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Zwei Wochen nach den Jugendunruhen in England wirken die Reaktionen der britischen Regierung hysterisch und unnötig brutal. Man fragt sich, wollen die Herrschenden keine vernünftige Antwort auf den Ausbruch sozialer Unruhen geben oder können sie es schlicht und einfach nicht? Schaut man sich die Fakten an, so muss man wohl Letzteres befürchten. Die Demokratie ist mit ihrem Latein am Ende. Auf die Weltwirtschaftskrise folgen soziale Unruhen und Polizeistaat.
Im Moment werden auf der grünen Insel sogar Elf- und Dreizehnjährige vor Schnellgerichten abgeurteilt – und das oft wegen dem Diebstahl von Kleinigkeiten. Etwa 3.000 Personen, in der Mehrheit zwischen sechszehn und zwanzig Jahre alt, sind inzwischen bei Razzien in London und anderen Städten verhaftet worden. Ein zuvor nicht vorbestrafter Student wurde wegen des Diebstahls einer Wasserflasche im Wert von 3,50 Pfund zu einer relativ hohen Gefängnisstrafe verurteilt. Am Dienstag wurden zwei Jugendliche, 20 und 22 Jahre alt, zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Ihr Vergehen war es, bei facebook Kommentare verfasst zu haben, die vom Gericht als Aufruf zur Gewalt interpretiert wurden. Hunderte junge Menschen sitzen im Moment in Untersuchungshaft und mehreren Dutzend Familien wurde bereits die Sozialhilfe gestrichen oder die Sozialwohnung gekündigt. Und das ist nur ein kleiner Zusammenschnitt. Die ultra-rechte Regierung hebelt jahrzehntealte demokratische Gepflogenheiten über Nacht aus und will in Zukunft sogar die Armee in den Vorstädten einsetzen. Dabei kommen einem die Gedanken an einen Bürgerkrieg.
Man fragt sich, warum die Regierung und die etablierten Medien nach den Revolten mit solch einer Härte zurück schlagen? Ist die Gesellschaft schon so gespalten, dass kein anderes Vorgehen mehr möglich ist?
Zumindest scheint es so, wenn man sich die beschämende Reaktionen der Oppositionsparteien anschaut. Der Labour-Führer Miliband geht genau so wenig wie der Premier auf die soziale Frage ein, die letztendlich hinter den Unruhen steckt, und fordert statt Sozialprogrammen oder einem Ende der jüngsten Kürzungsorgie, dass es bei der Polizei keine Kürzungen geben dürfe. Anstatt Brot und Arbeit schlägt die Sozialdemokratie also weitere Kürzungen und Wasserwerfer vor. Die Presse versucht in weiten Teilen eine Atmosphäre der Lynchjustiz gegen eine „asoziale Unterschicht“ und „Ratten“ zu verbreiten. Überall liest und hört man, dass das Problem die „reine Kriminalität“ und „Unmoral“ seien. Auch Murdochs Blätter, die bis vor kurzem noch Zentrum eines der größten Skandale in England waren, hetzen munter mit.
Man fragt sich doch: Was steckt dahinter? warum diese Brutalität? Ich glaube, das heftige Vorgehen des Staates, der Parteien und Medien hängt eng mit der sich verschärfenden Weltwirtschaftskrise zusammen. Nachdem der Klüngel aus Banken, Wirtschaft, Parteien und Presse sich mehr und mehr von der Gesellschaft entfernt hat, die Elite in ganz Europa Hunderte Milliarden für die Banken ausgegeben haben, können sie ihr jetzt anstehendes Programm der Kürzungen nicht mehr wie bisher relativ friedlich und auf demoraktischem Wege durchsetzen.
Der Einsatz von Schlagstöcken und Gummigeschossen in England deutet auf eine ähnliche Entwicklung wie nach 1931 hin und dürfte wohl bald in vielen Städten Europas zum Alltagsbild gehören. Man fühlt sich wie vor den Kopf gestoßen, dass es bisher so wenig Resonanz auf der Linken gegen diese Entwicklung gibt. Schaut man im Internet und bei facebook nach, so liest man meist wenig Konkretes und stößt auf ziemlich viel Verwirrung. Nur von einer kleinen Gruppe ist was Konkretes zu finden: eine Soli-Demo diesen Samstag auf dem Hermannplatz in Neukölln. Schauen wir mal, wie viele verstehen worum es dabei geht und hingehen. Zu hoffen bleibt, dass die Massen bald aufstehen gegen die Gefahr von Diktatur in Europa!
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Vielleicht sind die "Linken" vernünftige Leute, die sich ungern mit Leuten solidarisieren, die Häuser anzünden und Geschäfte plündern. Links sein heißt doch dem Gemeinwohl zu dienen, den sozialen Ausgleich zu fördern, die Demokratie zu stärken, das Bildungswesen für alle zugänglich zu machen - meinen Sie wirklich, dass die Gewaltausbrüche im UK auch nur eines dieser Ziele unterstützen könnten bzw. dass die die so handelten diese Ziele erreichen wollten. Man sollte weder der Politik gegenüber nicht naiv-gutgläubig sein aber auch nicht gegenüber den "Massen" .
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Hallo Zeitleser: So wie ich ihren Beitrag verstehe, heißen Sie das Vorgehen der Polizei schlussendlich gut und unterstützen die staatliche Unterdrückung (natürlich ganz vernünftig und womöglich gar um dem Allgemeinwohl zu dienen). Dem nicht genug, sollen Linke sich ihrem Meinung nach genau so verhalten und den Staat unterstützen.
Ich kann dem sicher nicht zustimmen. Das Einwerfen von Scheiben und die Plünderungen sind ein Akt der Verzweiflung der Jugend. Natürlich ist das keine Lösung des Problems. Aber nicht die Jugendlichen arbeiten der "Förderung des sozialen Ausgleichs" zuwieder, sondern die Regierung, die Labour-Opposition und die Banken. Auch sind es diese, die die jetzige Krise zu verantworten haben, das Bildungswesen seit Jahren beschneiden und dem Wohl des Allgemeinwohls entgegen handeln. Jetzt werden die, die gegen die Auswirkungen der Krise unpolitisch aufstehen massiv angegriffen. Linke waren schon immer in der Geschichte auf der Seite der Ausgebeuteten und Unterdrückten. Und nicht auf der Seite des Staates und des Kapitalismus! Nur weil die Revolte keinen politischen Charakter hat oder Forderungen aufstellt, verurteilen sie diese. Das hat mit "Links" sein nichts zu tun! Das ist zynisch, selbstgerecht und abgehoben. "Wohlfühl-links" könnte man es auch bezeichnen. Notwendig ist es den Jugendlichen eine Perspektive und Arbeit zu geben, anstatt ihnen die Polizei auf den Hals zu hetzen. Wenn ich denke, dass die Jugendlichen gegen die staatliche Repression verteidigt werden müssen, hat das nichts mit naiv-gutgläubig zu tun. Vielmehr sehen wir hier in der Polizeibrutalität die nächste Entwicklung der Euro-/Weltwirtschaftskrise. Dagegen gilt es aufzustehen und zu mobilisieren. Oder denken Sie, dass die Jugendlichen nicht verteidigt werden sollen gegen den Polizeistaat? |
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Hallo Zeitleser: So wie ich ihren Beitrag verstehe, heißen Sie das Vorgehen der Polizei schlussendlich gut und unterstützen die staatliche Unterdrückung (natürlich ganz vernünftig und womöglich gar um dem Allgemeinwohl zu dienen). Dem nicht genug, sollen Linke sich ihrem Meinung nach genau so verhalten und den Staat unterstützen.
Ich kann dem sicher nicht zustimmen. Das Einwerfen von Scheiben und die Plünderungen sind ein Akt der Verzweiflung der Jugend. Natürlich ist das keine Lösung des Problems. Aber nicht die Jugendlichen arbeiten der "Förderung des sozialen Ausgleichs" zuwieder, sondern die Regierung, die Labour-Opposition und die Banken. Auch sind es diese, die die jetzige Krise zu verantworten haben, das Bildungswesen seit Jahren beschneiden und dem Wohl des Allgemeinwohls entgegen handeln. Jetzt werden die, die gegen die Auswirkungen der Krise unpolitisch aufstehen massiv angegriffen. Linke waren schon immer in der Geschichte auf der Seite der Ausgebeuteten und Unterdrückten. Und nicht auf der Seite des Staates und des Kapitalismus! Nur weil die Revolte keinen politischen Charakter hat oder Forderungen aufstellt, verurteilen sie diese. Das hat mit "Links" sein nichts zu tun! Das ist zynisch, selbstgerecht und abgehoben. "Wohlfühl-links" könnte man es auch bezeichnen. Notwendig ist es den Jugendlichen eine Perspektive und Arbeit zu geben, anstatt ihnen die Polizei auf den Hals zu hetzen. Wenn ich denke, dass die Jugendlichen gegen die staatliche Repression verteidigt werden müssen, hat das nichts mit naiv-gutgläubig zu tun. Vielmehr sehen wir hier in der Polizeibrutalität die nächste Entwicklung der Euro-/Weltwirtschaftskrise. Dagegen gilt es aufzustehen und zu mobilisieren. Oder denken Sie, dass die Jugendlichen nicht verteidigt werden sollen gegen den Polizeistaat? |
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Hallo Zeitleser: So wie ich ihren Beitrag verstehe, heißen Sie das Vorgehen der Polizei schlussendlich gut und unterstützen die staatliche Unterdrückung (natürlich ganz vernünftig und womöglich gar um dem Allgemeinwohl zu dienen). Dem nicht genug, sollen Linke sich ihrem Meinung nach genau so verhalten und den Staat unterstützen.
Ich kann dem sicher nicht zustimmen. Das Einwerfen von Scheiben und die Plünderungen sind ein Akt der Verzweiflung der Jugend. Natürlich ist das keine Lösung des Problems. Aber nicht die Jugendlichen arbeiten der "Förderung des sozialen Ausgleichs" zuwieder, sondern die Regierung, die Labour-Opposition und die Banken. Auch sind es diese, die die jetzige Krise zu verantworten haben, das Bildungswesen seit Jahren beschneiden und dem Wohl des Allgemeinwohls entgegen handeln. Jetzt werden die, die gegen die Auswirkungen der Krise unpolitisch aufstehen massiv angegriffen. Linke waren schon immer in der Geschichte auf der Seite der Ausgebeuteten und Unterdrückten. Und nicht auf der Seite des Staates und des Kapitalismus! Nur weil die Revolte keinen politischen Charakter hat oder Forderungen aufstellt, verurteilen sie diese. Das hat mit "Links" sein nichts zu tun! Das ist zynisch, selbstgerecht und abgehoben. "Wohlfühl-links" könnte man es auch bezeichnen. Notwendig ist es den Jugendlichen eine Perspektive und Arbeit zu geben, anstatt ihnen die Polizei auf den Hals zu hetzen. Wenn ich denke, dass die Jugendlichen gegen die staatliche Repression verteidigt werden müssen, hat das nichts mit naiv-gutgläubig zu tun. Vielmehr sehen wir hier in der Polizeibrutalität die nächste Entwicklung der Euro-/Weltwirtschaftskrise. Dagegen gilt es aufzustehen und zu mobilisieren. Oder denken Sie, dass die Jugendlichen nicht verteidigt werden sollen gegen den Polizeistaat? |
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Wenn Menschen im jugendlichen Alter Häuser anstecken, Geschäfte plündern, Autos anstecken und weiteres begehen sie hochkriminelle Taten, unter anderem gegen Menschen, die auch jung sind. Mit 16 ist man strafmündig, vom Staat verlangt die Gesellschaft, dass Verbrechen verfolgt werden, dafür sind Polizei und die Gerichte zuständig. Wenn Gruppen von Menschen gleich welchen Alters diskriminiert werden, wenn sie sich gegen Maßnahmen des Staates wehren, dann ist es ihr Recht dagegen zu demonstrieren, ein Recht oder eine mittelbare Legitimität als gewalttätige Räuber durch die Stadt zu ziehen, gibt es nicht. Wenn man das nicht so sieht, dann denkt man, der Krieg in den Straßen ist ein legitimes Mittel der politischen Auseinandersetzung. Wird Ihnen da nicht auch etwas mulmig zumute? Man muss sich natürlich auch fragen, in wie weit das UK noch mehr gegen soziale Ausgrenzung tun kann bzw. muss.
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Daß die Demokratie am Ende sei, „Die Demokratie ist mit ihrem Latein am Ende.“ bezweifle ich sehr.
Die Frage ist vielmehr zu stellen, ob das, was als Demokratie ausgegeben wird, überhaupt Demokratie ist. (Nicht wahr, wir haben uns angewöhnt den Deklarierungen Glauben zu schenken, statt den Inhalten: Kinderschokolade ist natürlich gaaanz was besonderes extra für Kinder; Pizzakäse, auch wenn er kein Käse ist, gilt als solcher; Entsorgungsparks sind leider doch keine Parks, sondern Müllkippen; Bürgerarbeit als euphemistische Umschreibung für Zwangsarbeit; ein Beispiel noch aus der jüngsten Geschichte: „Deutsche Demokratische Republik“ und Bundesrepublik. Beide waren weder demokratisch, noch jemals eine Republik.) „Was steckt dahinter? warum diese Brutalität?“, fragen Sie sich. Die Antwort ist m. E. vollkommen woanders zu finden, als man meint, daß ein unmittelbarer, utilitaristischer Kausalzusammenhang herzustellen sei. Die Antwort liegt im Dualismus begründet! Die vorherrschende Denkfigur des Dualismus, die das Denken heutiger Tage beherrscht, ist Polarisierungsdenken, ist antipodisches Denken, ist verkommene Dialektik in ihrer trivialisierten Annahme, sie bestehe im Wesentlichen aus These und Antithese, und diese würden dann gleichsam automatisch und, man kann sagen, in gewisser Weise zwanghaft die Synthese hervorbringen, wenn man sich nur ein wenig bereitwillig und wohlwollend dazu befleißige sie zu verkuppeln. - Wobei heutzutage ja schon ein schnöder Kompromiß als Synthese aufgefaßt wird, obwohl stets etwas neues Drittes im Ergebnis, und nicht das Zusammenlegen von zwei hälftig konträren Standpunkten den Kompromiß ergibt. Angefangen bei Abreißkalendersprüchen und deren Platitüdenhaftigkeit, wie: „Auf Lachen folgt Weinen“; „nach Regen folgt Sonnenschein“, „wer nicht hören will, muß fühlen“ … usw., bis hin in die klügelnsten Strategie- und Taktikkonstruktionen von Politik und Wirtschaft – ja, bis hinein in Postulate der Jurisprudenz, wie etwa: "Strafe folgt auf dem Fuße.“, ist die konditionierte, generelle Bereitschaft von Menschen, mit dem Wesen des Gegenteils dessen zu reagieren, als mit dem was integrierend angezeigt wäre. Es wird der Teufel mit dem Beelzebub versucht auszutreiben, was für sich genommen, absolut ja nichts Antipodisches ist, sondern ein und dasselbe nur in anderem Gewandt. Doch damit wird sogar Dualismus zur Parodie siner selbst: Den Effekten der (Aus)-Wirkungen von Ursachen wird mit den Ursachensaffekten selbst begegnet. |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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