In der aktuellen Ausgabe des FREITAG beschäftigen sich viele Artikel mit der Frage des Wachstums. Wachstum in der Beziehung zu einer sinnentleerten Konsumtion oder zu einer sich in unterschiedliche Richtungen entwickelnden Weltwirtschaft . Was heißt dies aber für die individuelle Lebensführung?
Die zahlenmäßig größte Gruppe der Bevölkerung, die von einem sich immer mehr als Konsumtion definierenden Wachstum abgekoppelt ist, ist dies nicht freiwillig. Viele Empfänger von Hartz IV sind wider Willen die Probanden einer anderen Lebensführung.
Noch intensiver sind es aber diejenigen, die sich freiwillig unserer dominierenden Lebensweiseverweigern, welche ihren Sinn zunehmend durch die Konsumtion von Gebrauchsgütern und Dienstleistungen definiert.Egal obAsketenoder Vegetarier, diese Menschen wollen anders leben. So hat Wachstumauch mit dem Bewusstsein zutun, dass die Ressourcen dieses Planeten nicht endlos sind. Wachstum wird hier in eine Beziehung zu der Bewusstheit der Endlichkeit des Seins gesetzt. Zur Zeit schöpfen wir die Ressourcen dieses Planeten ab, als ob diese sofort nachwachsen würden.
Wer seine persönliche Lebensführungändert, ist sich dieser Endlichkeit bewusst . Nachhaltiges Wachstum bedeutet,diesen Zusammenhang zwischen der menschlichen Lebensweise und der Endlichkeit der Ausbeutung unserer Natur anzunehmen und das eigene Verhalten danach auszurichten. Wer aus Lebensmitteln, deren Ablaufdatum naht, noch etwas Kreatives zaubert, anstatt sie weg zu werfen, belohnt sich selber und die Umwelt. Wer Abendsein Buch gegen den Fernseher eintauscht, fördertseinen Geist. Wachstum ist somit auch eine Frage der Individualität und der kreativen Lebensführung. Wachstum ist nicht nur wirtschaftlich und als ökonomische Kennziffern zu definieren,sondern zuallererstals ein Leben im Einklang mit der Natur. Wachstum neu zu definieren bedeutet, die Menschen als integralen Bestandteil der Natur anzunehmen.
Wachstum bedeutet also auch das schrittweise Ersetzen einer Lebensweise, in derdie Konsumtion von immer mehr und immer neueren Gütern eine wesentliche Triebfeder darstellt,durch eine Kultur des Lebens, die aus derbewussten Annahme unserer Natur und der gemeinsamen Endlichkeit des Seins erwächst.