Ding gemacht.

Nun haben ja auch schon andere deutsche Millionäre wie der Sänger Westernhagen oder Otto-Chef Michael  Otto bekundet, dass sie freiwillig mehr Steuern zahlen würden, wenn sie denn dürften. Alle eint etwas, keiner hat damit gedroht, bei höheren Steuern die Produktion oder den eigenen Wohnsitz in Ausland zu verlagern. Alle wollen hier in Deutschland bleiben und hier zahlen. Was den ungewöhnlichen Millionär von den anderen unterscheidet, ist die Höhe von 70%, die er offen postuliert. Nun ist Zapf schon immer ein Provokateur gewesen, doch sollte er trotzdem ernst genommen werden.

Dass ihn die Moderatorin Maischberger nicht mehr und ausführlicher reden ließ, zeigt  dass solche  Äußerungen in Deutschland auch im öffentlich-rechtlichen TV nicht erwünscht sind.  Wen ich zu Wort kommen lasse, dessen Haltung vertrete ich, lässt sich daraus schlussfolgern.

Klaus Zapf wird sich davon nicht beirren lassen. Doch ob er irgendwann mehr Steuern zahlen darf, ist zweifelhaft. Eine Steuer auf hohe Einkommen ist immer noch nicht politisch gewollt, egal ob Vermögende diese für sich selber einfordern.

Und so wird Klaus E. H. Zapf weiter Konzerne verklagen, die Gelder aus Vergleichen kassieren und wie schon immer reinvestieren. Und der deutsche Staat wird weiterhin auf Millioneneinnahmen verzichten, die ihm quasi auf dem Silbertablett serviert werden. Das wirft ein bezeichnendes Licht auf die Geisteshaltung  deutscher Politik.

 
Senden Bookmarken Drucken
Kommentare
Vaustein schrieb am 05.11.2011 um 15:19
Guter Beitrag. Gerne gelesen. Danke.
Eine kleine Korrektur sei mir erlaubt. Sie schreiben: "Und der deutsche Staat wird weiterhin auf Millioneneinnahmen verzichten, die ihm quasi auf dem Silbertablett serviert werden. "

Zugegeben, 1000 Millionen sind auch Millionen, aber Milliarden wäre wohl richtiger.
Popkontext schrieb am 05.11.2011 um 15:41
Danke für den Beitrag - sehr interessant. Auch US-amerikanische Millionäre haben schon einen deutliche höheren Spitzensteuersatz gefordert, den Reagan Anfang der 80er erheblich reduziert hatte, auf 28%.

Übrigens ist der Begriff "Reichensteuer" im engeren Sinne eher mit der "Reform" von rot-schwarz von 2005 verbunden, die diese "Reichensteuer", die Erhöhung der Einkommensteuer für besonders hohe Einkommen, als Feigenblatt einzuführte, nachdem rot-grün 2004 den Spitzensteuersatz von schon reduzierten 48,5 auf 42 Prozent und den Eingangssteuersatz von 19,9 auf 15 Prozent gesenkt hat.
rolf netzmann
life is illusion, adventure, challenge...but not a dream
Ort:
berlin
Mitglied seit:
2 Jahre 10 Wochen
Zuletzt aktiv:
24.05.2012
Status:
Blogger
Aktivität:
Beiträge: 322
Kommentare: 841
Mein Projekt:
Mein Web:
Logbuch
13:07
Der König von Prussia hat gerade einen Kommentar geschrieben.
13:05
Der König von Prussia hat gerade einen Kommentar geschrieben.
13:05
GEBE hat gerade einen Kommentar geschrieben.
13:05
musica hat gerade einen Kommentar geschrieben.
13:03
Der König von Prussia hat gerade einen Kommentar geschrieben.
Jürgen Roth Gazprom – das unheimliche Imperium Westend Verlag 2012

316 Seiten. Gebunden.

19,99
 
Das Imperium Gazprom verfügt über eine eigene Armee und einen mächtigen Geheimdienst. An verantwortlichen Positionen arbeiten ehemalige KGB-Agenten, sein privater Besitz ist absolut geschützt, die Verantwortlichen sind unantastbar. Mit Hilfe williger deutscher und europäischer Industrieller versucht es, den Energiemarkt zu monopolisieren und die Verbraucher abzuzocken. Jürgen Roth enthüllt, wer hinter den Kulissen die Fäden zieht >> mehr
Arte-Kooperation

portlet_ArabienArte.png

portlet-gaertnerbuch.png

wir müssen reden

Probe-Abo

probeabo260x120.jpg

Aktuelle Ausgabe bestellen
Der gefährlichste Mann Europas?

Ausgabe 21/2012
24.05.2012

keine Versandkosten
kein Aufpreis

Einzelpreis: 3.60 €

>> bestellen
der Freitag Kollektion

Freitag-Kollektion_Gaertner.jpg

Arte

portlet_arte+zeile.pngportlet_arte+zeile.png

Freitag-Buchshop.png

 
 
 
 
© der Freitag Mediengesellschaft mbH & Co. KG