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Während eines Besuches der kleinen, malerisch im Werratal gelegenen, Stadt Bad Sooden-Allendorf (BSA) am letzten Wochenende hatte unser Gastgeber auch einen Ausflug zum dortigen Grenzmuseum ins Programm genommen.
Nach etwas mühevollem Aufstieg – für Radler und Wanderer – erreichen wir die Gedenkstätte Grenzmuseum „Schifflersgrund“. Für mich als einzigem „Ossi“ in unserer 12 Personen-Gruppe beginnt damit eine zwiespältige Begegnung: Für mich – in tiefster DDR-Provinz aufgewachsen und auch meine 18 Monate Wehrdienst in Wolfen ableistend – war die Grenze eine rationale Tatsache. Es gab sie aus bestimmten Gründen und würde sie wohl auf ewig geben. Gesehen hatte ich die innerdeutsche Grenze bis 1989 nie. Emotionale Beziehung – da war nichts.
Nun also vor Ort an einem Abschnitt, an dem sich Hessen und Thüringen treffen. Auf dem großen Gelände viele Ausstellungsobjekte; Militärfahrzeuge, aber auch Wachturm und Erdbunker (keine Vollzähligkeit). Sicher ein visueller Blickfang. Doch fesselnder für mich sind die Geschichten, welche zu verschiedenen Themenblöcken in mehreren Containern erzählt werden. Der historische Einsteig beginnt mit den Konferenzen von Teheran und Jalta, wo die Teilung Deutschlands in Besatzungszonen festgelegt wurde. Später erfahre ich auf den Text-Foto-Tafeln vom Wanfrieder Abkommen, welches einen Gebietsaustausch zwischen amerikanischer (Hessen) und sowjetischer Besatzungszone (Thüringen) regelte. Für die Bewohner der betroffenen Gemeinden Vertreibung und Flucht. Dann die Geschichte des Baus und Ausbaus der DDR-Grenzanlagen. Mit Frösteln lese ich, dass die Kurgäste in BSA diesen Anblick vor Augen hatten; mit Sicherheit konsternierende Eindrücke. Und nicht alltäglich wie für die Bewohner der Grenzregion. In einem anderen Container der Alltag in der DDR-Grenzregion: Häuser mussten weichen, Menschen konnten sich nur unter Schwierigkeiten – wenn überhaupt – besuchen. Bedrückend der Bericht über den Fluchtversuch von Heinz-Josef Große, der mit dessen Tod endete. Aber auch der „normale“ Alltag: Kinder werden geboren, man geht seinem Beruf nach usw.
Dass in den DDR-Medien nur ausgewählte Nachrichten über Grenzverletzungen und wenig über das Leben in den Grenzregionen erschienen, kann man bis 1989 nachverfolgen.
Nun ist die innerdeutsche Grenze Vergangenheit. Erstmals mit der tatsächlichen Grenzgeschichte konfrontiert, kann ich keine persönliche Schuld empfinden. Andererseits erschreckt mich die Vorstellung, wie Menschen – vor allem der Kriegsgeneration – täglich das Eingesperrtsein (Ost) bzw. Abgesperrtsein (West) erlebt haben müssen.
Bald wird die Natur fast völlig Besitz von der ehemaligen Grenze ergriffen haben. Was auch gut so ist. Für die Nachfolgenden, die das Thema Grenze ebenfalls nur als trockenen Lehrstoff erleben, kann ein Besuch nur empfohlen werden.
Mehr dazu unter:
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Ach, es gibt in Berlin so viele Orte, die an die Grenze erinnern. Die Schönhauser, wo ich wohnte, war in Grenznähe. Und manchmal hörten wir nachts auch Schüsse. Eine Freundin und ich wurden mal über Nacht abgeführt, weil wir im grenznahen Gebiet aufgegriffen worden waren. Das gab ziemlichen Ärger, obwohl es nur ein Versehen war.
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@Magda
Ist ja kein Widerspruch. Ich schrieb von der innerdeutschen Grenze, die ich nun "hautnah" erlebte. Und ich bin seit 8 Jahren in Berlin; wohnte vorher in verschiedenen Städten weitab von der Grenze. Unsere Erfahrungen sind also sehr verschieden. |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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