rolf netzmann

der weg nur ist das ziel

11.10.2010 | 12:36

Seehofer, rechte Parolen und Originale

Horst Seehofer fordert einen Zuwanderungsstopp für Türken und Araber, und dies ganz offen. Er erntet dafür Widerspruch, von Grünen, SPD und Linken sowieso, aber auch von der Bundesregierung in der Person deren Integrationsbeauftragter, der CDU Frau Maria Böhmer. Das geht nicht, das entspricht keiner political correctness, das ist nicht unsere politische Linie, so heisst es allerorten.

In den Niederlanden hat sich die neue Regierung mit dem sogenannten Rechtspopulisten Wilders verbündet, um eine tragfähige parlamentarische Mehrheit zu erreichen. In Schweden haben die rechten Schwedendemokraten bereits mit der Minderheitsregierung des Premiers Reinfeldt gestimmt, um seine ersten Gesetze durch das Parlament zu bringen. Seehofers Vor-Vorgänger Stoiber hatte mehr als ein Treffen mit dem Kärnter Ministerpräsidenten Jörg Haider, der heute auch als Rechtspopulist bezeichnet würde. Und in Italien sind die Lega Nord und Finis Postfaschisten in der Regierung vertreten und der politische Tabubruch des Premiers Berlusconi wird auch ausserhalb des Landes akzeptiert.

Ist es also nur die Tatsache, dass es ein  CSU Ministerpräsident ist, der offen ausspricht, was in Teilen der europäischen Bevölkerung bereits seit mehreren Jahren mehrheitsfähig ist? Ist es nur eine Frage der political corecctnes? Seehofer ist bekannt dafür, dass er provoziert, auch polarisiert.

Nüchtern betrachtet, hat der bayerische Regierungschef nur offen geäussert, was auch in der deutschen Bevölkerung in immer breiteren Teilen mehrheitsfähig wird. Geschürt von der Politik, von bestimmteen Medien, wachsen Ressentiments gegen Ausländer. Die Unzufriedenheit mit der eigenen Lebenssituation, Zukunftsängste, die inzwischen weit in die sogennnte Mittelschicht reichen, die Angst vor dem Verlust des eigenen sozialen Status, des Abgleitens in Hartz IV, all dies fördert diese Ressentiments, ein Prozess, der europaweit zu beobachten ist. Die Krise ist nicht, wie in den 70 und 80 Jahren, ein temporärer Zustand, der wieder verschwindet, sie ist im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts für immer mehr Bürger zu einer Dauerlebensform geworden. Wer hier Lösungen anbietet, die schlüssig klingen, auch wenn sie bei genauerer Analyse keines der gesellschaftlichen Probleme lösen werden, der findet seine Anhänger. Mit den Ängsten um den Verlust der nationalen kulturellen Identität , mit den Schuldzuweisungen an " die Ausländer" lässt sich auf dieser Klaviatur trefflich spielen.

Wer, wie die europäischen Regierungen, Milliarden für die Banken bereitstellt, aber, wie die Regierung Merkel, 5 Euro mehr monatlich für HartzIV Empfänger als Erfolg verkaufen möchte, der wirkt diesem Trend nicht entgegen, nein, er verstärkt ihn nur noch. Es ist eben auch die Entfremdung zwischen der Politik, den etablierten Parteien, und der Bevölkerung, die es rechten Rattenfängern ermöglicht, mit ihren Parolen (Wahl-) erfolg zu haben. So lange "die da oben " machen was sie wollen, werden rechtspopulistische Parteien eine Normalität in den Parteiensystemen der europäischen Länder bleiben.Das Beispiel Niederlande zeigt, dass Wilders längst ein "Etablierter " geworden ist.

Da nutzt es auch nicht, wenn ein Seehofer als jahrzehntelanger Teil des politischen Establishments mit rechten Parolen seine Anhänger mobilisieren möchte. Diejenigen, die keine eingefleischten Christsozialen sind, werden dann doch lieber das Original wählen, als die CSU Kopie Seehofer.

Nur, dass der stramme Horst mit seinen Äusserungen und  seinem politischen Gewicht diese  Aussagen weiter mehrheitsfähig macht, das hat er scheinbar immer noch nicht begriffen.

 
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Kommentare
Alien59 schrieb am 11.10.2010 um 12:53
Tatsache ist, dass Seehofer hier eigentlich etwas sagt, was so falsch ist. Wie ich schon in meinem Blog zum Thema schrieb, besteht ja ein Zuwanderungsverbot für "Türken und Araber" seit dem Anwerbeverbot 1973. Eine weite Mehrheit der Gesellschaft will dies auf Fälle ausweiten, wo andere Rechtsgüter die Zuwanderung gebieten - und dem redet Seehofer jetzt in nahezu verfassungswidriger Weise das Wort. Kein Wunder, dass da selbst Frau Böhmer aus ihrem gewohnten Phlegma aufwachte....
rolf netzmann schrieb am 11.10.2010 um 13:07
alien59 , ich stimme dir zu, auch was die verfassungswiedrigkeit betrifft. worauf ich aufmerksam machen wollte, ist, dass wir seit jahren europaweit eine Zunahmen rechten Gedankengutes haben, das immer mehrheitsfähiger wird, und dass die Tabugrenze immer weiter fällt, die jetzige Entwicklung in den Niederlanden und Schweden, der Aufstieg des Jörg Haider einige Jahre vorher illustrieren dies sehr deutlich. Fakt ist, das rechtes, ausländerfeindliches Gedankengut als normal angenommen wird, was in den politischen Strukturen und der Akzeptanz von Parteien, die dies offen fordern, zum Ausdruck kommt, und dies europweit. Dass etablierte Parteien auf diesen Zug mit aufspringen, wie jetzt Seehofer, verwundert nicht , es ist eine Reaktion des Machterhaltes, nichts weiter.
Und dass dem srammen Horst nichts passieren wird, ausser einigen erhobenen Zeigefingern, dies ist der eigentliche Skandal. Nur zeigt das eben auch, wie weit die herrschenden politische Klasse bereits in ihren Wertevorstellungen diese Gedanken selber verinnerlicht hat.
Alien59 schrieb am 11.10.2010 um 13:12
Völlig richtig. Nur ist leider das Wissen um Details des Ausländerrechts so wenig verbreitet, dass zu vielen diese Lüge über Einreisemöglichkeiten nicht auffällt - daher sehe ich mich dann immer wieder veranlasst, auf den bestehenden Rechtszustand hinzuweisen.
rolf netzmann schrieb am 11.10.2010 um 13:20
was ja auch richtig und dringend notwendig ist, weil nur aufgeklärte Menschen in der Lage sind, Realitäten sachlich einschätzen zu können und damit den rechten Parolen nicht auf den Leim gehen können :)

lg rolf
Ehemaliger Nutzer schrieb am 11.10.2010 um 13:31
Das Anwerbeverbot besteht, ja, aber es gibt eben das Schengen-Visa und m.E. kommt der Wind aus Brüssel. Der Sarrazin und seine politischen Freunde sind nur kleine Nörgler. Die etablierten Parteien in Brüssel sehen sich zunehmendem Druck durch die populistischen Forderungen der englischen, ungarischen französischen holländischen usw Erzkonservativen ausgesetzt und wissen das die Bevölkerungen durch Stimmungsmache von dummen Massenmedien sie sonst nicht wieder wählen.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 11.10.2010 um 13:20
Gut auf den Punkt gebracht. Ich wollte eigentlich einen Beitrag schreiben in dem eben der Blick ins benachbarte Europa auch beschrieben ist. Das hast Du nun schon getan. Ich ergänze es noch etwas:

Seehofer muss weiterreichende Gewissheiten zur Umsetzbarkeit seiner Aussagen haben, sonst würde er sich nicht bei einem drittklassigen Magazin ausplaudern. Außerdem ist Seehofers Vorstoß nicht neu und gehört wohl eher zum momentan populären Chor.

Es begann unter EU Kommissar Frattini als die FRONTEX mit einer Machtfülle mit allen Schikanen wie "entry-exit tracking system" usw ausgestattet wurde. Seehofer weiss ganz genau das das EUROSUR, European Border Surveillance System, nun voll in Funktion, weil vier ehemals verschiedene europäische Daten-Erfassungssysteme kompatibel sind und in einer "pan-europäischen Datenbank", auf die Behörden ohne grosse Anstrengung zugreifen können voll arbeitet. Angesichts dieser Big-Brother Zustände kann Seehofer gern im unwichtigen Focus über Begrenzung von Asyl und Imigration reden, die ist de fakto längst Realität.

Franettis Nachfolgerin, Frau Redding, hat das erkannt und war so naiv wegen der Roma Deportationen zu lamentieren wie es jetzt die SPD-Grünen-etc tun. Damit ging sie zwar gegen den Trend ist aber mittlerweile ruhig ohne durch ein grosses Konzert ausgepfiffen worden zu sein. Es ist eben nicht schlau sofort und bei jeder Gelegenheit loszuplappern...

Ich gehe aber sogar so weit zu vermuten das diese Frontex, bzw. der "Datenspider", der eigentlich zum Schutz europäischer Grenzen geschaffen wurde, nun auch für "Angelegenheiten" innerhalb Europa zu unserer aller allseits zitierten Sicherheit zum Einsatz kommen wird. Ihr kennt das in Deutschland unter dem Begriff Rasterfahndung.
rolf netzmann schrieb am 11.10.2010 um 13:22
danke für diese Ergänzungen, so kommt immer mehr an sachlichen Informationen zusammen, wenn wir es twittern würden, könnten wir noch mehr Menschen erreichen :)
Ehemaliger Nutzer schrieb am 11.10.2010 um 13:44
Danke, Rolf, aber ich schreib hier nur um nicht zu verlernen mich auf Deutsch auszudrücken, da ist Twitter etwas zu knapp.

www.frontex.europa.eu/ (FRONTEX)

tinyurl.com/279drhu (EUROSUR)

Es ist schon manchmal ärgerlich gewissen Politleute zuzuhören, wenn die so tun als würden sie vollkommen allein diejenigen sein, die über die nationale Politik entscheiden.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 11.10.2010 um 13:44
Danke, Rolf, aber ich schreib hier nur um nicht zu verlernen mich auf Deutsch auszudrücken, da ist Twitter etwas zu knapp.

www.frontex.europa.eu/ (FRONTEX)

tinyurl.com/279drhu (EUROSUR)

Es ist schon manchmal ärgerlich gewissen Politleute zuzuhören, wenn die so tun als würden sie vollkommen allein diejenigen sein, die über die nationale Politik entscheiden.
Alien59 schrieb am 11.10.2010 um 13:36
Und dann kommen solche reizenden Überlegungen:
www.welt.de/debatte/kommentare/article10194923/Trennung-ist-ebenso-wichtig-wie-gute-Integration.html

Irgendwer hat da fahrlässig mit Feuer hantiert. Das Stroh brennt - hoffentlich erreicht es nicht das Dach.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 11.10.2010 um 13:47
Haha, "Trennung ist ebenso wichtig wie gute Integration", haben die Weltfuzzis das bei Konfuzius abgekupfert??
Alien59 schrieb am 11.10.2010 um 13:52
Das ist mir relativ gleichgültig.
Wichtiger ist mir die Richtung - Seehofer fordert Zuwanderungsstop, nun sollen die Überlegungen, wie möglichst viele ausgewiesen werden können, folgen.
Das Bild zum Artikel zeigt genau, wer gemeint ist.
rolf netzmann schrieb am 11.10.2010 um 13:53
"Die etablierten Parteien in Brüssel sehen sich zunehmendem Druck durch die populistischen Forderungen der englischen, ungarischen französischen holländischen usw Erzkonservativen ausgesetzt und wissen das die Bevölkerungen durch Stimmungsmache von dummen Massenmedien sie sonst nicht wieder wählen."

Sehr gut formuliert, die sogenannten etablierten Parteien werden getrieben von bestimmten Massenmedien, ebenfalls sich etablierenden Parteien am rechten Rand und der durch diese gesteuerten " Volkes Meinung". Das führt zu einer Verschiebung des Parteiengefüges, in allen europäischen Ländern zu beobachten, hin zu einer stillschweigenden Duldung ausländerfeindlicher Ansichten bis weit in die Mitte der Gesellschaft hinein. So ist eben auch zu erklären, das in den lange Jahre sehr toleranten Niederlanden ein Wilders eine Regierung tolerieren darf. Das wird allerdings diese Entwicklung und die Akzeptanz ausländerfeindlicher Ansichten weiter fördern , weil es damit politisch institutionalisiert wird. Ein hoch aktuelles Beispiel dafür ist das Ergebnis der Landtagswahl in Wien, wo die FPÖ, ohne Haider und obwohl bundesweit heillos zerstritten, ihren Stimmenanteil weiter erhöhen konnte, weil Ihre Ansichten eben von vielen Österreichern angenommen werden.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 11.10.2010 um 14:23
Nach der 2007 Wahl in Frankreich hatte mir ein guter Bekannter gesagt: "nun geht's los. Erst machen wir den Magrebanis das Leben schwer, dann werfen wir sie raus, dann kommen die anderen aus den "neuen" EU Ländern und dann die anderen Ausländer..." Er fährt jeden Morgen selbst ins Ausland, nach Monaco, wo er als Rechtsanwalt arbeitet...
Diese "Grenzbegradigungen", die durch den Schengen Vertrag entstanden sind, werden weit außerhalb der jeweiligen National-Politik gestaltet. Nun spriessen diese Ausgeburten solcher Parteien überall und entspringen einem Pan-Europäischem Konzept das sich auf die Forderungen von europäischen Multis stützt, die sich mittels ihrer Lobbyarbeit in Brüssel ein schön weiches Kissen schaffen wollen falls sie international auf die Nase fallen. Beispiel Griechenland!
Ehemaliger Nutzer schrieb am 13.10.2010 um 14:53
CDU-Basis an Merkel: "Wir müssen reden."

Der Satz auf dem Schild an einem der CDU-Stände in der Rhein-Main-Halle in Wiesbaden hätte auch Motto des Abends sein können: „Wir müssen reden.“ Zwar ist damit ein Wettbewerb der Partei um Zukunftsideen für Deutschland gemeint. Doch die drei Worte, die vor Beziehungsgesprächen von Paaren meist am Ende eines langen Entfremdungsprozesses stehen, treffen ziemlich genau die Stimmung im großen Saal der Mehrzweckhalle. Fast 2000 CDU-Mitglieder aus Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland sind hierher gekommen, um Angela Merkels politischer Kursbestimmung zu lauschen.

Aber viele haben sich auch vorgenommen, mit der CDU-Bundesvorsitzenden und Kanzlerin über all die Vorhaben und den Streit zu reden, der viele in der Partei seit Monaten verunsichert. „Wir erwarten, dass wir von ihr ein Signal bekommen, wohin die Reise geht. Und wir erwarten Führung von ihr“, erzählt Oliver von Massow. Der CDU-Stadtverordnete aus Bad Nauheim ist zusammen mit anderen jungen Parteifreunden aus der hessischen Region Wetterau zu der ersten von sieben Regionalkonferenzen vor dem Bundesparteitag im November gekommen. Auch um von der Parteichefin argumentative Unterstützung für die Kommunalwahl im Frühjahr zu bekommen, der viele angesichts der miserablen Umfragewerte bang entgegensehen.

www.faz.net/s/Rub594835B672714A1DB1A121534F010EE1/Doc~E30595356BA7C4CE4AFDF65682627B68F~ATpl~Ecommon~Scontent.html
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