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Ein interessanter Beitrag. Ich sehe das ähnlich.
Die letzten zwanzig Jahre waren eher unpolitisch. Die Generation, die in den 90er Jahren politisch sozialisiert wurde, ist eher entpolitisiert. Die denken nicht mehr strukturell, deshalb wird sich auch nichts tun. Das wären aber genau die jungen Leute, die sich jetzt artikulieren müssten. Aber vielleicht täusche ich mich ja auch. http://exportabel.wordpress.com |
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Mein Kritiker hält es mehrmals für erwähnenswert, dass mein Artikel „Wahlkampf im Tollhaus“ von einem (ehemaligen) Professor verfasst wurde. Sehr höflich ist das nicht. Ich wüsste gern, wie meine Argumente zu beurteilen sind, und zwar unabhängig von irgendwelchen Kenntnissen, die der Kritiker sonst noch über die Person des Verfassers hat. Möchte er künftig bei diesem Verfahren bleiben, werde ich ihm wohl noch einige weitere Daten über mich zukommen lassen müssen, z.B. über meine Partei-, Vereins- und Gewerkschaftsmitgliedschaften, Familien- und Vermögensverhältnisse, Gesundheitszustand, sexuelle Orientierung, frühkindliche Prägungen usw.
Dass ich 2000 einen Appell unterschrieben habe, in dem Roland Koch zum Rücktritt aufgefordert wurde, war wohl wirklich nicht sehr klug. Stattdessen hätten die Wählerinnen und Wähler aufgerufen werden sollen, diesem Politiker besonders genau auf die Finger zu sehen und bei der nächsten Wahl (2003) sich an das zu erinnern, was erst nach der vorigen (1999) herausgekommen war: die Sache mit dem Schwarzgeld und den fingierten „jüdischen Vermächtnissen“. Das wäre dann ein Appell ans Volk gewesen.
Den wirft mir mein Kritiker jetzt im Zusammenhang mit der Wirtschaftskrise vor. Sie ist nicht der übliche zyklische Abschwung, sondern ein Krach wie 1873 und 1929. Dessen Ursachen begannen vor dreieinhalb Jahrzehnten: ein Wechsel des Wirtschaftsstils hin zum finanzmarktgetriebenen Kapitalismus. Es lassen sich zahlreiche wirtschaftspolitische Entscheidungen aufzählen, die diesen Wandel herbeigeführt haben. Da sie in demokratischen Staaten vorgenommen wurden, sind sie mit Billigung und Mitwirkung des Wahlvolks durchgesetzt worden, also unter den Bedingungen der verfassungsrechtlich garantierten Volkssouveränität. Von dieser kann sehr unterschiedlicher Gebrauch gemacht werden. Es darf auch an das Volk appelliert werden, sie demnächst anders – ich hoffe: besser – zu nutzen.
Georg Fülberth
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Lieber Georg Fülberth
machen Sie sich bitte keine Gedanken über evtl. "Kenntnisse, die der Kritiker sonst noch über die Person des Verfassers hat." Außer dass Sie seinerzeit in - wenn ich mich nicht irre - Marburg gelehrt haben, weiß ich nix über Sie. Aber einem wie mir, der aus einer sozialistischen Familie kommt, in der Arbeiterjugendbewegung sozialisiert wurde, die 68er Jahre und Bewegung mit Sympathie und Skepsis verfolgt und natürlich mit ihr demonstriert hat, ist Ihr Name selbstredend bekannt. Und immer während meiner politischen Wander- und Lehrjahre ist mir dieser fulminante Widerspruch zwischen der analytischen Stärke einerseits und der politischen Wirkungs-Ohnmacht andererseits unserer (west-)deutschen akademischen Linken aufgefallen und aufgestoßen. Das ist beileibe kein persönlicher Vorwurf, sondern eine Feststellung (... ohne analytische Durchdringung des Sachverhaltes). Mein Verweis auf Ihre akademische Biografie ist auch nur ein Stilmittel und nicht mehr als ein "polemischer Schlenker", um die Feststellung zu pointieren. Und insofern ist es m.E. wirklich tragikomisch, wenn Ihnen (ich meine Sie symbolisch stellvertretend für die akademische Linke) kein anderes Mittel bleibt als Appelle an das nebulöse "Volk". Auch das wiederum ist kein Vorwurf, sondern verweist auf uns alle, die gesamte Linke, zurück. Das wäre doch mal ein Thema für den FREITAG: Welche Lehren können wir denn im historischen Rückblick und im perspektivischen Vorausblick aus der Tatsache ziehen, dass ausgerechnet die FDP als "Krisengewinnler" dasteht. Aber die Frage muss wirklich tief gehen: Warum habt ihr/haben wir mit unseren schlauen Büchern, Reden, Appellen, Analysen nie wirklich die Herzen der Menschen erreicht? Wohlgemerkt: Die HERZEN. Komme mir niemand mit dem Kalten Krieg, der Nähe zur DDR, dem Anti-Kommunismus und dem Stalinismus. Wie heißt noch dieser Spruch aus der Werbung für die scharfen Pastillen in der Blechdose: Ist er zu stark, bist du zu schwach. Auf unsere Schwäche kommt es an. bneurathwilson |
Ausgabe 07/12
16.02.2012
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