born2bmild

Denken ist Reden mit sich selbst

08.09.2011 | 13:05

2 x 9/11 = ?


oder
Nobel geht die Welt zugrunde?

"Am 11.September 1973 kam es in Chile zu einem Putsch gegen Salvador Allende Gossens, den ersten aus freien Präsidentschaftswahlen hervorgegangenen marxistischen Staatschef der Welt. Angeführt wurde der Putsch von General Augusto Pinochet Ugarte. Die neuen Machthaber gingen mit einer weltweites Aufsehen erregenden Brutalität vor: Nach organisierten Hatzen trieb man die Anhänger Allendes zu Tausenden im Nationalstadion von Santiago zusammen, und es kam in der Folge zu Massenerschießungen, Scheinhinrichtungen sowie systematischer Folter."
(c) Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, 2002

Was nicht im Brockhaus steht: der Putsch wurde gefördert, wenn nicht gar initiiert von der US-amerikanischen Regierung, insbesondere von H. Kissinger.
3 Monate später, am 10 Dezember 1973 wird dem ehrenwerten Mann der Friedensnobelpreis verliehen.

Allerdings für sein Wirken in Vietnam, wo er fast genau ein Jahr zuvor, noch als "Sicherheitsberater",  zwischen dem 18. bis 29. Dezember 1972 am “Weihnachtsbombardement” mitwirkte, wobei fast 3.500 Einsätze gegen Hanoi und Haiphong geflogen wurden und  mit nahezu 100.000 Tonnen Bomben die schwersten Verwüstungen seit Kriegsbeginn erfolgten.

Gewiss erhielt er die Auszeichnung nicht dafür, sondern für seine "Friedensgespräche" mit dem vietnamesischen Unterhändler Le Duc Tho, der seinerseits den Preis verständlicherweise ablehnte.

Der 11. September 2001, an dem eine Verschwörung den Einsturz von 3 Hochhäusern des World Trade Centers verursachte, zudem das Pentagon beschädigt wurde und zum Tod von ca. 3000 Menschen führte, verdeckt die Erinnerung an den Putsch in Chile - die im Übrigen in den freien westlichen Medien nur selten gepflegt wurde.
Die Verschwörung, weltweit 9/11 genannt, hollywoodgerecht inszeniert, soll, der offiziell allgemein anerkannten und verbreiteten Theorie nach, von Osama Bin Laden geleitet worden sein.
Vor dem Hintergrund der allgemein akzeptierten Theorie konnte die US-amerikanische Regierung, als Anklägerin und Standrichterin zugleich, termingerecht vor dem 10jährigen weltweiten Gedenken, ohne Prozess das Todesurteil fordern, sprechen und von Navy Seals-Scharfrichtern exekutieren lassen, bejubelt von der freien Menschenrechtswelt, einschließlich Kanzlerin Angela Merkel.

Der Vorsitzende Ankläger, Richter und Auftraggeber des Exekutionskommandos erhielt den Friedensnobelpreis schon im Voraus.

 
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Kommentare
poor on ruhr schrieb am 08.09.2011 um 13:21
Bravo! Toll geschrieben! Ausserdem ist diese chilenische Seite dieser Datumszahl ein Hinweis, den ich immer wieder gut finde.

Lieber Gruß

por
tlacuache schrieb am 08.09.2011 um 13:36
born2bmild,
Hinweisschildchen, könnte Sie interessieren:
www.freitag.de/politik/1136-editorial#comment-310632

Danke fuer den Blog...
:-)
LG
koslowski schrieb am 08.09.2011 um 14:27
Ja, so zynisch können unsere Helden der westlichen Welt sein. Ich hoffe aber doch, dass es einen Unterschied zwischen den beiden Friedensnobelpreisträgern gibt: "Mein Freund Henry" (H.Schmidt) war ein amoralischer Machtpolitiker aus Überzeugung, Obama scheint mir ein Mann mit guten Absichten (gewesen) zu sein, den Amt und die Mechanismen des Machterhalts veranlassen so zu werden wie viele Präsidenten vor ihm.
miauxx schrieb am 08.09.2011 um 18:47
@koslowski

"Ja, so zynisch können unsere Helden der westlichen Welt sein."

Ja, so zynisch sind unsere Helden der westlichen Welt.
koslowski schrieb am 08.09.2011 um 22:47
@miauxx 18:47

Dem Indikativ stimme ich nicht zu, denn so desillusioniert bin ich (noch) nicht. Ich bilde mir fest ein, dass es Ausnahmen gab/gibt. Es sei denn, wir nehmen an, dass nur Zyniker Politiker werden oder Politik alle zu Zynikern macht.
miauxx schrieb am 09.09.2011 um 00:23
@koslowski
Es sind freilich nicht alle Zyniker, die Politiker werden. Politik macht aber, und das gar nicht selten, Zyniker. Mit bestem Willen ist man dann vielleicht geneigt, die Persönlichkeit hinter oder zwischen Sachzwängen 'alternativlos' verschwinden zu sehen. In etwa so etwas haben Sie ja oben mit Obama, im Gegensatz zu Kissinger, angedeutet.
Und: Man denke nur an Aussagen wie H. Schmidts "Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen" ... Da wundert einen doch nix mehr.

Andererseits müssen "Helden des Westens" ja nicht zwingend Politiker sein. :-)
goedzak schrieb am 08.09.2011 um 18:14
Man sollte sich davor hüten, die Pinochet-Putschisten als wildgewordene Faschisten, damit sozuagen als Vertreter irgend eines abstrakten Bösen anzusehen. Der Putsch und die von Pinochet anschließend umgesetzte Politik müssen gesehen werden als frühe Ereignisse der neoliberalen 'Wende' des Kapitalismus im späten 20. Jahrhundert. Milton Friedman stellte sich als Wirtschaftsberater zur Verfügung und Margaret Thatcher nahm sich ab 1979 am Pinochet-Chile ein Vorbild, ohne Mord und Folter, aber z.B. mit brutalen Polizeieinsätzen gegen streikende Arbeiter.

Für Thatcher, Reagan und die 'Chicago-Boys' war das Chile der siebziger und achtziger Jahre der wirtschaftsliberale Himmel auf Erden: die ökonomischen Groß-Akteure haben alle Freiheiten und der starke Staat sorgt mit aller Konsequenz dafür, dass ihnen niemand in die Quere kommt.
goedzak schrieb am 08.09.2011 um 18:19
Noch was gefunden:
aus der FAZ vom 12. (!) September 1973

"Den Versuch, einen dogmatisch-doktrinären, marxistischen Sozialismus auf demokratischem Wege einzuführen, hat Chile mit schweren wirtschaftlichen und politischen Schäden teuer bezahlen müssen. Anarchie und Chaos breiteten sich in den letzten Wochen immer schneller aus. Im Augenblick der höchsten Gefahr konnten sich die Streitkräfte ihrer Verantwortung nicht mehr länger entziehen. Die politischen Spannungen, die Allendes mißglücktes Volksfrontexperiment in Chile erzeugt hatten, drängten mit Macht zur Entladung. Der Versuch, den Zusammenstoß zu verhindern, mußte gemacht werden."
miauxx schrieb am 08.09.2011 um 18:45
Danke für die Erinnerung an den 11. September Chiles !!

(Wäre eigentlich auch eine Idee für den aktuellen Freitag gewesen. Die Spezialausgabe mit Focus auf die arabische Welt zwischen 9/11 und "arabischem Frühling" ist aber auch gut.)
born2bmild schrieb am 08.09.2011 um 23:02
Aus "Buscando America" von Ruben Blades

Adónde van los desaparecidos?
Busca en el agua y en los matorrales

Y por qué es que se desaparecen?
Porque no todos somos iguales

Y cuándo vuelve el desaparecido?
Cada vez que los trae el pensamiento

Cómo se le habla al desaparecido?
Con la emoción apretando por dentro

tlacuache schrieb am 09.09.2011 um 04:13
Los llevaron a la chingada...
;-)
born2bmild
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