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Heute (09.06.2011) fand im Schlüterhof des Deutschen Historischen Museums in Berlin ein Podiumsgespräch zum Thema „Stasi und kein Ende?“ statt. Unter der Regie von Peter Voß fungierten als Disputanten Roland Jahn, seines Zeichens Chef der bekannten BSTU, und der Polit-Veteran Bernhard Vogel.
Es ist nicht meine Absicht, hier protokollarisch den Verlauf der Veranstaltung wieder zu geben. Das Thema „Stasi“ verfolgt mich in vielfacher Weise seit der „Wende“. Noch immer scheint es, dass „Ossis“ mit dem Brandzeichen „Stasi-Diktatur“ durch die blühenden Landschaften laufen müssen. So sie denn nicht Widerständler wie Roland Jahn waren. Sehe ich mal von den selbsternannten Regimegegnern ab, so waren dies nur wenige.
Aber nun zu den Eindrücken des Abends. Erstens – Roland Jahn hat sich offensichtlich gut in seine neue Rolle hineingefunden. Mehrfach kommen Ausführungen, welche Außenstellen er wann besucht hat. (Fleißig, der Mann) Die Begründung der Fortexistenz der Behörde klang aus Birthlers Mund ähnlich. Von Bernhard Vogel konnte naturgemäß nicht viel ergänzt werden. Einig war man sich ohnehin.
Wirklich interessant wurde es dann, als Vogel den Begriff „Anpassung“ aufgriff, den ihm Peter Voß – aus einer Rede Bahrs zitierend – hinwarf. Ohne jegliche Arroganz verwies der Ex- Landesvater darauf, dass Anpassung eine ganz normale (Über)Lebensstrategie ist. Die Frage, wie sich Altbundesbürger unter den Bedingungen der Allgegenwart der Stasi angepasst hätten, war spekulativ, milderte aber oben genanntes Brandzeichen. Mein zweiter Eindruck bezieht sich also auf Bernhard Vogel, der mir an diesem Abend sehr altersweise, aber keineswegs selbstgerecht erschien.
Sympathiepunkte – nicht nur bei mir – sammelte Jahn, als er – ausgehend von seinen persönlichen Erfahrungen – darauf hinwies, dass wir eine offene gesamtgesellschaftliche Diskussion zum Thema Diktatur führen müssen. Wenn er allerdings danach DIE SED als Auftraggeber der Stasi benennt, so schwand dieser Sympathiebonus. Immerhin hatte ich als einfaches SED-Mitglied keine Aufträge, schon gar nicht an die Stasi, zu vergeben.
Die nachfolgende Diskussion nutzte ich, um auf die Gefahren hinzuweisen, die eine Geschichtsvermittlung a la „DDR = Stasi“, vor allem bei Jugendlichen in den alten Bundesländern mit sich bringt. Hier kann auf eigenes Erleben nicht unbedingt zurückgegriffen werden. Anders im Osten. Denn Jugendliche in den neuen Bundesländern speisen ihr DDR-Bild vornehmlich aus den Erzählungen der Elterngeneration. Und für diese gab es nicht nur Stasi, sondern den ganz normalen Alltag. Und dieses Bild sollte auch vermittelt werden.
Womit ich letztlich wieder Zustimmung bei Jahn erntete.
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@Nietzsche 2011
Danke für den Bericht von dieser Podiumsdiskussion. Hier in Hamburg erzählt uns ja keiner was. Aus der Ferne finde ich auch, die Diskussion über die STASI, Stasiunterlagenbehörde laufen ziemlich asymmetrisch zu psychhistorischen Lasten der neuen Bundesbürger/innen seit der Wende nach dem Motto "Die anderen tragen mindesten die doppelte Last der Geschichte der deutschen Nachkrigesautokratien, Despotien im volksdemokratischen wie parlamentarischen Muff Gewande. So als hätte der andere Teil, die alten Bundesbürger/innen die Zeit des Kalten Krieges, des Ost- Westkonflktes gar nicht politisch unparteilich mit fiebernd, wie organisiert parteilich agierend gelebt? Diese Art der Diskkussionen richtet sich n. m. E. aus der Ferne auch gegen das kolletive gedächtnis der alten Budesdürger/innen. Was ist bloß los? Gerade, angesichts der Aufbrüche in Nordafrika, wir doch einmal mehr deutlich, sonnenklar, wie der Westen, das transatlantische Bündnis in die Despotien Afrikas, diese nährend, verstrickt war und verstrickt ist, wie zu Zeiten und vor den Zeiten des Kalten Krieges in den Billiglohnländern des real- existierend parteidespotischen Sozialismus des Ostblocks? "Wenn er allerdings danach DIE SED als Auftraggeber der Stasi benennt, so schwand dieser Sympathiebonus. Immerhin hatte ich als einfaches SED-Mitglied keine Aufträge, schon gar nicht an die Stasi, zu vergeben." Eine ulkig humorige Formulierung, angesichts der historischen Tatsache, dass die STASI, das MfS sich selber als Diener, als Schild & Schwert der SED- Partei öffentlich kommunizierte und weiter kommuniziert, um damit die Frage von evtl. Verantwortlichkeiten für Regierungskriminalität der DDR- Organe, des Poltibüros der SED, vor der Geschichte zuweisend, eindeutig zu klären!? |
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@Joachim Petrick 03.38
Mag sein, dass ich als ehemaliges SED-Mitglied bei solchen Sprüchen, wie von Jahn getätigt, immer noch eine dünne Haut habe. Mir passt es nicht, wenn rund, 2,4 Millionen (!) Mitglieder/Kandidaten in einen Topf mit ZK und Politbüro geworfen wurden. Zur Bemerkung über die Alt-Bundesbürger: Bernhard Vogel meinte über IMs aus dem "Westen", dass diese eine viel höhere moralische Schuld träfe, denn für diese stand in der Regel keine Bedrohung im Hintergrund. |
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Fand ich sehr interessant. Im Grunde gehts ja auch nicht um die frage ob man die Stasi-Debatte führen will oder nicht, sondern um die Art, wie sie geführt wird. Man müsste vor allem über Strukturen reden. Natürlich war die Stasi der SED-Führung untergeordnet gewesen. Der einzelne Genosse hat natürlich da keinen Einfluss drauf gehabt.
Und der Stasi-Apparat hat wohl am Ende eine ziemliche Eigendynamik entwickelt. |
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@Magda 08.55
Ja, ich finde auch, man sollte stärker über Strukturen reden. Dazu gehört für mich auch, zu unterscheiden zwischen dem IM, der mit 18 aus Idealismus mal die falsche Unterschrift getätigt hat, und dem IM, der wissentlich für "Kohle" gespitzelt hat. |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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