Bildungswirt

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09.03.2009 | 21:20

Ein guter Ort

Ein guter Ort

Na einfach da, mal eben dort
Runter und rauf, drunter und drüber im
Hier und Jetzt unterwegs
Neugierig schauend -  staunend
Musik schwingt durch die schwer getränkten
Wolken Wind singt durch kräftig sanfte
Baumgeflechte Vögel zwitschern im 5/4 Takt
Stimmen, auch von Menschen, Laute, Töne
Tausendfach entspannte Bluenotes hüpfen bunt herum
Rhythmus der Natur, doch kulturgeschwängert
Überall animalische Energie
Ministranten und Minister reichen sich den köstlichen Wein
Taschenspieler und Politakrobaten stellen ihre emsigen
internationalen Blasengeschäfte still, hören mit offenem Mund
Weltklang pur, tanzen entrückt
Ur-Suppe, Kampfgezappel, Apokalypse
Erosionsgesellschaft weit gefehlt
Fluss der Dinge, mühelos
Schwebend, hautempfindsam, sonnenblinzelnd
Süßbitter gespannte Gelassenheit
- Ein guter Ort

Nachbemerkung:
Nach "Hallo Apokalypse" mit Untergangs-Szenarien sollen im FREITAG "Utopien für die Zeit danach" präsentiert werden. Einen guten Ort will ich beisteuern.Gleichzeitig erinnere ich mich sehr gern an Gerhard Amanshausers Fransenbuch:
Zu den interessanteren Arbeiten, die ein Kopf ausführen kann, gehört das Spinnen. Doch beim Spinnen ist immer Vorsicht geboten; man sollte es nur mit Köpfen guter Qualität ausführen, sonst gibt es Unfälle und Pleiten.
Spinnen muss man spielend können.
 
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Kommentare
Jakob Augstein schrieb am 09.03.2009 um 21:42
Lieber Bildungswirt,
Ein Gedicht ist immer ein guter Ort.
Also Danke dafür!!

Wir wollen übrigens demnächst eine Art Lyrik Plattform einrichten. Auch mit Verlagen zusammen, die
Lyrik Bändchen veröffentlichen. Dann Netz und Print.

Und wollen Sie nicht mal was dazu schreiben, was Sie mit Amanshauser verbindet?
Ich kannte den Namen nicht,habe mal bei Wikipedia nachgelesen und finde das sehr spannend.
Ihr JA
Bildungswirt schrieb am 10.03.2009 um 17:40
Lieber JA,
können wir uns einigen auf - "ein Gedicht ist oft ein guter Ort" - ?
Ich hatte gestern Abend mein Spontangedicht "Ein guter Ort" einfach als persönliche Gegenreaktion zu den "Hallo Apokalypse"-Artikeln nahezu simultan geschrieben. Müßte noch an einigen Stellen geschliffen werden, bin aber mit dem Unfertigen zufrieden, das genügt. Amanshauser ist mir zum Schluss noch eingefallen. Warum? - keine Ahnung.
Thomas Bernhard hat mal irgendwo sinngemäß über Amanshauser gesagt: Wenn der an einem Literaturwettbewerb teilnimmt, bleibt für die anderen nur der zweite Platz. Ich kann nur empfehlen, ihn zu lesen. Kennt in Deutschland kaum einer, in der Schule komplette Fehlanzeige. Ein Schmankerl will ich von ihm für die Freitag-Leser noch anbieten (passt natürlich zum Rhizom und der Diskussion um Liberalität, Linkssein, Habitus)

"Über Nuancen und Bewegungen
Wer auf Nuancen nicht achtet, ist gefährlich. Gleich wird er schreien und prügeln, denn er hat Großes im Sinn. Sobald auf Nuancen icht mehr geachtet wird, ist es vorteilhaft, sich in Sicherheit zu bringen.
Salutieren, Stechschritt - eckige Bewegungen sollte man womöglich vermeiden, sonst kommen einem Füße und Hände vorzeitig abhanden. Arme und Beine haben das Bedürfnis, sich nach Lust und Liebe zu bewegen."

Lyrik-Plattform, Literaturplattform - klar, warum nicht? Nur keinen Lyrikzoo schaffen. Textsorten und Bilder mixen, mehr Ausbruch als Einhegung.
Ihr BW
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