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Frieden – Wie geht das?

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Klaus von Dohnanyi, Erich Vad

Hardcover, gebunden

160 Seiten

22 €

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Meine Frau weint

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Angela Schanelec

Drama

Deutschland, Frankreich 2026

93 Minuten
ab dem 11. Juni im Kino!

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Kultur : Rendezvou mit Alexandra im Schlossparktheater in Berlin

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Kennen Sie Doris Nevedov? Nein? Aber der Name Alexandra sagt Ihnen vielleicht etwas? Die Sängerin mit der unnachahmlich tiefen Stimme und dem sehnsuchtsvollen Blick in den Augen starb 1969 unter bis heute ungeklärten Umständen.

Das Schloßpark - Theater in Berlin-Steglitz brachte das Leben der Sängerin auf die Bühne und meine Lebensgefährin und ich haben eine der letzten Gelegenheiten genutzt, es zu sehen. Auf dem Rückweg haben wir uns lange darüber unterhalten.

Positiv fiel uns auf, dass gar nicht erst versuchte wurde, Alexandra zu kopieren. Die Hauptdarstellerin Jasmin Wagner, früher als Blümchen bekannt, trug nicht das markante Tuch, das ein Markenzeichen der Sängerin war. Nein, sie trug ihr normale Frisur. Und, sie interpretierte die Hits Alexandras mit ihrer hellen Stimme und gab ihnen damit eine ganz eigene Note. So ein Stück über eine Legende steht und fällt ja mit der Darstellerin und Jasmin Wagner sang und spielte sich von Anfang an in die Herzen der Zuschauer.

Vor einem passenden, sparsamen Bühnenbild wurde das Leben einer jungen Frau aufgeführt, die unbedingt Karriere machen wollte. Doch war sie auch selbstbewusst genug, sich nicht in ein Klischee pressen zu lassen. Die deutsche Joan Baez wollte sie sein, schwärmte von Kennedy, mit dem eine neue Zeit angebrochen sei. Und doch ließ sie sich ihrer Karriere willen vereinnahmen. Die kindliche Naivität einer zu schnell erwachsen werdenden Frau wird deutlich, doch ohne trivial zu wirken. Das Faible für ältere Männer, bei denen die sensible Künstlerin den Halt sucht, den sie braucht und doch nie findet, verkörpert Wagner gekonnt.Und sie singt, "Zigeunerjunge" und herzzereissend "Mein Freund, der Baum", in dem all ihre unerfüllte Sehnsucht deutlich wird.

Sie versucht selbstbestimmtes Objekt zu sein und bleibt doch ein Spielball ihres arroganten Managers, der sie quer durch Europa hetzt und gnadenlos vermarktet.So in Sopot 1968, wo sie auf das Drängen des Managers hin ihren Auftritt abbricht, weil die Truppen des Warschauer Vertrages in Prag einmarschiert sind. " Und was hat das damit zu tun, wenn ich hier meinen Song ` Illusionen`singe", fragt sie mit ihrer kindlichen Naivität, weil sie den PR Coup nicht durchschauen kann.

Die abgesagte Hochzeit mit ihrer letzten großen Liebe lässt sie zusammenbrechen. Sie bleibt Zeit ihres Lebens die Künstlerin mit hohen Ansprüchen, sie will aufrütteln, den Menschen etwas zurück geben und merkt nicht, wie sie immer nur ausgenutzt wird.

Als ihre letzte Liebe zerbrochen war, trifft sie diesen Mann nach einem Auftritt in Paris noch ein mal, voller Verachtung für den angeblichen Heiratsschwindler, der in Wirklichkeit ein CIA Agent war. Das russische Sprichwort, was er ihr als Warnung sagt, versteht sie nicht. "Wenn der Jäger auf den Hirsch anlegt, trifft er manchmal den Hasen", sie wendet sich bei den letzten Worten bereits verbittert ab. Es war das letzte, was ihr Liebhaber für sie tun konnte.

Beeindruckend war die Schlussszene, in der Alexandra still und in sich gekehrt an der Seite der Bühne sitzt und alle anderen Darsteller aus der Sicht verschiedener Personen über ihren Tod sprechen. Die Polizisten verlesen einen , immer wieder von anderen unterbrochenen, detaillierten Polizeibericht. Der Fotograf, der sie in den letztenJahren immer wieder porträtiert hat, erzählt, dass sein Telefon in dieser Nacht nicht stillstand, weil alle Zeitungen Bilder von ihr kaufen wollten. Ihre Mutter, die bei dem Unfall ebenfalls starb, berichtet davon, dass sie wenige Tage vorher eine hohe Lebensversicherung abschloss und das Internat für ihren Sohn für zwei Jahre im Vorraus bezahlte. Ihr Manager spricht davon, dass in der Nacht nach ihrem Tod in ihre Münchner Wohnung eingebrochen und diese durchwühlt wurde. Und der letzte Liebhaber offenbart sich als CIA Agentenführer, dessen Feind der KGB war. Schließlich war es die Hochzeit des Kalten Krieges.

Und dann fängt Alexandra an zu singen. Total still ist es, auf der Bühne und im Zuschauerraum, alle lauschen atemlos. "Fliegen" heisst der Song, der unter die Haut geht. Er bildet das furiose Ende einer Aufführung, die rundum gelungen war. Tosender, lang anhaltender Applaus belohnt das Ensemble und besonders die Hauptdarstellerin Jasmin Wagner, die diese schwierige Rolle bravourös gemeistert hat.

Wir verlassen das Theater in einer gelöst-nachdenklichen Stimmung. Es war einer dieser Abende, die unvergessen bleiben werden und doch Fragen offen lassen. Fragen, die nicht mehr beantwortet werden können.

Was bleibt ist eine Künstlerin, die uns Songs von einer unvergleichbaren Schönheit hinterlassen hat. Auf Youtube finden wir zu Hause einige wenige, mit ihnen lassen wir das Rendezvou mit Alexandra endgültig ausklingen.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.