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Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,
das Blut, das in diesen Minuten in den Straßen von Kairo vergossen wird, klebt auch an ihren Händen. Sie, ihre europäischen Amtskollegen und allen voran Herr Obama haben es versäumt sich eindeutig von einem verbrecherischen Diktator zu distanzieren.
Die gestrigen friedlichen Demonstrationen waren ein klares Zeichen. Keiner von Ihnen hat es erkannt, oder wollte es erkennen. Statt diesen Tyrannen fallen zu lassen und sich endlich von dieser jahrzehntelangen Doppelmoral "westlicher" Außenpolitik zu verabschieden, gaben Sie ihm die Gelegenheit Chaos und Gewalt zu säen.
Warum? Das Existenzrecht und die Sicherheit Israels, unbestreitbar und in allen Ehren, waren und sind durch die Ereignisse in Ägypten nicht gefährdet. Die Muslimbruderschaft, so streitbar sie sein mag, hat sich schon vor langer Zeit von jeglicher Gewalt distanziert und sich zur Einhaltung internationaler Verträge bekannt. Sie ist vielleicht die größte organisierte Oppositionsgruppe, sie war es aber nicht, die die Massen in Kairo, Alexandria, Suez und jeder anderen größeren ägyptischen Stadt mobilisierte. Ihr Einfluss und ihre Macht werden überschätzt. Das ist von Seiten des Despoten so gewollt. Dabei wird gerne außer Acht gelassen, dass es eben die Versäumnisse seiner, vom "Westen" tolerierten, Politik sind, die der Muslimbruderschaft Tür und Tor öffneten an den vielen Stellen zu helfen wo der Staat versagte. Letztlich ist ihre Machtübernahme mehr als unwahrscheinlich. Das ägyptische Militär würde es schlichtweg nicht zulassen.
Das ägyptische Volk hat in den vergangenen Tagen seinen Beitrag im Kampf für Freiheit, Gerechtigkeit und vor allem für ein menschenwürdiges Leben geleistet, doch andere Akteure haben ihren entscheidenden Einsatz verpasst. In der heutigen Zeit ist es mehr denn je eine Illusion, dass sich unterdrückte Völker alleine von ihren Fesseln befreien können. Besonders bitter schmeckt dabei die ausbleibende Hilfe jener, die sich sonst so gerne mit ihren zivilisatorischen Errungenschaften brüsten. Sie hatten die Chance diesen universellen Werten eben jene Universalität zu verschaffen und sie sich über den ganzen Nahen Osten verbreiten zu lassen. Doch jetzt fliest Blut und noch schlimmeres ist zu befürchten. Mir graut vor dem kommenden Freitag...
Danke Frau Bundeskanzlerin, Thank you Mr. President!
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Danke auch an die gekauften Stichwortgeber der eltitenhörigen 4. Gewalt .
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Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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