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mit Texten Ossietzkys, passend zur aktuellen Lage.
Motto:
Die fast unlösbare Aufgabe besteht darin, weder von der Macht der anderen, noch von der eigenen Ohnmacht sich dumm machen zu lassen.
(Theodor W. Adorno, Minima Moralia)
Wenn die Grünen in naher Zukunft für jeden sichtbar vergilben, der FDP also unverwechselbar ähneln, wohin mit dem bürgerlichen Protestwähler? Wilders Tea Party für die deutsche Mittelklasse?
Texte Ossietzkys (2)
"Die Völker fühlen sich als Spielbälle von Kräften, die sie nicht verstehen. Sie fürchten die kommunistische (heute zu ersetzen durch 'islamistische' - b2bm) Drohung, sie erschauern unter dem gigantischen Anschwellen des Großkapitalismus. Der Standard der allgemeinen Lebenshaltung sinkt immer tiefer unter das von altersher gewohnte Niveau. Die Heilkundigen der Politik, welcher Schule sie auch angehören mögen, genießen kein Vertrauen mehr. Es ist eine stehende Erfahrung: wo der Arzt in Mißkredit gekommen ist, schleicht der Scharlatan ins Haus. Und die moderne politische Scharlatanerie kristallisiert sich in dem vielfarbigen, vieldeutigen Begriff: Fascismus.
Was ist Fascismus? Zunächst ein Ausverkauf kleinbürgerlicher Ideologien und Illusionen von vorgestern. Gedankenspäne, die längst vom Wirbel der Zeit in alle vier Winde zerstreut schienen und die sich heute von neuem zu einer gefährlichen Masse zusammengefunden haben. Der Fascismus ist die machtgewordene Furcht des von kapitalistischen ... Extremen in seiner Existenz bedrohten ...und moralisch geschwächten Bürgertums."
Ausschnitt aus: "Weltreaktion Ihr Unsinn und ihr Sinn", Berliner Volks-Zeitung, 13. Mai 1923
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Die Texte Ossietzkys aus 1923 zeigen ihn als genauen Analytiker der Zwischenkriegszeit. Sagen sie etwas über die politische Lage der Gegenwart? Jedenfalls fallen einige Analogien auf (z.B. Unübersichtlichkeit und Desorientierung, Vertrauenensverlust der politischen Klasse ), aber auch, meine ich, Unterschiede: der Faschismus, jedenfalls in seinen traditionellen Formen, wird von den Verlierern der kapitalistischen Globalisierung und den vom Abstieg bedrohten bürgerlichen Mittelschichten nicht als Ausweg aus der Krise gesehen. Vielen Dank für das Blog.
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Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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