Buchmesse

Leipziger Buchmesse 2011

18.03.2011 | 14:46

Tolle neue Literatur aus der Schweiz

Ich möchte diesen kleinen Blog kurz missbrauchen, um ein wenig Werbung zu machen. Für einen erstaunlichen Roman eines erstaunlichen Autors, den es zu entdecken gilt. Ich selbst habe ihn entdeckt durch eine Veranstaltung, die ich gestern in der Möbelhandlung "Smow" im Rahmen von "Leipzig liest" moderieren durfte: "Neue Stimmen aus der Schweiz".

Der Autor, von dem ich spreche, heißt Jens Steiner, er ist 35 Jahre alt,  eigentlich Verlagslektor und hat nun im Dörlemann Verlag (wo er nicht Lektor ist) seinen ersten Roman veröffentlicht: "Hasenleben".

Man komme Ihnen nicht mit Lektoren, die selbst Schriftsteller sein wollen? Doch tue ich.

Der Roman erzählt die Geschichte von Lili und ihren beiden Kinder, Emma und Werner. Lili, die als Kellnerin arbeitet, ist keine gute Mutter, die Kinder sind oft alleine. Sie lebt mit ihnen in Genf, in St. Moritz, in einem namenlosen Kaff. Heimisch wird sie nirgends. Sie ist auf der Flucht, vor sich selbst, irgendwo auch - als nach 68er Kind, auch auf dem Weg zu sich selbst, aber das selbst ist halt immer woanders. Der Vater auch. Einmal in S. Moritz taucht er kurz auf in dem Hotel, in dem sie sich mit dem Kollegen über Männer austauscht, von denen sie doch keinen wirklich haben will, und der kleine Werner seine eigenes Hasenleben führt.

Dann passiert ein Schicksalschlag, und dann noch einer. Und, so hat mir Jens Steiner verraten, es wäre gleich noch einer geschehen, hätte ihn nicht seine Lektorin davor bewahrt. So also nimmt die Geschichte eine andere Wendung, und wir sehen zum Schluss Emma, wie sie, noch unbewusst,  vielleicht das Leben ein wenig zu leben beginnt, das ihre Mutter gerne gehabt hätte.

"Hasenleben" ist ein toller Familienroman und er ist ein toller Frauenroman. Es ist mir unbegreiflich, wie ein männlicher Autor sich so gut (nach allem, was ich beurteilen kann), in seine weibliche Hauptperson einfühlen kann. Mindestens so gut, wie Flaubert sich seine Madame Bovary imaginert hat. Ich dachte natürlich, dass es ein Vorbild für seine Lili gebe, aber im Gespräch verneinte Jens Steiner. Ist eben Literatur. Gute Literatur. Die Angaben finden sie bei Amazon, dort können auch die begeisterten Leserrezensionen eingesehen werden, aber genug nun.

Michael Angele

 
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