Um mal herauszufinden, wie es unsere moralisch argumentierenden Umwelt- und Naturschützer mit der Gleichstellung halten, habe ich mich dort als Sachbearbeiter beworben. Ich bin fest angestellt seit zehn Jahren, habe ordentlich Berufserfahrung gesammelt – und ich habe eine Behinderung. Ich bin ein „Opfer“ von Contergan und um meine „potentiellen“ Arbeitgeber nicht zu erschrecken, sende ich ein Bewerberfoto mit, auf dem man meine Behinderung deutlich sehen kann. In einem beiliegenden Schreiben erkläre ich ausführlich meine Behinderung und wie ich dennoch sehr gut am Computer arbeiten kann.
Diese Gutmenschen-Vereine behaupten von sich selber, höhere moralische Werte zu vertreten. Sie sind die Saubermänner der Nation, Günter Grass in Grün. Sie kassieren staatliche Zuschüsse, profitieren von staatlichen Steuervorteilen und erbetteln Spenden von Leuten, denen sie vormachen, sie würden sich besonders für soziale Belange einsetzen. Fragt man sie aber, ob sie die Pflichtquote einhalten, fünf Prozent Behinderte als Mitarbeiter anzustellen, erhält man keine Antwort. Das heißt vermutlich, dass sie gar keine Behinderten beschäftigen.
Ich habe mich daher im Laufe der Jahre bei ihnen beworben – und was soll ich sagen – Ablehnungen von allen. Sie haben mich nicht einmal zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. Ich finde das übel und dachte, ich sollte das einmal öffentlich machen.
Natürlich können Unternehmen beschäftigen, wen sie wollen. Ich finde aber, dass gerade soziale Organisationen, die mit solch moralischem Anspruch auftreten, eine besondere Verantwortung übernehmen.
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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