Es war nur eine kleine Notiz in meiner Lokalausgabe des Berliner Abendblattes. Eingeladen wurde zur Lyrik am Donnerstag. Wer heute zu einem reinen Lyrikabend einlädt, beweist Mut. Als diese Lesung auch noch im Berliner Wochenblatt und in den Lichtenberger Rathausnachrichten angekündigt wurde, war meine Neugier endgültig geweckt.
So saß ich gestern Abend in einem kleineren Raum der Kiezspinne FAS e.V., mitten im Wohngebiet Frankfurter Allee Süd. Die Lyrikerin Marianne Rauch präsentierte mit ihrer warmen Stimme Texte voller Hintersinn und Humor. Ihre Werke verbinden die Leichtigkeit des Wortes mit einer manchmal überraschenden Tiefe der Aussagen. Nachdenklichkeit bewirkt sie bei ihren Zuhörern, wenn sie die Schönheit des Alltäglichen beschreibt, eine Schönheit, die wir oft gar nicht mehr wahrnehmen. Eine tiefe Menschlichkeit strömt aus ihren Versen und mit einer unnachahmlichen Leichtigkeit werden Fragen gestellt, die die Lyrikerin wahrscheinlich selber nicht beantworten kann. Augenzwinkernd nimmt sie die kleinen menschlichen Schwächen aufs Korn. Ihre natürlich Art und die kurzen, pointierten Texte zwischen den Gedichten lassen von Beginn an keine Distanz aufkommen. Hier sitzt eine Künstlerm inmitten ihres Publikums und spricht dessen Sprache, wird von ihm sofort angenommen.
Lyrik am Donnerstag mit Frau Rauch soll weitergeführt werden. Ein ambitioniertes Projekt für die Kiezspinne e.V., das einen langen Atem brauchen wird. Doch es lohnt sich, die nächste Lesung im September schon einmal vor zu merken. Und es bleibt zu hoffen, dass dieses Projekt bald die notwendige Aufmerksamkeit erhält, die es verdient.
Wer mehr wissen möchte, unter Kiezspinne.de gibt es alle Informationen zu Lesungen und anderen Projekten dieses Vereins.
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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