Es waren die leisen Bilder, die diesen Film in der ARD so eindringlich unter die Haut gehen ließen. Wie der Vater seinen Sohn schlägt, weil dieser ihn auslacht, weil er ihn Schach matt setzen konnte sowie die Szene, wo der Ehemann seine Frau nicht nur schlägt, sondern diese sogar noch tritt, waährend sie schon am Boden liegt, waren die einzigen Gewaltszenen dieses Filmes. Sie zeigten die Gewaltsituation in der Familie und wie diese Menschen zerstört hat. Die 17-jährige Tochter lernt Jiu Jitsu, um sich zu wehren. Der 13 jährige Sohn, dessen Angst vor dem Vater allgegenwärtig ist, prägt sich dem Zuschauer ein. Schon während der Trennungsphase trifft der Ehemann seine Frau wieder und möchte ihr das Feuer für eine Zigarette geben. Diese Angst der Frau, was macht er jetzt, kommt die Faust wieder, daraus zieht der Film seine Spannung. Der Sohn, wie er die Instrumente seines Vaters zerstört, die CD-s zertritt, während der Vater eine Chorprobe leitet. Der Wechsel der Bilder, vom tief verletzten Sohn, der hier all seine Aggressionen heraus läßt, zum Vater, wie er dirigiert, und wieder zurück, das erzeugt das Gefühl einer Ohnmacht als Zuschauer.
Überhaupt ist der Vater-Sohn Konflikt ein tragendes Element dieses Films, der deutlich zeigt, welche seelischen Konflikte alle Beteiligten bei häuslicher Gewalt austragen. Wenn der gewalttätige Mann, nachdem er seine Frau verprügelt hat, ins Bad rennt, weil er sich übergeben muss, zeigt dies die innere Zerrisssenheit dieses Mannes. Dass er ihr mal so ein Auto schenkt, dass er eine teure Perlenkettte bestellt, zeigt seinen inneren Konflikt auf.
Die Gespräche mit dem Gewaltberater, der ihm offen sagt, dass er einer seiner besten Kunden ist, weil das, was er vorgelegt hat, für 5 Jahre Knast ausreicht, sind einer der Höhepunkte eines Filmes, der nichts beschönigt und trotzdem nicht pure Gewaltdarstellung braucht, um dieses Thema darzustellen. Er baut seine Spannung aus den Charakteren auf, ihrer unterschiedlichen Sichtweise auf die häusliche Situation. Daraus entstehen unterschiedliche Strategien eines ganz individuellen Umgangs mit ihr .
Dietmar Bär gelingt es, einen Mann zu zeigen, der gefangen in sich und seinem Verhalten ist und einen Ausweg sucht. Er findet ihn nicht und verliert am Ende seine Familie. Sein Sohn wendet sich ab und wird gegen ihn, den Gewalttäter, selber gewalttätig, in dem er in immer wieder ins Gesicht schlägt und ihn anbrüllt, dass er ihn nicht braucht.
Das Ende bleibt offen, der Mann geht, er steigt in sein Auto, die Frau, Sohn und Tochter sehen ihm hinterher. Der Mann wollte einen Neuanfang, seine Frau auch, nur es war schon zuviel kaputt geschlagen.
Ein gelungener Film, der die ganze Komplexität des Themas Gewalt in der Familie deutlich aufzeigt. Keine Schwarz-Weiss Malerei, der Mann ist der Schläger und fertig. Wie die Frau, eine "Chaotin auf zwei Beinen" sich quält, um es ihrem Mann recht zu machen, ist ein Beispiel dafür, wie komplex und unterschiedlich häusliche Gewalt wirkt. Wie der Mann ernsthaft bemüht ist, sein Verhalten zu verstehen, zu ändern ud am Ende doch bei seinem Versuch, alles wieder einzurenken, scheitern muss, ist ein wunderbares Ende dieses Films, der den Zuschauer nachdenklich zurück läßt.