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Zugegeben, Klaus Emil Heinrich Zapf ist nur noch ehemaliger Eigentümer der Firma Zapf Umzüge und insofern scheint der Titel nicht ganz zeitgemäß. Aber der Schein trügt bekanntlich öfter. Was ich vor wenigen Stunden beim Podiumstalk „Thierse trifft“ (Kulturbrauerei) mit eben jenem Zapf feststellen konnte. Rauschebart, Klamotten, welche selbst Hartz IV-Empfänger nicht in jedem Fall tragen würden – kurz, eine Erscheinung, die nur schwer auf einen leibhaftigen Millionär schließen lässt. Auch ohne biografischen Einstieg, mit dem Thierse den Abend beginnt, ist allerdings den Händen von Zapf anzusehen, dass hier ein Mann sitzt, dem die harte körperliche Arbeit – verbunden mit manch „glücklichem Umstand“ (den Zapf beiläufig einstreut) – zum Aufstieg verholfen hat.
Seine religiöse Erziehung, so Zapf, habe zumindest mit beigetragen, den Schwachen gegen die Starken beizustehen. Und für ihn sei ohnehin wichtig, für sich entscheiden zu können, was er falsch und was er richtig gemacht habe.
Zapf ist seit 1971 in Berlin; Folge eines Gestellungsbefehls, der ihn in Nordbaden ereilte. So ist der Abend gespickt mit Anekdötchen aus Jahrzehnten und vielen Personen, mit denen auch Thierse manchmal Mühe hat, sie einzuordnen. Für das Publikum, vornehmlich das „reifere“ Alter, sichtlich ein Vergnügen. Für die Ostdeutschen unter ihnen auch bemerkenswert, wenn der einstige Unternehmer bekennt, dass die „Wende“ für ihn der Verlust der letzten sozialistischen Illusion gewesen sei.
Doch Thierse interessiert auch die Gegenwart. Auf seine Person bezogen bekennt Klaus Zapf, dass er nicht vom Geld abhängig sei; gleichwohl bedürfe er es, um unabhängig zu sein. Dies vor allem deshalb, weil er seit Jahren Großunternehmen, die sich zum Schaden von Arbeitnehmern und Kleinanlegern bereichern, mit Prozessen überzieht. Ein moderner „Robin Hood“. Der auch nicht ausweicht, als ihn sein Gastgeber nach Finanztransaktionssteuer und Sondersteuer für Reiche befragt. Ein klares Ja für die Transaktionssteuer, welche für die Großunternehmen – er macht es am Beispiel Deutsche Bank fest – nur ein kleiner Tropfen sei. Und er befürwortet auch eine Sondersteuer für Reiche einschließlich der Besteuerung aller im Ausland tätigen Deutschen. Für ihn glatte Erpressung, wenn Unternehmen immer mit dem Wegzug ihres Kapitals in andere Länder drohten.
Dass der Abend mit reichlichem Beifall endete, ist sicher den ehrlichen Antworten Klaus Zapfs anzurechnen. Der aber auch dem Frager Thierse genügend Raum gab, um Lebensgeschichte vorzutragen.
Kurz, ein Abend, der für mich anregend war. Und ich wurde wieder mal belehrt, nichts auf den Schein zu geben.
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Ein informativer Beitrag, vielen Dank!
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Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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