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Ich verstecke mich hinter meinem Schreibtisch und schreibe diese Zeilen im Schein einer einzigen flackernden Kerze. Das ist nicht ungewöhnlich, denn ich bin Agentin. Gestatten, mein Name ist Vani. Cal Vani.
Vor rund einem dreiviertel Jahr habe ich schon einmal so dagesessen, die Bloggerinnen auf der Top Blog Liste auf freitag.de gezählt und darüber einen Blogbeitrag geschrieben. Nun schlage ich den Kragen meines Trenchcoats hoch, den ich natürlich auch am Schreibtisch trage, und zücke erneut meine Strichliste, um diesmal in Sachen Autorinnen und Buchbesprechungen beim Freitag zu ermitteln. Anlass dazu gab mir Jana Hensels Vorarbeit:
Letzte Woche ist die Weihnachts-Literaturbeilage der Süddeutschen Zeitung erschienen. Da man schon länger den Verdacht hegte, dass sich das Feuilleton dieser ur-liberalen und angesehenen Zeitung in der letzten Zeit, nun ja, immer stärker glücklich-männlich gab, machte man sich die Mühe und zählte einmal nach. Und siehe da: von 18 Kritikern waren zwei Frauen; von den 23 besprochenen Büchern stammten zwei von Autorinnen. Wahnsinn, dachte man. Und postete diesen Befund auf Facebook, weil man das heute ja so macht. Da schrieb dann einer sinngemäß, man könnte doch auch eine andere Zeitung lesen, wenn einem das nicht passt.
Von 23 besprochenen Büchern sind nur 2 von Frauen?
"Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah?" dachte ich beim Lesen und das Gute soll im vorliegenden Fall der Freitag sein, denn der Freitag ist doch gut, oder?
Also fällt mein Blick auf die Rubrik "Buch der Woche". Ich schaue mich misstrauisch um, ob nicht jemand meine Ermittlungen beobachtet oder gar gefährdet und klicke weiter auf "Alle Bücher der Woche".
45 Bücher werden mir insgesamt angezeigt, davon sind 4 für meine Ermittlungen ungeeignet, insbesondere weil es sich dabei um Textsammlungen mehrerer und zum Teil nicht angegebener AutorInnen handelt. Haben dagegen zwei Autoren das zu besprechende Buch geschrieben, zählt ihr Geschlecht jeweils 0,5. Ein halbes Autorengeschlecht sozusagen, schließlich gibt es ja auch halbe Hähnchen.
Meine Strichliste weist nach wenigen Minuten 8,5 Autorinnen auf, das sind rund 21% von 41 Büchern. Die Quote, die Hensel in der Literaturbeilage der Süddeutschen ermittelt hat - ich habe es nicht nachgeprüft, ich glaube ihr - liegt bei rund 9%, denn von 23 rezensierten Büchern sollen 2 von Frauen geschrieben worden sein.
Ich lehne mich tief in meinen Schreibtischstuhl zurück und hole meine Pfeife aus der Schublade. Mit meiner Tabakpfeife kann ich nämlich besser nachdenken und in einem verrauchten Raum bin ich außerdem schlechter zu finden und Tarnung ist in meinem Geschäft das A und O.
21%. Mhm. Das ist natürlich allemal besser als 9% gar keine Frage. Aber was wäre eine gute Quote, das ist jetzt die Frage. Sollte es überhaupt keine Rolle spielen, wer das Buch geschrieben hat, das als "Buch der Woche" besprochen wird? Oder sollte sich die Quote der Buchbesprechungen an der Quote der Veröffentlichungen orientieren? Oder sollte gar ein Exempel statuiert werden und völlig unabhängig von der absoluten Zahl der Autorinnen der veröffentlichten Bücher z.B. eines Jahres rigoros der Anteil der Autorinnen der zu besprechenden Bücher immer bei 50% liegen? Oder sollten zukünftig nur noch Bücher von Autorinnen rezensiert werden, um - Chaka! - es den Autoren mal so richtig zu zeigen? Ich muss husten. Nein, diese Idee verwerfe ich gleich wieder. Das wäre nicht gut.
Aber was dann?
Ich überlege, ob es nicht unfair ist, die Quote aller Bücher der Woche mit der der Literaturbeilage zu vergleichen. Vielleicht waren die letzten 23 Bücher, die in der Literaturbeilage besprochen wurden, nur ein das Ergebnis verfälschender Ausschnitt? Dann sollte ich auch nur die letzten 23 Bücher der Rubrik "Buch der Woche" zum Vergleich nehmen?
Und siehe da: Nach dem oben dargelegten Ermittlungsschema sind von den letzten 23 besprochenen Büchern exakt 2 von Frauen.
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@ Vani. - Cal Vani.
Nur die Phantasielosen flüchten sich in die Realität. Du schmückst dein Freitag-Profil mit dem Zitat eines Schriftstellers. Hätte da nicht eine Schriftstellerin genügt? |
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Ich überleg' mir was!
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She's gone with the wind. Aber ich finde sie gut, die Überlegung. Immer raus damit. Alles auf den Tisch.
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Nee, Calvani (17.12., 8.16).
Arno Schmidt war auch unter den maskulinen Tintenstrahlern ein Außenseiter. Das reicht. ;-) Oh, Du Fröhliche! |
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Liebe Calvani,
gestern auf 3 sat, in der- Kulturzeit- war Literaturkritiker Denis Scheck und stellte ein Buch vor.Wieder einmal ein Mann, der das Buch eines Autors bespricht ,dachte ich mir."Klasse" auch der Moment, wo er die Kulturzeitmoderatorin "lobte", als sie ergänzte, was der Leser sich jetzt für Gedanken machen sollte... Sehr lesenswerter Blog,Danke dafür. |
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Danke!
Ich schätze Scheck eigentlich und mag auch "Druckfrisch", aber ich habe mir schon oft gewünscht, es würde mal eine Frau direkt neben ihm in den "unermesslichen Lagerhallen in der heiligen Stadt Köln" stehen und ebenfalls Bücher in die Tonne kloppen - so zum Vergleich... |
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Warum stellen wir nicht beim Freitag eine eigene Tonne auf und machen daraus ein freitägliches Video "Calvani & Jana"?
Jede von euch erklärt dann, warum sie gerade von der anderen belobigten Bücher am liebsten in die Tonne kloppt - und die Rezension gleich mit. ;) Ansonsten: Detektivisch-satirische Meisterleistung! LG |
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Danke! Ein Freitags-Literaturkritik-Tonne-Videoblog samt und sonders, also das wär's doch! Aber es müssten auch Männleins mitmachen - wegen der Quote. Quotenmännleins!
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Das bei der Buchpromo immer dieselben alten Kerle aus dem Apparat ge-hyped werden, ist doch nicht so neu.
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Hadie, das macht es doch nicht besser, sondern schlechter...
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@Calvani
Ein Freitags-Literaturkritik-Tonne-Videoblog samt und sonders, also das wär's doch! Aber es müssten auch Männleins mitmachen - wegen der Quote. Quotenmännleins! Klar, das Quotenmännlein kommt als erstes in die Tonne und darf dann jeweils die Klappe halten, wenn ihr die Bücher entsorgt. ;) |
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Naja als Quoten mänlein könnte ich ja auch ein Soziales Netzwerk zu über 400 Verlagen und Etwa 600 Autoren beisteuern um das ganze mit Hintergrund zu füllen?
Nur um mal eine Idee vortzuführen ? Liebe Grüße Baphomed |
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Na, das sind doch Ideen mit Zukunft... das Klappe haltende Quotenmännlein gefällt mir besonders gut...
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Eine völlig überholte Diskussion. Autorin, welch Anachronismus. Frauen schreiben nicht, Frauen quasseln. Und, tatarata, genau darum wurden Hörbücher erfunden. Die kann Frau aus der Lamäng vollquasseln. Die Hörbücher werden dann von Frauen in Zeitungen "besprochen". Quote: 99%. Einen Titel für die passende Rubrik habe ich auch noch im Angebot: Die Quasselstrippe
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„Jedes Problem durchläuft drei Stufen. Erst wird es verlacht, dann bekämpft und schließlich gilt es als selbstverständlich.“
Arthur Schopenhauer Verlachst du noch oder bekämpfst du schon, Streifzug? |
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Cal Vani, tu dich doch nicht so schwer mit deiner Antwort. Sag einfach: Du hast mal wieder recht, Schatz.
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Hallo Streifzug,
aehem also Hörbuchkritiken im Freitag sind zu 100% mänlich das habe ich gerade noch einmal im Spiegel nachgeschaut. Recht hast du sicher das die Nr. 1 Kritikerin für Hörbücher Gina Berardi eine Frau ist aber ich muss die Leider entäuschen die reine Zahl der Männer unter den Hörbuchkritikern ist 3 mal so hoch wie die der Frauen. Das Gilt dergleichen für die Sprecher/innen sowie die Autor/innen. Fakt ist betrachtet man neben dem Hörbuchmarkt auch den reinen Blindenhörbuchmarkt, ist das selbige leider zutiefst mänlich. Liebe Grüße Baphomed |
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Hallo Baphomed,
schön, dass du dich von meiner Art der Darlegung nicht hast schrecken lassen. Und, wie ich mal eben nachgesehen habe, hast du auch schon im Freitag einige Hörbuch-Kritiken verfasst. Darum werde ich dir nun ein Betriebsgeheimnis verraten, aber bitte nicht weitersagen. Der unbezahlbare Tipp ist ernst gemeint :) Eine Rubrik beim Freitag einrichten Sie Quasselstrippe nennen Hörbücher besprechen Auch als Podcast, o. ä. Wird garantiert ein Renner. Viel Erfolg ;) |
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Hallo Streifzug,
aehem nur so Höfflich am rande erwähnt, das die Taäglichen Hörbuchkritiken von mir nicht mehr im Freitag erscheinen ist dem Druck von Lesern meines eigenen Hörbuchblogs geschuldet (Täglich zur Zeit 15.000 Aufrufe) gerne hätte ich selbigen aufgelöst da es mir Finanziell nicht mehr lange möglich ist ihn zu betreiben. Das der Versuch ihn hier in den Freitag zu verlagern gescheitert ist liegt leider daran das die Freitags Community nicht Barrierefrei für Sehbehinderte und Blinde zu erreichen ist. Da nützt auch kein Podcast wenn über Jaws der Freitag nicht gelesen werden kann! Liebe Grüße Baphomed |
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Ja, warum eigentlich nicht, Streifzug? Nur dabei nicht wieder Autorinnen und Kritikerinnen vergessen, darum geht es doch.
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Genau darum habe ich es angesprochen, Cal Vani. Als Quasselstrippen haben Frauen doch quasi die Lufthoheit. Wenn sie nicht mal wieder auf der Leitung stehen.
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Gründliche Detektivarbeit. Sie werden viele, viele vernünftige Gründe finden, warum es jetzt gerade nur...usw. sind.
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Wenn jemand vernünftige Gründe findet, bitte melden!
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Hallo Calvani,
ich denke das Thema was du ansprichst ist eher ein Generelles Problem des Deutschen Verlagswesens als ein rein Gender bezogenes. Im Deutschen Verlagswesen herrscht eine Machohafte Dekandenz des gestrigen. Gerade erst bekam ich ein Manuskript eines neuen Buches von einem Lektor zurückgesandt. Ihnhaltliche stilistische betrachtung Null. Aber der nette Herr begründete seine Absage damit das er Sämtliche Rechtschreibfehler des gesamten Manuskriptes anstrich und auszählte ( 16723) und es Ihm nicht zuzumuten sei solcherlei geschmiere zu lesen. Angemerkt sei hier noch das Buch wird bereits im Europäischen Ausland Verlegt ( 3. Auflage gesamt 180.000 EX) Da verlegt ein Deutscher Verlag lieber die Memoieren eines Menowin Auflage 1. noch nicht Komplett Verkauft 2.000 EX Jeder der eine Genderbezogene Analyse machen möchte im Bezug auf Literatur sollte über die Grenzen schauen Skandinavien oder auch England die Zahlen dort sind sowohl was die Genderproblematik als auch das fördern unbekannter Autoren/innen und Kritiker/innen angeht erheblich andere. So bleibt leider zu sagen Armes Deutsches Buchwesen, gibt man dir nichts zu Essen? Liebe Grüße Baphomed |
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Damit hast du sicher nicht ganz Unrecht, Baphomed, aber hier geht es um die Frage, welche Bücher besprochen und nicht welche verlegt werden - und inwieweit durch die Auswahl der Buchkritiken und -kritikerInnen auf den Bücherbetrieb Einfluss genommen werden kann und soll.
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Hallo Calvani,
nun schauen wir uns einmal an wie Kritker/innen Arbeiten? Ich kann mich als Kritker/in bei Verlagen Akreditieren und bekomme meine Frei Exemplare und die dazugehörige Werbung ggf. noch den Kontakt zur PR abteilung oder einem Externen PR Berater/in. Hier kann ich mir nun die Arbeit schwer machen und versuche Genderbezogen zu besprechen. Nehmen wir nuneinmal den bereich SF heraus wir alle kennen Isaac Asimov. Aber sind wir uns bewusst das alle seine Bücher in enger zusammenarbeit mit Janet Asimov erstellt wurden? In diesem Gere war es ob seiner Technikverliebtheit nicht Obsolet eine Frau als Aoutorin zu betiteln obwohl ganze Werke die seinem Namen zugeschrieben werden aus Ihrer Feder stammen. Heute haben wir nunmehr einen neuen Star am Himmel des SF David Webber mit seinem Honor Harrington Universum. Nur das David Weber kein Mensch ist sondern ein Autoren Kollektiv das zu 60% aus Frauen besteht. Auch hier und das noch in unserem anbrechenden Jahrtausend ist es obsolet einnen Mänlichen Namen zu verwenden. Was fuer mich bedeutet das gerade im Buchwesen ganz bewusst Genderbezogene Ungleichheit als Marketing Instrument benutzt wird. Liebe Grüße Baphomed |
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Eben. Wenn ich mich recht erinnere, war das ursprünglich auch der Grund dafür, dass Rowlings Vorname teilweise nicht ausgeschrieben wird.
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Hallo Calvani,
ich denke wenn es einen Ansatz Punkt gibt dann diesen. Wiso lassen wir uns es gefallen das je nach Genre Frauen zu Männern (SF) werden, Männer zu Frauen (Krimi) werden und Menschen zu Androgünen Namenskürzeln (Jugendbücher). Wo ist hier das denken von uns Konsumenten oder auch warum ist es in diesem Berreich so Geschlechtsbezogen? Eine Antwort erschliesst sich mir Aktuell nicht. Liebe grüße Baphomed |
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schrieb am
18.12.2011 um 09:43
"und inwieweit durch die Auswahl der Buchkritiken und -kritikerInnen auf den Bücherbetrieb Einfluss genommen werden kann und soll."
Da meiner Erfahrung nach Männer eher zu männlichen Autoren neigen und Frauen eher zu weiblichen Autorinnen neigen, hieße die Lösung wohl Frauenquote in den Feuilletons. |
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@ Baphomed
Verstehe ich dich richtig, dass Krimiautoren sich weibliche Pseudonyme zulegen? Das ist mir neu - allerdings lese ich auch so gut wie nie Krimis. @ rago42 Ach ja, die Feuilletons... und erst die Chefredaktionen... |
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@ Calvani
ja das Verstehst du richtig. Anlässlich des 2002 von der Stadt Wiesbadens verliehenen Frauen Krimmipreises die Autorin Hölscher : Birgit H. Hölscher (Fotografin, Autorin, u.a.: THERAPIE MIT TODESFOLGE, SÜSSER SUMPF; 2001 "Marlowe" der Raymond Chandler-Gesellschaft für Kurzgeschichte): Da fällt mir als Erstes "Kinderflohmarkt" ein, dieser Begriff, der ebenso so schön missverständlich daher kommt. Kann man da Kinder kaufen? Und im Frauenkrimi werden Frauen ermordet? Oder sind die Täter immer Frauen? Fazit: Ich verstehe das nicht wirklich. Aber das macht wohl auch nichts. Manchmal würde ich mir allerdings wünschen, dass in den Romanen meiner Kolleginnen - um die geht es ja wohl, mit Ausnahme einiger unter weiblichem Pseudonym erschienenen Exoten von Männern - nicht so viel entweder systemkompatibles, vor Betroffenheitsklischees triefende "Die Frauen sind die bedauernswerten Opfer aggressiver Männer" oder moralisch wertvolles "Die toughe Frau steht ihren Mann und fängt den Mörder"-Zeug wiedergekäut wü rde. Sie war die erste die auf diesen missstand zeigte. Heute ist es leider gang und gebe das Geschlecht eines Autors anzupassen je nach Zielgruppe. Selbst Hennig Mankel publiziert noch unter 3 Frauennamen. Persönlich empfinde ich diese Marketingstrategie der Verlage als sehr verwerflich. Dies ist für mich Gender denken das Vorurteile Manifestiert. Liebe Grüße Baphomed |
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@calvani
Hier mal ein Paar Beispiele die du in Jeder gut sortierten Buchhandlung findest du siehst nur weil der Name des Autors ein Gender vorgibt ist das nicht wirklich sein Gender: Gordon Ashe / M. E. Cooke / Margaret Cooke / Henry St. John Cooper / Credo / Norman Deane / Elise Fécamps / Robert Caine Frazer / Patrick Gill / Michael Halliday / Charles Hogarth / Brian Hope / Colin Hughes / Kyle Hunt / Abel Mann / Peter Manton / J. J. Marric / James Marsden / Richard Martin / Rodney Mathieson / Anthony Morton / Ken Ranger / Tex Riley / William K. Reilley / Jimmy Wilde / Jeremy York = John Cresey Schriftsteller Tania Blixen / Karen Blixen-Finecke / Isak Dinesen / Pierre Andrézel = Karen Cristence Blixen Schriftstellerin Edgar Box / Katherine Everard / Cameron Kay = Gore Vidal Schriftsteller Taylor Caldwell / Max Reiner / Marcus Holland = Janet Miriam Reback Schrifstellerin Colin Forbes / Richard Raine / Jay Bernard u.a. = Raymond Harold Sawkins Schriftsteller Rüdiger Greif, Karl Alman, Heinrich H. Bernig, Franz K. Kaufmann, Volkmar Kühn, Jason Meeker, Gloria Mellina, Johanna Schulz, Heinrich Schulze-Dierschau = Franz Kurowski Schriftsteller Richard Hugo / Hugo Richard = Ricarda Huch Schriftstellerin Leigh Nichols / Brian Coffey / K.R. Dwyer / Deanna Dwyer / Owen West / David Axtopn = Dean Koontz Schriftsteller Jean Ray / John Flanders / R. M. Temple / Lucy Lilian Gray / Linda J. Richter / King Ray / Philip Clayson Junior = Raymundus Joannes de Kremer Schriftsteller Sascha / Paul Merkel / H. Daul / Eugène de la Poudroie / Paul Savreux = Marie Armand Maurice René Schickele Schriftstellerin Andreas Thalmayr / Linda Quilt / Elisabeth Ambras / Serenus M. Brezengang = Hans Magnus Enzensberger Schriftsteller |
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@ Baphomed
Das Krimigenre ist mir wie gesagt relativ fremd. Und spontan leuchtet mir auch nicht ein, warum sich ein Krimi einer Autorin besser vermarkten ließe... weißt du mehr darüber? |
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@ Calvani
Guten Morgen zu Dir, also die begründung sieht etwa so aus das a. der anteil Frauen die Bücher lesen größer ist als der Anteil Männer und b. Frauen sich Bücher Wünschen die von FRauen handeln und möglichst auch von Ihnen Verfasst wurden. Das war mal eine Aussage mir gegenüber von der PR Abteilung Bertelsmann. Auf die schnelle etwas Statistik dazu: www.boersenverein.de/sixcms/media.php/976/Buchkaeufer_und_Leser_2008_kurz.pdf und eine Typische Statistik einer Vielleserin : gweeny.blog.de/2011/04/10/statistik-maerz-10981631/ Liebe Grüße Baphomed |
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@rago42
"Da meiner Erfahrung nach Männer eher zu männlichen Autoren neigen und Frauen eher zu weiblichen Autorinnen neigen..." Dafür hätte ich gern einen empirischen Beleg. Kann ich aus meiner Erfahrung überhaupt nich bestätigen. Und dann müßte man auch nach den Genres gucken - zutreffen mag das mE. allerhöchstens bei Konsumentinnen von bewußt auch so vermarkteter "Frauenliteratur". |
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@popi
ja auch wen gender themen nun wirklich nicht mein ding sind habe ich zumindest weil Literatur nun mal mein ding ist versucht darüber schlau zu machen. Obwohl es Marketingstretegien gibt in der Verlagsbranche die genau dieses Schema verfolgen habe ich Weltweit keine Statistik finden können die sich jen mit diesem Thema beschäftigt hat und versucht hat es Wissenschaftlich zu belegen. Für mich schaut das ganze langsam nach einer Genderbezogenen diskreminierung aus. Aber das soll erst einmal nur eine vorsichtige mutmassung sein. Liebe Grüße Baphomed |
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Ja, auch die Statistik des Börsenvereins sagt darüber nichts aus. Dass Frauen mehr Bücher lesen und kaufen (ich gehöre übrigens auch zu den vornehmlich Bücher ausleihenden Frauen, die in der Statistik genannt werden), heißt noch lange nicht, dass sie lieber Bücher von Frauen lesen und dass das umgekehrt auch für Männer gilt. Ich tümmele mich selten in den "Frauenabteilungen", obwohl ich eine Frau bin. Aber ich lese nunmal weder Kerstin Gier noch Ildikó von Kürthy. Na gut, einen Roman von von Kürthy habe ich zum Teil gelesen - um sicher zu gehen, dass mir in Zukunft nichts entgeht, wenn ich es wieder bleiben lasse...
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Ich habe in den letzten Jahren aus Zeitgründen sehr wenig Belletristik gelesen. Mir fiel nur letztlich bei einer Diskussion auf, dass die Bücher, die mich als Teenager und junge Erwachsene geprägt haben *ausschließlich* von Männern stammten: Oscar Wilde, Jack Kerouac, Charles Bukowski, James Baldwin und auch weniger Hochliterarisches wie die Autobiografie von Bob Geldof.
Literatur, die gezielt für einen Frauenmarkt geschrieben wurde, hat mich noch nie angesprochen, und ich habe auch erst sehr spät drauf geachtet, welches Geschlecht der / die Autor/in hat. So bin ich dann z.B. auch auf die hochinteressante und bewegenden Autobiografie von Diane Di Prima, meines Wissens nach der einzigen Frau, die zur Beat-Generation gehörte - wo LeRoi Jones/Amiri Baraka der einzige Schwarze war. Und das in einer Außenseiter-Literaturgattung, die mit Ginsberg und Burroughs immerhin zwei prominente offen schwule bzw. bisexuelle Vertreter hatte. Das hatte nicht mit mangeldem Talent der Frauen / Afroamerikaner zu tun, sondern mit den gesellschaftlichen Machtverhältnissen. Die spiegeln sich bis heute im Literaturbetrieb wieder - in der Produktion, vor allem aber auch in der Vermarktung und entsprechenden gesellschaftlichen Wahrnehmung. |
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Hups...ein Riesenlink. Hier nochmal ohne:
...Diane Di Prima, meines Wissens nach der einzigen Frau, die zur Beat-Generation gehörte - wo LeRoi Jones/Amiri Baraka der einzige Schwarze war. Und das in einer Außenseiter-Literaturgattung, die mit Ginsberg und Burroughs immerhin zwei prominente offen schwule bzw. bisexuelle Vertreter hatte. Das hatte nicht mit mangeldem Talent der Frauen / Afroamerikaner zu tun, sondern mit den gesellschaftlichen Machtverhältnissen. Die spiegeln sich bis heute im Literaturbetrieb wieder - in der Produktion, vor allem aber auch in der Vermarktung und entsprechenden gesellschaftlichen Wahrnehmung. |
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Diane DiPrima kenne ich nicht. Weil ich jetzt gleich in die Stadtbibliothek gehe, um mich über Weihnachten mit Schmökern einzudecken, habe ich dort schon mal online nach ihr gesucht: keine Treffer...
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hallo, Calvani,
die ursprünge liegen vielleicht hier: Drei Urzeitmänner verfolgen eine Mammut-Herde. Einer ist ein ausgezeichneter Jäger, er kann prima laufen, zielen, schießen - nie kommt er ohne eine Mammut-Haxe heim. Der zweite hat seine Berufung eher im Beobachten gefunden, gern schaut er dem anderen beim Jagen zu und weiß davon abends am Lagerfeuer aufregende Geschichten zu erzählen. Immer öfter erfindet er ein bisschen was dazu. Der Dritte kann weder jagen noch erzählen. Man sieht ihn rauchen und trinken und sich zu den Frauen hinüberbeugen und flüstern: "Diese Jagd ist kein Thema für so einen ausschweifenden Bericht. Was der da erzählt, ist aufgeblasen. Und der Dativ eben war auch falsch." Ach, denken sich die Frauen, da machen wir uns doch ein eigenes Bild. Zur nächsten Jagd ziehen sie selbst ins Gelände. Eine kann prima laufen und zielen und schießen. Und weil sie dabei schon an das Abendessen denkt, sammelt sie nebenbei noch ein paar Kräuter ein. Die zweite sieht, was anderen entgeht, sie ahnt, wie die erste sich fühlt und auch, was ihr blühen wird. Als sie zurück ins Dorf kommen, haben sie Nahrung für drei Tage und zu erzählen für drei Wochen. Doch das Lagerfeuer ist kalt, die Männer sitzen fröstelnd vor den Hütten. Die Dritte nimmt noch einen Schluck und einen Zug und beugt sich zu ihnen hinunter: "So eine Jagd habt Ihr noch nie erlebt. Und wenn Ihr wissen wollt, wo es die besten Kräuter gibt, hört auf das, was sie zu erzählen hat." "Ich kann schneller laufen", sagt der Erste. Der Zweite gähnt: "Wie ich erzählt es keine." "Eure Kräuter-Geschichten bringen mich nicht weiter", sagt der Dritte, "ich will vom Geschmack des Fleisch hören. Und zum Wein passen muss es auch." |
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So könnte es angefangen und sich fortgesetzt haben, nur mag ich mich nicht mit "war schon immer so" zufrieden geben. Und was machen wir jetzt?
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jetzt machen wir weiter!
wir können die männer nicht zwingen, bücher von frauen zu rezensieren oder kritikerinnen zu bevorzugen. aber wir können es selber tun, wo es geht. und wo es nicht geht, zumindest ein bisschen nerven. |
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Das stimmt. Und nerven kann ich z.B. richtig gut! Vamos!
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Ein vamoser Vorschlag:
Literate - Lesekost fürs Kind |
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Streifzug, das kommt ganz auf die Perspektive an. Was dir als billige und gerechte Lesekost erscheint, ist für mich vielleicht bloß Altherrenliteratur. Und mein Geschmack ist dafür aus deiner Warte womöglich Kinderkost - es lebe die Vielfalt, statt des (männlich dominierten)Einheitsbreis!
Habe ich mal wieder Recht, mein Schatz? |
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Wie immer, Liebling.
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Liebe Calvani,
Dein Text aus dem Bureau ist wirklich unterhaltend und sich zu fragen, "welche Bücher besprochen und nicht welche verlegt werden - und inwieweit durch die Auswahl der Buchkritiken und -kritikerInnen auf den Bücherbetrieb Einfluss genommen werden kann und soll" sicher eine des Schweißes der Edlen werte. Was aber die Überschrift "Redundanz und Vorurteil" damit zu tun haben soll verschließt sich mir bisher. Um mich sogleich der Gefahr geisteswissenschaftlicher Parteilichkeit zu entziehen, zitiere ich einmal die Wikipedia, wie dort, korrekt "Redundanz" im nur technischen Sinne bestimmt wird: "Der Begriff Redundanz (lat. redundare – im Überfluss vorhanden sein) bezeichnet allgemein in der Technik das zusätzliche Vorhandensein funktional gleicher oder vergleichbarer Ressourcen eines technischen Systems, wenn diese bei einem störungsfreien Betrieb im Normalfall nicht benötigt werden. Ressourcen können z. B. Motoren, Baugruppen, komplette Geräte, aber auch Steuerleitungen, Leistungsreserven oder Informationen (siehe Redundanz (Information)) sein. In aller Regel dienen diese zusätzlichen Ressourcen zur Erhöhung der Ausfall-, Funktions- bzw. Betriebssicherheit." (Hervorhebungen von U.T.) Der Begriff läßt sich sofort auf Erklärung in Sprache übersetzen, als dass auch die Sprache für den Fall vorsorgt, dass Teile der Information in der Übertragung verloren gehen und sei es auch nur innnerhalb der "überflüssiges, weil zu schlaues Geschwätz" Verarbeitung bei Empfänger, ohne dass deshalb die Botschaft unverständlich würde. Dass umgangsprachlich und auch - jüngsten Beobachtungen in der FC zu entnehmen - hier in der FC Redundanz als "überflüssiges, weil zu schlaues Geschwätz" definiert wird, macht die Sache auch nicht richtiger. Dass "überflüssiges, weil zu schlaues Geschwätz" Ausdruck von oder Beförderung von Vorurteil sein könnte, ist denkbar, dass es selbst Form der Redundanz sei nicht annehmbar. Das Vorurteil drückt sich selbst genauso redundant aus, wie der Weise, wenn er spricht. Der Rest ist Unverständlichkeit in jedem Fall. Wenn ein Markt (Literturmarkt) durch männliche Übermacht der Äußerung verzerrt würde, haben wir zwar einen Überfluss der Information aus deren Sicht, ein Mangel von seiten der weiblichen Seite aus, aber keine Redundanz im kommunikationstheoretischen Sinne. Ob die männliche Sicht vorurteilsgeladen sei, wäre dann noch einmal einen ganz andere Frage, die ich der weiblichen aber genauso stellen müsste. Ich sehe jedenfalls keinen Zusammenhang zwischen Redundanz und Vorurteil. Ansonsten ist mir Scheck inzwischen ein wenig zu zahm geworden beim "in die Tonne treten". Die einrichting eines Literaturkrischen Blogs mit freier Wahl der Literatur, bei gleichzeitiger Erschließung der eingehenden Kritiken nach Titel und verfasser mit Link auf die einschlägigen Bestsellerlisten fände ich hervorrragend (ich hoffe JJK liest mit :-)) Die Möglichkeit für podcasts (audio oder video) würde ich mit Vorsicht angehen. Eone gewisse Professionalität im Vortrag wäre da schon zu gewährleisten, sonst kann`s ganz schnell (auch ungewollt) ganz peinlich werden. Liebe Grüße Uwe |
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@ Uwe Theel am 17.12.2011 um 14:33
Corrige errata Der fünfte Absatz muss lauten: Der Begriff läßt sich sofort auf Erklärung in Sprache übersetzen, als dass auch die Sprache für den Fall vorsorgt, dass Teile der Information in der Übertragung verloren gehen und sei es auch nur innnerhalb der Verarbeitung beim Empfänger, ohne dass deshalb die gesamte Botschaft unverständlich würde. |
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Lieber Uwe,
das "Vorurteil" bezieht sich auf den "Verdacht (...), dass sich das Feuilleton dieser ur-liberalen und angesehenen Zeitung in der letzten Zeit, nun ja, immer stärker glücklich-männlich gab (...)." und daraus ergibt sich auch der überflüssige Aspekt, die Redundanz, denn auch hier beim Freitag hätte gezählt werden können, quasi vor der eigenen Haustür. Korrekterweise hätte ich die Überschrift also Vorurteil und Redundanz nennen müssen, aber umgekehrt klingt es viel flüssiger - die Assoziation muss ich dir als Literaturkritiker ganz sicher nicht erklären... |
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@ Calvani am 17.12.2011 um 15:06
Es soll Dich mit "Stolz und Freude" erfüllen, liebe Calvani, wenn Du gegen falsche männliche Dominanz - hoffentlich nicht nur im Feuilleon der SZ - angehst. Wenn allerdings Deine literarische "Assoziation" mehr als eine solche für sich gewesen sei, dann reichte wohl die darin enthaltene Intention von Jane Austin auf eine Befriedung des Konflikts männlicher Dominanz im Rahmen der gentrifizierten Gesellschaft Englands des 18. Jds. nicht aus. Abgesehen davon verwechselst Du, glaube ich immer noch das Überflüssige mit dem Überfluss genauso wie du anscheinend nicht bedenkst, dass der Verdacht wenigstens einen hablbwegs guten, das Vorurteil, wenn überhaupt einen, den falschen Grund hat. Gültig wäre Dein Titel also nur, wenn der ""Verdacht (...), dass sich das Feuilleton dieser ur-liberalen und angesehenen Zeitung in der letzten Zeit, nun ja, immer stärker glücklich-männlich gab (...)."" bloßes Vorurteil wäre und auch der Gedanke , dasselbe gelte für den Freitag, verfiele dem selben Urteil. Mithin die entsprechende Diskussion nicht überflüssig sei, wiewohl redundant sein könnte. Wenn ich dich recht verstand, ist Dir der "Verdacht" aber tendenziell begründete Tatsache, mithin kein Vorurteil und Diskussion nicht überflüssig, Redundanz hin, Redundanz her. Aber daran arbeiten wir ja :-) Liebe Grüße Uwe P.S.: ad "intelligente Rezension". Vielleicht magst Du einmal hier einschlägig lesen? www.enotes.com/pride-and-prejudice-criticism/pride-and-prejudice-jane-austen/introduction |
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@ Uwe Theel am 17.12.2011 um 15:55
Errata corrige: Der letze Satz des vorletzten Absatzes muß heißen: "Mithin die entsprechende Diskussion überflüssig sei, wiewohl redundant sein könnte." |
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1.) Das Vorurteil besteht in der Annahme, dass lediglich in der "ur-liberalen und angesehenen Zeitung" auffallend weniger Bücher von Autorinnen besprochen wurden, denn die gleiche Zahlenkonstellation findet sich schließlich auch hier bei der "irgendwie linken" Zeitung.
2.) Eine von der SZ-Beilage unabhängige Betrachtung wäre dementsprechend gerechter, die Beschränkung auf sie enthält daher eine für die Information (dass weniger Bücher von Frauen besprochen werden) nicht notwendiges Elementen, nämlich die Beschränkung. So meinte ich das. |
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Korrektur: Eine von der SZ-Beilage unabhängige Betrachtung wäre dementsprechend gerechter, die Beschränkung auf sie IST daher eine für die Information (...) nicht notwendiges Element, nämlich die Beschränkung.
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@ calvani
nun denn ich habe mir nun auch meinen Trenchcoat uebergestreift und bin meinerseits auf die suche gegangen. Wohl auch um zu provozieren. Selbigst habe ich einmal die Emanzipatorischen Meinungsmachende Presse beäugt. Soviel einmal Vorab die ergebnisse sind Identisch mit SZ und Freitag morgen dazu die Exxeldatei. Liebe Grüße Baphomed der heute keine lust mehr auf den Freitag hat |
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Oh, Crowdsourcing! Sehr gut! Ich bin gespannt!
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Da ich jetzt einmal dabei bin: Das A-Z Hausautoren wartet (nach dem oben erläuterten Schema, wobei ich einmalig Herausgeber als Autoren angesehen habe) mit 2,5 Autorinnen (inklusive Illustratorin) von 15 vorgestellten Büchern auf. Quote: rund 17%.
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Er will nur provozieren und führt mal eine andere Autorenliste - aus dem Register von Erich Auerbach, Mimesis, das zufällig neben ihm liegt:
Apuleius - Ariost - Aristoteles - Augustin - Balzac - Baudelaire - Bocaccio - Boileau - Bossuet - Büchner - Cäsar - Cervantes - Chaplin - Chartier - Chateaubriand -Chrétien de Troyes - Cicero - Comte - Dante - Diderot -Dostojewski - Erasmus - Euripides - Fielding - Flaubert - Freytag - Gide - Goethe - Gogol - Goncourt - Grillparzer -Hamsun - Hauptmann - Hebbel - Hegel - Herder -Hoffmann - Hugo - Ibsen - Jean Paul - Joyce - Kafka - Keller - Kleist - La Fontaine - Lessing - Lope de Vega - Lukian - Malherbe - Mann - Mann - Marx - Mérimée - Michelet - Montaigne - Montesqiueu - Madame NECKER - Pascal - Petrarca - Petron - Pietro Alighiere - Plautus - Plinius - Proust -Rabelais - Racine -Rousseau - Saint-Simon - Sallust - Schiller - Seneca - Sokrates - Stifter - Storm - Tacitus - Vergil - Vigny -Villon - Voltaire - WOOLF - Zola. Verdammt, schon wieder nur zwei Frauen unter ... ich glaube 83 Autoren der Weltliteratur (im Autorenbeinzählen bin ich nicht so gut, bei Autorinnen und Autoren geht es mir mehr um den Kopf) |
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Nun ja, wenn du historisch guckst, musst du bitte auch die damaligen Verhältnisse beachten - die Rolle der Frauen, die Bildungschancen und die Möglichkeiten, zu schreiben, zu veröffentlichen und auch im Kanon akzeptiert zu werden.
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Das ist ein wichtiger Aspekt, Popkontext. Hinzu kommt, dass ich ja die Fragen im Blogbeitrag selbst aufgeworfen habe: Ob die Zahl der Veröffentlichungen sich in der Zahl der Rezensionen spiegeln kann oder soll und ob es Gründe geben kann oder soll, trotzdem vermehrt Kritikerinnen rezensieren zu lassen bzw. Autorinnen zu renzensieren.
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Und genau um dieses historische Gucken geht es mir. Auerbach spiegelt natürlich den Literaturkanon des bildungsbürgerlichen liberaldemokratischen Romanisten um die Mitte des letzten Jahrhunderts. Aber einer mit Qualitätsbewusstsein. Wie Calvani ja auch, die sich ein Arno-Schmidt-Zitat zu eigen macht (was Schmidt wohl zu Quoten geschrieben hätte?).
Ich selber befürchte schon so Eigentore wie Gender-Literatur-Mainstreaming und dessen Kontrolle durch Gender-Kultur-Beauftragte. Jetzt bin ich doch noch ernst geworden. |
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@wwalkie
Da ist dir wohl entgangen, dass sich doch glücklicherweise einige Dinge geändert haben, was die Möglichkeiten für Frauen, Bildung zu erlangen, zu schreiben und veröffentlichen angeht. Nur mit der Wahrnehmung hapert es noch - und das ist genau der Punkt. Oder willst du sagen, Frauen können es einfach nicht und sind natugegeben nicht in der Lage, die nötige Qualität zu liefern? |
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Also eigentlich wollte ich nur vor einer Art Literaturpolizei (oder -detektei) warnen, die gute Literatur - egal ob von Männern oder von Frauen geschrieben - gefährdet, weil sie automatisch auch schlechtere Qualität nach "oben" puscht.
Und schon bin ich enttarnt! Darum meine selbstkritische Meinung zur Literatur von Frauen: Frauen können es und sind naturgegeben in der Lage, die nötige Qualität zu liefern. |
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@wwalkie
Wenn du einerseits sagst "weil sie [die gender-mainstreamende Literaturpolizei"] automatisch auch schlechtere Qualität nach "oben" puscht.", dann aber "Frauen können es und sind naturgegeben in der Lage, die nötige Qualität zu liefern.", widersprichst du dir selbst. Wenn du letzteres Ernst meinst, muss wohl doch der Haken in der Struktur des Literaturbetriebs liegen. |
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@ Popkontext schrieb am 17.12.2011 um 18:03
Liebe Popkontext: Wenn ich wwalkie richtig verstehe, meint er, dass Frauen genauso gute Literatur schreiben können wie Männer, völlig unabhängig von weiblicher oder männlicher Literturkritik - was immer das hieße - , die er als Literaturpolizei nicht habem möchte. Kann ich nachvollziehen. Nur, wer um Gottes willen hat hier eine Literaturpolizei gefordert? Was seriöse Literaturkritik betrifft, so müssten Frauen (Literaturwissenschaftlerinn) vielleicht einmal sagen, ob sie vielleicht Literaturkritik weniger gerne als anderes, und weniger gerne als Männer betreiben? LG Uwe |
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Uwe, die Frage hat Popkontext doch schon dahingehend beantwortet, dass strukturelle Gegebenheiten ursächlich sein können bzw. sind. Literaturkritik ist ja auch in die Medienlandschaft eingebunden und so sieht's da aus.
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Uwe, ich habe wie gesagt dass Gefühl, dass du 90% dessen, was ichschreibe, falsch verstehst. Dabei will ich dir keine Bösartigkeit unterstellen - nur entweder liest du das nicht richtig, oder wir denken so anders, dass du es fast jedes Maal falsch interpretierst. Ich SCHRIEB, dass, wenn Frauen theoretisch doch genauso gut schreiben können aber praktisch nur wenige in den Listen ankommen da doch etwas in der Struktur des Literaturbetriebs nicht stimmen muss. Calvani hat da nochmal den richtigen Link gesetzt - und das hat nichts mit WOLLEN zu tun, und auch nichts mit dem fachlichen Talent, sondern mit an die richtigen Stellen KOMMEN, mit männlichen Seilschaften und männlicher Diskursmacht.
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@ calvani & Popkontext,
wo hätte ich den Literaturbetrieb anders eingeschätzt als ihr? Mein ursprünglicher Beitrag stellte die Frage, wer eigentlich hier welche Vorurteile wem gegenüber verträte und wrum das redundant wäre. Calvani erklärte dann, das Vorurteil sei, anzunehmen, nur in der SZ sei die weibliche Literaturkrtik unterrepäsentiert. Ich hatte dies schon bei Jana Hensel mehr als Beispiel dafür angenommen, dass strukturelle Probleme dafür verantwortlich seien, dass Frauen im LiteraturkritikerBetrieb nicht so erfolgreich wären. Dann entpuppte sich das Vorurteil immerhin als Verdacht, jetzt ist dieser gesichert. Welche Neuigkeit. Vielleicht fragt ihr mal bei Elke Heidenreich oder Sigrid Löffler was es damit auf sich hat. Aber wie gesagt mir ging es zunächat nur um die mir kritisch erscheinende Verwendung der Kategorien von Vorurteil und Redundanz im logischen Zusammenhäng des Blogtextes. In unserer Kritik des "Literaturbetriebes" sind wir uns sicher einig. lg ut |
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Eine Aufzählung, die Austen und de Beauvoir ignoriert, kann Frau kaum ernstnehmen.
Diese Ignoranz bringt einen, selbst wenn man gendermüde ist, noch in Wallung. Was ist denn Weltliteratur? Das selbstverliebte Goethe-Hesse-Mann-Altherrenzeug, das einem in der Schule als solche ausschließlich serviert wurde? Mit dem ewig gleichen faden Beigeschmack der narzisstischen Selbstbespiegelung, der jede Verdichtung bis wenigstens ein Stückchen Wahrheit offenbar wird, lückenlos verhindert? Man hat immer das Gefühl, man muss den Männern beim Rubbeln zulesen. Spannend ist das nicht. Höchstens noch als Mann als Vorlage fürs Tollsein und für die Veröffentlichung nichtssagend-eitler Ejakulationen. Und wer bespricht denn sowas? Die Reich-Ranickis dieser Welt, die auch einen nicht zu übersehenden narzisstisch-rubbelnden Einschlag haben und natürlich irgendwann auch veröffentlichen (wobei ich nichts gegen seine Biographie sagen möchte, sie war sehr gut). Die Idee mit der Gender Literatur gab es übrigens schon: In den 80 er Jahren hat der Fischerverlag unter dem Label "Die Frau in der Gesellschaft" veröffentlicht. Mit einem rosa Eck auf dem Einband. Quasi als Judenstern für Frauenliteratur. Sie hatten sogar die Traute Simone de Beauvoir, die ich zwar nicht schätze, aber die zweifellos für sich selbst steht, im rosa Taschenbuch zu verramschen. Postskriptum noch eine kurze Einschränkung der Lästerei zu Hesse: Einige Gedichte sind sehr gut. Aber gemessen an der Länge geschriebener Buchrücken, sind fünf großartige Gedichte ja schon fast unumgänglich ^^ |
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Eine rosa "Frauen-Edition"... ts, ts, ts!
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@ Zeitwechslerin - Die Reihe "Die Frau in der Gesellschaft" fand ich gut. War das nicht von Ingeborg Mues herausgegeben? Das rosa Eck auf dem Einband hab ich nicht mehr in Erinnerung.
Aber - stimmt - ist schon eine ziemlich schräge Kennzeichnung. Hesses Gedichte. www.freitag.de/community/blogs/magda/seltsame-wanderfruechte Hier habe ich mal das berühmte "Seltsam im Nebel zu wandern..." bebildert. Sehr empfehlenswert, wenngleich in Bezug auf die berechtigte Befremdung und Empörung überhaupt nicht zielführend. |
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Schöne Bilder! Ja ich halt "Im Nebel" auch für eins der ganz großen Gedichte der Weltliteratur, und hab letztens wieder "Welkes Blatt" gehört und fand es rührend. Alle lieben ja "Stufen", dem muss man wohl den Mehrheitspreis zubilligen. Also die fünf großartigen Gedichte waren aufgerundet.
Ich wollte nicht Hesse, Goethe und Thomas Mann fertigmachen (doch das wollte ich *g* mein ist die Rache ^^), sondern nur darum trauern, dass man seine literarische Unschuld an solch eitlem, verknöcherten und selbstmitleidigen Ergüssen verliert, wie sie sie größtenteils produziert haben und ich bis zum Abitur nicht mit Jane Austen, Dorothy Parker, Elfriede Jellinek oder Marilyn French in Berührung gekommen bin. Tatsächlich wird "die Weltliteratur" in der Schule ganz und gar frauenfrei präsentiert. Klar, dass sich bei den Rezensenten (und vermutlich auch den -innen) eine unbewusste Korrelation gebildet hat. |
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Ich kann mich sponatan nicht erinnern, diese Reihe bewusst wahrgenommen zu haben, aber ich habe gerade nach einigen Büchern u.a. im online Katalog der Stadtbücherei gesucht. Manche dieser Bücher fand ich unter dem Schlagwort "Frauenliteratur" aufgelistet. Frauenliteratur, das klingt schon irgendwie despektierlich, oder? Gibt es auch Männerliteratur? Mit hell blauer Ecke auf dem Einband?
Apropos Reich-Ranicki: An seine Stelle soll nun Roche gerückt sein... |
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Ihre Beobachtung führt ja fast zwangsläufig zu dem kleinen Experiment, mal an der eigenen Lektüre des nun fast abgelaufenen Jahres zu überprüfen, welche Bücher man gelesen hat und wie viele davon von Frauen oder Männern geschrieben wurden. Bei mir, männlich, waren es 1 f, 14 m.
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Ja, das habe ich mich auch gefragt. Aber ich weiß spontan gar nicht mehr, was ich in diesem Jahr gelesen habe... oftmals lese ich Bücher bzw. höre Hörbücher, die ich schon kenne - zählen diese ebenfalls? An die letzten drei Bücher kann ich dagegen erinnern, sie liegen hier nämlich immer noch vor, hinter und in meinem Bett: 2 Autorinnen und 1 Autor.
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Meine Freundin wieß, es gab schon einige Gelegenheiten, gerne darauf hin, dass der ihr verhasste M. Reich-Ranicki genau nur einer (!) Frau, Anna Seghers, literarisches Vermögen zugestand. Im letzten Gespräch, als das mal wieder auftauchte, ging es um mein leichtes Bedauern, dass es heute nur noch gar so zahme Debatten um Literatur und Kunst überhaupt gibt. So verletzend es z.B. in einer 'Gruppe 47' mitunter auch zugegangen sein mag.
Wenn das Problem auch heute vielleicht noch eines der Geschlechter sein mag, wird das umso schwieriger aufzudecken. Eben weil die Frau allgemein als gleichgestellter gilt und die Klappe seitens des Feuilletons eben auch nicht mehr so aufgerissen wird. Es bleibt zunächst nur die Vermutung, dass Männer vorwiegend Männer besprechen. Ob es Frauen grundsätzlich anders machen, stünde zu beobachten ... Gerechtigkeit? Tja ... Quote ist jedoch kein Ansatz. Die rezensive Auswahl soll doch nicht nach Geschlechter-Parität sortieren?! Zumal im Qualitätsfeuilleton. Ab Ch. Roche abwärts fällt mir sogar mehr als genug mit Frauenübergewicht ein ... |
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"Ab Ch. Roche abwärts fällt mir sogar mehr als genug mit Frauenübergewicht ein ..." - nun ja, das ist ja das problem, dass literatur, nein: bücher "ab Ch. Roche abwärts" wahrgenommen werden und so ein bild verschoben wird.
beispiel: im herbst war viel von ddr-aufarbeitungs-literatur die rede, und die meisten werden sich jetzt noch an eugen ruge (in zeiten des abnehmenden lichts) erinnern. ganz anders, viel kürzer, aber mindestens ebenso inspirierend waren angelika klüssendorf (das mädchen) und judith schalansky (der hals der giraffe). wobei deren werke weniger unter auf- oder abarbeitung zu subsumieren, mithin schwerer zu fassen sind. die beschäftigung mit ihnen bedarf einer ganz anderen, ambivalenten auseinandersetzung. diese anstrengung muss man natürlich suchen und wollen. und da, pardon, gehen männer vielleicht manchmal lieber den weniger von emotionen und selbsterkenntnissen durchnadelten weg. |
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Ja, ich mag "Feuchtgebiete" im Gegensatz zu "Schoßgebete", aber dass Roche nun häufig allgemein als Paradebeispiel für die Bücher (junger) Autorinnen gehandelt wird, sagt vermutlich mehr über die dahingehend verbreitenden Medien als über die Werke von Autorinnen aus.
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Zu Roche: Der Hype ist doch ganz in guter Tradition. Kein Mensch hat sie ernsthaft in ihrer Kunst als Literatur besprochen (nehmen wir mal Willemsen aus), sondern die Attraktion war der Skandal. Und da haben die Frauen einen Marktanteil: Seichtes, Selbsthilfebücher und Skandale.
Dass Frauen großartig schreiben können, ist glaub ich, noch nicht so ganz durchgesickert. |
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Ja, das kann durchaus sein. Es wird dann z.B. einfach eine Kategorie "neben der Sprachkunst", neben dem "literarischen Wert" erfunden:
"Auf die Frage nach dem literarischen Wert erwartet der Leser dieser Zeitung zu Recht eine klare Antwort. Die ist einfach zu geben. Sofern Literatur ein Sprachkunstwerk ist, tritt Charlotte Roche in dieser Liga nicht an. Aber jenseits dessen gibt es genügend Raum für berührende und unterhaltsame Bücher. Roches Stil ist extrem nah an der Mündlichkeit – allerdings nicht irgendeiner Mündlichkeit, sondern ihrer sehr eigenen, nicht mehr und nicht weniger als entwaffnenden Mündlichkeit." "Aber erst in diesem Roman, der zehntausendmal delikater, feinsinniger und existenzieller als Feuchtgebiete ist, gelingt die paradoxe Balance aus radikalem Exhibitionismus und äußerster Schamhaftigkeit." Ijoma Mangold über "Schoßgebete". Folge ich Mangold in seiner Einschätzung und sehe ich einmal von der Frage ab, ob "Schoßgebete" diese Attribute verdient: Wie kann denn ein Roman feinsinnig, berührend und unterhaltend sein ohne Sprachkunst? Ich dachte gerade in und durch die Sprache entfalten sich diese Attribute... |
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@kay.kloetzer
"...und da, pardon, gehen Männer vielleicht manchmal lieber den weniger von emotionen und selbsterkenntnissen durchnadelten weg." - Tja, ich, ein Mann (irgendwie), habe über diese Worte nachgedacht. Treffen sie auch auf mich zu? Also, ich mag Literatur und Texte, die 'zeigen' statt zu 'sagen', soll heißen, die Bilder malen, Geschehen inszenieren, und dadurch etwas 'zeigen'. Texte, die sich in langen Reflexionen ergehen, die viel 'sagen' wollen, ermüden mich dann bald. Dann bin ich also so ein Mann, der den solcherart 'durchnadelten Weg' scheut? Ein wenig klingt meine Beschreibung der von mir bevorzugten Textart nach 'action'-Literatur, was? Nun, so ist es nicht gemeint. Und wenn ich so resümiere, kann ich nicht sagen, dass ich die 'Zeigen'-Literatur eher männlichen Autoren zuordne, die 'Sagen'-Literatur eher weiblichen. Würde mich nicht wundern, wenn es sogar umgekehrt wäre, denn viele Männer-Schriftsteller neigen heftigst zum Schwadronieren. - Das sieht man ja schon hier in diesem Laden, wenn die Helden der Männerrechtsbewegung wiedermal loslegen. :)) Okay, ich will gerecht sein, hier schwadronieren nicht nur die Anti-Feministen... :))) |
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Merci, merci! Dir auch!
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@Calvani
Danke für diese amüsant verdichtet anrührende Agentinnen Geschichte aus dem Krisenreich der Männer- und Frauenbilder siehe: www.freitag.de/community/blogs/joachim-petrick/h-e-richter-wenn-ich-gestorben-verzweifelt-nicht-denn-ihr-lebt 21.12.2011 | 04:16 H.-E. Richter "Wenn ich gestorben, verzweifelt nicht, denn ihr lebt" horst-eberhard_richter männlichkeit kampagnen friedensbewegung sterben tod occupy ärzte_ohne_grenzen netzwerker Horst-Eberhard Richter ist am 19. Dezember 2011 im Alter von 88 Jahren verstorben Horst-Eberhard Richter: "Die Krise der Männlichkeit in der unerwachsenen Gesellschaft" Als ich vorgestern in der Frühe im Deutschlandfunk vom Tod Horst Eberhard Richter Tod hörte, fiel mir nach erster banger Stille eines seiner letzten Bücher mit dem Titel ein: "Die Krise der Männlichkeit", |
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Gern geschehen.
Es scheint, als wäre es offenbar wirklich Zeit für die oben bereits erwähnte "Männerliteratur" - mit hell blauem Einband, oder? |
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Frauenliteratur? Männerliteratur? Literatur!
Aber bleiben wir bei Thomas und Heinrich Mann. Oder sollten wir auch hier Änderungen vornehmen? Lasst Euch ruhig auch etwas von der Weihnachtsfrau schenken! Krawatten, Socken und Salbei-Bonbons... ;-) |
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Literatur? Ja! Aber vielseitig und vielstimmig, bitte!
Ich habe gerade mal "Weihnachtsfrau" gegoogelt - weil ja bald Weihnachten ist... lauter "sexy" Bilder und Videos... Ich kann mich übrigens nicht erinnern, jemals eine Krawatte verschenkt zu haben. Ehrenwort! |
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@Calvani
Ich kann mich übrigens nicht erinnern, jemals eine Krawatte verschenkt zu haben. Ehrenwort! Das hatte @Paulart auch nicht behauptet. Oder hattest Du Dich auf einem der Bilder wiedererkannt? Lasst Euch ruhig auch etwas von der Weihnachtsfrau schenken! LG, frohe Festtage und viele Geschenke! |
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@ Christian
Ich habe auch nicht behauptet, dass paulart behauptet hätte, ich würde Krawatten verschenken. Und als Weihnachtsfrau habe ich mich auch noch nie verkleidet... wünsche aber trotzdem ebenfalls schöne Feiertage. |
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Keine Krawatte?
Und, Calvani, haben sich die betroffenen Männer (Vater, Ehemann oder Freund) auf den Schlips getreten gefühlt? Noch anderthalb schöne Weihnachtstage! Übrigens habe ich mal einer (neuen) Freundin ein winzigkleines Fläschchen "Chanel No. 5" aus Grasse mitgebracht. Das war so teuer, dass meine Restferien-Ersparnisse futsch waren. Vielleicht hätte ich doch besser einen Grass - z.B. Katz und Maus - mitgebracht? ,-) |
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@ ChristianBerlin
Ach, im Rheinland darf man sich ruhig Krawatten schenken lassen. Die bindet man dann an Altweiber um... und schwupp... werden sie im Laufe des Tages ein wenig kürzer. Und ab und zu springt dafür sogar noch ein Küsschen bei 'rum. Noch 'n paar schöne Weihnachtsstunden! |
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zu: Calvani, 25. 12., 7.23 Uhr
So habe ich es auch nicht gelesen... dass Calvani behaupten würde, ich würde ihren Text so interpretieren, dass sie eventuell sogar Krawatten zu why?Nachten verschenken würde. Und überhaupt, warum auch nicht... wenn ja, weshalb! Persönlich laufe ich lieber "oben ohne" herum. Damit spreche ich aber jetzt keinesfalls über meine beginnende "christlich-glänzende" Tonsur (sie entsteht eben nicht freiwillig)... |
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Parfüm aus Grasse? - Womit wir wieder bei der Literatur wären, Grenouille lässt grüßen.
Ne, bislang standen Krawatten eher auf meiner Wunschliste... Kam Chanel No. 5 bei deiner Freundin denn gut an? Frisch verliebt hätte ich ja lieber Katz und Maus gespielt als gelesen. "Komm her, ich weiß ein schönes Spiel...": Merry crisis and a happy new fear! |
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@ Calvani
Da ich meine damalige Freundin noch nicht "so genau" kannte, wählte ich das mir bekannteste Produkt. Es war beileibe nicht das billigste. Nein, es kam nicht so gut an, weil ich "danebenlag". Aber mein "Offensivdrang" blieb nicht unbeachtet. Kinski! Er wurde zwar nicht besonders alt. Aber sage niemand, er hätte nicht gelebt! Danke für den "Wilden Erdbeermund"! Auch Dir ein wildes, aufregendes, aber eben auch gesundes neues Ja(hr) und nein! Und sollten wir das gesamte Jahr gut überstehen, so esse ich eine Pommes nur mit Mayannaise (Mayannaise ist eine dickflüssige, kalt hergestellte Sauce auf der Basis von Eigelb und Öl. Der Name ist vermutlich von Mayo, den Mayonnaise-König von Guatemala, abgeleitet. Mayannaise ist eine Emulsion von Öl in Wasser, wobei das Lecithin aus dem Eigelb als Emulgator dient. Der durchschnittliche Verbrauch von als Mayannaise deklarierter Massenware liegt in Lateinamerika bei ca. 12 Kilogramm pro Jahr und Haushalt, pro Jahr und Person). |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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