donkischott

Blog von Binikatz

03.01.2012 | 22:03

Ein kleines Leben

 

Das „Sachl“ aus Rumpenstadl bei Röhrnbach 

Zeugl oder Sachl heißt im Bayerischen Wald eine ganz kleine Landwirtschaft. Im Sachl sind alle Räume, die für eine Landwirtschaft nötig sind, in einem Gebäude versammelt: Wohnung, Stall, Stadel und Tenne. Umgeben war es von 7 Tagwerk Äckern, Wiesen und Wald – zu viel zum Sterben und zu wenig zum Leben.

Die Giebelseite vom Sachl

Seit 1903 lebte die Familie Graf auf dem „Sachl“. Alois Graf arbeitete nebenher als Steinhauer und Weber. Von 1946 bis 1978 wurde das „Sachl“ von Karoline Graf alleine bewohnt und bewirtschaftet. Um Holz zu sparen, unterteilte sie die Stube und hielt sich nur noch in der kleinen Küche mit dem Sparherd auf. Frau Graf hatte kaum das Nötigste. Überleben bedeutete für sie: Arbeiten von früh bis spät!

Stolz hat sie bis zuletzt auf Sozialhilfe verzichtet.

In der Kredenz wurde das spärliche Geschirr aufbewahrt.

Wandschmuck


Die Stube mit dem Herrgottswinkel


Das "Badezimmer"


Der küchenherd


Die Küchenkommode


Sofa mit altem Röhrenradio


Einmal im Monat wurde Brot gebacken


Eine alte Petroleumkanne im Keller


Einkäufe wurden oft über weite Strecken mit dem Rucksack erldigt


Der Leiterwagen in der winzigen Scheune


Stalltür

Das „Sachl“ der Karoline Graf hat 1984 im Freilichtmuseum Finsterau im Bayerischen Wald seinen Platz gefunden und erzählt dort uns Heutigen von einem früheren „kleinen Leben“.

www.freilichtmuseum.de/index2.php?inc=02_finsterau_hof04

 

 
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Kommentare
GEBE schrieb am 03.01.2012 um 23:11
Wer hat die Katze neben dem Bock an der Wand erledigt und warum? Und vor allen Dingen: War die beiden in der Ecke neben dem Kruzifix?
GEBE schrieb am 04.01.2012 um 00:32
Aber im Ernst: sehr beeindruckende Fotos!
Maike Hank schrieb am 04.01.2012 um 11:02
Tolle Fotos, danke für den Einblick!
Ehemaliger Nutzer schrieb am 04.01.2012 um 11:22
Ja, sehr berührend - diese aufgeräumte Armut!
donkischott schrieb am 04.01.2012 um 12:36
aufgeräumte armut - das gefällt mir ... als ich das "badezimmer" sah, kamen mir fast die tränen.
dennoch scheint es mir, als wäre es trotz aller widrigkeiten leichter, auf dem lande in würde zu altern - es gibt immer menschen, nachbarn, die dich nicht verkommen lassen - auch heute noch!
koslowski schrieb am 04.01.2012 um 17:47
Eine sehr schöne, melancholische Erinnerung an eine stolze Frau und ihr "kleines Leben." Herzlichen Dank!
donkischott
Wir waren alt und brauchten das Geld!
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