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Hardcover, gebunden

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Immobilien im Internet ansehen, eine Vorauswahl treffen, das Angebot sondieren und dabei einen Kaffee trinken, all das ist heute möglich. Nur ist es auch eine wirklichkeitsgetreue Abbildung der Realität, was uns die Makler hier in den Weiten des World Wide Web präsentieren?

Ein besonderes Dachgeschoss, eine Einbauküche, ein modernes Bad und ein Gemeinschaftsgarten wurde angeboten, und das alles in einem Mehrfamilienhaus in ruhiger grüner Lage. Die Fotos zu dem ausführlichen Expose zeigten neue Fenster und einen großen Raum mit viel Platz. Und es sollte eine Wohnung mit gehobener Ausstattung sein. Unser Interesse war wieder einmal geweckt und so machten wir uns gestern Abend auf zu einem kleinen Spaziergang. Dieses Angebot hatte konkrete Bilder und Vorstellungen bei uns erzeugt, es klang alles so schön.

Nun ist die deutsche Sprache in der Beschreibung von Zuständen sehr dehnbar, wie wir alle wissen. Die ruhige und grüne Umgebung entsprach der Realität, nur das Mehrfamilienhaus erwies sich als normales, mehrgeschossiges Wohnhaus. Die Dachgeschosswohnung war zwar interessant geschnitten, aber für zwei Bewohner sehr unpraktisch. Die Einbauküche war eine Küchenzeile ohne Tür zu den anderen Räumen, alles ging fließend ineinander über. Dass die Drehknöpfe des Herdes auf den Fotos weg retuschiert wurden, passte in das Bild, welches uns hier vermittelt wurde. Die Elektrogeräte waren alt und schmutzig, die Dachterrasse war klein und die Wohnung machte keinen einladenden Eindruck. Im modernen Bad war eine Fliese abgebrochen, es wirkte alles schmuddlig. Die neuen Fenster waren aus Holz und nur überstrichen. Dass der Zahn der Zeit an ihnen schon lange nagt, war trotzdem nicht zu übersehen.

Gehobene Ausstattung? Es erschien nicht nur uns, auch den anderen Interessenten als sehr unpassend bezeichnet. Das zweite Zimmer war eine Galerie im Spitzboden und über eine Treppe offen zum Wohnzimmer. Diese Galerie war so klein, dass sie selbst als Schlafzimmer für zwei Personen ungeeignet war. Dies als Zimmer zu bezeichnen erschien uns schon sehr gewagt.

Und das Wohnzimmer? Es war mit einem Weitwinkelobjektiv aufgenommen, die Fotos zeigten die realen Größenverhältnisse nicht an. Auch hier wurden im Internet falsche Tatsachen vorgespielt. So fühlten wir uns als Interessenten nicht ernst genommen.

Als Fazit bleibt, dass wir jetzt das zweite Mal innerhalb weniger Tage erlebt haben, wie kreativ Makler ihre Wohnungen anpreisen. Als wir die Maklerin darauf hinwiesen, dass diese Wohnung keine gehobene Ausstattung hat und damit falsche Erwartungen geweckt werden, hörten wir eine leichte Selbstkritik. Dass dieses Angebot verändert wird und Interessenten damit zukünftig wissen, was sie erwartet, das sagte sie allerdings nicht. Und außerdem, so erfuhren wir, kommen die Angaben über die Wohnung immer vom Vermieter und werden vom Makler so übernommen. Ein Makler weist seinen Auftraggeber, den Vermieter, also nicht darauf hin, dass er hier falsche Erwartungen weckt und er keine Wohnung mit einer gehobenen Ausstattung anbietet. Bisher dachten wir, dass der Makler auch eine beratende Funktion hat und das Angebot nicht phantasievoll ausschmückt. So haben wir wieder etwas dazu gelernt.

Als Fazit bleibt auch, dass Wohnungssuchende immer damit rechnen müssen, dass Exposes und Fotos geschönt sind und sie bei der Besichtigung feststellen müssen, dass die angebliche Traumwohnung so gar nicht existiert. Was wir uns nur fragen, ruiniert eine solche Ignoranz gegenüber den Interessenten nicht den Ruf des Maklers? Wer bitte kann einem Makler noch vertrauen, der so offensichtlich ein Expose schönt?

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.