So wie Schriftsteller in ihren Büchern immer ein Stück von sich mit offenlegen, gilt dies auch für Filmemacher. Wer Lars von Triers "Antichrist" gesehen hat, der verließ vielleicht nach dem Film das Kino verstört und brauchte eine Weile, ehe er sich wieder gesammelt hat. Ein nicht nur düsterer Film, das sind ja fast alle seine Filme, nein, ein bis an die Grenzen des Aushaltbaren gehender Film, der tief in die Abgründe menschlicher Psyche führt. Nun sagt der dänische Regisseur selber, das er eigene Depressionen und Phobien in seinen Filmen verarbeitet.
Nun ist der Däne auf dem Internationen Filmfestival in Cannes zur Persona non grata erklärt worden. Er hatte auf einer Pressekonferenz erklärt, dass er Sympathien für Hitler und Speer hege und ein Nazi sei. Zwar dementierte er dies später und entschuldigte sich damit, dass er von Journalisten provoziert worden sei, nur der Ausschluß vom Festival blieb. Sein neuer Film "Melancholia" wurde aber nicht aus dem Rennen um einen der begehrten Preise genommen.
Hat Lars von Trier nur seinen Ruf als Skandalregisseur gepflegt? Wenn er wieder einen Film wie "Antichrist" mit nach Cannes gebracht hätte, wäre dies so. Er hat aber eine persönliche Sympathie offenbart. Bisher haben skandinavische Rechtspopulisten von Dänemark bis Finnland einen direkten Bezug auf den schlimmsten Massenmörder der Geschichte immer vermieden, sicherlich auch aus wahltaktischen Gründen. Von Trier muss darauf keine Rücksicht nehmen, er ist Künstler und kein Politiker.
Hat der Däne damit seine politische Gesinnung offenbart? Ist er ein Anhänger der dänischen Volkspartei und ihrer Vorsitzenden Pia Kjaersgard, welche gerade eine Minderheitsregierung stützt? Immerhin finden im November 2011 die nächsten Parlamentswahlen in unserem Nachbarland statt. Der Regisseur als Wahlhelfer und Cannes als die Bühne dafür, die Dänische Volkspartei würde es freuen.
Auch wer die Filme des umstrittenen Regisseurs mag, mit diesen Äußerungen hat er sich selber in ein Abseits manövriert, aus dem er nur schwer wieder herauskommen wird.
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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