Die widerwärtige Leichenschändung durch US-Soldaten machte Schlagzeilen, schnell vorübergehend, wie üblich bei dieser Art Skandal. Ein Bundespräsident war und ist deutschmedial wichtiger, wenn er die Würde des Amtes diskreditiert durch seine einstige Beteiligung am deutschen Volkssport "Geiz ist geil".
With a little help of his friends. Bis er SPIEGELBILDlich verschwindet.
Dennoch will ich noch einmal die Betrachtung des Skandals in Afghanistan kurz in den Fokus rücken - und wichtiger noch, vor der eigenen Tür kehren. Da liegt immer noch alter Staub aus Tausend Jahren.
Schlesinger verdeutlichte bereits, dass der Krieg, durch sich selbst, sui generis, greulich verabscheuungswert ist, die herabwürdigende Urinierverfilmung nur eine Begleiterscheinung. Demgegenüber herrscht verbreitet die Vorstellung: Ehre wiegt schwerer als der Tod. Besonders pervers in deutscher Abart im 1000järigen Reich.
Die Belagerung Leningrads (beteiligt auch der jetzige Weltstaatsmann H. Schmidt) war, trotz aller Qual und Schrecken, nur ein geringer Teil des Vernichtungskriegs im Osten. Der forderte insgesamt 20 Millionen Opfer in der Sowjetunion. Die Wehrmacht galt dennoch lange, bis zur sogenannten Wehrmachtsausstellung, als sauber, anständig. Dutzende Kasernen der wiederbewaffneten, jetzt demokratischen Bürger in Uniform wurden nach Tätern benannt, die an Angriff- und Vernichtungskriegen aktiv mitgewirkt hatten.
Erst die "Erfolge" der Krieger im „sauberen Waffenrock“ der Wehrmacht haben die Shoa - Auschwitz, Treblinka, Majdanek, Sobibor, Belzec, Chelmno ermöglicht. Und der Oberhäuptling der SS-Mörderbande setzte dem Anstand seiner "Elitekrieger" in der Posener Rede ein groteskes Denkmal:
"... Ein Grundsatz muss für den SS-Mann absolut gelten: ehrlich, anständig, treu und kameradschaftlich haben wir zu Angehörigen unseres eigenen Blutes zu sein und zu sonst niemandem.
(...)
Von euch werden die meisten wissen, was es heißt, wenn 100 Leichen beisammen liegen, wenn 500 daliegen oder wenn 1000 daliegen. Dies durchgehalten zu haben, und dabei – abgesehen von Ausnahmen menschlicher Schwächen – anständig geblieben zu sein, das hat uns hart gemacht. Dies ist ein niemals geschriebenes und niemals zu schreibendes Ruhmesblatt unserer Geschichte ..."
Nachtrag zum Anfang:
Die Würde des Amtes galt in der Bundesrepublik kaum beschädigt durch
1. Lübke, "sicherlich kein Kriegsverbrecher. Vor dem Hintergrund seiner Tätigkeit in Peenemünde und im Jägerstab erscheint der spätere Bundespräsident aber als einer der vielen vermeintlich technokratischen Ingenieure und Verwaltungsfachleute, die ihre Kenntnisse in den Dienst des Systems gestellt und dabei die dehnbare Trennlinie zwischen Mitwisser- und Mittäterschaft überschritten haben, ohne selbst überzeugte Nationalsozialisten gewesen zu sein." ZEIT
2. Scheel, NSDAP-Mitglied
3. Carstens, SA-, NSDAP-Mitglied
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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