Nach den letzten Nachrichten der Medien wird das Scheitern einer politischen Lösung in Libyen mit einem Kampf bis zum Endsieg – Abdankung Gaddafis + Übergang zur (westlichen) Demokratie kaschiert. „Großbritannien, Frankreich und die Vereinigten Staaten werden nicht ruhen, bevor die UN-Resolution erfüllt ist und das libysche Volk über seine eigene Zukunft bestimmen kann.“
In Deutschland ist die Stimmung zweigeteilt: Zum einen scheint sich die Regierung noch nicht schlüssig, welchen Kurs sie fährt – militärische Absicherung humanitärer Aktionen ist ebenso schwammig wie es klingt. Zum anderen arbeitet die Mehrzahl der Medien daran, in Deutschland Kriegsbegeisterung zu erzeugen – mit Informationen, die fast immer mit den Worten „sollen“ oder „nach Berichten von“ (natürlich von geheimnisvollen Rebellen) ein Schwarz-Weiß-Bild zeichnen.
Da klingen doch Sätze wie „Euch rate ich nicht zum Frieden, sondern zum Siege. Eure Arbeit sei ein Kampf, euer Friede sei ein Sieg! . . . „ oder „Ihr sagt, die gute Sache sei es, die sogar den Krieg heilige? Ich sage euch: der gute Krieg ist es, der jede Sache heiligt.“ wie aus dem Munde der Friedensnobelpreisträgers Obama entsprungen.
Nur – sie wurden in einer Zeit (1883-85) geschrieben, die relativ friedlich war. Autor der Schrift „Also sprach Zarathustra“ ist Friedrich Nietzsche. Und Nietzsche war in der DDR als geistiger Wegbereiter des Naziregimes und des II. Weltkrieges verschrien. Was einer ostdeutschen Kanzlerin durchaus noch bekannt sein dürfte. Deutsche Politiker schwanken also, ob sie Kriegstheorien unterstützen und umsetzen sollen. Und ein nicht unbeträchtlicher Teil der Deutschen will partout – zumindest in Worten – in den Krieg ziehen.
Für diese nochmals Nietzsche: „: Ihr sollt den Frieden lieben als Mittel zu neuen Kriegen. Und den kurzen Frieden mehr als den langen.“ Offensichtlich müssen sich die Deutschen entscheiden, ob ihnen der Frieden seit 1945 lang genug war.
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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