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Vorrede
Gedanken rasen im gespannten Netz, können auch als asketologische Übungen verstanden werden. Zweifel beschleichen mich, wohin sie führen, alles Nebelstangen-Stocherei? Rhizomatische ökologische Akrobatik, wovon sich die Gartenzwerge der reinen Empirie und die realpolitisch geblendeten Zauberlehrlinge mit Entsetzen abwenden?
Zum Glück ist immer wieder FREITAG. Mögen „Streifzüge“, „Liszts“, „Meisterfalken“ „Datteln“ und noch ungekrönte Häupter kommen und meine Irrtümer korrigieren.
Die alten drei Kantschen Fragen - Was kann ich wissen?, Was soll ich tun?, Was
darf ich hoffen? – die in der vierten Frage kumulieren: Was ist der Mensch? – stellen sich heute vornehmlich nicht mehr als anthropologische Fragen, sondern als Fragen nach einer kommunikativen und ökologischen Ethik. Der Homo symbolicus-ökologicus als pädagogisch-gesellschaftliches Leitbild braucht eine ausgewiesene ethische Fundierung. Für ein solches Ethik-Verständnis ist Ausgangspunkt die Durchbrechung einer strengen Anthropozentrik und die kulturelle Einsicht der Notwendigkeit einer co-existenzialen Moral.
Denn: Die Natur selbst lehrt gar nichts, nur wir als denkende, fühlende, wollende Kulturwesen zerstören oder erhalten die Mitwelt.
Fünf Netzpunkte sollten genauer bedacht werden:
1. Wir sind ambivalente, mehrfach gebrochene Wesen. Wir können um das ‚Gute‘ wissen und uns trotzdem konträr verhalten. Stets sind wir Gefährdete, verfangen uns in unseren eigenen Fallstricken. Wir wechseln die Rollen und Marken als Konsument, Arbeitnehmer, Unternehmer, als Radfahrer, als Autofahrer usw. und schon definiert sich neu das Freund-Feind-Verhältnis. Wir quälen und vernichten skrupellos im Überfluß Millionen Tiere und verhätscheln andererseits fürsorglich unsere Haustiere. Der Hund wird gar für immer mehr Zeitgenossen zum ‚Lebespartner‘. Auch der Homo symbolicus-ökologicus ist nicht frei von solchen Ambivalenzen, aber er versucht im vollen Wissen um seine Gebrochenheit das moralisch Gute anzustreben, wo immer es geht.
2. Wir sind leibgebunden, selbst Teil der Natur. Wir können noch so ausgeprägt Geist und Kulturgeschöpf sein – spätestens wenn wir krank darniederliegen, werden wir biologisch eingeholt. Wir beenden unsere (Selbst)-Ausbeutung, gönnen uns Ruhe, Schonung, wollen Genesung oder wir gehen dem abrupten oder schleichenden Tod entgegen. Leben kann grundsätzlich in vielfältigen Formen aufgebaut und erhalten oder vernichtet werden. Daraus ergibt sich das gewichtige ethische und pädagogische Postulat der ‚bewußten Lebensführung‘ seit der Antike. Der Homo symbolicus-ökologicus ist sich über die Notwendigkeit der bewußten Lebensführung im klaren, er weiß um Reiz, Lockung und Preis des Hedonismus und der Askese. Er weiß, daß die ‚Natur‘ per se keine Ethik hat, nur der Mensch ist zu Moralität fähig, er interpretiert kulturgebunden ‚Natur‘, schafft sich Werte und Normen.
3. Co-Existenz verweist auf ein Mit-leben in Gemeinschaften – ökonomisch, ökologisch, sozial, kulturell. Ego ist aufgrund von Alter. Ego ist nicht originärer Schöpfer des eigenen Lebens. Sein Leben wird im geschenkt, Frauen gebären. Selbst nach dem Tod gibt es ein Fort-leben durch Trauerarbeit und Erinnerung von anderen. Der Homo symbolicus-ökologicus weiß nicht nur um das Überindividuelle und Co-Existenziale, sondern er fühlt es auch, er spürt die Leere der Monade.
4. Vielschichtige Erfahrungen und Einsichten in Co-Existenz führen zu ethischer Verantwortung, die sich in Begriffen von Liebe, Solidarität, Kooperation, Toleranz und Rücksichtnahme fassen lassen. Der Homo symbolicus-ökologicus weiß um die Schwierigkeiten praktische Realisation solch einer Lebenshaltung, er baut keine Potemkinschen Dörfer. Die Parteinahme für eine co-existenziale Moral ist immer wieder lebendige Herausforderung, symbolisch vermittelte Interaktion mit ungewissem Ausgang.
5. Der Homo symbolicus-ökologicus weiß um seine Traditionsgebundenheit, um die Macht kultureller Muster. Er weiß und spürt, daß der Homo ökonomicus und der Homo faber mit aller Borniertheit immer noch reliktartiger Teil von ihm sind, in ihm stecken und immer wieder durchbrechen können. Der ‚neue Mensch‘ wird nicht wie Phönix aus der Asche steigen. Und doch ist der Ausbruch aus der Megamaschine möglich im harten Ringen um lebenspraktische Vernunft. Dabei kennt der Homo symbolicus-ökologicus als Rhizomatiker auch keine Berührungsängste zu religiösen und spirituellen Traditionen, die neu interpretiert und praktisch geschöpft werden können. Die weiter wachsende Bedeutung der Wissenschaften als symbolische Form für eine vernünftige Zukunftsgestaltung wird ausdrücklich bejaht, wenn es gelingt, sich aus der Verblendung des vorherrschenden Wirtschafts-Technologie-Fortschritts-Paradigma herauszuarbeiten.
Wie auch immer die konkretisierte Bestimmung des Leitbildes ausgestaltet wird, es bewegt sich zwischen den beiden Grenzpolen‚ strenge Anthropozentrik‘ und einer ‚konsequenten nicht-anthropezentrischen Ethik der Andersinteressen‘. Anders formuliert: zwischen den Eigeninteressen der Menschen an der Naturbeherrschung und Naturausbeutung (der Mensch als das Maß der Dinge) und der Anerkennung eines eigenen Rechts der außermenschlichen Natur (Tiere, Pflanzen, Ökosysteme), der Anerkennung der Natur ‚um ihrer selbst willen‘.
Um dieser unproduktiven Entgegensetzung zu entgehen, sucht der Homo symbolicus-ökologicus nach einer transanthroporelationalen Rechtsfertigungsbasis für sein Handeln. Er weiß, daß die strenge Anthropozentrik die Logik der Selbstausrottung und Selbstabschaffung in sich trägt, und er weiß, daß i.d.R. jeder Produktionsakt Eingriff und Umformung der Natur bedeutet und somit die Neubestimmung des Verhältnisses von Technologie und Natur brisant auf die Agenda bringt. Eine naive Position im Sinne von "Zurück zur Natur"
bleibt unwiederbringbar verschlossen.
Hintergrund:
Blogger Streifzug, der unermüdliche Stöberer im Netz, hat mich auf meinen eigenen Text aufmerksam gemacht. Alles kostenfrei im Netz, wie sich das gehört.
Ausführlicher dazu:
ub.unibw-muenchen.de/dissertationen/ediss/miller-michael/inhalt.pdf
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Deine Darlegungen unterscheiden sich nicht groß von den Entwürfen einer christlichen Ethik. Darf ich es mal zuspitzen? Es ist wie eine christliche Ethik nur ohne Gott. (Ich hoffe, das war nun Anregung genug für weitere Auseinandersetzungen.)
Kann mir gut vorstellen, mit dir in einem Boot (Freitags-Kogge in Anlehnung an Freitags-Blogge) zu schippern. Die Frage ist nur, wohin soll es uns führen? Liebe Grüße Titta |
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Mit Sicherheit nicht ins Jenseits
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Da ich der letzte bin der Kirche oder Religion das Wort reden will, muss ich jetzt vorsichtig formulieren.
Ist die christliche Ethik nicht in unser aller Leben verankert? Mit oder ohne Gott, mit oder ohne Religion. Steckt in "Was ihr dem geringsten meiner Brüder tut, das tut ihr mir (oder so) nicht auch der kategorische Imperativ? Zugegeben, ich bewege mich da auf dünnem Eis, weil ich Beutephilosoph bin. |
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Bist du inzwischen bei deinen Ausflügen in die "christliche Ethik ohne Gott" weitergekommen? Vielleicht mal ChristianBerlin fragen?
Die Verbindungslinien kannst du uns dann hier zum Besten geben. Muss doch nicht alles ich machen. |
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Die Einleitung musste ich leider überspringen, das waren zu viele Begriffe, die ich hätte googlen müssen und es ist schließlich Sonntag abend.
Habe ich richtig verstanden, das wir uns gesund schrumpfen müssen? Die Anthropozentrik krankt auch an der Annahme, möglichst viele Menschen auf diesem Planeten seien gut allein durch ihre Existenz? Dann werden zahlen genannt, wieviele Menschen man ernähren könnte (angeblich), nach einem Sinn wird aber nicht gefragt. Zum ersten Punkt kann ich nur zustimmen. Bedeutet "er baut keine Potemkinschen Dörfer": "Er tut nicht so als ob"? |
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Hast du inzwischen ordentlich gegoogelt? Das Wochenende ist vorbei und so schwer war's auch wieder nicht.
"...gesund schrumpfen müssen". Das ist weniger eine Frage der Zahl, sondern mehr des Verhaltens und der Vorstellung von Lebensqualität. Genau diese sollte nicht mit Konsumgüteranhäufung verwechselt werden. Beim Hinweis auf die "Potemkinschen Dörfer" gehts darum, dass reflexiv keinen naive Positionen hinterhergelaufen wird. Die Schwierigkeiten der praktischen Realisation anerkennen heißt unter anderem auch über Macht zu reden und Alternativen einfach - soweit als möglich - zu leben.(Politische) Berge, die man nicht besteigen kann, werden einfach umgangen oder ignoriert.Das andere Leben muss im Ansatz hervorschauen, damit es wirken kann. Von der reinen Kritik ernähren sich nur die Kritiker. |
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Wie nennt man denn das Phänomen, wenn man bei der Google-Suche nach einem Begriff aus einem Blog als erstem und einzigem Treffer wieder bei diesem Blog landet?
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Die Frage der Anzahl von Menschen halte ich schon für wichtig. Mit jedem Mensch, der diesen Planeten mehr bevölkert, verringert sich der potentielle Lebensstandard aller anderen Menschen. Natürlich darf die Zahl auch nicht zu gering sein, da es viele Aufgaben gibt, die erfüllt werden müssen.
Auch wenn Lebensqualität nicht als Konsumgüteranhäufung verstanden wird, konsumiert jeder Mensch Ressourcen und das nicht zu knapp. |
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schrieb am
15.06.2009 um 23:02
merdeister, Dein Google-Versuch hat mich jetzt wirklich zum Lachen gebracht - nicht über Dich.
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Und dieser Google Versuch führt natürlich auch wieder etwas vor Augen. Vor kurzem konnte man ja lesen, wieviel CO2 eine Googlesuche hervorruft und abgeblich sollte man eine Tasse Kaffee damit Kochen können. Bei meinem Googleverbrauch (es fehlt am Fundament) bin ich wohl eher keine oekologicus.
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@merdeister und meisterfalk
was treibt ihr so spät noch auf diesem Blog? Hatte euch noch im provisorische Erfolgs-Chat bei Titta erwartet.Bin jetzt schlagskaputt, morgen antworte ich. |
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Das war auch hart an der Grenze, mein Kopf wurde nur noch durch meinen Willen oben gehalten.
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Verrate mir doch, was du googeln wolltest. Vielleicht gehts über mich schneller.
Die absolute Zahl der Menschen - vorsichtige Schätzungen gehen bis 2040 von über 9 Milliarden aus - ist nicht der springende Punkt. Die Frage ist der Ressourcenverbrauch pro Kopf und die Art der Ernährung. Dies ist wiederum abhängig von unseren Gewohnheiten und Wahrnehmungen eines gelingenden Lebens. Die Parameter müssen auf den Tisch - wie wollen wir leben und warum? |
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Greenpeace veroeffentlich jedes Jahr einen Bericht zum oekologischen Schuldenberg. Ich weiss nicht genau ob das der richtige Begriff ist, aber gemeint ist, wann wir die nachwachsenden Rohstoffe pro Jahr ausgeschoepft haben und auf oekologischen Pump leben. Also man stellt sich das vor als halber Kuchen und ein Teil davon waechst jedes Jahr nach und ein groesseres Stueck wird verzehrt. Ich weiss nicht mehr das genaue Datum, aber ich glaube wir sind mittlerweile bei Anfang Oktober angekommen und jedes Jahr ein paar Tage frueher. Das unsere Kinder von dem Kuchen nicht mehr viel haben werden ist logisch. Ich denke, dass die Bevoelkerungzahl sich an solch einem Modell orientieren soll.
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Ich aeussere mich jetzt nur zu diesem Zitat und zum Begriff von "Natur":
"er weiß, daß i.d.R. jeder Produktionsakt Eingriff und Umformung der Natur bedeutet und somit die Neubestimmung des Verhältnisses von Technologie und Natur brisant auf die Agenda bringt. Eine naive Position im Sinne von "Zurück zur Natur bleibt unwiederbringbar verschlossen." Diese jungfraeuliche, paradiesische Rezeption von der unberuehrten Natur, die sobald ein Mensch jemals dieses Territorium betritt oder den Baum betatscht alles seinen Glanz verloren hat und dadurch im Sterben liegt ist eine der groessten Trugschluesse, die der abendlaendische Mensch hervorgebracht hat. Vor ein paar Tagen ist dazu sogar ein Artikel auf der Freitag Page erschienen: www.freitag.de/kultur/0923-oekologie-indigene-umweltschutz-konflikt?searchterm=naturschutz Um alle Traeume von dem verbotenen Garten zu zerstoeren den man nur vom Zaun aus bobachten darf jetzt die harten Fakten. 85% der Artenvielfalt auf der Welt liegen in Lebensraeumen von (indigenen) Menschen. Es handelt sich also gar nicht um "Natur" in unserem Sinne, sondern um eine Kulturlandschaft, die sich permanent im Wandel befindet. Es geht nicht um den scheinbaren Widerspruch von Natur und Kultur, sondern um die ambivalente Technik. Wie kann man riesige 5MW Windraeder oder gewaltige Staudaemme als umweltfreundlich bezeichnen? Die Gefahr, die von diesen Technikerrektionen ausgeht ist doch groesser als der Nutzen. Aber selbst die sogenannten Umweltschuetzer sind begeistert, wenn die Wirtschaft von solchen Bauwerken prosperiert. Der Homo symbolicus-oekonologicus sollte sich zuerst bewusst sein, wann etwas gut fuer die Mitwelt ist und wann die Marktmechanismen die positiven Effekte von Technik in Zerstoerung verwandeln. Je kleiner die Maschine ist desto umweltfreundlicher ist sie in der Regel. |
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Wir betrachten die Natur durch unsere unterschiedlichen "Kulturbrillen", d.h. die vorherrschenden kulturellen Muster und Traditionen. Der Homo sybolicus-ökologicus weiß darum und strebt die Aperspektivität der Welt an. Er will nicht im totalen Kulturrelativismus versinken. Anerkennung von pluralen Lebensformen heißt nicht, sich vom Projekt der "Wahrheit" im Sinne einer Weltkultur zu verabschieden.
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Gehoert zu diesen pluralen Lebensformen auch die Anerkennung von Menschen, die aus der Brille der Menschenrechte anzuklagen waere? Wie sieht es aus mit der Beschneidung der Frau bei den Tuareg oder dem Krieg aus kultuerellen Gruenden, wie z.B in Papua? Ich bin der Meinung, dass solche "Ungerechtikeiten" nicht in unserer Verantwortung leben und wenn ueberhaupt die Loesungen? aus den Kulturen selbst entstehen.
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Das sind im konkreten Fall immer heikle Fragen. Wann nur kritisieren, wann eingreifen und wenn ja, mit welchen Mitteln?
Kulturen und Traditionen, auch wenn sie unseren Vorstellungen entgegenlaufen, sind fast immer nur von innen zu sprengen. Wir können nicht in 80 Staaten militärisch intervenieren. Die Menchenrechte gelten wohl grundsätzlich - deshalb überall, auch in China und Russland klar sagen, was richtig wäre - dennoch müssen diese Staaten im Schwerpunkt selbst damit klarkommen. Insofern sind wir uns an diesem Punkt weitgehend einig. |
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Heute wende ich mich mal der Wissenschaft zu.
Der Begriff Wirtschafts-Technologie-Fortschritts-Paradigma gefaellt mir sehr gut, aber ich weiss natuerlich nicht wirklich was du damit meinst. Probleme sehe ich zum Beispiel bei der Atombome. Guenther Anders hat ja in seinem Hauptwerk herausgestellt, dass es bei so einer Technik keine Grenze mehr zwischen Experiment und Einsatz gibt. Ein besseres aktuelles Beispiel ist der Einsatz von genetisch veraenderten Pflanzen und ihre Kontamination der Umwelt. Daraus folgt dann das Problem ob genetische Manipulation an sich Tabu sein sollte oder nicht. Kann der Mensch diese kontrollieren? Ist ein Experiment wie der Teilchenbeschleuniger von CERN zu verantworten obwohl wir nicht wissen, was passieren wird? Ein weiteres Problem sehe ich, wenn man das Ziel anstreben sollte eine Art Wissensdatenbank zu erstellen mit allem Wissen der verschiedenen Kulturen der Welt und des Universums. Man geht immernoch davon aus das es etwa 10 unentdeckte Voelker auf der Welt gib, da die abendlaendische Wissenschaft noch nicht in jede Ecke der Welt vorgedrungen ist. Dennoch wird dort gewiss auch Wissen zu finden sein. Kann man aus dem unentdeckt sein schliessen, dass sie unentdeckt bleiben wollen und isoliert leben? Nimmt man es in Kauf, dass man durch einen Kontakt diese Kulturen vielleicht zerstoert? Letztendlich gibt es Tabuzonen auf der Welt? Gibt es welche im Weltall? Koennen wir es verantworten Menschen ins All zu schicken obwohl wir wissen, dass diese durch die kosmische Strahlung vielleicht sterben? |
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Wirtschafts-Technologie-Fortschritts-Paradigma erkläre ich morgen ausführlich, da es sich hier um einen Kernpunkt der unterstellten Analyse des Kapitalismus handelt (heute zu müde)
Die pessimistische Haltung von "Antiquiertheit des Menschen" (Anders) überfällt mich gelegentlich auch. Die Menchen haben die geschaffenen Artefakte nicht im Griff, die Megamaschine regiert sie. Oft sie es so aus, viele Auswege versperrt. "Koennen wir es verantworten Menschen ins All zu schicken obwohl wir wissen, dass diese durch die kosmische Strahlung vielleicht sterben?" Das steht gar nicht zur Diskussion. Menschen sind bereit das zu tun, nehmen das Risiko des Todes auf sich. Die Macht de Faktischen setzt sich einfach durch. Das gleiche gilt für unentdeckte Völker oder die weitere Abholzung des tropischen Regenwaldes. Vom Homo symbolicus-ökologicus sind wir noch weit entfernt. Da muss man in größeren Zeiträumen denken lernen. |
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Kommentar zu 1:
Natürlich wechseln wir alle ständig unsere Rollen, denn wir halten uns ja auch in immer wechselnden Umgebungen auf, die ein entsprechendes, der jeweiligen Umgebung angepaßtes Verhalten erfordern - so auch in menschlicher Umgebung, sprich: Gruppen. Tiere: Es stimmt, daß wir Tiere quälen und vernichten. In vielen Fällen geschieht das, weil wir das Leid und den (leidvollen) Tod nicht sehen, da wir diesen Bereich unseres Lebens 'ausgelagert' haben. Das Töten, um zu essen, ist nicht mehr Teil unseres Lebens. Wir lassen töten - an entfernten, anonymen Orten, von völlig Unbekannten. Es geht industriell vor sich. Wir haben das blutige Geschäft unserem Leben entfremdet. Vielleicht könnten wir wieder mehr Skrupel entwickeln, wenn das Schlachten direkt in unserem Hof stattfände. Vielleicht flößte uns das mehr Respekt, mehr Ehrfurcht vor dem getöteten und dem sterbenden Tier ein, vielleicht gäbe uns das ein anderes Gefühl auch zu den lebenden Tieren und zu aller lebenden Kreatur. Vielleicht würden wir uns dann auch einfach abgewöhnen, soviel Fleisch zu fressen. Das wäre auch ein Schritt in Richtung Ökologie, denn dann wären nicht so viele Ackerflächen durch Rohstoffproduktion (sprich: Tiernahrung) für die Fleisch'produktion' blockiert. Ich habe mich lange mit dem Beispiel der Tierschlachtung aufgehalten, doch damit liege ich, glaube ich, nicht weit von den 'Ambivalenzen' entfernt: Die sind uns, wie Du feststellt, angeboren, eingefleischt (nicht als Wortspiel gedacht). Diese Ambivalenzen unterliegen aber der Gefahr, als solche nicht wahrgenommen zu werden, eben weil ein Teil aus unserem Leben ausgeblendet ist, und zwar der Teil, der uns zeigen könnte, wo wir Verantwortung für andere Lebewesen - seien sie Menschen, Tiere oder auch Pflanzen - tragen müßten. Erst wenn wir das wieder sehen können, sind wir in der Lage, das moralisch Gute anzustreben. |
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Ich kann den Kommentar nur unterschreiben. Ich mache mich immer darueber lustig, dass der Europaer denkt das Fleisch wuerde aus dem Kuehlregal kommen. Es ist fuer mich viel widerlicher Tiere durch eine Maschiene toeten zu lassen als sie selbst zu toeten. Ich habe das bisher aber noch nicht selbst gemacht, sondern nur beobachtet. Das ist ja auch gar nicht so einfach so ein Schwein mit dem Spitz direkt ins Herz zu stossen. Jedoch wird die Erfurcht vor dem Leben wirklich groesser und das eigene Schicksal als Mensch wird einem bewusst. Denn der ist nun mal von dem Tod anderen Lebens abhaengig und kann sich daraus nicht befreien. Um nicht in Depression zu verfallen halte ich es fuer sinnvoll vor dem Schlachten zu beten, um die Abhaengigkeit des Lebens zu verinnerlichen und die Tat zu entschuldigen. Es ist dann wirklich eine Befreiung von der Schuld, da man sie weitergibt an das, was uns zum Menschen gemacht hat. So kann mensch dann in Freiheit leben.
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@ Liszt
Es fehlt für eine ökologische Umsteuerung die sog. "kritische Masse".Wer den millionenfachen Totungsakt täglich als Industrieproduktion betreibt, muss gleichzeitig dafür sorgen, das die Konsumenten nut die Tiefkühltruhe kennen. Verweigerungshaltungen von 0,1% der Bevölkerung sind systemirrelevant.Irre eben. Für Konsequenzen aus solch einem Leitbild sollten alle Netzpunkte gleichzeitig in der Debatte mitschwingen. Kurzfristig muss ich leider enttäuschen, das wißt ihr aus eigner Erfahrung, es wird sich nichts tun. Ereignisse wie die nächste Bundestagswahl sind, gemessen an diesem ökologischen Vorhaben einer co-existenzialen Moral, Randerscheinungen, schlicht bedeutungslos. |
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@Dattel
"So kann mensch dann in Freiheit leben." Bedenke alle Netzpunkte für eine co-existenziale Moral. Von "in Freiheit leben" sind wir planetar gesehen weit entfernt. Während wir hier schreiben, kämpfen 1,5 Milliarden Zeitgenossen ums blanke Überleben. DArüber nicht irre werden (wie Nietzsche), das ist schon eine Form von Lebenskunst. Vgl. auch meinen Beitrag "ökologisch-philosophische Dämmerungen". Wichtig ist in politischen "Kälteperioden", dass der eigene Verstand nicht einfriert.Wir brauchen ihn noch. |
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Ich schaetze mal 80 Millionen in Deutschland vegetieren einfach nur vor sich hin. Das als Leben zu bezeichnen halte ich fuer unangemessen. Viele von den armen Menschen sind dem Deutschen weit ueberlegen. Durch die Dankbarkeit fuer jeden geschenkten Tag entsteht ein viel intensiveres Leben. Es stimmt auch nicht, dass die Menschen in der 3. Welt immer um ihr Ueberleben kaempfen. Ein Teil schleift sich nicht jeden Tag auf die Arbeit um ein paar Groschen zu verdienen, sondern erledigt die Arbeit mit mehr Leichtigkeit als der gestresste Deutsche. Auch bei einem 12 Stunden Arbeitstag noergeln sie nicht ueber Frau, Politik oder Moos auf dem Rasen, sondern machen viele Scherze, weil sie ihr Schicksal akzeptieren. Das ist jetzt aber nicht so fatalistisch gemeint, wie es klingt, da sie immernoch alles dafuer geben ihre Lage zu veraendern. Es ist eben die Dankbarkeit fuer das Leben. *hust* Freiheit *hust* . Habe ich das gerade wirklich geschrieben oder nur gedacht?
Ich rede nicht ueber alle Menschen in der 3. Welt. Ich bin mir schon bewusst, dass zur Zeit mehr Menschen hungern als jemals zuvor und taeglich 100.000 deshalb sterben. Es ist nur so, dass dort wo man die groesste Armut findet, auch der groesste Reichtum an Kultur und Menschlichkeit zu finden ist. Das wird meines Erachtens so gut wie niemals erwaehnt. Aus Letimationsgruenden versteht sich. Wir in Deutschland leben ja in der Besten aller Welten. |
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Zur Verantwortung: Auch wenn ich mir ueber die schlimme Lage in der Welt bewusst bin kann ich fuer all diese Verbrechen nicht die Verantwortung uebernehmen und nur wenig an diesem Zustand aendern. Was ich veraendern kann liegt in meiner naehesten Umwelt. Das Streben nach einer veraenderten ganzen Welt liegt eigentlich nur daran, dass man sich als gebildeter Europaer ueber die anderen Menschen stellt und sich anmasst alle Loesungen fuer alle Probleme der Welt zu haben. Im Grunde genommen ist es ein Vertrauensverlust in Mensch und Natur, da man nicht erkennt und akzeptiert, dass das Sein durch und durch gut und sinnvoll ist. Daraus folgt ein pathologisches Verlangen nach totaler Kontrolle ( = totalem Wissen ueber die Geschehnisse der Welt). Man tut sich selbst damit keinen Gefallen. Es gibt genug Menschen ueberall auf der Welt, die sich fuer das Gute einsetzen, aber durch den Einfluss des Westens und Kapitalismus auf ihre Laender unterdrueckt werden.
Der Homo symbolicus-oekologicus kann die Welt nicht veraendern und was wichtiger ist, er muss die Welt nicht krampfhaft veraendern, sondern nur versuchen Mensch zu sein. Mensch sein ist das Gegenteil von Kapitalismus. |
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@Dattel
"Viele von den armen Menschen sind dem Deutschen weit ueberlegen. Durch die Dankbarkeit fuer jeden geschenkten Tag entsteht ein viel intensiveres Leben" . Da hast du aber die besonders schöne rosa Brille auf - die glücklich Armen in der dritten Welt. "Der Homo symbolicus-oekologicus kann die Welt nicht veraendern und was wichtiger ist, er muss die Welt nicht krampfhaft veraendern, sondern nur versuchen Mensch zu sein. Mensch sein ist das Gegenteil von Kapitalismus." Der Homo symbolicus-ökologicus ist ein "Leitbild", ein Reflexionsmodell - Veränderungen können nur reale Menschen gestalten - ganz ohne Krampf, aber mit sehr viel Energie, Lust und Selbstdisziplin. Das faule Bett des Gehorsams ist da wenig geeignet. Mensch sein heißt GUT und BÖSE sein, auch mit Herzenslust im Kapitalismus wühlen - das Gegenteil????? |
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Ich habe keine Rosa Brille, aber ich definiere Armut und Reichtum nicht so stark ueber Geldverhaeltnisse. Von den Armen kann man mehr lernen als von jedem Kleinbuerger in Deutschland. Die Erfahrung der existenziellen Not, des Elends oder Missbrauchs laesst einem wieder auf das Eigentliche konzentrieren. Ich habe die gluecklichen "Armen" gesehen, aber daneben natuerlich auch das Elend. Nur will ich nicht weiterhin auf das Elend konzentrieren, wie es Medien und auch die meissten Linken tun, sondern auf deren Glueck und Reichtum. Es ist auch immer etwas anderes ob man ueber die staedtische Armut redet oder die laendliche. Die Stadt ist viel extremer.
Also nach deiner Definition waeren die buddhistischen Moenche keine richtigen Menschen mehr, da sie nur die gute Seite leben. Fuer mich ist da eher der mal gut, mal boese Mensch der etwas an seinem Leben aendern sollte. Der Weg sollte eigentlich zum absoluten Guten fuehren. Dazu braucht es dann aber mehr als nur Energie, Lust und Selbstdisziplin. Ein vieles mehr an Sinn und Liebe. Dies wird im Kapitalismus und in den positivistischen Wissenschaften aus der Welt verbannt. Wie Beckett aber in seinem Werk "Warten auf Godeau" zeigte ist der Mensch unfaehig eine sinnlose Welt zu akzeptieren und nicht zu Hoffen. Wo liegt der Sinn an einem neuen Leitbild? Beim Schuh-an-Schuh-aus-Spiel doch wohl nicht. |
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@Dattel
Viele Mißverständnisse. Klären wir später. "Warten auf Godot" - da können wir warten bis wir schwarz oder abgestorben sind. |
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Hallo Bildungswirt,
ein sehr anschaulicher Artikel. Eine Kleinigkeit möchte ich anmerken. Der folgende Satz verdeutlicht das, was ich als das Herzstück der Problematik bezeichne. "Um dieser unproduktiven Entgegensetzung zu entgehen, sucht der Homo symbolicus-ökologicus nach einer transanthroporelationalen Rechtsfertigungsbasis für sein Handeln. Er weiß, daß die strenge Anthropozentrik die Logik der Selbstausrottung und Selbstabschaffung in sich trägt ..." Der Mensch als Mittelpunkt der weltlichen Realität. Welcher Mensch? Wie sieht es aus, wenn man zur genaueren Beobachtung diese ungeordnete Masse Mensch differenzierter betrachtet. Frauen, Männer, Reiche, Arme, Mächtige, Ohnmächtige, Aggressive, Friedfertige, Kooperative, Konfrontative, Ausländer, Inländer, Fremde ... Ich behaupte nun einfach mal: Das sind jeweils eigenständige, unterschiedlich agierende Gruppen. Manche lassen sich zusammenfassen, kooperieren, andere bekämpfen sich bis aufs Messer. Lassen wir nun die Simulation laufen. Was passiert? Siehst du, wie die unterschiedlichen Farbflecken sich verändern? Ihre Größe, ihre Lage, manche verschwinden. Nun formuliere ich den Satz neu: "Um dieser unproduktiven Entgegensetzung zu entgehen, sucht der Homo symbolicus-ökologicus nach einer transanthroporelationalen Rechtsfertigungsbasis für sein Handeln. Er weiß, dass die strenge Unterteilung die Logik der Selbstausrottung und Selbstabschaffung bestimmter Gruppen in sich trägt ..." Nicht nett, aber wahrscheinlich. |
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schrieb am
21.06.2009 um 19:01
Ich krieg langsam den Eindruck, dass hier auch Pilze im Spiel sind...
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Die sog. "Kleinigkeit" von dir ist ziemlich groß.
Es geht mir um ein "Leitbild" (mit bewusst offener Flanke bis zur Naivität). Gern lasse ich mich von Besserem überzeugen. "Homo", Mensch, ist also immer ein Allgemein-Einzelnes, so verwendet Abstraktion. Kein konkret Einzelner ist denkbar ohne die habituelle weitgehend vorgegebene Struktur - nenne es auch kulturelle Brechung, Traditionseingelassenheit. Ja, die "Farbflecken" verändern sich, nur ist es nicht ganz so chaotisch, wie du es darstellst. Dennoch schwierig, jedoch nicht unlösbar. Unser gemeinsames Problem (haben wir auch in der Diskussion mit Michael Jäger bei Bürger in der Krise) ist doch: Wie erklären wir fortwährende Emergenz und antizipierendes Bewusstsein? (Im Nachhinein sind wir immer alle schlauer). Nietzsche würde beisteuern: Der Irrsinn ist bei einzelnen etwa Seltenes, aber bei Gruppen, Parteien, Völkern, Zeiten die Regel. |
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@meisterfalk
Neuer Aspekt. Meinst du Giftpilze oder Glückspilze ... vgl. auch, was ich zu streifzug geschrieben hatte |
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Hallo Bruder Meister vom Falken, Peyote ist nicht jedermanns Sache, die Zubereitung will wohl überlegt sein. Ich sage dir im Vertrauen, wer das Träumen durchschritten und das Pirschen vervollkommnet hat, dem ist auch vor dem Flieger nicht bange. Hugh, ich habe gesprochen.
@Bildungswirt Gerade den Irrsinn von Gruppen gilt es zu beachten. Durch ihn war es möglich Brüder im Geiste zur Selbstelimination zu treiben. Was, wenn nun diese Gruppen nicht mehr klar identifizierbar gegeneinender stehen, sondern ineinander vermischt ihre Unterschiede in gleicher Feindlichkeit ausleben? Was bleibt dann von kommunikativer und ökologischer Ethik? |
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@streifzug
Problem sehe ich, nur nicht so schwarz wie du. Mit "dichten Beschreibungen" kommen wir weiter. Vgl. auch dazu, was wir diskutieren bei "Bürger und Krise" (Michael Jäger) Was bleibt nach deiner Bemerkung? Die Leere der Monaden? Der Wahn der Gruppen? Nur über die Konkretion, die Verdichtung sehen wir weiter. |
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Hallo Bildungswirt,
momentan haben wir im Iran das Problem der "Gruppen". Grob vereinfacht sieht es nach zwei Gruppen aus. Bei dichter Beschreibung sind es wesentlich mehr. Je nachdem, wie die Interaktion dieser verschiedenen Gruppen verläuft, so endet das Ganze. Die genaue Analyse der verschiedenen Gruppen und der möglichen Spielräume mit denkbaren neuen Kooperationen führt zu der möglichen Lösung: entweder eine neuen stabile Konstellation oder ein Bürgerkrieg. Genau auf diesem Spannungsbogen wird momentan sehr oft gespielt. Auch bei uns ahnt mal langsam, dass es ihn gibt. Hoffentlich ist es kein Spiel mit dem Feuer. Das Spielfeld verlagert sich (trotz Irak ...) immer stärker weg von der Konfrontation zwischen Ländern hin zur Konfrontation verschiedener Gruppen in den Ländern (divide et impera). Ob "Gescheiterter Staat", "Low Intensity Conflict", "Sozialabbau", die Anforderungen an Menschen in solchem Umfeld unterscheiden sich stark von dem was wir in unserer Wohlstandsgesellschaft bisher kennen. Der zersetzende Konflikt kehrt heim. Optimier für dieses Umfeld doch mal den "Homo symbolicus-ökologicus". |
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Dein gewähltes Beispiel Iran ist gut nachvollziehbar.
Ergänzend merke ich an: ..."entweder eine neuen stabile Konstellation oder ein Bürgerkrieg." Genau das muss von Führungspersönlichkeiten als Entweder-Oder-Entscheidung vermieden werden. Die Machthaber legen es gern auf eine entscheidende Schlacht (mit dem eigenen Militär im Rücken) an. Das wäre der Tod der Opposition. Reflexive Geduld ist der Gebot der Stunde, auf keinen Fall sich in Zornbanken engagieren (da wären wir wieder bei unserer Diskussion "Bürger und Krise")Politik der kleinen Nadelstiche, hoch flexibel, gut vernetzt, abwarten können ... |
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"Der zersetzende Konflikt kehrt heim. Optimier für dieses Umfeld doch mal den "Homo symbolicus-ökologicus".
Könntest nicht du mal einen ersten Aufschlag machen, ich steige dann ein. |
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"Um dieser unproduktiven Entgegensetzung zu entgehen, sucht der Homo symbolicus-ökologicus nach einer transanthroporelationalen Rechtsfertigungsbasis für sein Handeln. Er weiß, dass die strenge Unterteilung die Logik der Selbstausrottung und Selbstabschaffung bestimmter Gruppen in sich trägt ..."
Hier bin ich nicht mehr ganz mitgekommen. Ist das nun ein pessimistischer Einwand gegen die Möglichkeit der Enstehung einer neuen Lebensweise? Du hast im letzten Satz "strenge Anthropozentrik" durch "strenge Unterteilung" ersetzt, aber dieser Sinn will sich mir nicht aufschließen. |
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Hallo rene,
kurz gesagt meint es Bürgerkrieg. Die immer stärkere Unterteilung einer Gesellschaft in verschiedene Gruppen bei gleichzeitiger Ideologisierung statt Integration führt in letzter Konsequenz bei aktiver Mitwirkung der betroffenen Gruppierungen zur internen gesellschaftlichen "Selbstausrottung und Selbstabschaffung" statt zur "Ausrottung und Abschaffung" bei externer Kriegsführung. |
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Hallo rene,
kurz und schmerzlos gesagt ist es Bürgerkrieg. Die immer stärker betriebene Unterteilung und Abgrenzung von Gruppen innerhalb einer Gemeinschaft, statt der Integration, bei gleichzeitiger Ideologisierung, führt in letzter Konsequenz zum Bürgerkrieg. Da die beeidigten Gruppen ihren Teil dazu beitragen, ist es, hart gesagt, der mögliche Weg in die gesellschaftlich interne "Selbstausrottung und Selbstabschaffung" im Gegensatz zur kriegerisch externen "Ausrottung und Abschaffung". |
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zu 2.:
Hierzu ist m.E. alles gesagt, schon durch die Diskussion des Punktes 1 durch Dich und Dattel. Letzterem schließe ich mich übrigens an, wenn er sagt, daß die Deutschen immer alles zu schwer nehmen. Alles muß hier immer Arbeit sein: Beziehungsarbeit, Trauerarbeit usw. Es fehlt nicht viel, dann leisten die Deutschen noch Liebesarbeit oder Freudenarbeit!!! Zur bewußten Lebensführung gehört auch die Dankbarkeit für das Leben als solches. Religiöse Menschen verstehen das (hoffentlich), weil sie ihrem Gott danken, z.B. fürs 'tägliche Brot'. Das erzieht zur notwendigen Bescheidenheit, die einer bewußten Lebensführung zugrundeliegen muß. Denn wer nicht bescheiden ist, d.h. sich als kleinen Teil des großen Universums begreift, der durch sein Da-Sein die gleichen Rechte und Pflichten hat wie jedes andere Lebewesen, wird sich immer wieder über diese anderen erheben. |
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Hätte gar nicht gedacht, dass du so "spirituell" unterwegs bist. Vgl. auch Punkt 5 des Homo symbolicus-ökologicus.
Ja, dieser bescheuert ausgedehnte "Arbeitsbegriff" nervt. Aber Tätigkeiten sind es doch i.d.R. |
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@Streifzug:
das hatte ich mir fast auch gedacht, was ja auch aus den darunter folgenden Kommentaren recht klar wurde: mein Problem: ist dein Hinweis auf die Gefahr einer Spaltung gesellschaftlicher Gruppen ein Hinweis auf einen blinden Flecken in Bilunsgwirts Vorschlag eines neuen Leitbildes? Oder Konkreter: siehst Du in solchen Vorschlägen schon die Tendenz zu einer Spaltunge gegeben? Oder ganz allgmein: wie verknüpfst Du das Problem der Spaltung von Gruppen innerhalb einer Gesellschaft mit dem Vorschlag eines neunen kulturellen Leitbildes, hier dem Homo symbolicus-ökologicus. Mich interessiert das Thema, und ich glaube dass DU da etwas ansprichts was mich persönlich auch betrifft: (ich lebe in einer der größten Gemeinschaften in Deutschland, und hier geht mir die Tendenz zur Abgrenzung von den dummen anderen, und deren Diskursen, gerade reichlich auf die Nerven). |
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@rene,
Das Problem ist meiner Meinung nach sehr vielschichtig. Verschiedene Gruppen innerhalb einer Gesellschaft gab und gibt es immer. Die Vergangenheit zeigt, welche Bandbreite von Verhaltensweisen möglich ist. Die Bandbreite reicht von friedlicher Kooperation bis zur Vernichtung. Was tun, wenn die negativen Aspekte, die Abgrenzung und Vorurteile überhandnehmen oder sogar bewusst forciert werden? Ist ein übergreifendes Denkmodell hilfreich oder verhüllt es nur die Problematik, die dann um so stärker weiter brodelt? Gibt es eine Art Rückkopplung von Angriff, Abwehr, Selbstbild und äußerem Ersteinungsbild? Ich weiß es nicht, sehe aber eine Tendenz hin zum "Low Intensity Conflict" nicht mehr nur in "gefallenen Staaten". Welche Möglichkeiten haben die betroffenen Gruppen selber? Meiner Meinung nach ist es wichtig, das Selbstbild und äußere Erscheinungsbild nicht als Reaktion auf destruktive Tendenzen zu ändern, also nur reaktiv zu agieren. Multikulturelle Kooperation basiert auf Vertrauen. Mit welchen Mitteln, Möglichkeiten oder "Leitbildern" diese Basis erfolgreich gesichert werden kann, ist nicht eindeutig. Ob sie bei einem gezielten Angriff überhaupt gesichert werden kann, ist fraglich. Somit kommt den heutigen Gruppen und der Gesellschaft als Ganzes ein hohes Maß an Verantwortung zu. Die Frage bleibt also offen :) |
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@ rene und @ streifzug
Diese Fragen werden nicht nur uns noch länger beschäftigen. Von "blindem Flecken" würde ich nicht sprechen, die Vergleiche liegen auf unterschiedlichen Ebenen. Ein Leitbild ist keine konkrete Praxis, fragt allerdings nach den gemeinsinnstiftenden Momenten, fragt nach Kooperation und Solidarität. Die Egomonster-Show ist auf Dauer für jedes Ego schädlich ... Beim Problem der Gruppenbildung bis hin zur Gefahr des Bürgerkriegs sehe ich analytische Übereinstimmungen. Nur betone ich im Zweifel mehr das Rettende, während ich Streifzug (auch in vielen anderen Kommentaren) eher als Pessimisten wahrnehme. Es stimmt leider: Die "Realitäten" drücken oft nieder. Gruß BW |
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@ rene und @ streifzug
Diese Fragen werden nicht nur uns noch länger beschäftigen. Von "blindem Flecken" würde ich nicht sprechen, die Vergleiche liegen auf unterschiedlichen Ebenen. Ein Leitbild ist keine konkrete Praxis, fragt allerdings nach den gemeinsinnstiftenden Momenten, fragt nach Kooperation und Solidarität. Die Egomonster-Show ist auf Dauer für jedes Ego schädlich ... Beim Problem der Gruppenbildung bis hin zur Gefahr des Bürgerkriegs sehe ich analytische Übereinstimmungen. Nur betone ich im Zweifel mehr das Rettende, während ich Streifzug (auch in vielen anderen Kommentaren) eher als Pessimisten wahrnehme. Es stimmt leider: Die "Realitäten" drücken oft nieder. Gruß BW |
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Hallo Bildungswirt,
ich würde mich als realistischen Optimisten bezeichnen. |
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Bei den sog. "Realismen" sind wir uns oft sehr nahe.
Werde mal verstärkt auf deinen Optimismus (nicht nur in der "Spaßguerilla") in Zukunft achten. --- for a better life ---- nicht nur für den weißen Speckgürtel. |
Ausgabe 07/12
16.02.2012
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