born2bmild

Denken ist Reden mit sich selbst

17.02.2012 | 11:58

Der Aberglauben schlimmster

Der Aberglauben schlimmster ist, den seinen
für den erträglichern zu halten.

(Tempelherr)
Nathan der Weise IV, 4
Gotthold Ephraim Lessing

 
Heute vor 412 Jahren, am 17. Februar 1600, wurde der Philosoph Giordano Bruno nach langjähriger Gefängnishaft in Rom auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

"Die Inquisitionsgefängnisse waren Orte nicht ausdenkbaren Grauens, nach päpstlicher Anweisung eng und dunkel; gewöhnlich ohne jede Beleuchtung und Ventilation, aber voller Unrat, Gestank. Und in diesen durch den Klerus vollgestopften Stätten, die bald zu klein wurden, weshalb Gregor IX. den Bau weiterer befahl und dazu beisteuernden Christen reichlich Ablässe verlieh, verbüßten Menschen eine Strafe, die noch weit schlimmer war als der rasche Tod auf dem Scheiterhaufen, schmachteten Frauen und Männer oft viele Jahre, ohne verurteilt oder freigesprochen zu sein".  Aus   Karl Heinz Deschner, Kriminalgeschichte des Christentums, Band 7

Vor gar nicht so fernen Zeiten, erst 186 Jahre her, ereignete sich das (vorerst?) letzte Autodafé:

"Ein solches Todesurtheil wurde im Jahre des Heils 1826 an einem Catalonier Namens Nipoll, wahrscheinlich dem aufgeklärtesten Manne in Spanien, vollzogen. Der Unglückliche war Vorstand einer von ihm selbst errichteten Privatschule, und hatte die unvorsichtige Behauptung ausgesprochen, daß Christus kein Gott, sondern nur ein Mensch gewesen sei. Nach dem Bekanntwerden dieser Aeußerung wurde Nipoll der allerärgsten Ketzerei, der Gotteslästerung angeklagt und in die Gefängnisse der Inquisition gesteckt.
...
Einstimmig wurde das Todesurtheil über Nipoll ausgesprochen, der nun, mit Ketten belastet, dem nicht minder glaubenswüthigen weltlichen Gerichte überliefert wurde.

Nun folgte das Autodafé, ein Schauspiel, würdig eines Philipp’schen Zeitalters ..."

Heute, in den modernen, megaschnellen Netz-Zeiten, verfängt sich der saudi-arabische Blogger Hamza Kashgari bei Twitter & Facebook im Barte des Propheten Mohammed. Er schrieb bei Twitter einige kritische Beiträge über ihn. In kürzester Zeit gab es 30.000 Antworten, er wurde der Gotteslästerung beschuldigt und viele forderten seinen Tod. Kashgari floh nach Malaysia, wurde dort jedoch festgenommen und nach Saudi-Arabien ausgeliefert, dort könnte er wegen Blasphemie zum Tod verurteilt werden. Auf einer Facebook-Seite wird von über 20.000 Nutzern die Hinrichtung Kashgaris gefordert.

 
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Kommentare
kenua schrieb am 17.02.2012 um 12:48
Daraus darf man aber auf keinen Fall Schlüsse über die hier ansässigen Muslime ziehen, auch nicht auf die Asylanten aus solchen Ländern. Das wäre nämlich Rassismus.
Wolfram Heinrich schrieb am 17.02.2012 um 13:50
@kenua
Daraus darf man aber auf keinen Fall Schlüsse über die hier ansässigen Muslime ziehen, auch nicht auf die Asylanten aus solchen Ländern.

Nanu? Macht das denn einer?

Das wäre nämlich Rassismus.

Das wäre es natürlich nicht. Noch ist der Islam keine Rasse.

Ciao
Wolfram
born2bmild schrieb am 17.02.2012 um 13:51
1. Das Thema ist Aberglauben und seine extremen Auswirkungen.

2. Bei mir finden Sie solche Schlüsse nicht.

3. Muslime als Rasse anzusehen - auch eine Form von Aberglauben.
born2bmild schrieb am 17.02.2012 um 13:54
Mein Kommentar ging an kenua.
Wolfram Heinrich war schneller.
kenua schrieb am 17.02.2012 um 13:58
Entschuldigung, bei einer Diskussion wurde ich mit diesem Argument als Rassist bezeichnet.
Meine Idee war das nicht.
Daniel Domeinski schrieb am 17.02.2012 um 23:24
@Wolfram Heinrich

"Das wäre es natürlich nicht. Noch ist der Islam keine Rasse."

Aha, "Muslime" und "Asylanten" aus islamisch geprägten Ländern können nicht Opfer rassistischer Diskriminierung sein, da der Islam keine "Rasse" ist. Das ist wirklich sehr klug.
Daniel Domeinski schrieb am 17.02.2012 um 23:25
@kenua

Welches "Argument" meinen sie?
Wolfram Heinrich schrieb am 18.02.2012 um 07:06
@Daniel Domeinski
"Das wäre es natürlich nicht. Noch ist der Islam keine Rasse."

Aha, "Muslime" und "Asylanten" aus islamisch geprägten Ländern können nicht Opfer rassistischer Diskriminierung sein, da der Islam keine "Rasse" ist. Das ist wirklich sehr klug.


Das darfst du laut sagen, ich bin manchmal hingerissen von meiner eigenen Klugheit. Natürlich kann ein Araber, kann ein Türke oder weiß Gott wer Opfer rassistischer Diskriminierung sein - weil er Araber, Türke oder weiß Gott wer ist. Daß er Moslem ist, ist dann wieder eine ganz andere Sache.

Ciao
Wolfram
Daniel Domeinski schrieb am 18.02.2012 um 11:53
@Wolfram Heinrich

Sind Araber, Türken usw. für dich "Rassen"?
Wolfram Heinrich schrieb am 18.02.2012 um 17:25
@Daniel Domeinski
Sind Araber, Türken usw. für dich "Rassen"?

Nein.

Ciao
Wolfram
Wolfram Heinrich schrieb am 17.02.2012 um 13:51
Heute, in den modernen, megaschnellen Netz-Zeiten, verfängt sich der saudi-arabische Blogger Hamza Kashgari bei Twitter & Facebook im Barte des Propheten Mohammed. Er schrieb bei Twitter einige kritische Beiträge über ihn. In kürzester Zeit gab es 30.000 Antworten, er wurde der Gotteslästerung beschuldigt und viele forderten seinen Tod. Kashgari floh nach Malaysia, wurde dort jedoch festgenommen und nach Saudi-Arabien ausgeliefert, dort könnte er wegen Blasphemie zum Tod verurteilt werden. Auf einer Facebook-Seite wird von über 20.000 Nutzern die Hinrichtung Kashgaris gefordert.

Nun ist ja der Blasphemie-, bzw. Gotteslästerungsparagraph selber eine institutionalisierte Blasphemie der allerübelsten Sorte. Er unterstellt, Gott wäre nicht in der Lage, sich selbst gegen seine Lästerung zu wehren. Er unterstellt, der Große, Allmächtige und Allwissende Gott, ohne den kein Haar von meinem Kopfe fällt, wäre in Wirklichkeit ein armer, machtloser Wurschtl, der in Gefahr gerät, wenn jemand ein böses Wort gegen ihn sagt.
Ich mein, genau das ist er natürlich, er ist eine menschliche Erfindung. Gott stirbt, wenn niemand mehr da ist, der an ihn glaubt. Der unsterbliche Zeus aus Griechenland ist vor vielen Jahrhunderten genau diesen Tod gestorben. Der Blasphemie-, bzw. Gotteslästerungsparagraph macht nur dann einen Sinn, wenn man davon ausgeht, daß es Gott nicht gibt.

Ciao
Wolfram
born2bmild schrieb am 17.02.2012 um 14:02
Was mir bei BlasPhemie unwillkürlich als erstes durch den Kopf tutet, ist nicht jugendfrei & dieweil ich allzeit tugendsam durch den All- und Sonntag stapfe, verschweige ich's.
Wolfram Heinrich schrieb am 17.02.2012 um 14:11
@born2bmild
Was mir bei BlasPhemie unwillkürlich als erstes durch den Kopf tutet, ist nicht jugendfrei & dieweil ich allzeit tugendsam durch den All- und Sonntag stapfe, verschweige ich's.

Seit Kindertagen habe ich dieselbe Assoziation, allerdings beschränkt sich die Assoziation bei mir (Kindertage, wie gesagt) auf Klarinette, Tuba, Trompete.

Ciao
Wolfram
tlacuache schrieb am 18.02.2012 um 09:00
:-) Beitrag
Hintergrundinfos:
de.wikipedia.org/wiki/Napoleonische_Kriege_auf_der_Iberischen_Halbinsel

de.wikipedia.org/wiki/Cortes_von_C%C3%A1diz

de.wikipedia.org/wiki/Ferdinand_VII._%28Spanien%29

de.wikipedia.org/wiki/Carlismus

Religion ist vorgeschoben fuer den Poebel,
Hintergrund sind immer und ueberall machtpolitische Ränkespiele der herrschenden Kasten die nix abgeben wollen, in diesem Fall 1808: Spanien, Portugal, England und Frankreich...
Das ist 2012 in und rund um Saudi Arabien nicht anders.

Da kann es 1826 schon mal den falschen erwischen.

Das hat uebrigens eine lange Vorgeschichte mit einem Ziel:
Klatsch den Moslem 1492 auf der iberischen Halbinsel
de.wikipedia.org/wiki/Kastilischer_Erbfolgekrieg
de.wikipedia.org/wiki/Isabella_I._%28Kastilien%29

;-)
born2bmild
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