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B) Es muss eine neuer Wirtschaftskurs eingeschlagen werden. Eine Wirtschaftspolitik, gestützt durch eine moderne Theorie, muss ökologischen und vor allem humanistischen Ansprüchen genügen. Letzteres zielt auf die Schaffung von Arbeitsmöglichkeiten für alle arbeitswilligen Bürger unserer Gesellschaft; ich gehe davon aus, dass bestimmte Kreise auch arbeitsunwillig sind. Vor allem aber ist das Zinsdiktat der Banken zu reglementieren; dies in zwei Richtungen: a) niedrige Zinssätze müssen an Kreditnehmer weiter gereicht werden und b) die Zinsgier der Bürger darf weder entfesselt noch befriedigt werden – Banken sollen das Geld bewahren und nicht vorrangig vermehren. Damit dieser von mir genannten Zinsgier entgegen gewirkt werden kann, muss natürlich eine Lohn-Preis-Relation herrschen, welche niemand ohne Geldvermehrung in die Armut zwingt.
C) All das Genannte hat jedoch eine entscheidende Voraussetzung – einen Bewusstseinswandel in der Bevölkerung. In der übergroßen Mehrheit der Bevölkerung ist eine ausgeprägte Risikoscheu vor grundlegenden gesellschaftlichen Veränderungen festzustellen. Beginnend bei selbst auferlegten Denkverboten (z.B. sich eine politische Landschaft ohne Parteien vorzustellen) über eine Weigerung, sich im bürgerschaftlichen Handeln zu engagieren („keine Experimente“) bis hin zum gewollten politischen Desinteresse sind gesellschaftliche Veränderungen wie sie gerade die gegenwärtige Krise erfordert, nur schwer durchsetzbar. Wir müssen- hier sei an den immer noch modernen Kant mit seiner Aufforderung, aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit auszubrechen, erinnert – vor allem ein gemeinsames NACHDENKEN über unsere Gesellschaft initiieren. Jede/r sollte sich fragen, ob er tatsächlich als Konsument diese ungezügelte Marktwirtschaft mittragen möchte. Besitz- und Standesdenken sind allerdings tief verwurzelt. Und die moralische Erziahung wird leider auch allzu gern zwischen Elternhaus, Schule und Umwelt hin und her geschoben.
Fazit: Diktatur als zeitweilige politische Herrschaftsform wurde bisher eingesetzt, um Interessen bestimmter Gesellschaftsgruppen durchzusetzen. Diktaturen berufen sich in der Regel auf diese Gruppen, um ihre Herrschaft zu legitimieren. So z.B. geschehen bei der Diktatur des Proletariats; letztlich die Herrschaft einer Parteibürokratie.
Jetzt ist eine schleichende Diktatur der Finanzmärkte auf dem Vormarsch. Unter der Begründung, unsere Wirtschaftsform vor dem Zusammenbruch zu retten, wird der Legislative eine Statistenrolle zugewiesen. Ohne gesellschaftlichen Widerstand besteht die Gefahr des Demokratieverfalls. Dagegen steuern ließe sich mit einer parlamentarisch eingesetzten Expertenherrschaft über diese „Sachzwänge“; die im Notfall diktatorische Vollmachten hätte. Der entscheidende Unterschied – es wäre eine Diktatur für die Mehrheit! „Occupy“ wäre auf dem Vormarsch. Ohne eine selbstbewusste demokratische Öffentlichkeit (die sich nicht an Personen „berauscht“), könnte dies der einzige Weg zur Brechung der Diktatur der Finanzmärkte sein.
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"Letzteres zielt auf die Schaffung von Arbeitsmöglichkeiten für alle arbeitswilligen Bürger unserer Gesellschaft; ich gehe davon aus, dass bestimmte Kreise auch arbeitsunwillig sind."
Das würde jeder Politiker, egal von welcher Partei, sofort unterschreiben. "Dagegen steuern ließe sich mit einer parlamentarisch eingesetzten Expertenherrschaft über diese „Sachzwänge“; die im Notfall diktatorische Vollmachten hätte." Ich fürchte, auch diesen Satz werden wir in nächster Zeit, häufig von der etablierten Politik vorgesetzt bekommen. Dazu passt das Schumpeter-Zitat aus "Diktatur der Finanzmärkte ablösen – mit neuer Diktatur? (I): „Wenn das Monopol weder gesetzlich noch tatsächlich hinsichtlich der Zeit beschränkt ist, . . ., wird das demokratische Prinzip aufgehoben, und wir haben den Fall der Diktatur im heutigen Sinne.“ Dieses Schumpeter-Zitat hat es in sich, da hier die (im schmittschen Sinne) "kommissarische" Diktatur als eine (Not-)Variante der Demokratie präsentiert und positiv von den wahren Diktaturen abgehoben wird. Die politikwisssenschaftliche Totalitarismustheorie nimmt diese Idee, wiederum mit Bezugnahme auf Carl Schmitt, auf, in dem in autoritäre und totalitäre Diktaturen unterschieden wird. Die "kommissarische" Diktatur ist immer sowohl "zeitlich" als auch "funktionell" begrenzt. Ziel ist die Wiederherstellung staatlicher Autorität durch die Bekämpfung des politischen Gegners ("Extremisten") und die Verwirklichung von notwendigen Modernisierungsmaßnahmen. Die "Diktatur des Proletariats" nach Lenin (nicht nach Marx!) kommt diesen Modell sehr nahe. |
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"Die "Diktatur des Proletariats" nach Lenin (nicht nach Marx!) kommt diesen Modell sehr nahe."
Richtig, deshalb hab ich mich nicht auf Lenin bezogen, sondern den "Vater" des Begriffs. Ich halte die "Experten-Diktatur" als kommissarische dann für notwendig, wenn kein Bewusstseinswandel einsetzt. Was ich befürchte. |
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Ich würde weiter gehen, und die Geldschöpfungsmöglichkeiten der (Privat-)Banken abschaffen. Ergo: Kein geliehenes Kapital, ohne dass es vorher von jemanden als Spareinlage der Bank gegeben wurde. Die Idee des Zinses würde ich belassen - als eine "Risikoprämie". Daraus müsste aber folgen, dass keine Bank jemals "gerettet" wird, aber auch keine Spareinlagen vom Staat "gesichert" wären. Generell: Weg vom Dogma des "Wirtschaftswachstums".
Sie haben Recht, notwendig ist auch ein Bewußtseinswandel in jedem Menschen, und somit in der Gesellschaft. Vor allem weg vom Konsumrausch, von Geldgier, vom Workoholismus (somit widerspreche ich Ihnen zum Teil: Nicht Arbeit-für-Alle, eher ein Grundeinkommen/Bürgerversicherung). Denn die "Gier-nach-mehr" und der Materialismus betrifft nicht nur "die Reichen", sondern alle, leider. |
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Es muss aus meiner Sicht die Anstachelung der Geldgier unterbunden werden; wie sie schon wieder angekurbelt wird s. www.stern.de/wirtschaft/geld/tagesgeld-und-festgeld-klamme-banken-locken-mit-hohen-zinsen-1771544.html.
Als Nichtökonom(!) plädiere ich für ein Anlegen des Geldes in genossenschaftliche Projekte mit feststehender (!) Dividende. |
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Aus meiner Sicht ist die Aktion aus dem Stern-Artikel okay: Banken sollen sich Geld von Anlegern/Sparern holen, nicht von der Notenpresse. Und wenn sie dafür viel Zinsen zahlen, dass soll es ihre eigene unternehmerische Entscheidung sein - hoffentlich haben sie genun Kreditnehmer, die noch mehr Zinsen zahlen - und zahlen können. Wenn nicht, sollen die Banken und das Sparvermögen gerne pleite gehen! (Somit sind die versprochenen Zinsen mit Risiko verbunden).
Genossenschaftliche Projekte & fixe Dividende. Da wäre ich gerne dabei - doch als Ökonom frage ich: Wer bestimmt die Dividende, und wer zahlt die, wenn das genossenschaftliche Projekt scheitert/weniger einbringt?? |
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"Wer bestimmt die Dividende, und wer zahlt die, wenn das genossenschaftliche Projekt scheitert/weniger einbringt??"
Die gleiche Frage ließe sich doch auch bei den Banken stellen - wer zahlt, wenn die Bank zusammenkracht? Derzeit der Steuerzahler :-((. |
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Stimmt. Daher würde ich das öffentliche Geld weder den Banken, noch genossenschaftlichen Projekten geben - egal ob als "Investition" oder "Rettung". Sollen beide selber zurecht kommen.
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Offen bleibt, wie sich die Bürger verhalten, welche erst in ihrer Zinsgier das Geld zur Bank schleppten und dann mittellos sind (sind ja nicht nur Superreiche) - gibt es dann statt Maschinenstürmerei eine Bankenstürmerei?
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Bankstürmerei bringt nichts - in einer Bankfiliale ist ja nicht viel da...
Und der Bürger/Bankkunde soll sich ähnlich verhalten wie beim Kauf eines Fahrrads oder einer Hotel-Buchung: Vorher auf Qualität und Geschäftsmodell der Bank achten. Wobei es vielleicht sinnvoll wäre mindestens für die Girokonten, dass der Staat/die Zentralbank zinslose Konten - kostenlos - anbietet. Wer mehr als das will - soll das Risiko mittragen. |
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Ist (Zins)Gier wirklich rational gesteuert?
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Gier ist natürlich nicht rational gesteuert, und inzwischen (oder schon immer?) auch nicht der Zins (das Zinsniveau einer Einlage wie eines Kredits) selbst - seit man das Geld "schöpfen" kann, seit Risiko nicht wirklich kalkuliert sondern von Agenturen festgesetzt wird, und seitdem sowohl die Banken wie die Sparer nicht das Risiko voll tragen.
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Sehe ich auch so.
Der springende Punkt ist damit - Wie rational ist unser Handeln? Es gibt genügend Erkenntnisse zur ökonomischen und ökologischen Krisensituation; trotzdem geschieht kein Umsteuern im Verhalten. Stattdessen das typische Herdenbewusstsein -man schielt auf den Anderen: Passiert bei ihm nichts - dann brauch ich mich auch nicht zu ändern. Mit diesem Lemmingsverhalten gehts in den Abgrund! |
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Mhm. Warum reicht die Wiederherstellung der Demokratie (wie sie eigentlich einst geplant war) und Durchregulierung der Wirtschaft nicht?
Wieso sollte es einfacher sein, eine Diktatur einzusetzen (samt Missbrauchspotential) als eine Reform durchzuführen? |
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Wie war die Demokratie einst geplant?
Eine Reform, die ohne demokratisches Mittun der Bevölkerung erfolgt, - kann man diese demokratisch nennen? Meine Sichtweise: Die Menschen leben mehrheitlich so, als wenn nicht ein ökonomischer und ökologischer Kollaps vor der Tür steht (ich rede vom tatsächlichen Verhalten!). Optimal ist natürlich eine vom Bewusstsein gelenkte Verhaltensänderung - auch im Sinne gelebter Demokratie. Nur-wenn diese nicht einsetzt - soll alles weiter wie bisher gehen? |
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Hallo Nietzsche2011,
habe Sie gerade abonniert. Wie wäre denn folgende über 90 Jahre alte (Teil-) Antwort? "Durch das Geld vernichtet die Demokratie sich selbst, nachdem das Geld den Geist vernichtet hat. Aber eben weil alle Träume verflogen sind, daß die Wirklichkeit sich jemals durch die Gedanken irgendeines Zenon oder Marx verbessern ließe, und man gelernt hat, daß im Reiche der Wirklichkeit ein Machtwille nur durch einen andern gestürzt werden kann – das ist die große Erfahrung im Zeitalter der kämpfenden Staaten –, erwacht endlich eine tiefe Sehnsucht nach allem, was noch von alten, edlen Traditionen lebt. Man ist der Geldwirtschaft müde bis zum Ekel. Man hofft auf eine Erlösung irgendwoher, auf einen echten Ton von Ehre und Ritterlichkeit, von innerem Adel, von Entsagung und Pflicht. Und nun bricht die Zeit an, wo in der Tiefe die formvollen Mächte des Blutes wieder erwachen, die durch den Rationalismus der großen Städte verdrängt worden sind. Alles was sich an dynamischer Tradition, an altem Adel für die Zukunft aufgespart hat, an vornehmer, über das Geld erhabener Sitte, alles was in sich stark genug ist, um nach dem Worte Friedrichs des Großen Diener des Staates zu sein in harter, entsagungsvoller, sorgender Arbeit, gerade im Besitz einer schrankenlosen Gewalt, alles was ich dem Kapitalismus gegenüber als Sozialismus bezeichnet hatte, alles das wird plötzlich zum Sammelpunkt ungeheurer Lebenskräfte." (Oswald Spengler, "Untergang des Abendlandes") Eine Goldgrube für das, was Sie beschäftigt - auf der analytischen Seite! Wohlbemerkt. Einen Ausweg müssen wir in den Formen der Zeit schon selber finden, und diese sind eher basisdemokratisch. Der Diktator passt nicht in die Zeit - und hat das Problem historisch sogar verschlimmert. Schöne Grüße AK |
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@ Andreas Kuntz um 05.03 Uhr
Zunächst meinen Dank für das Interesse an meinen Texten. Dem Spengler-Zitat kann ich natürlich nur ein weiteres hinzufügen." Wenn in der Welt der Wahrheiten der Beweis alles entscheidet, so in der Tatsachenwelt der Erfolg. " Und heute heißt Erfolg "Wachstum". Überall heißt es, ohne Wachstum können wir nicht bestehen - d. h. MISSerfolg. Eine Diktatur muss nicht als Einzelherrschaft daherkommen. Auch Plutokratie ist letztlich eine Diktatur. Allerdings sehe ich auch Basisdemokratie nicht gänzlich unkritisch. Aber das habe ich wohl schon geschrieben. |
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Hmm...
Heißt den Erfolg WIRKLICH Wachstum? Oder nicht doch eher "Harmonie"? Stimmige Begrenzung? Eine Körperzelle, die auf stetiges Wachstum setzt - nennt man Krebs. Ich glaube ja, dass Deutschland - wenn es gut geht - ein über Erststimmen/Webdemokratie basisdemokratisch aufgelockerter Parteienstaat sein wird, der ungewöhnliche, auch krass wechselnde legislative Mehrheiten zustande... - und Führungspersönlichkeiten hervorbringt. Basisdemokratie als Stuhlkreis lehne ich auch ab. Das ist auch Unsinn. So ist die Welt nicht. Ganz abgesehen davon, dass unpraktikabel. Zuviel "Wahrheit" (ohne jedoch jemals zu einer zu führen) und zu wenig "Wirksamkeit". Ich glaube ja, dass Ihre Diktaturspekulationen letztlich der Suche nach Wirksamkeit entspringen. Umgekehrt macht es schon Sinn, diese in den Formen der Zeit zu suchen. In Preußentum und Sozialismus schreibt Spengler (1919!): "Demokratie, man mag sie schätzen wie man will, ist die Form dieses Jahrhunderts, die sich durchsetzen WIRD. Es gibt für den Staat nur Demokratisierung oder nichts. Es gibt für die Konservativen nur bewußten Sozialismus oder Vernichtung." Wobei er bei "Sozialismus" nicht an Marx und Engels denkt. Sondern eher an eine Kombination von August Bebel und Edgar Julius Jung. DAS in modernisierter Form, basisdemokratisch legitimiert (wie sonst? Legitimation braucht es schon) - und es ginge diesem Land anders. |
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„Heißt den Erfolg WIRKLICH Wachstum? Oder nicht doch eher "Harmonie"? Stimmige Begrenzung?“
Ich bezog mich auf unsere „Staatsdoktrin“. Aber selbst im Privaten wird – trotz gegenteiliger Behauptungen – der erfolgreiche Mensch daran gemessen, wie er zum persönlichen Wachstum des Konsums bzw. der Konsumchancen beiträgt. Das Gedöns von den „inneren Werten“ löst sich meist sehr schnell auf. „Ich glaube ja, dass Deutschland - wenn es gut geht - ein über Erststimmen/Webdemokratie basisdemokratisch aufgelockerter Parteienstaat sein wird.“ Webdemokratie? Weil jeder ins Internet gelangt? Aufs Klo geht auch jeder. Webdemokratie ist wohl der gefährlichste Ansatz zur Manipulation; kann doch der Einzelne erst recht nicht überprüfen, was ihm vorgesetzt wird. Von technischer Manipulation – Hacker u.a. – will ich noch nicht mal schreiben,. Wobei er bei "Sozialismus" nicht an Marx und Engels denkt. Sondern eher an eine Kombination von August Bebel und Edgar Julius Jung.“ Ich denke, hier ist unbedingt die Zeit (1919) zu beachten – nach dem verlorenen Krieg und der verrotteten Monarchie schien Parlamentarismus tatsächlich DIE Lösung zu sein. Vor allem, weil er gewaltfrei schien. |
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Nun ja, will Sie jetzt auch nicht nerven. Gestatten Sie mir vielleicht noch einen Gedanken dazu! ;)
Könnte es nicht vielleicht der Fall sein, dass der Denk-Zusammenhang von demokratisch und parlamentarisch vielleicht in der Wirklichkeit der Welt gar keiner ist? Rein Arbiträr? Wenn man den Germanensturm der Bäumeretter vor dem Bahnhof als "demokratisch" bezeichnet (was man nicht muss, was ich aber dezidiert tue) - braucht diese demokratische Kultur dort ein Parlament? Oder ergibt sich die Form des Demokratie nicht ganz von alleine? In Afghanistan funktioniert Parlamentarismus nicht. Und ich könnte mir sehr wohl vorstellen, dass man mit dem historischen Fernrohr für Deutschland langfristig das Gleiche konstatiert. DAS ist es, was mich an Ihrer Überlegung so beschäftigt. Ich finde diese verständlich, nur würde ich, bevor ich mich ihr anschließe ganz gerne nur sichergestellt haben, dass es wirklich nicht funktioniert. Und wir haben eben etwas anderes als eine Parteiendemokratie - die eine Katastrophe ist - noch nie ausprobiert. (ob ich mir wünsche, dass wir "demokratisches Afghanistan light" sind, ist eine andere Frage. Ehrlich gesagt nein. Ich würde den "demokratischen Kulturtrieb" der Parkschützer etc. lieber erst einmal in den Adern dieser Republik kanalisiert sehen. So in die Richtung... Danke für den Austausch! ;) |
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„Könnte es nicht vielleicht der Fall sein, dass der Denk-Zusammenhang von demokratisch und parlamentarisch vielleicht in der Wirklichkeit der Welt gar keiner ist? Rein Arbiträr?“
Nun ja, es ist immer zu unterscheiden zwischen der Real-Ebene des politischen Lebens und der Metaebene der Analyse. Ich würde daher einen Zusammenhang zwischen Verschiedenem sehen: Demokratie als eine Herrschaftsform (die es in wörtlicher Übersetzung nie gegeben hat) und ihrer Darstellung als Vertretungsdemokratie (Parlamentarier als Vertreter erinnern ja zuweilen an Versicherungsvertreter). „Und wir haben eben etwas anderes als eine Parteiendemokratie - die eine Katastrophe ist - noch nie ausprobiert.“ Hier herrscht völlige Einigkeit zwischen uns. Mittlerweile halte ich Parteiendemokratie für ein politisches Schachspiel zum realen Ausschluss des Volkes von der Macht. PS. Afghanistan wird wohl zunächst eine Taliban-Diktatur werden, welche sich möglicherweise zu einer Art Mullah-Herrschaft a la Iran 1979 entwickeln könnte. Wird noch spannend werden. |
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nistan wird wohl zunächst eine Taliban-Diktatur werden, welche sich möglicherweise zu einer Art Mullah-Herrschaft a la Iran 1979 entwickeln könnte. Wird noch spannend werden."
Warum auch nicht? "Es gibt so viele Moralen wie es Kulturen gibt." (Spengler) Ohnehin ist es ein Witz, aus dem Mund meinungsbildender Kaffeetassen in diesem Land immerzu zu hören, der Iran sei eine "Diktatur". Wer soll denn der Diktator sein? Das Staatsoberhaupt, der oberste Mullah? Oder doch der gewählte (!) Präsident? Wenn man das Ganze statt "Gottesstaat" etwa "Spirituelle Demokratie" nennt und den Koran in der schiitischen Lesart beispiels durch die in Meister Eckhart gipfelnde abendländische Mystik ersetzt, wäre so ein "doppelter" Staatsaufbau selbst im Westen attraktiv... Wir bekommen jetzt ja auch einen Geistlichen als Staatsoberhaupt... |
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Gauck ist von einem Geistlichen ungefähr so weit entfernt wie ein Futtertrog von einer Porzellantasse.
Ansonsten stimme ich zu, dass wir endlich unsere westliche Arroganz - gestützt durch die uns Meinung vorkauenden Medien - ablegen müssen, wenn wir nicht immer in unseren Einschätzungen daneben liegen wollen. |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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