born2bmild

Denken ist Reden mit sich selbst

01.11.2011 | 17:34

Kalter Krieg & Stachelbeerbeine



Gewidmet der Frau von Gutenberg, die nun in der Cloud als "Ehemaliger Nutzer" über der Community schwebt.

Gestern erstöberte ich in einer Bücherkiste "Das russische Perpetuum Mobile" von Dieter Friede, ein antikommunistisches, antirussisches, kaltkriegerisches Pamphlet aus dem Jahre 1959.
"Anstelle eines Vorworts" wird ein Generalmajor J.F. Fuller ausfürlich zitiert. Den Anfang und das Ende zur Kenntnisnahme:
"Die Unwissenheit der westlichen Völker, insbesondere der Amerikaner und Engländer, ist so groß, daß sie blind sind gegen die Ziele, die Rußland verfolgt und immer verfolgt hat ...
(...)
... verbirgt ihnen ihre Unwissenheit über Rußland und seine Geschichte wie ein eiserner Vorhang die Wahrheit, nämlich die, daß Rußland nicht nur das ausgedehnteste, sondern auch das brutalste Kolonialreich der Welt seit der Herrschaft der Assyrer ist."

Und auch ein späterer "ehrenwerter" Friedensnobeltreisträger kommt schon zu Wort, nachdem im Buch ausführlich "bewiesen" wurde, dass Chruschtschow dem "unschuldig dreigeteilten" Deutschland mit dem Friedensvertragsentwurf vom 10. Januar 1959 perfiderweise ein Superversailles unterschieben wollte :
"Am 21.Juni 1959 hielt Professor Henry A. Kissinger (Harvard), einer der bedeutendsten Theoretiker des Atomkrieges, in Bonn vor der "Deutschen Gesellschaft für auswärtige Politik" einen Vortrag von außergewöhnlicher Erkenntnisschärfe. Darin trug er kurz und knapp vor.
"In mancher Beziehung ist Chruschtschow waghalsiger als Stalin."

"Vielen Gesprächspartnern empfahl Adenauer das Buch von Dieter Friede „Das russische Perpetuum mobile" als beste Darstellung der russischen Geschichte. Friede hatte die These popularisiert, der Expansionsdrang der Zarenzeit sei mit der Politik der Sowjetunion identisch." Siehe DIE ZEIT.

Im Buch fand sich ein Zeitungsausschnitt - anscheinend aus einem hannoverschen Blatt, denn auf der Rückseite liest man Todesanzeigen aus Hannover vom 12., 16., 17. und 20.Juni 1959:

"Studentin Karin gegen "Stachelbeerbeine"

Ist die Universität ein Strandbad? / Nur Spott und Buh-Rufe geerntet

Bonn (ap). Eine lange Diskussion über kurze Hosen gab es in der Bonner Universität. Eine 21jährige Jurastudentin hatte an den nackten Beinen ihrer männlichen Kollegen Anstoß genommen, ihrem Unmut in einer Zuschrift an die Studentenzeitschrift "Spuren" Luft gemacht und damit nicht nur den Zorn, sondern auch den Spott vieler Studenten herausgefordert. Jetzt stellte sie sich mutig und mit zornfunkelnden blauen Augen zur offenen Feldschlacht.
Gut anderthalb Stunden lang verfocht die modisch gekleidete und pariserisch frisierte Karin Krüger ihren Standpunkt, daß ein Student die Universität beleidige, wenn er an heißen Tagen in Shorts erscheine. Mit Prüderie habe das nichts zu tun, aber eine Universität sei ja schließlich keine Strandbar.
Hohngelächter und Buh-Rufe waren die Antwort der zahlreich erschienenen Kommilitonen, von denen übrigens nur drei in kurzen Hosen gekommen waren. Nicht einmal bei ihren Geschlechtsgenossinen fand Karins Kampagne das erwartete Echo. Ein wohlgeformtes "Stachelbeerbein" sei ihr immer noch lieber als ein feister Jüngling in "Blue Jeans", ließ sich eine Studentin vernehmen. Karins erregter Widerspruch ("Es geht doch nicht, daß wir alle Hemmungen fallen lassen") ging im allgemeinen Gelächter unter - schade eigentlich, denn ganz unrecht hat die mutige Karin nicht."

Mir wäre lieber gewesen, es  hätte auch ein allgemeines Gelächter bei den hitzigen Parolen der kalten Krieger  & für den, die "bedeutendsten Theoretiker des Atomkrieges" gegeben.

Was soll's,  bis heut haben wir im Wohlstandswunderland saumäßig Glück gehabt.

 

 
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Kommentare
goedzak schrieb am 01.11.2011 um 19:40
Hervorragend, wie Du den inneren Zusammenhang scheinbar überhaupt nicht miteinander korrelierender Vorkommnisse aufzeigst! Dafür fünfe!!!
goedzak schrieb am 01.11.2011 um 20:31
Der linke Kurzehosen-Mob damals und die "Sozen-SS" heute - es ist immer das gleiche.

www.freitag.de/community/blogs/goedzak/frau-von-goedzak
goedzak schrieb am 01.11.2011 um 19:46
Der 'Ehemalige Nutzer' in der cloud war aber wohl 'sachichma'. - Sachichma, warum hast du uns verlassen? - Hoffentlich geht's Dir gut!
born2bmild schrieb am 01.11.2011 um 19:56
Nun ist er runtergefallen von der Wolke, der "Ehemalige Nutzer" ...
Hals- & Beinbruch, langes Leben und reichen Kindersegen!
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