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12.10.2011 | 18:49

Die Muße ist die Zwillingsschwester der Freiheit

 

Die andere Gesellschaft – fortlaufende Randnotizen der anderen Art (3)

Vorbemerkung:
Auf der Suche nach neuen erstrebenswerten Bildfacetten einer kapitalfreien Gesellschaft folge ich verschiedenen Spuren des Denkens zu einer „Anderen Gesellschaft“. Meine Randnotizen folgen keiner Systematik, sie besitzen keinen inneren Bauplan. Dennoch kann im Zeitalter des Rhizom eine ersehnte Lebensqualität ohne äußeren und inneren General hervor scheinen. Möglich sind viele Selbst-Veränderung schon im Kapitalismus. Keiner warte auf die „befreiende Revolution“ (die wiederum die nächsten Ungeheuer produziert).
Die heutige Notiz führt die Gedanken aus Beobachten – ruhen – schlafen“ (Randnotiz Nr. 2) fort. In der 4. Randnotiz kommen wir dann – wie schon angekündigt – endlich zur wichtigen Bedeutung „einer Runde Schlaf“.

Seltsam, alle aktuellen und historischen Revolutionen der progressiven Art kreisen um ihr unveräußerliches Zentrum: Freiheit, Freiheit, Freiheit! Ja, Gleichheit und Solidarität sollen selbstverständlich auch hergestellt werden. Aber alle vergessen sie die Muße, die oft geschmähte Zwillingsschwester der Freiheit! Nur was soll die ganze Plackerei, der volle Kampf für die Freiheit, wenn sich nicht im großen Stil Muße und Entschleunigung einstellen? Ja, es gibt keine wirkliche Freiheit ohne Muße.

Wer die Zwillingsschwester verrät oder verleugnet, der beteiligt sich aktiv am schwachsinnigen Freiheits-Krampf.

Ziel: ein „schöner Lebenszustand“? Ja, aber bitte nicht erst in 20 Jahren! Das Leben ist Hier und Jetzt und schön ist es u.a., wenn man/frau mit der vollen Hand in die wunderschöne Lebenssuppe patscht: „Lieben, träumen, sinnvoll arbeiten“. Dazu benötigt man nicht besonders viel Geld, aber jede Menge Phantasie und Entscheidungsmut!

Einen schönen Lebenszustand, auch im Zusammenhang mit einem gesicherten Grundeinkommen, beschreibt Michael Jäger so: „Das Grundeinkommen in der Anderen Gesellschaft soll einen schönen Lebenszustand schaffen. Genauer mindestens das Minimum eines solchen. Danach richtet sich seine monetäre Höhe. Zuerst muss sich die Gesellschaft darüber einigen, welche Grundgüter und -leistungen zu einem schönen oder sagen wir würdigen Leben mindestens gehören, dann stellt sie fest, was sie kosten, und setzt entsprechend die Höhe des Grundeinkommens fest. Die Frage, ob sie dazu denn reich genug ist, gebe ich mit Lohmann (S. 23) an die Wirklichkeit weiter. Will sagen, es wird Gesellschaften geben, die kein Grundeinkommen einführen können, und andere, die es können. Wir reden von einer, die es kann.

Diese Gesellschaft muss nun, um den würdigen Lebenszustand aller zu erreichen, sogleich zwischen dem tatsächlichen und dem minimalen Grundeinkommen unterscheiden. Denn sie braucht einen Spielraum für eine etwa notwendig werdende Senkung des Grundeinkommens, die den würdigen Lebenszustand nicht antastet. Die Frage nach der Höhe der Beträge ist hier nicht zu entscheiden, nur eine Größenordnung sei genannt. Ich meine, eine Gesellschaft kann sich als Andere Gesellschaft begreifen, wenn sie zum Zeitpunkt ihrer Entstehung sage 1300 Euro Grundeinkommen tatsächlich auszahlen kann. Das ist nach meiner Erfahrung ein Monatsbetrag, mit dem man bereits "schön" lebt, obwohl er viele mögliche und durchaus unluxuriöse Bedürfnisse, etwa des Reisens, noch unbefriedigt lässt.“ (J/58)

 1300 Euro oder doch 1500 oder nur 1000 Euro? Das sind alles Sandkastenspiele, der großen Aufgabe von Freiheit und Muße unwürdig. In Bremen, Frankfurt oder im Bayrischen Wald stellt sich der Geldbedarf ganz unterschiedlich dar. Frisst die Miete 50, 30 oder nur 20% des Einkommens? Lebe ich alleine im 1-Zi.-Knast oder in einer Wohngemeinschaft mit ordentlicher Ausstattung? Diskutieren wir mehr über die Inhalte und Formen eines „schönen Lebenszustands“ als über die Geldhöhe. Diskutieren wir über angenehme Ausprägungen einer erstrebenswerten Lebensqualität und verabschieden wir uns von den unsinnigen bisherigen Indikatoren des Lebensstandards mit statistischem Warenkorb. (Das BIP als Wohlstandsindikator auf nationaler Ebene hat endgültig ausgedient).

Im Rahmen der Debatte um den „Schönen Lebenszustand“(J/58) bringt das Blogger 'Tiefendenker' sehr treffend auf das hüpfende Komma: Er schreibt:“ (...)

12. Den größten Teil des heutigen Aufwandes betreibt unsere Gesellschaft bekanntlich, um den Geldkreislauf selbst aufrecht zu erhalten bzw. die Folgen der Kapitalverwertung (Kriege, Umweltzerstörung, Atommüll, Mobbing, Burnout, Kriminalität, Arbeitslosigkeit, Flüchtlingsströme, Hunger...die Liste ist endlos...) zu handhaben. Dieses "Handhaben" besteht größtenteils noch nicht mal im "Beseitigen" oder "Bekämpfen", wie man meinen könnte, sondern im Verwalten und Reglementieren, also im Versuch dieses unsinnige System sogar mit Gesetzgebung und notfalls mit Gewalt am Leben zu erhalten - gegen die Natur des Universums und jeder Logik zum Trotz!).

13. Würde Pkt. 12. entfallen, würden der Gesamtaufwand so drastisch sinken, dass wir nur noch 5 Stunden/pro Woche tätig sein müssten (also was wir heute als Arbeit bezeichnen) und wären dennoch viel effektiver und effizienter und hätten einen größeren Grad der Eigenversorgung, weil dann alle Menschen produktiv tätig sein könnten, anstatt Pkt. 12. zu dienen. Dieser Zusammenhang ist auch seit langem bekannt (man google mal das Thema "5 Stunden Woche").“ (...)

Ob ein 4, 5 oder doch 6-Stunden-„Arbeitstag“ ist hier marginal, entscheidend ist das „Wohin geht die Reise“? „Was ist die erstrebte Lebensqualität“? Welche Produkte und Dienstleistungen brauchen wir gesellschaftlich notwendig? Was produzieren/reproduzieren/reparieren/organisieren wir selbst; jeder für sich oder in der Gruppe? Wie stoppen wir Verschwendung und Firlefanz? Wie steigern wir Selbstheilungskräfte und Selbstverantwortung jedes einzelnen Gesellschaftsmitglieds?

Schon 1602 meinte Tommaso Campanella in seinem Sonnenstaat: „In der Sonnenstadt sind die öffentlichen Dienste, Künste, Handwerke und Arbeiten unter Allen verteilt, so dass auf den Einzelnen kaum vier Stunden treffen, die er zu arbeiten hat. Die übrige Zeit kann er mit angenehmem Studium, Disputieren, Lesen, Erzählen, Schreiben, Spazierengehen, geistigen und körperlichen Übungen und mit Vergnügen zubringen.“ Nach über 400 Jahren sollte diese Idee zum obligatorischen Schulwissen gehören. Streckt und rekelt euch in der Sonne, solange sie noch scheint! Auch Schulaufgaben können dank moderner Technik auch im Park auf der Decke oder am Baggersee erledigt werden.

Wie meinte nochmal der große unerschrockene Gandhi? „Das Gute geht im Schneckentempo.“ Ohne Muße ist fast alles nichts.

 

 
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Kommentare
poor on ruhr schrieb am 12.10.2011 um 19:43
Gerne gelesen . Danke. Mir ist alles ein bißchen zu generell gehalten. Was ist mit den Arbeitstieren, die mit Muße nichts anfangen können?
So eine generelle Theorie hat immer wieder ihre Pferdefüße sprich wirklichkeitsfremde Restriktionen.

Das war selbst bei Marx so obwohl er im meisten Recht behalten hat und erst recht gelten diese Perdefüße für die schwachsinnigen wirklichkeitsfremden neoliberalen Denkmodelle , die das BIP oder BSP zum Maß aller Dinge für die Gellschaft erheben und von hahnebüchenden wirklichkeitsfremden Restriktionen ausgehen.

Was Du über Muße geschrieben hast, finde ich richtig.

Die starken und tollen Stellen in Deinem Text sind da , wo Du praktisch denkst. Das Gleiche gilt auch für den tollen Denkansatz von Tiefendenker, den Du zitiert hast.

Die andere Gesellschaft soll die Menschen da abholen , wo sie stehen. Das Problem ist, dass fast alle auf ganz verschiedenen Punkten stehen.

Es sind sehr intelligente Konzepte notwendig, die schon auf Sparen zielen sollten (Tiefendenker)

Dafür sind Deine Sätze über die Muße richtig und hilfreich, aber es darf nicht vergessen werden , dass bei der notwendigen Streichung alles unsinnigen Hamsterrad-Drehens bei der Erzielung des Bruttosozialprodukts auch der Rest immer noch erzielt werden muss.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 12.10.2011 um 19:53
"Die andere Gesellschaft soll die Menschen da abholen , wo sie stehen. Das Problem ist, dass fast alle auf ganz verschiedenen Punkten stehen."

Nö... das Problem ist, dass ich z.B. von so einer Gesellschaft abgeholt werden gar nicht will. Na ja, grundsätzlich will ich sowieso von keiner Gesellschaft abgeholt werden, sondern selbst eine bauen. Aber die Worte "Muße" und "Entschleunigung" hasse ich bis zum Erbrechen... die sind ein Verstoß gegen alles, was mir wichtig ist.
poor on ruhr schrieb am 12.10.2011 um 19:58
@Fahrenheit 451

Willst Du denn nicht wenigstens von der Gesellschaft, die Du selbst bauen willst, abgeholt werden? ;)
Ehemaliger Nutzer schrieb am 12.10.2011 um 20:13
w-i-l-l-i-c-h-n-i-c-h-t
poor on ruhr schrieb am 12.10.2011 um 21:30
@Fahrenheit 451

Das ist aber ein Risiko.

Keiner kann Dir garantieren, dass Du bei der Gesellschaft, die Du gebaut hast, am Steuer sitzt und das Gaspedal und die Bremse bedienst.

Dann hast Du fleißig an dieser Gesellschaft gebaut, die braust davon und Du kannst nur noch hinterhergucken. Das wünsche ich Dir natürlich nicht, aber die Gefahr ist nicht von der Hand zu weisen. :(
Ehemaliger Nutzer schrieb am 12.10.2011 um 22:11
Jau, toll. Ihr könnt Ihr immer noch nur solche gesellschaftliche Modelle vorstellen, wo einer am Steuer sitzt und die restliche abgeholt oder nicht abgeholt werden (können)? Dann gute Nacht, Ihr seid im Kapitalismus am besten aufgehoben...
Bildungswirt schrieb am 13.10.2011 um 10:28
@ poor
"Was ist mit den Arbeitstieren, die mit Muße nichts anfangen können?"
Das werden sie durch Nachahmung und Präsenz lernen. Dazu gehört Hirn einschalten. Selbstverständlich gibt es ein Recht auf Verweigerung der Muße, dann wird eben weiter gehetzt und der frühzeitige Kollaps bzw. Tod in kauf genommen. Das unterliegt der Selbstverantwortung des Einzelnen.
Bildungswirt schrieb am 13.10.2011 um 10:33
@ Fahrenheit 451

Wer ständig ruft: "Will ich nicht", der wird gehört. Bau deine eigene Hütte und überlasse die Paläste den anderen. Jedenfalls findet keine Gesellschaft eine völlig befriedigende Antwort für alle.

Du schreibst: "Ihr könnt Ihr immer noch nur solche gesellschaftliche Modelle vorstellen, wo einer am Steuer sitzt und die restliche abgeholt oder nicht abgeholt werden (können)? Dann gute Nacht, Ihr seid im Kapitalismus am besten aufgehoben..."
Von diesen simplen mechanischen Vorstellungen sind wir doch hier im Freitag meilenweit entfernt. Bist du meinem Link "Zeitalter des Rhizom" gefolgt? Dort findest du einige Antworten und neue Ideen.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 13.10.2011 um 10:41
"Bau deine eigene Hütte und überlasse die Paläste den anderen."

Eure Salons und Paläste habe ich so oder so nie gebraucht, auch wenn Ihr Euch so gerne einbildet, dass die ganze Welt darauf scharf wäre...

"Jedenfalls findet keine Gesellschaft eine völlig befriedigende Antwort für alle."

Quatsch. Das ist eine bequeme Ausrede. Mit Euren Einstellungen seid Ihr im Kapitalismus bestens aufgehoben. Viel Spaß noch in Salons... ähm... in Palästen.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 13.10.2011 um 10:44
"Du schreibst: "Ihr könnt Ihr immer noch nur solche gesellschaftliche Modelle vorstellen, wo einer am Steuer sitzt und die restliche abgeholt oder nicht abgeholt werden (können)? Dann gute Nacht, Ihr seid im Kapitalismus am besten aufgehoben..."
Von diesen simplen mechanischen Vorstellungen sind wir doch hier im Freitag meilenweit entfernt. Bist du meinem Link "Zeitalter des Rhizom" gefolgt? Dort findest du einige Antworten und neue Ideen."


Keine Ahnung, wer sind "Ihr im Freitag" und wovon Ihr entfernt seid, ich habe auf ganz konkrete Äußerung reagiert... oder wird mir jetzt unter die Nase gerieben, dass diese Äußerung gar nicht so gemeint wurde und dass schwarz in Wirklichkeit weiß ist und umgekehrt?
Ehemaliger Nutzer schrieb am 13.10.2011 um 10:51
@Bildungswirt schrieb am 13.10.2011 um 10:28

"@ poor
"Was ist mit den Arbeitstieren, die mit Muße nichts anfangen können?"
Das werden sie durch Nachahmung und Präsenz lernen. Dazu gehört Hirn einschalten."


Aber ansonsten stimmt alles? Sonst irgendwelche Dressur-Wünsche? Und Ihr redet noch über eine alternative Gesellschaft? Eine alternative Gesellschaft, wo es keine Alternativen für Andersdenkende gibt, und wo es ihnen eingeredet wird, dass ihr Hirn nicht eingeschaltet ist, wenn sie nicht bereit sind, Euch nachzuahmen und sich in Eurer Muße ersticken lassen?
Ehemaliger Nutzer schrieb am 13.10.2011 um 11:05
"Jedenfalls findet keine Gesellschaft eine völlig befriedigende Antwort für alle."

Das kannst Du viel kürzer sagen: TINA!!!!

"Bau deine eigene Hütte und überlasse die Paläste den anderen."

Ha, fällt keinem was ein? Das ist doch das Motto aller Kapitalisten! Und Ihr meint im Ernst, Ihr wollt eine andere Gesellschaft bauen? Wau, geil, ich lege mich flach in diesem Zoo...
Bildungswirt schrieb am 13.10.2011 um 11:13
@ Fahrenheit
Was willst du denn? Bisher höre ich nur "ich will nicht"

"Eure Salons und Paläste habe ich so oder so nie gebraucht, auch wenn Ihr Euch so gerne einbildet, dass die ganze Welt darauf scharf wäre..."

Was brauchst du und was hat dsas mit der Anderen Gesellschaft zu tun?
Bildungswirt schrieb am 13.10.2011 um 11:19
@ Fahrenheit 451
Bitte vollständig zitieren bevor du "Dressurwünsche" durch die Gegend ballerst.

Frage von poor und meine Antwort:
"Was ist mit den Arbeitstieren, die mit Muße nichts anfangen können?"
Das werden sie durch Nachahmung und Präsenz lernen. Dazu gehört Hirn einschalten. Selbstverständlich gibt es ein Recht auf Verweigerung der Muße, dann wird eben weiter gehetzt und der frühzeitige Kollaps bzw. Tod in kauf genommen. Das unterliegt der Selbstverantwortung des Einzelnen."

Bitte gründlich lesen und willst du einfach nicht? Hast du in "Zeitalter des Rhizom" erste Antworten gefunden?
Bildungswirt schrieb am 13.10.2011 um 11:19
@ Fahrenheit 451
Bitte vollständig zitieren bevor du "Dressurwünsche" durch die Gegend ballerst.

Frage von poor und meine Antwort:
"Was ist mit den Arbeitstieren, die mit Muße nichts anfangen können?"
Das werden sie durch Nachahmung und Präsenz lernen. Dazu gehört Hirn einschalten. Selbstverständlich gibt es ein Recht auf Verweigerung der Muße, dann wird eben weiter gehetzt und der frühzeitige Kollaps bzw. Tod in kauf genommen. Das unterliegt der Selbstverantwortung des Einzelnen."

Bitte gründlich lesen oder willst du einfach nicht? Hast du in "Zeitalter des Rhizom" erste Antworten gefunden?
Ehemaliger Nutzer schrieb am 13.10.2011 um 15:19
Ich habe "Zeitalter des Rhizom" überhaupt nicht verstanden.

Zu der Frage, was ich will. Ich versuche es in meinen Blogs zusammenzufassen (die Reihe "Die Weltformel der Revolution", wird fortgesetzt). Ansonsten . wenn Du es WIRKLICH wissen und verstehen willst, was ich anstrebe, was mein Zukunftsprojekt (u.a. ja gerade im Bezug auf Arbeit in der neuen Gesellschaft), dann kommst Du nicht umhin, die Bücher vom Strugatzki zu lesen... vor allem weil diese Bücher nicht nur irgendwelche Thesen mitteilen, sondern den GEIST dieser von mir angestrebten Gesellschaft... also wie es sich anfühlt, da zu leben, was wird die Menschen beim Treffen von Entscheidungen bewegen usw., usf. Und: Was in dieser neuen Gesellschaft die Arbeit bedeuten wird! Und ich will es so sehr, mit jedem Nerv, immer, immer, dass ich jeden anfange zu hassen, den mir sagt, in der neuen Gesellschaft müsse man nicht arbeiten, und wer arbeiten will, muss es sich abgewöhnen, ansonsten ist sein Hirn nicht eingeschaltet.

Bei Strugatzki sind es in erster Linie die Romane "Rückkehr, (Mittag, 22. Jahrhundert)", "Eine Milliarde Jahre vor dem Weltuntergang", "Die bewohnte Insel", "Die dritte Zivilisation (der Kleine)", "Der Montag fängt am Samstag an". DAS ist mein Zukunftsprojekt. Ich meine jetzt nicht irgendwelche exotische Sachen, technische Entwicklungen, Weltraumreisen (obwohl das auch... why not), sondern die Verhältnisse den Menschen zueinander, die Verhältnisse zur Arbeit, die Verhältnisse zu revolutionären Bewegungen und so. Die andere Bücher von Strugatzki sind genauso extra Klasse, aber ich habe jetzt diejenige genannt, die zum hier besprechenden Thema passen.

Einiges werde ich in meinen Blogs schreiben... aber wenn man die Bücher von Strugatzki liest, versteht man es umfassender und überhaupt... es ist nie falsch, die Bücher von Strugatzki zu lesen.
Bildungswirt schrieb am 13.10.2011 um 17:39
@ Fahrenheit 451
Du schreibst:
"Ich habe "Zeitalter des Rhizom" überhaupt nicht verstanden."
Hmmm, das kann an dir oder am Text liegen. Nochmal prüfen! "Überhaupt nicht verstanden" - das kann unmöglich sein, etwas versteht man über. Keiner fängt bei null an.
Wenn du gezielte Fragen dazu hast, so beantworte ich diese gerne.
Die Strugatzki-Brüder sind mir ein Begriff...bekommst du noch ne Antwort, muss mich jetzt aber um meinen Jüngsten kümmern..bis später
Gruß BW
Bildungswirt schrieb am 13.10.2011 um 19:30
@ Fahrenheit
...Ergänzungzum Eintrag 13.10.2011 um 17.39

Mit dem ultimativen Hinweis auf die Brüder Strugatzki (sonst könne man "dein Zukunftsprojekt" nicht verstehen) weichst du aus. Ein Sience-Fiktion-Universum ist die eine Sache, die Beteiligung an einer pragmatischen und theoretischen Diskussion um die Andere Gesellschaft eine andere. Du müßtest schon konkreter argumentieren, die "Weltformel der Revolution" wird's nicht richten. Höchstens im Reich des 22. Jahrhunderts im Sinne von Strugatzki.
Wenn du hier in der Maske des "jungen Wilden", des Unerschrockenen, des Weltformel-Fechters auftritts, müßtest du argumentativ trotzdem andere überzeugen wollen. Ansonsten macht die Sache hier kaum Sinn.
poor on ruhr schrieb am 13.10.2011 um 21:46
@Fahrenheit451

Schimpf doch nicht so mit mir. ;)

"Dann gute Nacht, Ihr seid im Kapitalismus am besten aufgehoben..."

Ist das nicht ein bißchen hart? :( Schnüff.

Welche Modelle kannst Du Dir denn vorstellen?

Liebe Grüße

por
poor on ruhr schrieb am 13.10.2011 um 21:48
@Bildungswirt

Danke für die klaren Sätze mit genauen Konturen. Das liebe ich. ;)
poor on ruhr schrieb am 13.10.2011 um 21:52
@Fahrenheit 451

Das habe ich doch gar nicht so gemeint.
Eigentlich müsste doch au meine rFrage gervorgehen, dass ich jedem eine größtmögliche Freiheit lassen möchte.

Ich ein bißchen verblüfft. Woher kommt denn auf einmal dieser forcierte Dskkussionsstil?

Also ich habe den bestimmt nicht herausgefordert! ;)

Liebe Grüße

poor on ruhr
Ehemaliger Nutzer schrieb am 14.10.2011 um 14:10
@poor on ruhr schrieb am 13.10.2011 um 21:46

"Schimpf doch nicht so mit mir. ;) "

Warum? Ich schimpfe hier doch mit allen, wieso nicht mit Dir? Meinst Du, Du wärst weniger wert als die anderen?
Ehemaliger Nutzer schrieb am 14.10.2011 um 16:04
@Bildungswirt schrieb am 13.10.2011 um 17:39

""Ich habe "Zeitalter des Rhizom" überhaupt nicht verstanden."
Hmmm, das kann an dir oder am Text liegen. Nochmal prüfen! "Überhaupt nicht verstanden" - das kann unmöglich sein, etwas versteht man über. Keiner fängt bei null an."


Ich verstehe abstrakte Texten grundsätzlich nicht. Es sei denn, sie beziehen sich auf Naturwissenschaften. Außerdem verweist Du da andauernd auf irgendwelche Sachen, die ich gar nicht kenne, z.B. auf rosaroter Panther. Ich verstehe diese Verweise und Anspielungen nicht.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 14.10.2011 um 16:38
@Bildungswirt schrieb am 13.10.2011 um 19:30

"Wenn du hier in der Maske des "jungen Wilden", des Unerschrockenen, des Weltformel-Fechters auftritts, müßtest du argumentativ trotzdem andere überzeugen wollen. Ansonsten macht die Sache hier kaum Sinn."

Hm, na ja, dass ich besonders jung bin, habe ich nie behauptet, ich mache ja kein Hehl daraus, dass ich ein 16-Jähriges Kind habe, daraus kann man auch mein Alter ableiten. Und Michael Jäger, auf dessen Blog Du Dich beziehst, weiß genau, wie alt ich bin.

Aber das mit Maske ist interessant... wenn Du mein Verhalten als Maske betrachtest, wie bin ich dann - Deiner Meinung nach - unter der Maske?
Bildungswirt schrieb am 14.10.2011 um 19:09
@ Fahrenheit
"Ich verstehe abstrakte Texten grundsätzlich nicht."
Wäre auf die längere Sicht nicht gut. Also ARBEITE an deiner Lesekompetenz, sagt dir ein rhizomatische Müßiggänger.
Zu Rhizom: bei Deleuze weiterlesen....ansonsten (außer "versteh ich nicht") konkrete Fragen stellen und immer wieder den Text lesen, und noch einmal...langsam wächst das Verständnis...glaub mir: mit der Zeit nehmen deine hermeneutische Fähigkeiten zu.
Bildungswirt schrieb am 14.10.2011 um 19:13
Alter hin oder her...spielt nur eine sekundäre Rolle...(aufgrund eines 16-jährigen Kindes kann man nicht besonders gut auf das Alter des Vaters/der Mutter schließen...für DIESEN Zusammenhang hier auch völlig uninteressant)

Tipp aus China: Die letzte Maske nimmt man selbst seinem Feind nicht - aus Gründen der Ehre!
Ehemaliger Nutzer schrieb am 14.10.2011 um 21:46
"Alter hin oder her...spielt nur eine sekundäre Rolle...(aufgrund eines 16-jährigen Kindes kann man nicht besonders gut auf das Alter des Vaters/der Mutter schließen...für DIESEN Zusammenhang hier auch völlig uninteressant)"

Das mit der "jungen Wilden" hast Du ins Spiel gebracht, nicht ich. Ich habe lediglich darauf reagiert und hingewiesen, dass es nicht stimmt und dass ich so eine, wie Du es nennst, Maske, auch nie beansprucht habe.

"Tipp aus China: Die letzte Maske nimmt man selbst seinem Feind nicht - aus Gründen der Ehre!"

Ich sehe die Sache anders. Zum einem, empfinde ich mein Verhalten hier nicht als Maske... jedenfalls nicht als bewusste Maske. Daher habe ich Dich nach DEINER Wahrnehmung gefragt... also warum Du es als Maske empfindest und wie ich - Deiner Meinung nach - ohne Maske bin. Und was die Ehre betrifft: Für mich ist es die Frage der Ehre, die Maske ablegen zu können, und nicht sie zu behalten.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 14.10.2011 um 22:09
@Bildungswirt schrieb am 14.10.2011 um 19:09

Ich glaube nicht, dass hermeneutische Fähigkeiten und Lesekompetenz darauf zu reduzieren wären, ob man abstrakte/surrealistische Texte versteht. Und meine Lesekompetenz war schon in der Grundschule besser als Lesekompetenz bei einem durchschnittlichem deutschen Abiturienten... auch wenn ich aus der Gosse komme und wenn um meine Lesekompetenz keiner sich gekümmert hat. Da brauche ich mich nicht zu schämen.

Aber wir können das natürlich gerne unter Beweis stellen und unsere Lesekompetenzen hier spielen lassen. Ich schlage Dir eine Wette vor. Nimmst Du an?
poor on ruhr schrieb am 15.10.2011 um 11:57
@Fahrenheit451

Nicht weniger wet als die Anderen aber auch nicht mehr. Ich habe schon den Eindruck, dass Du bei mir besonders hart rangehst. :(

...aber duch die vielen Süßen Pandafotos hast Du bei mir noch was gut. :)
Ehemaliger Nutzer schrieb am 16.10.2011 um 10:08
Nix Panda, ab heute gibt es nur Koala-Bären... und wenn es deswegen Beschwerden gibt, dann eben nur noch KATZEN

poor on ruhr schrieb am 17.10.2011 um 21:29
@Fahrenheit451

Koalas gehen auch. :)
Bildungswirt schrieb am 23.10.2011 um 17:09
@poor und @ Fahrenheit
Die Koalas helfen dann den "Arbeitstieren" beim Aufbau innerer Harmonie.
miauxx schrieb am 12.10.2011 um 20:57
"Möglich sind viele Selbst-Veränderung schon im Kapitalismus." und "Welche Produkte und Dienstleistungen brauchen wir gesellschaftlich notwendig?"

Diese, den Text umklammernden, weisen auch auf das Hauptproblem. Auf die Gefahr hin, dass ich als allzu realistischer Pessimist gelten mag: Der Kapitalismus würde sich tatsächlich ohne eine gereckte Faust, quasi "von selbst", erledigen, würde er derart entschleunigt, wie der Artikel empfiehlt. An einen entschleunigten Kapitalismus mit einer ausgeglichenen Lebensqualität für jedermann glaube ich aber nicht. Da liegt ein Widerspruch begraben. Kapitalismus kann nicht ohne ständiges Wachstum, ohne die Exploration neuer Märkte usw. Er baut darauf; ansonsten wäre es schlicht kein Kapital-ismus.
So, und nun einigen wir uns mal darauf, "welche Produkte und Dienstleistungen" wir als "gesellschaftlich notwendig" erachten.
Und das geht eben nicht im Kapitalismus. Das ginge nur ohne denselben. Zumindest wäre das die erste Prämisse. Denn "gesellschaftlich notwendig" ist im Kapitalismus , was denselben am Laufen erhält.

Entspannter leben, mit Blick auf eine Lebensqualität, die sich den, letztlich für alle ungesunden, Zwangsmechanismen des Kapitalismus zu entziehen weiß, ist sicher möglich.
Dafür bedürfte es aber eines entschlossenen Schrittes weg vom Kapitalismus. Dass dafür "Muße" nötig ist, ist ein schöner Gedanke. Auch deshalb, weil sie, wie Bildungswirt nahelegt, vielleicht das bessere Mittel gegenüber den bekannten, vielleicht inhaltlich nicht hinreichend aufgeladenen, Mottos von Revolutionen, wie sie die Welt schon gesehen hat, sein könnte. Womöglich scheitert so etwas aber tatsächlich an der viel beschworenen "Natur" des Menschen ...

Und: Wesentlichst ist auch der Aspekt des Begriffes von Freiheit.
Denn, geben wir es zu, so wie sich Freiheit in "unserer" westlichen Welt, die ja den Begriff davon gepachtet zu haben scheint, darstellt, ist sie vor allem eine Freiheit des Einzelnen, worin die eigentliche Übersetzung zu Egoismus naheliegender ist, als die Freiheit aller.
Ich denke, hierin, im Begriff von Freiheit, liegt sogar das Schwergewicht einer Neubewertung von Lebensqualität. Nehmen wir doch das Ideal einer Freiheit und Gleichheit für alle: Denkt man das konsequent zu Ende, so geht das nur mit Abstrichen für den Einzelnen. Fragen darum, was wir wirklich brauchen an Produkten und Gütern, was hier vielleicht "natürliche Bedürfnisse" des Menschen sind, werden wir nie beantworten können. Der Gedanke daran ist freilich Humbug. Aber dem sich wenigstens insoweit annähern, dass die Irrationalität der Rationalität des Kapitalismus ausgebremst werden könnte, ist nur mit der Frage um eine Freiheit für alle möglich.
Wenn wir nun den, den Artikel beschließenden, Worten Gandhis recht geben wollen, so werden wir jedenfalls noch seehr lange warten müssen ...

Wie man viell. auch meinem Kommentar, der hoffentlich nicht als Nörgeln verstanden wird, entnehmen kann, habe ich den Artikel gern gelesen und Anregendes mitgenommen!
poor on ruhr schrieb am 12.10.2011 um 21:32
@miauxx

"Wie man viell. auch meinem Kommentar, der hoffentlich nicht als Nörgeln verstanden wird, entnehmen kann, habe ich den Artikel gern gelesen und Anregendes mitgenommen!"

So ist es mir mit diesem Blog auch ergangen! ;)
Bildungswirt schrieb am 13.10.2011 um 10:45
@miauxx
Vgl. nochmal das Text-Original.
Da steht: "Auf der Suche nach neuen erstrebenswerten Bildfacetten einer kapitalfreien Gesellschaft folge ich verschiedenen Spuren des Denkens zu einer „Anderen Gesellschaft“....
Geld wird von Kapital als Kategorie unterschieden, Ja, eine Andere Gsellschaft ist auch auf Geldströme angewiesen (das GEld als Zahlungs- und Tauschmittel ist eben nicht abgeschafft) aber nicht auf Kapital.(vgl. dazu die Ausführungen bei Jäger)

"Der Kapitalismus würde sich tatsächlich ohne eine gereckte Faust, quasi "von selbst", erledigen,..." das behauptet niemand!! Aber umgekehrt bringt die "gereckte Faust" nicht die "andere GesellschFT". Sie säht nur Aggression und Gewalt in einer Aufwärtsspirale.
Da halte ich es doch lieber mit er offenen ausgestreckten Hand.
miauxx schrieb am 13.10.2011 um 13:48
@Bildungswirt
"Der Kapitalismus würde sich tatsächlich ohne eine gereckte Faust, quasi "von selbst", erledigen,..." das behauptet niemand!!

Nun, ich habe Dich aber so verstanden, dass deine Gedanken letztlich schon auf eine "Erledigung", wenn auch vornehmlich auf dem Wege einer schleichenden Revolution (dafür klingt "Erledigung" freilich zu kämpferisch; weil ja "ohne gereckte Faust"), des Kapitalismus hinauslaufen. Du fügst ja im obenstehenden Kommentar auch noch mal deinen einleitenden Satz ein ("Auf der Suche nach neuen erstrebenswerten Bildfacetten einer kapitalfreien Gesellschaft (...)").

Vor allem praktischen Handeln zu einer "kapitalfreien Gesellschaft" muss freilich ein Prozess des Bewusstwerdens über das Wie einer solchen stehen. Damit stellt sich zunächst die Frage, ob die Menschheit überhaupt bereit sein kann, ohne ein Eintreten des denkbar schlimmsten Falles und einer daraus folgenden Katharsis, sich Grundlagen zu schaffen, die so etwas wie eine gerechte Gesellschaft entstehen lassen können. Also ob sie in der Lage sein kann, eigentlich untrügliche Zeichen zu deuten und prophylaktisch konsequente Schritte daraus abzuleiten.

Einstmals gab es die vermeintlichen Gesetze der 'besseren Geburt' und somit 'Auserwählte', die dazu berufen schienen, über das Gros der Anderen zu entscheiden; sie zu regieren. Daraus schien kein Entkommen möglich. Die kapitalistische Gesellschaft hat die der Stände zwar unter dem Aspekt der 'natur- oder gottgewollten' Hierarchien verdrängt, ist im Grunde aber auch keine wirkliche Gesellschaft. Auch der Kapitalismus begründet sich als beste Struktur, die der 'Natur' des Menschen entspreche. Eigentlich würden immer noch im Menschen Gesetze der Tierwelt durchschlagen, die allein den Stärkeren das Lebensrecht zubilligen. Ein gewisser Humanismus konnte jedoch insoweit durchschlagen, als das heute von prinzipieller Chancengleichheit gesprochen wird. Wer es damit trotzdem nicht schafft, wird mit seiner "Unfähigkeit" eben in die Ecke gestellt. Dass der Kapitalismus seiner Natur nach diese Chancengleichheit, auf das jeder ein König sein kann, gar nicht bereitstellen kann, der Verweis auf das persönliche Vermögen oder Unvermögen also nur eine Bemäntelung einer nun einmal mangelhaften Struktur ist, wissen wir.
Wenn wir nun dahin kommen wollen, was notwendig und zufriedenstellend für uns sein kann, so wäre wesentlich auch an einer Bewertung von Begriffen zu arbeiten. "S-Klasse", "Premium", "royal" u.ä. aber auch z.B. "Erfolg" geben nämlich nichts anderes als gesellschaftliche Distinktion vor. Präziser gesagt als es z.B. die Vorstellungen von Campanella hergeben, geht es darum, wie jeder in der Lage sein kann, gleichermaßen wie für sich auch für den anderen zu wirtschaften, ohne dass er dies als Wettbewerb kategorisiert.

Und letzten Endes würden die Vorstellungen einer gerechten und Gesellschaft auch nur in einer postnationalen Welt möglich werden.
Denn allein die Versuche sozialistischer Gesellschaften waren auf nationale Behauptungen zurückgeworfen, sie geschahen regional isoliert, womit ihr Scheitern wesentlich auch in der Unausweichlichkeit des Wettbewerbs mit der Systemkonkurrenz zu suchen ist.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 13.10.2011 um 14:39
Diesem Kommentar stimme ich voll und ganz zu, d.h. bis zu dem letzten Absatz. Ich würde mich hier ohne Murks unter jedem Satz unterschreiben, aber was der letzte Absatz betrifft, da habe ich eine andere Meinung. Ich werde mich dazu allerdings nicht hier im Kommentar äußern, sondern in einem Blog, weil diese Sache mit Finanzen, Arbeit, Wettbewerb etc. jetzt gleichzeitig in mehreren Artikeln und Blogs diskutiert wird und ich stolpere da andauernd über Gedanken, denen ich nicht zustimmen kann und die eigentlich den gleichen Hintergrund (für mich) haben... dann möchte ich es eben in einem Blog zusammenfassen, nicht in einem Kommentar, der schnell untergeht.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 13.10.2011 um 14:40
Das war @miauxx schrieb am 13.10.2011 um 13:48
Bildungswirt schrieb am 13.10.2011 um 17:18
@miauxx

Ich versuche auf verschiedene Aspekte deines Kommentars einzugehen. Der besseren Übersicht wegen nummeriert:

1. Die Metapher der "gereckten Faust" müsstest du schon inhaltlich etwas näher füllen. Was soll das für eine gewalttätige Revolution der Faust sein?

2. Ich hatte auf der Ebene der Metapher deshalb die "offenen ausgestreckten Hand" dagegen gesetzt. Ja, gegen "schleichende Revolution" hätte ich nichts einzuwenden, blutige, eruptive, kurzlebige Revolutionen hatten wir doch schon genug.

3. An einer Spielart des Parlamentarismus, an einer freien und geheimen Wahl für jedermann, werden wir nicht vorbeikommen. Im Gegenteil: ich sehe keine Alternative dazu; sie ist ein MUSS. Das Volk muss wählen können. Für eine Andere Gesellschaft - und das ist immer wieder unser Diskussionszusammenhang - hat Michael Jäger einiges dazu unter dem Stichwort "Urwahlen" ausgeführt. Über das nähere "Wie" (du fragst danach) wird noch ausführlich zu sprechen sein. Vgl. immer wieder dazu Jägers Blogbeiträge zur Anderen Gesellschaft...wenn nicht werde ich spätestens ab Beitrag 20 näheres dazu sagen. (Aber du kannst das ja auch tun...)

4. Ungleichzeitigkeiten der Entwicklung wird es bei ca. 200 Nationen immer geben. Der Beginn der Anderen Gesellschaft basiert auf einen gewissen Reichtum, damit es überhaupt etwas zu verteilen gibt, das wiederum jährlich geschaffen werden muss. (Ich hatte an anderer Stelle schon einiges dazu gesagt)

Soweit erstmal
Gruß BW
Bildungswirt schrieb am 13.10.2011 um 17:21
@Fahrenheit451
Vgl. meine Antwort an miauxx. Kannst du damit etwas anfangen?
SChick mir einen Link, wenn du mir deinem neuen Blogbeitrag fertig bist...ich werde das lesen...
Bildungswirt schrieb am 13.10.2011 um 17:21
@Fahrenheit451
Vgl. meine Antwort an miauxx. Kannst du damit etwas anfangen?
SChick mir einen Link, wenn du mir deinem neuen Blogbeitrag fertig bist...ich werde das lesen...
Bildungswirt schrieb am 13.10.2011 um 17:24
@ Fahrenheit
Vgl. meine Antwort an miauxx. (Du stimmtest ihm weitgehend zu) Kannst du damit etwas anfangen? Werde deinen geplanten Blogbeitrag lesen.
Bildungswirt schrieb am 13.10.2011 um 17:26
@Fahrenheit 451
Warum hast du denn deinen schönen blauen Schmetterling versenkt?
Ehemaliger Nutzer schrieb am 13.10.2011 um 21:54
Ich stelle fest, dass ich mich im Bezug auf Miauxx's Kommentar nicht richtig ausgedrückt habe. Ich habe geschrieben, dass ich seinem letzten Absatz nicht zustimme, aber das stimmt so nicht ganz.

Miauxx hat geschrieben: "Und letzten Endes würden die Vorstellungen einer gerechten und Gesellschaft auch nur in einer postnationalen Welt möglich werden.
Denn allein die Versuche sozialistischer Gesellschaften waren auf nationale Behauptungen zurückgeworfen, sie geschahen regional isoliert, womit ihr Scheitern wesentlich auch in der Unausweichlichkeit des Wettbewerbs mit der Systemkonkurrenz zu suchen ist."


Also dem ersten Satz stimme ich ABSOLUT zu. Aber ich habe das nicht extra erwähnt, weil ich davon ausgegangen bin, dass es völlig selbstverständlich ist... etwas anderes konnte ich mir gar nicht vorstellen. Als ich meinte, ich bin mit seinem letzten Absatz nicht einverstanden, ging es mir dabei um seine Äußerung über sozialistische Gesellschaften. Dazu aber später im Blog.

Was postnationale Gesellschaft betrifft: Du schreibst "Ungleichzeitigkeiten der Entwicklung wird es bei ca. 200 Nationen immer geben. Der Beginn der Anderen Gesellschaft basiert auf einen gewissen Reichtum, damit es überhaupt etwas zu verteilen gibt, das wiederum jährlich geschaffen werden muss." Das kann ich so nicht nachvollziehen. Entweder geht uns allen gut... oder eben nicht. Wir haben das gleiche Schicksal zu teilen, wenn wir WIRKLICH eine andere Gesellschaft wollen. Die Menschheit muss ein GEMEINSAMES Finanzsystem haben. Du sagst, es sei unmöglich, dass alle einen gewissen Reichtum haben. Warum eigentlich? Sieh mal, die meisten G8-Länder haben weder Bodenschätze noch sonst welche nennenswerte Ressourcen, sie haben nicht genug (junge) Menschen, die arbeiten, Güter erschaffen und in die Rentenkassen einzahlen... die Schwellenländer haben sowohl Ressourcen als auch genug (junge) Menschen, die arbeiten können und wollen. Aber sie werden geschickt von kapitalistischen Ländern ausgebeutet, ihre Potenzialen werden unterdrückt und so. Nun, es liegt nah, dass man damit aufhören muss und stattdessen ein gemeinsames gerechtes System aufbauen, wo jeder die gleiche Chancen bekommt und gleichermaßen die Güter genießen kann. Du sagst, es wäre unmöglich. Warum eigentlich? Weil wir diese Länder auch in der anderen Gesellschaft ausbeuten wollen? Weil es uns so bequem ist? Aber hallo. Wo ist der Unterschied zum Kapitalismus? Warum sollten die Menschen in Europa es besser haben als die Menschen z.B. in Afrika? Sind sie bessere Menschen, bringen sie mehr Leistung für die Menschheit? Mit Sicherheit nicht. Heißt es, das Wohlbefinden des Menschen in anderer Gesellschaft sollte davon abhängig sein, in welchem Land man geboren wird? Das muss ich jetzt doch nicht ernst nehmen, oder?

Du sagst, wir müssen weniger arbeiten und mehr Muße genießen. Und Du könntest er wirklich mit ruhigem Gewissen tun, während Menschen in Afrika 14 Stunden am Tag für ein Stück Brot arbeiten? Während Kinder arbeiten anstatt zur Schule zu gehen? Warum sollten diese Kinder es schlechter haben als z.B. Deine Kinder? Das begreife ich nicht. Es gibt kein richtiges Leben im falschen!

Du sagst: Nicht nur Muße, sondern auch Liebe. Aber diese Menschen in z.B. Afrika wollen auch geliebt werden! Sie wollen keine Welt, wo es nur Krieg, Hunger, Hass, Vergewaltigungen und so etwas gibt. Sie haben Liebe genauso verdient, wie jeder Mensch in G8-Ländern. Wer wird sie lieben? Lieben heißt, den geliebten Menschen/die geliebte Idee lebendig zu machen, seine/ihre Kräfte zu steigern, seine/ihre unerkannte Potenziale zu wecken, seine/ihre Entwicklung zu fördern, ihn/sie mit der Welt vertraut zu machen. Wer? wird? sie? lieben?
Ehemaliger Nutzer schrieb am 13.10.2011 um 22:08
Okay, ich werde Dich informieren, wenn mein Blog fertig ist.

Der blaue Schmetterling ist aufm Urlaub... ;) dafür gibt es jetzt zwei Schmetterlinge im Pink.
Bildungswirt schrieb am 14.10.2011 um 13:17
Schmetterling in Pink - auch nicht schlecht, jedenfalls besser als ein simpler Wegweiser...
Nach dem Urlaub dann wieder in himmelblau.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 14.10.2011 um 13:28
Hihi... gegen so viel Leidenschaft kann der blaue Schmetterling natürlich nicht widerstehen. Gleich kommt das Vieh zurück.
Bildungswirt schrieb am 14.10.2011 um 13:34
@ Fahrenheit 451
Positiv, du kehrst in den Kreis der Argumentierenden zurück und pöbelst nicht nur rum.
Mit einer idealistischen rosa Brille mit globaler Weltperspektive auf der Nase würde ich dir in fast allen Punkten zustimmen. Das würde heißen, das wir die realen Macht- und Ausbeutungsverhältnisse, die Macht des internationalen Finanzkapitals, die Herrschaftsform der Diktatur (die Mehrheit auf unserem Planeten), korrupte Eliten fast überall u.v.m. einfach ignorieren.
Da es aber nicht so ist und ich rhizomatisch schaue, werbe ich pragmatisch für eine realistische, anzustebende Vernunft mit Muße. Ja, die Menschenrechte sollten überall gelten, ist aber leider nicht so.
Übrigens: Es geht nicht um viele junge Arbeitskräfte, die arbeiten können. Es geht um Produktivität.

Ansonsten bin ich bei dir: im 22. Jahrhundert, alle Ausbeutung abgeschafft, Freiheit und Muße für ALLE!

Gruß BW
Bildungswirt schrieb am 14.10.2011 um 13:38
Wunderbar: der blaue Muße-Schmetterling ist zurück - eben auch ein Grund zu feiern.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 14.10.2011 um 13:47
Es ist kein MUßE-Schmetterling!!!!!
Ehemaliger Nutzer schrieb am 14.10.2011 um 13:53
@Bildungswirt schrieb am 14.10.2011 um 13:34

"Ansonsten bin ich bei dir: im 22. Jahrhundert, alle Ausbeutung abgeschafft, Freiheit und Muße für ALLE!"

Nein, Du bist nicht bei mir, denn ich habe an keiner Stelle gesagt, dass ich im 22.Jahrhundert (oder wann auch immer) Muße für alle (oder überhaupt für jemanden) anstrebe. Das ist nicht mein Zukunftsprojekt, ich will es einfach nicht.

Und wenn Du solche banale Sachen, wie etwa, dass alle Menschen gleiche Chancen haben sollte, unabhängig davon, wo sie geboren sind, dass alle Menschen gleiche Rechte auf Wohlbefinden haben sollte, ebenso unabhängig davon, wo sie geboren sind usw., usf., also wenn Du solche selbstverständlich Sachen als idealistische rosa Brille betrachtest, dann sag mir bitte, was sollte an dieser angeblich anderer Gesellschaft überhaupt anders sein? Ist doch alles bei altem, ein paar reiche Länder beuten der Rest der Welt aus... woher soll der Reichtum weiterhin kommen? Insbesondere wenn so viel Muße angestrebt wird?

Und jetzt stell Dir vor, Du würdest das, was hier so alles über Freiheit, Muße und Weltverhältnisse geschrieben wird nicht aus der Perspektive hier in Deutschland lesen, sondern aus der Perspektive in z.B. Afrika. Wenn Du jetzt ein afrikanischer Arzt wärst, der in miserablen Verhältnissen gegen Epidemien kämpft oder so... was würdest Du über deutsche Müßiggänger denken? Und: Würde es Dich wunder, wenn der Rest der Welt irgendwann zu dem Gedanken kommt Occupy G8?

Was Ihr hier mit der angeblich anderen Gesellschaft anstrebt, ist nur eine SEHR fortgeschrittene Form des Kapitalismus... aber die Konstellation der Dinge ist so, dass diese Form nie zustande kommt. Und das ist auch gut so.
Bildungswirt schrieb am 14.10.2011 um 13:53
Ein blauer Schmetterling verkörpert par excellence die Muße. Flattert von Blume zu Blume, schwebt fei in den Lüften und Düften...
aber wenn du meinst - eben ein Arbeitstier.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 14.10.2011 um 14:03
Der blaue Schmetterling ist weder Verkörperung der Muße noch ein Arbeitstier... er ist Symbol für Schmetterlingseffekt. Jetzt ist er aber weg! Weder er noch ich befürworten Eure Muße-Gedanken!
Bildungswirt schrieb am 14.10.2011 um 14:08
@ Fahrenheit

Bitte keine unnötigen weiteren Missverständnisse!

Ich habe auf den entscheidenden Unterschied zwischen IST und SOLL(Ideal) hingewiesen, ebenso auf die Menschenrechte als Universalrechte, ebenso auf gesellschaftliche Ungleichzeitigkeiten und unterschiedlichen Produktivitätsniveaus....Alles ist beim Aufbau einer Anderen Gesellschaft zu berücksichtigen...

22. Jahrhundert war eine Anspielung auf deine russ. Science-Fiktion-Autoren.

Wenn du keine Muße für Alle willst - dann eben nicht. Der 48-Std-Tag für Alle kannst doch nicht ernsthaft sein!?

Mein lieber blauer Muße-Schmetterling, ich muss jetzt min. eine 5-stündige Freitag-Auszeit machen und ganz normal etwas arbeiten.
Tschüss BW
Bildungswirt schrieb am 14.10.2011 um 14:10
Schade. Schmetterlinge sind mir lieber als Totenschädel.

Und jetzt ab in die Sonne und etwas arbeiten.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 14.10.2011 um 15:15
"Ich habe auf den entscheidenden Unterschied zwischen IST und SOLL(Ideal) hingewiesen, ebenso auf die Menschenrechte als Universalrechte, ebenso auf gesellschaftliche Ungleichzeitigkeiten und unterschiedlichen Produktivitätsniveaus....Alles ist beim Aufbau einer Anderen Gesellschaft zu berücksichtigen..."

Was in der anderen Gesellschaft bzw. in Deinen Blogs beschrieben wird, ist kein IST-Zustand, sondern ein SOLL(Ideal)-Zustand, der angestrebt sein sollte. Ich komme aber mit solchen SOLL-Zuständen nicht klar und ich will sie gar nicht anstreben.
miauxx schrieb am 14.10.2011 um 19:15
@Fahrenheit451

Ich denke - eigentlich wird das auch ziemlich unmißverständlich klar -, dass Bildungswirt mit der Vorstellung von mehr Muße und v.a. Entschleunigung des kapitalistischen Wirtschaftens eben nicht ein Ausruhen auf einem dicken Ruhekissen des Erwirtschafteten im reichen Westen und Norden zulasten der sogenannten 3. Welt oder der Schwellenländer meint. Solche Zustände hatte z.B. die Antike, in der körperliche Arbeit sich für den Bürger der Polis, wie auch in Rom, nicht ziemte. Die Philosophen, Staatsmänner etc. hatten so alle Muße, sich der vergeistigten Arbeit zu widmen. Die Muße galt geradezu als Idealzustand eines Lebens.

Aber darum geht es hier eben nicht! Ziel ist und sollte doch sein, die Überproduktion im Sinne zwanghafter Akkumulation von Gewinnen, Renditen und Vermögen sowie deren zerstörerische Nebenerscheinungen zurückzufahren. Wenn das, freilich zuerst in der wirtschaftlich und technisch hochentwickelten Welt, erreicht werden kann haben alle was davon.
Wenn etwa ein Einsehen da wäre, dass wir nicht ein Überangebot an IT- u. Kommunikationstechnologie brauchen, nur damit sich hier jeder jährlich ein Handy für'n paar Euro kaufen kann, wäre der Ausbeutung und sogar Kriegen um die Rohstoffquellen seltener Erden u. Mineralien, z.B. in Afrika, schon viel entgegengesetzt. Oder wenn der Spekulation auf Lebensmittel und Rohstoffe (!), die ja im Gegensatz zu dem, was sie "erwirtschaftet", unsagbar viel zerstört (von Verhältnis kann hier schon gar nicht mehr gesprochen werden), entsagt werden würde - wieviel wäre hier gewonnen!

Ganz gleich, wie so etwas möglich sein könnte: Beginnen können solche Entwicklungen nur in den Ländern der westlichen und nördlichen Hemisphäre. Denn hier bestehen eben potentiell die Regelungsmöglichkeiten. Einem Bauer im Kongo kann man schlecht sagen, dass er ohne Not seinen Arbeitstag beschränken könnte.
miauxx schrieb am 14.10.2011 um 19:16
@Bildungswirt schrieb am 13.10.2011 um 17:18

Bin etwas spät dran, ich weiß.
Würde Deinem Kommentar zunächst nicht viel hinzuzufügen wissen. Wäre gespannt auf weitere Ausführungen bezüglich der Gestaltungsmöglichkeiten einer Welt mit mehr Muße. Zumindest zunächst hier, bei uns.
Mit der "gereckten Faust" meine ich nichts anderes als eben das Urbild der Revolution, wie es insbesondere die Ikonografie des "roten", kommunistischen Arbeiteraufstandes wiedergibt.

Ich finde Deine Ablehnung dieser, durchaus das Mittel der Gewalt einschließenden, Form des Widerstandes in Form deiner Argumentation durchaus spannend! Auch wenn mir zunächst mehr am Eingehen auf "deinen" Weg gelegen war, ist das Mittel des deutlichen Aufstandes, der nur allzumenschlichen Reaktion auf widerwärtige Mißstände, trotzdem nicht als per se unmögliches anzusehen.
Um dann aber einer puren Gewaltförmigkeit vorzubeugen, müsste das Mittel des Dialogs und Austausches unbedingt mit einbezogen werden. Denn, da hast du recht, wir würden wohl nicht wirklich weiterkommen, wenn es schlicht damit getan scheint, "Bosse und Banker" aufzuknüpfen oder zu verjagen, woraufhin die Gefahr zu nahe liegt, dass sich eine neue Führerschaft in Besitz des "rechten" Weges etabliert. Möglich sein müßte eine Lösung für alle!
Das Bild der "gereckten Faust" - als Gegenbild der in der Hosentasche geballten - ist aber zumindest als Symbol derer, die vornehmlich nur Lasten tragen, hat in meinen Augen aber seine symbolische Berechtigung. Nämlich die der ersten Empörung und des Aussprechens.

Gruß,
miauxx
Bildungswirt schrieb am 14.10.2011 um 19:24
@ Fahrenheit
Das ist schlicht falsch:
a) Mein IST/SOLL-Hinweis macht klar, das wir erst die tatsächlichen vorfindbaren Verhältnisse zur Kenntnis nehmen müssen. Aus der Analyse ergeben sich i.d.R. Alternativen:
b) Genau so geht die Debatte um die Andere Gesellschaft vor. Michael Jäger und viele der Kommentatoren aus der FC verwenden viel Zeit und Hirnschmalz zur Analyse des Kapitalismus...bitte immer wieder in den Blogs nachlesen und nicht ganz so schnell urteilen!

"Ich komme aber mit solchen SOLL-Zuständen nicht klar und ich will sie gar nicht anstreben."

Hier bricht wieder dein "will nicht" durch. Du warst schon weiter. Wenn du nicht klar kommst, dann lass dir helfen oder schlaf erst mal ne Runde. Schlaf tut gut! Dazu dann mehr in meiner 4. Randnotiz.
Nach dem Erholungsschlaf wird dir vielleicht einleuchten, dass der Schmetterling eben doch freundlicher ist als der Totenschädel - ich will die Hoffnung nicht so schnell aufgeben.
Gruß BW
Bildungswirt schrieb am 14.10.2011 um 19:32
@miauxx
Ja, das ist einer der Linien in einer komplexen Argumentation für eine Andere Gesellschaft.Eben keine Privilegienhuberei!
Mit Muße kann man sogar die Produktivität erhöhen, wenn es denn gewünscht wird. Eine wirklich tolle Idee schlägt machmal ein wie ein Blitz. Davor gabs viel Arbeit und Muße.
Bildungswirt schrieb am 14.10.2011 um 19:37
@ miauxx
Die Zeiten der roten Fahne und der gewalttätigen geballten Faust sind vorbei, klassische Revolutionskonzepte und Arbeiteraufstands-Mythen gehören auf den Müllhaufen der Geschichte. Sie produzieren immer auch Tod in dir selbst!
Eine friedliche Massendemonstration wie z.B. morgen gegen das Finanzkapital wäre schlecht beraten, wenn sie in Gewalt enden würde. Das weiche Wasser bricht den Stein...
Gruß BW
Ehemaliger Nutzer schrieb am 16.10.2011 um 17:12
@miauxx schrieb am 14.10.2011 um 19:15

"Ich denke - eigentlich wird das auch ziemlich unmißverständlich klar -, dass Bildungswirt mit der Vorstellung von mehr Muße und v.a. Entschleunigung des kapitalistischen Wirtschaftens eben nicht ein Ausruhen auf einem dicken Ruhekissen des Erwirtschafteten im reichen Westen und Norden zulasten der sogenannten 3. Welt oder der Schwellenländer meint."

Weder war das klar noch ist es.
Bildungswirt schrieb am 23.10.2011 um 17:13
@miauxx und Fahrenheit
Jetzt dürfte der Sachverhalt aber klar sein.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 12.10.2011 um 22:17
"Wie meinte nochmal der große unerschrockene Gandhi? „Das Gute geht im Schneckentempo.“ Ohne Muße ist fast alles nichts."

Das ist Humbug. Es gibt keine Gute in der Natur, die vom Menschen getrennt wäre, d.h. in welchem Tempo das Gute geht, bestimmt nicht das Gute selbst, sondern der Mensch. Aber, klar, wenn man nicht nach dem Guten sehnt, sondern nach Muße, dann geht das Gute wahrlich im Schneckentempo. Wir entschleunigen uns oder so...
Streifzug schrieb am 12.10.2011 um 22:47
Muße muss sein
miauxx schrieb am 12.10.2011 um 23:04
Mal so nebenbei - obwohl ich mir die Frage sofort beim Lesen der Überschrift stellte, da stutzend:
Warum schreibt sich die Muße eigentlich mit "ß" ??
Ist es der richtige Moment, wenn einen die Muse küsst und man dann muss? :-) - Nee, aber im Ernst, weiß das wer?
Bildungswirt schrieb am 13.10.2011 um 10:47
@ Streifzug
Wat mut dat mut, sehen übrigens Frauen und Männer gleich.
Bildungswirt schrieb am 13.10.2011 um 10:50
@ miauxx
Rechtschreibregel: Auf langen Vokal folgt ß, wie z.B. bei Muße oder Straße. Auf kurzen Vokal folgt ss, wie z.B. bei Kuss oder nass oder muss.
Deshalb heißt es: Muße muss sein!
Bildungswirt schrieb am 13.10.2011 um 10:52
@ miauxx
Noch eine Ergänzung zur Rechtschreibung. Bei den Schweizern ist das aber anders. Da heißt es Strasse...
Egal, Hauptsache die kommunikative Funktion ist nicht gestört.
Bis 1880 haben alle Geister eh geschrieben, wie es ihnen gerade in den Sinn kam.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 13.10.2011 um 10:53
Wie besoffen müsste eine Muse sein, um einen von Euch küssen müssen zu wollen?
Bildungswirt schrieb am 13.10.2011 um 10:59
@ Fahrenheit 451
Das macht die Muse ganz freiwillig. Im Kuss steckt kein muss...
Bildungswirt schrieb am 13.10.2011 um 11:01
@ Fahrenheit 451
Das macht die Muse ganz freiwillig. Im Kuss steckt kein muss...
und in der Liebe heißt es: Aber besoffen bin ich von dir..
miauxx schrieb am 13.10.2011 um 14:04
T-Shirt für Fahrenheit 451
Ehemaliger Nutzer schrieb am 13.10.2011 um 14:13
Wieso ALLE? IHR seid nicht ALLE! Aber ja, klar, jeder, der Eure Meinung nicht übernimmt, ist automatisch dumm, wer hätte das bezweifelt.
Bildungswirt schrieb am 13.10.2011 um 16:51
Okay, Narziss von hinten durch die Brust..
Aber was ist das alles gegen die Liebe und Muße?
GEBE schrieb am 13.10.2011 um 17:50
Aua, Herr Bildungswirt, die Erklärung tut aber weh!

Sie schreiben dann wohl auch museal mit 'ß' oder auch Mußentempel und Mußeum; wahrscheinlich auch Mußelman und Mußik und Mußiker?

Der Unterschied zwischen Muse und Muße ist jedoch der, daß die Muße (im Sinn freier Zeit) tatsächlich mit 'ß' geschrieben wird, nicht aber die Muse (im Sinne einer der Göttinnen der Künste).
Bildungswirt schrieb am 13.10.2011 um 19:17
Herr GEBE,
Sie müssen sich hier nicht beteiligen, das ist der Muße abträglich und die Muse weint...
Hben Sie inhaltlich zum Blog etwas zu sagen?
Nietzsche 2011 schrieb am 12.10.2011 um 23:13
„Ziel: ein „schöner Lebenszustand“? Ja, aber bitte nicht erst in 20 Jahren!“
Na, da freut sich aber unsere Null-Bock-Generation. Warum denn jetzt lernen oder eine Ausbildung absolvieren – nö, ich will jetzt Spaß. Sorry, genau diese Haltung erlebe ich fast täglich.

Natürlich liest sich „Der Sonnenstaat“ interessant; genau wie „Utopia“ von Morus u.a. Nur sollte man nicht vergessen – sie blieben immer Utopie i.S.v. Denkmodellen. Übrigens hat schon Epikur der Muße das Wort geredet – allerdings als „Schöngeist“.
Bildungswirt schrieb am 13.10.2011 um 10:57
Wo ist die "Null-Bock-Generation", die sich freuen kann? Vielleicht das Jahrhundert verwechselt?
Spaß? Klar, jetzt und hier und zwar sofort (und nachts liest man dicke Bücher, u.a.)

Wir Zeit, dass wir einigen Utopien weiteren Geist einhauchen...was hast du gegen "Schöngeister"? Springt dich das Häßliche nicht täglich an?
Bildungswirt schrieb am 13.10.2011 um 10:57
Wo ist die "Null-Bock-Generation", die sich freuen kann? Vielleicht das Jahrhundert verwechselt?
Spaß? Klar, jetzt und hier und zwar sofort (und nachts liest man dicke Bücher, u.a.)

Wir Zeit, dass wir einigen Utopien weiteren Geist einhauchen...was hast du gegen "Schöngeister"? Springt dich das Häßliche nicht täglich an?
Nietzsche 2011 schrieb am 13.10.2011 um 12:34
@Bildungswirt um 10.57
"Wo ist die "Null-Bock-Generation", die sich freuen kann? Vielleicht das Jahrhundert verwechselt?"

Ich lebe in diesem Jahrhundert und habe täglich mit Ausbildungskandidaten zu tun. Aber offensichtlich kennen Sie die Realität nicht so genau. Ein Blick in Wikipedia und zwei ins Leben könnten da helfen!

Gegen Schöngeister hab ich absolut nichts. Nur - eine Gesellschaft kann nicht nur aus Schöngeistern bestehen.
Bildungswirt schrieb am 13.10.2011 um 12:59
@ Nietzsche2011
"Ich lebe in diesem Jahrhundert und habe täglich mit Ausbildungskandidaten zu tun. Aber offensichtlich kennen Sie die Realität nicht so genau. Ein Blick in Wikipedia und zwei ins Leben könnten da helfen!"

Na, gegen Ihre persönliche Erfahrungen habe ich nichts einzuwenden; jedoch daraus auf "die Realität" zu schließen reichlich vermessen. DIE Realität gibt es nicht. Beschreiben Sie doch mal Ihr Ausbildungskandidaten, möglicherweise verkennen Sie deren Motive und innere Widerstände gegen Ihre Art von Ausbildung.

Es geht nicht nur darum, dass SIE nichts gegen "Schöngeister" haben (den Begriff haben Sie hier eingeführt). Ich wiederhole noch mal meine Frage: "Springt dich das Häßliche nicht täglich an?"

Meinen Sie nicht, dass wir so uns zu sehr vom Thema einer Anderen Gesellschaft entfernen?

LG BW
Bildungswirt schrieb am 13.10.2011 um 13:03
@ Nietzsche 2011
Noch eine kurze Frage zur Bedeutung Ihres "Namens" hier im Netz.
Beziehen Sie sich tatsächlich auf einen Nietzsche als Drehscheibe der Moderne? Meinen Sie den "Jenseits von...und "Menschliches..."?
Nietzsche 2011 schrieb am 13.10.2011 um 17:33
@Bildungswirt um 13.03
In Ihrer Frage liegt die Antwort.
"Drehscheibe der Moderne" - sorry, von solchen Floskeln halte ich nichts.
Bildungswirt schrieb am 13.10.2011 um 19:08
Mr. Nietzsche,
das war keine Floskel, sondern eine weitverbreitete und unter Gesellschaftswissenschaftlern anerkannte Einschätzung. Der originale Nietzsche ist die Drehscheibe der Moderne mit Ausdehnung bis zu Postmoderne. Vgl. u.a. Jürgen Habermas, Diskurs der Moderne.
lebowski schrieb am 13.10.2011 um 11:17
Eine spannende Frage ist, was die Linke in diesem Zusammenhang will. Arbeit für alle oder eben ein Kampf gegen die Arbeit? Die Gewerkschaften, Sozialdemokraten und Linksliberalen wollen Ersteres, aber wer sind die, die Letzteres wollen. Das sind diffuse Gruppen: Anarchisten, Lebenskünstler, die "Null-Bock-Generation". Die letztere Gruppe ist auf jeden Fall so gut wie gar nicht organisiert.
Bildungswirt schrieb am 13.10.2011 um 11:36
Die Gewerkschaften plus SPD machen im Kern traditionelle Politik für ihre Stammbelegschaften/
Mitglieder. Gesellschaftliche Visionen sind da nicht mehr zu erkennen. Der Gedanke - Die Muße ist die Zwillingsschwester der Freiheit - ist ihnen fremd . Sie sind Teil des Systems und an einem reibungslosen Funktionieren bei "angemessener" Teilhabe interessiert.

"Anarchisten, Lebenskünstler, die "Null-Bock-Generation". Die letztere Gruppe ist auf jeden Fall so gut wie gar nicht organisiert."
Das wäre m.E. doch ein stark verengter Blickwinkel mit vorschneller Zuordnungssehnsucht. Es geht mehr um ein postmodernes Lebensgefühl mit verscheidenen Praxen entgegen dem kapitalistischen Chaostheater. Traditionell lässt sich diese radikale "Systemkritik" nicht organisieren, sie entzieht sich, word rhizomatisch.
Bildungswirt schrieb am 13.10.2011 um 11:37
...soll heißen: wird rhizomatisch...
SuzieQ schrieb am 14.10.2011 um 00:37
@ Bildungswirt

Arbeit wäre zum Zweck ihrer selbst, um sinnvoll beschäftigt sein, zu verstehen? Etwas schaffend, Sinn schaffend?
Nicht zum Zweck, etwa Tauschmittel dafür zu erhalten?
Der Mensch ist aber zu ich-bezogen, um eine altruistische Gesellschaft zu stemmen, es wird immer einen, je größer die Gesellschaft, umso mehr, Menschen geben, die ausscheren, die nicht funktionieren, im Sinne von Allgemeinwohl, quasi störend.
Soll nicht entmutigen, neue Wege zu finden. Bin nur nicht sicher, ob solche Gedankenexperimente mit Mensch als Protagonist realistisch sein können. Aber was weiß ich schon. Ich guck mich um, erlebe, dass Muße nicht gelebt wird. Dass Muße als Faul-Sein und Unproduktivität interpretiert wird, ganz grob als Schmarotzertum angesehen werden könnte, von denen, die kurz vorm burn-out stehen, von denen, die die sog. Freiheit besitzen, Beschäftigung zu bieten. Da haben Müßige keine Chance.
In einer freien Gesellschaft, und die Definition von Freiheit ist ebenso schwer wie die der Muße, lebt es sich wie im Paradies?
Luftschlösser bauen ist nicht so mein Ding, nichts gegen Fantasie, nichts gegen zeitweise müßig gehen. Den Titel würde ich auch anders wählen:
Die Muße ist eine Tochter der Freiheit.
So wie die Liebe.
Aber, und das muss ich ja gestehen, ich bin hier so reingeschneit, nach einigen links zum Thema Bildung/Schule in einem anderen blog und hab noch nicht gelesen, was in den letzten Tagen in deinem blog geschrieben steht. Werde ich nachholen, Thema ist allemal interessant, aber schwierig.
Zeit, passt auch zu Muße, allein die Zeit ist ein kostbares Gut.
Gruß von SuzieQ
Bildungswirt schrieb am 14.10.2011 um 13:08
..."Ich guck mich um, erlebe, dass Muße nicht gelebt wird. Dass Muße als Faul-Sein und Unproduktivität interpretiert wird, ganz grob als Schmarotzertum angesehen werden könnte, von denen, die kurz vorm burn-out stehen, von denen, die die sog. Freiheit besitzen, Beschäftigung zu bieten. Da haben Müßige keine Chance."

Was kümmert dich das Geschwätz der Masse? Gehe deinen Weg, würde nicht nur Charly Marx sagen...
Los-lassen-können ist eine Kunst. Das müßten zu allererst die Bänker in Ihren Kapitalkrampf lernen.Etwas mehr Müßiggang würde sie persönlich und vor allem die Gesellschaft schützen.

"Luftschlösser bauen ist nicht so mein Ding, nichts gegen Fantasie, nichts gegen zeitweise müßig gehen".
Nein, das sind keine Luftschlösser. Du kannst heute schon ganz praktisch beginnen...VGl. im Blogbeitrag u.a. die Bemerkung von Kh Geißler.

Gruß BW
Bildungswirt schrieb am 14.10.2011 um 13:08
..."Ich guck mich um, erlebe, dass Muße nicht gelebt wird. Dass Muße als Faul-Sein und Unproduktivität interpretiert wird, ganz grob als Schmarotzertum angesehen werden könnte, von denen, die kurz vorm burn-out stehen, von denen, die die sog. Freiheit besitzen, Beschäftigung zu bieten. Da haben Müßige keine Chance."

Was kümmert dich das Geschwätz der Masse? Gehe deinen Weg, würde nicht nur Charly Marx sagen...
Los-lassen-können ist eine Kunst. Das müßten zu allererst die Bänker in Ihren Kapitalkrampf lernen.Etwas mehr Müßiggang würde sie persönlich und vor allem die Gesellschaft schützen.

"Luftschlösser bauen ist nicht so mein Ding, nichts gegen Fantasie, nichts gegen zeitweise müßig gehen".
Nein, das sind keine Luftschlösser. Du kannst heute schon ganz praktisch beginnen...VGl. im Blogbeitrag u.a. die Bemerkung von Kh Geißler.

Gruß BW
GEBE schrieb am 13.10.2011 um 17:34
Was bitte ist eine „Muße“, werter Bildungswirt?

Als Zwillingsschwester der Freiheit betrachtet, anscheinend eine, die im Gegensatz zur Freiheit müssen muß? In dem Sinne also gleichsam eine Müsserin? Hmm, dann zweifle ich die Zwillingsschwesternschaft zu Freiheit aber gewaltig an. Es wäre dann wohl die Muße eher eine Verwandte der Zwängin. Oder?
Bildungswirt schrieb am 13.10.2011 um 18:10
Etwas wirr.
"Als Zwillingsschwester der Freiheit betrachtet, anscheinend eine, die im Gegensatz zur Freiheit müssen muß? "
Was soll der "Sinn" deines ersten Satzes sein? Was willst du?
Jedenfalls hat das nichts mit dem Blogbeitrag zu tun.
GEBE schrieb am 13.10.2011 um 19:06
Ich nehme an, Ihnen sind eben Muse und Muße durcheinandergeraten. (Siehe meinen Kommentar oben von 17:50 Uhr auf Ihre "Rechtschreibregel" um 10:50 zur Frage von @ miauxx .) Ich wünsche Erfolg bei der Erhellung des Sinns!

Und ich bitte Sie, nicht plump zu duzen.
Bildungswirt schrieb am 13.10.2011 um 19:13
Wo bitte verwechsle ich Muße und Muse?

In der Regel duze ich in der FC seit knapp 3 Jahren Mit Plumpheit hat das nichts zu tun. Bei Ihnen mache ich aber gern eine Ausnahme.

Solltzen Sie kein Interesse an einer Diskussion zu meinem Blogeintrag haben, dann lassen Sie es doch einfach. Niemand zwingt Sie hier zu einer Äußerung.
abghoul schrieb am 13.10.2011 um 19:47
Offensichtlich ein Objekt der fragmentierten Ontologie,
die Muße, die Kunst des Müßiggangs und so.
Vielleicht eher die kleine Schwester der Freiheit,
zumindest so wie ich sie formuliere.
Option intuitiven Lebenswandels bedingt durch Zwangsfreiheit,
also keine Verantwortung und Pflicht, kein Kummer und keine Sorgen,..
jedoch durchaus vergänglich und missbrauchbar...
erstmal ne Flasche Wein trinken, ein Pseudonym gebrauchen (Niemand) und ein bisschen mit dem großem einäugigen Kerl chatten, während der Zyklop meine Freunde verspeist,- frei nach Homer
Müßiggang, als Ausleben der Muße, wird oft gesellschaftlich diskreditiert, obwohl es durchaus regenerativen und therapeutischen Nutzen hat, und wird daher meist eher diskret begangen,...Lass es dir gutgehen, und lass es niemand wissen,-frei nach Epikur
Es gibt auf jeden Fall schon sehr lange Zank und Streit über die Natur und den Nutzen der Muße, schade eigentlich.
Greetings from abghoul, rotting away at his leisure ;)
Bildungswirt schrieb am 14.10.2011 um 12:58
Was soll "Zwangsfeiheit" sein?

Die Muße sollte individuell ausgestaltet sein und doch gesellschaftlich integriert als Stütze einer "Anderen Gesellschaft" gedacht sein.
iDog schrieb am 13.10.2011 um 23:59
lieber Bildungswart, an dem was du hier schreibst und beschreibst ist viel Gutes und Wahres dran. Das Zitat von Tiefdenker hat es auf den Punkt gebracht. Ähnlich kann man es auch bei Aristoteles nachlesen - Nikomachische Ethik zB. : "Das Leben des Gelderwerbs aber ist kein lebenswertes Leben und der Reichtum kann das gesuchte Gut [das Gute des Lebens] offenbar nicht sein; denn er ist ja nur Mittel zum Zweck."

Was nun, sollten die "Mittel" zufällig vorhanden sein und man läuft gerade nicht dem Reichtum im Auftrag anderer hinterher, dann aber die Glückseligkeit für den einzelnen ist, kann dieser sicher nur durch die ausgeprägteste Muße erkennen, möglicherweise dann in der daraus resultierenden Einsicht, Aufgabe oder Arbeit erleben ...

Das leidige bei dem Thema ist die Selbstgerechtigkeit, mit der "wir", zu viele, historisch und ökonomisch die Muße auf Kosten anderer immer betrieben haben und noch betreiben, wenn überhaupt, oder gar nur simulieren, nur hoffnungslos avisieren in lustlosem Materialismus ...

Ich verstehe deinen paradiesischen Ansatz also eher globaltheoretisch. Die Muße in ihrem Idealzustand benötigt ein reines Gewissen der Selbstverantwortlichkeit, möchte man meinen. Selbstverantwortlich nichts zu tun, alles andere dann allenfalls langsam, insgesamt wenig kann nur Besserung bringen bei allem ... das ist schwerlich zu widerlegen.

Die Genügsamkeit eines globalen Gemüsegartens kann sich nur leider kaum jemand vorstellen - selbst wenn man die meiste Zeit all diese Dinge tut, die die meisten nicht mal in den "faire rien" schaffen.

Zurück in dionysische Spähren? Aftermath der Geldkreisläufe? Wer zerstört das Geld? Wir sollten es vor der "verdienten" Muße noch kurz selber machen - als "Mittel zum Zweck" so zu sagen - und ganz ohne Revolution, ehe uns Spekulanten und Landgrabber zuvorkommen, ehe die Maschinenpistolen verteilt werden, um wie immer die Muße der wenigen zu schützen.

Ich meine jeder kann aussteigen, wenn er nur glaubt wollen zu können.

Freiheit?
Bildungswirt schrieb am 14.10.2011 um 12:55
Lieber iDog,

grundsätzliche Übereinstimmung in vielen Facetten.
Nur eine kleine Korrektur:

Du schreibst: "Ich verstehe deinen paradiesischen Ansatz also eher globaltheoretisch. Die Muße in ihrem Idealzustand benötigt ein reines Gewissen der Selbstverantwortlichkeit, möchte man meinen. Selbstverantwortlich nichts zu tun, alles andere dann allenfalls langsam, insgesamt wenig kann nur Besserung bringen bei allem ... das ist schwerlich zu widerlegen."

Dazu Folgendes:
1. Alle Randnotizen beziehen sich unmittelbar oder mittelbar auf das Konzept einer "Anderen Gesellschaft" (Michael Jäger hiert im Freitag)

2. Kein paradiesischer Ansatz, sondern ein realistischer, sowohl gesellschaftlich als auch individuell. Wir können schon heute "im Kleinen" damit beginnen.

3. Der Ansatz ist auf absehbare Zeit nur in reichen Gesellschaften realisierbar. Vgl. andere Bemerkungen von mir zur Ungleichzeitigkeit globaler Entwicklungen.

4. Freiheit ist immer mit Selbst-Verantwortung zusammenzudenken und sollte nicht mit Willkür verwechselt werden. Ebenso sollten Freiheit und Muße zusammengedacht werden.

Gruß BW
Michael Jäger schrieb am 19.10.2011 um 19:00
Lieber BW, das freut mich natülich, daß aus meiner Serie ein neuer Sproß frühlingsmäßig ausgebrochen ist und die Debatte sich zu verbreitern beginnt! Ein paar erste Anmerkungen: Ich habe den schönen Lebenszustand nicht beschrieben, sondern meine Frage war nur die Finanzierung des Grundeinkommens. Das ist gewiß kein Sandkastenspiel. Und ob 1000 oder 1500 Euro, ich habe selbst geschrieben, daß mich das nicht interessiert, ich aber eine Größnordnung nennen will. Du zitierst das ja alles.

Du schreibst im Threat: „Die Andere Gesellschaft ist auch auf Geldströme angewiesen.“ Aber wie kannst Du dann im Blogeintrag Tiefendenker zustimmen, das Hauptproblem sei der Geldkreislauf und den müsse man vor allem abschaffen?

Wunderbar ist die Diskussion zwischen Dir und poor. Dem Lehrer und dem Arbeiter drängen sich verschiedene Lebenswirklichkeitsaspekte je am meisten auf, wen wundert’s – aber Ihr redet da so locker und mit so viel wechselseitiger Nachsicht drüber (statt einen „Klassenkampf“ draus zu machen, wie man das früher getan hätte!), daß es einem das Herz erwärmt. Ich bewundere übrigens poors Nachsicht noch mehr als Deine.

„Der Begriff der Anderen Gesellschaft basiert auf einem gewissen Reichtum“, „der Ansatz ist auf absehbare Zeit nur in reichen Gesellschaften realisierbar“ – das ist richtig. Nur aus Vorsicht, das ist also keine Antwort auf irgendwas von Dir, will ich hinzufügen, daß das nicht etwa bedeutet, daß er sich nicht auch auf arme Gesellschaften bezieht. Ganz im Gegenteil! Um gegen Armut und Ungerechtigkeit in der Welt etwas zu tun, muß man eben vor allem die Weltmetropolen verändern, die an allen Machthebeln sitzen, also zum Beispiel Deutschland, und man kann es auch so sagen, wir müssen im eigenen Land anfangen, dem Land „mit einem gewissen Reichtum“. Wir selbst sind diejenigen, die das Reichtumsgefälle der Welt dann abzubauen haben, soweit es an uns liegt, was aber nur auf demokratischem Weg geschehen kann. So ist es gemeint. Hic Rhodus hic salta!

Ein Wort zur „Muße“ möchte ich noch loswerden. Du versteht unter „Muße“ sicher so wenig wie ich, daß jemand, der abends erschöpft ist und dem man in seinem Leben keine Chance gegeben hat, ein Kunstverständnis zu erwerben und sich für spannendes Denken interessieren zu können, daß der sich dann abend für abend vor die Mattscheibe setzt. Interessant wäre nun doch die Frage, wie kann diesem Menschen geholfen werden, wie kann er sich selbst helfen? Ein sozialer Kontext der Muße will jedenfalls mitbedacht sein.

Deine vorigen Einträge schaue ich mir noch an und melde mich gegebenenfalls. Vielen Dank noch mal!
Bildungswirt schrieb am 23.10.2011 um 17:34
Lieber Michael,
der "frühlingsmäßig neue Sproß" der Anderen Gesellschaft wird noch zahlreiche Bildfacetten beisteuern. Das Rhizom wird wachsen, in der besten Fassung als Ko-Text.

Ich beziehe mich bei Blogger Tiefendenker nur auf Punkt 12:

"12. Den größten Teil des heutigen Aufwandes betreibt unsere Gesellschaft bekanntlich, um den Geldkreislauf selbst aufrecht zu erhalten bzw. die Folgen der
Kapitalverwertung (Kriege, Umweltzerstörung, Atommüll, Mobbing, Burnout, Kriminalität, Arbeitslosigkeit, Flüchtlingsströme, Hunger...die Liste ist endlos...) zu handhaben. Dieses "Handhaben" besteht größtenteils noch nicht mal im "Beseitigen" oder "Bekämpfen", wie man meinen könnte, sondern im Verwalten und Reglementieren, also im Versuch dieses unsinnige System sogar mit Gesetzgebung und notfalls mit Gewalt am Leben zu erhalten - gegen die Natur des Universums und jeder Logik zum Trotz!)."
Von dort aus kann man immer noch gut zwischen Geld und Kapital trennen. Man sieht aber, dass eben viel unnötiger Konsummüll kapitalimmanent ist.

"Nachsicht" (poor/bw)ist u.a. eine Tugend der Anderen Gesellschaft, auch mit "Arbeitstieren".

"Wir selbst sind diejenigen, die das Reichtumsgefälle der Welt dann abzubauen haben, soweit es an uns liegt, was aber nur auf demokratischem Weg geschehen kann. So ist es gemeint. Hic Rhodus hic salta!"
Völlig d'accord, habe nie etwas anderes gesagt...
Die Andere Gesellschaft hat eine besondere Verantwortung beim Abbau des Reichtumsgefälle der Weltsphären und der Ungleichzeitigkeiten der Entwicklung.

"Interessant wäre nun doch die Frage, wie kann diesem Menschen geholfen werden, wie kann er sich selbst helfen? Ein sozialer Kontext der Muße will jedenfalls mitbedacht sein."
Klar, einiges habe ich dazu gesagt, vgl. u.a. die O-Töne der drei bisherigen Randnotizen. Weiteres wird folgen.
Freiheit, Verantwortung und Muße sind zusammen zudenken.
Gruß BW
Bildungswirt
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