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systemrelevanter Blog

05.10.2010 | 07:49

FAS vs. FSK - Ein Pseudoskandälchen in mehreren Akten

In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung konnte man die Tage Zeuge einer abstrusen Inszenierung werden. Einige Redakteure durften sich auf Redaktionskosten ein paar nette Filmabende machen und 100 Filme mit einer Altersfreigabe ab 12 Jahren schauen. Es waren nicht die Redakteure aus dem Feuilleton, es waren die aus dem Bereich Familie. Die Redaktion hatte die Idee, man könnte doch der FSK mal auf die Finger schauen und deren Arbeit kontrollieren. So bemängelte man an 46 der 100 getesteten Filme nicht die mangelnde Qualität der Filme sondern das mangelnde Feingefühl der Prüfer von der FSK. Mir tun die Redakteure wirklich leid, mussten sie sich 100 mal die letzte Mainstreamgrütze antun, wie "Herr der Ringe", "King Kong" und "Illuminati". Unter den Filmen waren auch hochwertige Filme, wie "Million Dollar Baby", "Der fremde Sohn" (beide von Clint Eastwood), "Rescue Dawn" oder "Syriana". Doch was musste man lesen, als die Redaktion fertig war und sämtliche Chipstüten und Bierflaschen geleert waren?

Wo „FSK 12“ draufsteht, ist oft brutale Gewalt drin. Oder Sex. Oder obszöne Sprache. Oder etwas von allem dreien.

Als nächstes möchte man die Redaktion doch mal in einen Kurs für Satzbau schicken. Jeder Satz enthält Subjekt und Prädikat, wenn man schon die Jugend schützen möchte, dann bitte auch vor solchen sprachlichen Entgleisungen. Folgend nun ein paar der schönsten Bewertungen der FAS, der Bewertungen der FSK.

Der Film Schindlers Liste enthält laut FAS zahlreiche Erschießungen von Juden! "Menschen werden gezwungen im Arbeitslager nackt im Kreis zu rennen zum Zweck einer Selektion." 

"Frauen ziehen sich nackt aus, um in die Duschkammern zu gehen."

Die historische Wahrheit ist also für Geschichtsunterricht gestählte Jugendliche nicht zumutbar. Mal abgesehen davon, dass es sich bei Letzterem wohl kaum um Duschkammern gehandelt haben wird, aber leider ist mir der Film nicht mehr gegenwärtig genug um das jetzt abschließend zu beurteilen.

Die Beurteilung der Freigabe von Spiderman:

...doch das Leid, die Brutalität und die Existenz übernatürlicher Kräfte verdichten sich zu einem Plot, der Zwölfjährige überfordert.

Ja vielleicht die Kinder von der FAS-Familienredaktion, die auf der Walldorfschule sind und den Fernseher nur 10 Minuten am Tag benutzen dürfen. Alle anderen dürften schon einmal ein Marvel- /DC-Comic in der Hand gehabt haben und um den Realitätsgehalt wissen.

Irgendwie scheinen die Redakteure ohnehin von einem Jugendschutzgedanken der Fünfziger Jahre geprägt zu sein. Sexuelle Darstellungen oder Nuditäten werden hier derartiggegeiselt, dass man sich als Leser auf einer Katholikentagung des Jahres 1962 wähnt.

Noch einer am Ende, "Der Baader Meinhof Komplex": Der Film zeigt die Attentate und Erschießungen der RAF sehr deutlich. Außerdem wird in vielen Szenen Gewalt durch die Polizei gezeigt.

Na gut, einer geht noch, "Der Pianist": [Der Film spielt im Warschauer Ghetto, Anm. von mir] Dieser Film ist schon für Erwachsene schwer zu ertragen, für Zwölfjährige aber völlig ungeeignet.

Da kann ich nur sagen: Die Realität war schon immer hart, auch wenn es bald 70 Jahre her ist.Bei "der Untergang" wird bemängelt, dass zu sehen ist, wie Magda Goebbels ihre Kinder vergiftet ...

Diese ganze Artikelreihe ist von vorne bis hinten lächerlich und unsere vollkommen inkompetente Familienministerin lässt sich auch noch von der FAS instrumentalisieren. Wer legitimiert die FAS zur Jugendschutzorganisation? Es fällt kein Wort über die Bewertungskriterien, dass zum Beispiel offensichtlich fiktionales wie Spiderman trotz etwas Gewalt niedriger bewertet werden darf. Historische Fakten dürfen auch niedriger bewertet werden, wie z.B. in "Der Untergang", "Der Pianist", "Schindlers Liste", "Defiance" und "Der Baader Meinhof Komplex" deren Altersfreigaben hier allesamt bemängelt wurden. Auch das es im Mittelalter nicht so lustig zuging, wie in "Die Abenteuer von Robin Hood" von Disney aus dem Jahr 1938 sondern eher wie in der 1991er Verfilmung mit Kevin Costner, dürfte jedem klar sein. Man kann sicherlich die ein oder andere Freigabe bemängeln, aber wenn das dann in eine fast schon amerikanische Prüderie umschlägt, dann wird es nur noch peinlich. Ein weiterer Mangel ist, dass die Zusammensetzung der FSK-Gremien nur einseitig betrachtet werden. Es wird lediglich darauf herumgeritten, dass dort auch die Filmindustrie mit am Tisch sitzt. Natürlich sitzt die mit am Tisch, die sollen ja auch den Antrag begründen.

Auf mich machen die Artikel den Eindruck, dass man hier künstlich und ohne Anlass eine Jugendschutzdiskussion entfachen will, die Deutschland gerade noch gebraucht hätte.

Für alle Interessierten: Der F.A.S.-Filmtest

 
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Kommentare
Thomas Hunnekuhl schrieb am 05.10.2010 um 18:27
Wieso ist da eigentlich als so ungefähr einziger vor 1980 erschienener Film 'Im Westen nichts Neues' von 1930 dabei?
bkhdk schrieb am 05.10.2010 um 18:34
Das ist mir auch aufgefallen, da wollte ich aber nicht auch noch drauf rumreiten. Ausserdem müsste man da erwähnen, dass es von der FSK durchaus honoriert wird, wenn der Film in einem besonderen Kontext, sei es kulturell, sei es zeitgeschichtlich, steht.
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