Empfehlung der Woche

Frieden – Wie geht das?

Frieden – Wie geht das?

Klaus von Dohnanyi, Erich Vad

Hardcover, gebunden

160 Seiten

22 €

Zur Empfehlung
Meine Frau weint

Meine Frau weint

Angela Schanelec

Drama

Deutschland, Frankreich 2026

93 Minuten
ab dem 11. Juni im Kino!

Zur Empfehlung

Politik : Ein ungewöhnlicher Millionär

Zum Kommentar-Bereich

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community.
Ihre Freitag-Redaktion

Wer diesen Mann einmal gesehen hat, mit dicker Hornbrille, Rauschebart und in etwas schmuddeliger Kleidung, wird nicht glauben, dass er einen millionenschweren Unternehmer erlebt hat. Wer dazu noch weiß, dass die weit weniger bekannte Firma dieses Mannes den Namen Pomoschnik rabotajet GmbH trägt, wird mit den gängigen Klischees des Millionärs noch weniger zurecht kommen.

Doch Klaus Ernst Emil Zapf ist mit seinemUmzugskombinat, wie es heute noch auf den gelben LKW zu lesen ist, reich geworden. Nach eigenen Angaben lebt er in einer Hausmeisterwohnung und braucht nur 300€ im Monat für sich. Nach dem er 2007 den Chefposten in seiner Firma aufgegeben hat, widmet er sich einer anderen Tätigkeit, die weitaus weniger im Fokus der Öffentlich steht. Zapf ist einer der Profikläger, die Unternehmen das Leben schwer machen. Er kauft sich in Gesellschaften ein und nutzt sein Stimmrecht, um geplante Fusionen oder Übernahmen, welche den Vorständen üppige Boni einbringen würden, zu verhindern. Weil gegen den Willen von Aktionären diese Übernahmen nicht vollzogen werden können, müssen sie erst einmal auf Eis gelegt werden. Üblicherweise werden dann Vergleiche mit den Aktionären geschlossen, bei denen erhebliche Summen fließen können. Das hat Zapf inzwischen schon Klagen eingebracht.

Dieser ungewöhnliche Millionär fordert nun eine Reichensteuer von 70%. Dasser sich damit unter anderen deutschen Millionären keine Freunde schafft, ficht ihn nicht an. Mit denen hat ihn noch nie etwas verbunden. Zapf, der seinJurastudium schmiss, ummit 23 Jahren seine Umzugsfirma zu gründen, hat schon immer sein Ding gemacht.

Nun haben ja auch schon andere deutsche Millionäre wie der Sänger Westernhagen oder Otto-Chef MichaelOtto bekundet, dass sie freiwillig mehr Steuern zahlen würden, wenn sie denn dürften. Alle eint etwas, keiner hat damit gedroht, bei höheren Steuern die Produktion oder den eigenen Wohnsitz in Ausland zu verlagern. Alle wollen hier in Deutschland bleiben und hier zahlen. Was den ungewöhnlichen Millionär von den anderen unterscheidet, ist die Höhe von 70%, die er offen postuliert. Nun ist Zapf schon immer ein Provokateur gewesen, doch sollte er trotzdem ernst genommen werden.

Dass ihn die Moderatorin Maischberger nicht mehr und ausführlicher reden ließ, zeigt dass solche Äußerungen in Deutschland auch im öffentlich-rechtlichen TV nicht erwünscht sind. Wen ich zu Wort kommen lasse, dessen Haltung vertrete ich, lässt sich daraus schlussfolgern.

Klaus Zapf wird sich davon nicht beirren lassen. Doch ob er irgendwann mehr Steuern zahlen darf, ist zweifelhaft. Eine Steuer auf hohe Einkommen ist immer noch nicht politisch gewollt, egal ob Vermögende diese für sich selber einfordern.

Und so wird Klaus E. H. Zapf weiter Konzerne verklagen, die Gelder aus Vergleichen kassieren und wie schon immer reinvestieren. Und der deutsche Staat wird weiterhin auf Millioneneinnahmen verzichten, die ihm quasi auf dem Silbertablett serviert werden. Das wirft ein bezeichnendes Licht auf die Geisteshaltung deutscher Politik.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.