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Anne Roth geht heute in ihrem persönlichen Blog annalist und auch hier der Frage nach, warum so wenige Frauen, erfolgreich bloggen.
Einige mögliche Begründungen verwirft sie selbst (Männer sind zufällig erfolgreicher in der Aufmerksamkeitsgenerierung, sind zufällig häufiger an Themen interessiert, die zufällig viele Andere – zufällig auch Männer – interessieren), andere nimmt sie für sich, nicht jedoch für die weibliche Allgemeinheit in Anspruch (Zeitmangel, Langeweile bereits abgearbeiteter Themen etc.) und zu wieder anderen möchte ich mir im Folgenden ein paar Bemerkungen erlauben:
Was sich in Anne Roths Argumentation auf jeden Fall zeigt: Frauen denken – im Übrigen genauso wie Männer – in Stereotypen. Das ist auch gut so und notwendig. Eine vollkommene Neubewertung jeder Situation und jeder Person, wäre zeitraubend und überkomplex. Ohne Stereotype wären wir über die Steinzeit kaum hinaus gekommen. Dennoch lohnt sich der Blick auf die einzelnen Thesen:
Frauen haben weniger Zugang zu Technik.
Stimmt. Dürfte aber für die Fragestellung, warum Frauen nicht in den Blog-Charts auftauchen, irrelevant sein. Ich denke, es ist nicht überheblich oder weltfremd, zu behaupten, dass es vor allem Frauen aus unteren Sozialschichten, bildungsbenachteiligten, vielleicht auch alten Frauen, nicht gelingt, technischen und kognitiven Zugang zu den erforderlichen Medien zu erlangen – dass jedoch für alle anderen diese Zugangsproblematik dank kostengünstiger Technik und Internet-Cafés keine entscheidende Rolle spielen dürfte.
Frauen haben weniger Zeit.
Berufstätige Familienfrauen haben – ebenso wie erwerbstätige Väter – Hobbys oder zumindest Freizeit, die sie zum Bloggen nutzen könnten. Umgekehrt sind unter denjenigen, die „irgendwas mit Medien“ machen, sehr wahrscheinlich viele der sogenannten „neuen Männer“, die Verantwortung für ihre Familie und Kinder übernehmen - und trotzdem bloggen. Die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung weist die Frau zwar häufig als Hauptverantwortliche für die Familienarbeit aus, wird von den Männern aber eher zur verstärkten Erwerbsarbeit, seltener zu Freizeitvergnügen und Selbstverwirklichung genutzt. Hinzu kommt, dass viele Frauen, gar keine Kinder und keine Familienverantwortung haben, weniger Zeit in Erwerbsarbeit investieren, insgesamt weniger in einen regulären Beruf integriert sind als Männer. Zeit zum Bloggen müsste es genug geben. Jedenfalls ist nicht ersichtlich, warum die Masse der Frauen keine Zeit dafür finden sollte, Männer hingegen schon.
Frauen können schlechter allein sein als Männer.
Einmal kurz überlegen: Führt das Bloggen eher zu Einsamkeit als Stricken oder Kochen (Stichwort: „Muttithemen“)? Und umgekehrt gefragt: Sind die erfolgreich bloggenden Männer wirklich alle vereinsamte Nerds?
Auffallen wird bei Männern positiv, bei Frauen negativ gedeutet.
Mag sein. Ist wohl auch so. Aber mal abgesehen vom gezielten Einsatz einer Iro-Anzug-Kombi als Marketinginstrument, erreichen die erfolgreichen Blogs ihre Leserschaft doch hauptsächlich durch Inhalte und nicht durch die schillernde Extravaganz ihrer Verfasser.
Die Autorin erklärt, dass die Situation der Frauen in Deutschland ist insgesamt nicht so gut sei (Statistisches Bundesamt) und schließt die Vermutung an, dass Muttithemen wie Kochen oder Stricken gar nicht als bloggable wahrgenommen werden. Dazu: „Vatithemen“ wie Modelleisenbahnbau und Angeln sind meines Wissens auch nicht gerade der Renner in den Blog-Charts.
Man kommt folglich zu dem Schluss, dass das Fehlen erfolgreicher Bloggerinnen nicht richtig erklärt werden kann. Das Ganze bleibt für die LeserInnenschaft ein mysteriöses Buch mit sieben Siegeln. Und genau dort stoßen wir meines Erachtens auf den Kern des Ganzen:
Neben dem Denken in Stereotypen ist es vor allem das Hinnehmen von Unklarheiten, der fehlende Wille – ich denke auf keinen Fall, dass es das Unvermögen ist! – patriarchale Strukturen zu durchdenken, zu hinterfragen, zu erkennen und sie damit greif- und anfechtbar zu machen.
Das Verhältnis der Geschlechter ist bei allem Gendermainstreaming in fast allen gesellschaftlichen Bereichen durch starke Ungleichverteilung geprägt – egal ob es um Führungspositionen in der Wirtschaft, Einkommen und Gehalt oder die Inanspruchnahme von Elternzeit geht.
Das liegt unter anderem daran, dass es Frauen bis heute nicht gelernt haben, nach Macht zu streben – und ich meine hier nicht, es dem System gleichzutun und Macht um der Macht Willen zu akkumulieren, sondern einfach der gleichberechtigten Teilhabe wegen. Meiner Erfahrung nach nehmen Frauen nach wie vor Ungerechtigkeiten viel zu selbstverständlich hin, sind weniger von dem überzeugt, was sie leisten, lassen sich von Anderen zu schnell beeindrucken und einschüchtern und stützen damit die Strukturen, die das Machtgefälle stabil halten.
Die Gründe hierfür? Pinkgekleidete Mädchen in bunten Spielzeugküchen und kleine Kombattanten in Tarnkleidung und Plastepistolen. Mädchen im Deutsch-LK, Jungs mit 15 Punkten in Physik oder wenigstens Sport. Frauen in den Kindergärten. Männer in den Vorständen und Aufsichtsräten. Stereotype? Klischees? Ja, sicher! Gottgewollte Aufteilung der Welt? Nein! Sondern über Jahrtausende generierte Machtasymmetrien zwischen Jägern und Hüterinnen des heimischen Feuers, deren reale Grundlage sich spätestens mit dem Mittelalter in Luft aufgelöst hat. Aber die Reste dieser Strukturen bleiben. Wer Macht hat, gibt sie selten freiwillig ab. Und wer Macht will, muss es sagen und dafür kämpfen.
Männer sind noch immer die Meinungsführer in Kultur, Medien, Wissenschaft und Wirtschaft. Die Frage lautet also nicht: „Warum gibt es keine erfolgreichen Bloggerinnen?“, sondern: „Warum sollte es erfolgreiche Bloggerinnen überhaupt geben?“
Weil sie – wie beispielsweise die Autorin Roth herself! - selbstbewusst, kompetent und meinungsstark Themen an die Oberfläche der gesellschaftlichen Wahrnehmung spülen, die es Wert sind diskutiert zu werden. Weil sie dies ohne den Habitus des Machtstrebens um der Macht Willen schaffen. Weil sie mutig, gerechtigkeits- und wahrheitsliebend wissen, was ihnen wichtig ist und welche Themen auf die politische Agenda gehören, damit wir und nachfolgende Generationen in absolutem Frieden und relativem Wohlstand leben können. Weil sie Dinge ansprechen, diese mit Anderen gemeinsam zu Ende denken und etwas bewegen, so dass ihren LeserInnen klar wird, dass sie stolz sein können auf diese Stimmen aus dem Blog-Charts-Off. Weil Mädchen(und Jungs!) durch sie verstehen, dass ein umfassender Blick auf das, was die Welt zusammenhält, erhebender sein kann als das schönste Louis-Vuitton-Taschen-Imitat und eine eigene Meinung erotischer als ein durchtrainiert-magerer Solariumhintern.
Also... zeigt Euch!
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@ Canesco
Ja, ich arbeite seit 2 Jahren daran. Aber irgendwie hört mir keiner zu... |
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Ich glaube das ist alles nur eine Frage der Zeit. In der englischsprachigen Bloggerszene spielen sog. Mommyblogger eine relativ große Rolle. Da beschreiben Frauen ihre Lebenswirklichkeit zwischen Kindererziehung, Bio-Rezepten und Gefühlschaos. Das hat nichts mit zugewiesener Geschlechterrolle zu tun, sondern mit der Möglichkeit durch das Bloggen mehr zu sein als "nur" Hausfrau und Mutter.
dooce und angry chicken sind z.B. zwei recht gut frequentierte Blogs, deren Bekanntheit es den Betreiberinnen bereits erlaubt Nebenprojekte wie Bücher oder Auftritte in den Medien zu verwirklichen. Ich glaube die deutsche Bloggerszene ist da noch gut ausbaufähig gerade was bloggende Frauen angeht, aber ich glaube auch was wir Frauen schon immer gut konnten war reden und deswegen glaube ich früher oder später wird es auch in Deutschland die ein oder andere geben, die vorne mit dabei ist in den Blogcharts. |
Ausgabe 11/10
18.03.2010
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