Carl Gibson

Symphonie der Freiheit

18.03.2010 | 21:04

Kirchenaustritte - wie antiquiert ist die christliche Moral?

Ist der Zölibat noch zeitgemäß?

Fast 90 Prozent der Bundesbürger würden ( laut einer aktuellen Umfrage in der ARD? ) die Abschaffung begrüßen,

denn der Zölibat ist zementierte Unnatur, ein Relikt vormittelalterlicher Leibfeindlichkeit.

Was noch schlimmer ist als engstrinig-prüde Sexualmoral:

Die Abwertung der Frau dahinter!  

Mancher aktuelle Kirchenaustritt ist darauf zurückzuführen.

Wenn ein Ideal, an dem man lange festgehalten hat, auf das man gebaut hat, versagt, dann kehrt man ihm den Rücken, selbst der Religion und der Institution Kirche.

Abstimmung mit den Füßen - das galt vor 1989, als die vielen Freiheit suchenden Menschen hinter dem Eisernen Vorhang ihr Heil in der Flucht suchten und an der Grünen Grenze ihr Leben riskierten, nur um in Würde in einem Rechtsstaat leben zu dürfen.

Die Werte des Westens lockten,

abendländische Werte,

die Errungenschaften der Französischen Revolution, der Geist des Humanismus und der Reformation, umgesetzt in der parlamentarisch-demokratischen Staatsform mit Freiheiten, Rechten und Pflichten.

Der "real existierende Sozialismus" hatte sie enttäuscht.

Heute enttäuschen  die Hüter der Moral selbst,

die beiden großen Kirchen Deutschlands –

die Katholiken ( ca. 26 000 000 Gläubige) und die Protestanten in der EKD, die gerade ihr Oberhaupt Bischöfin Käßmann galant gegangen haben:

die einen mehr, die anderen weniger.

Die Schlag- und zugleich Reizworte dieser Tage:

Kindesmissbrauch in konservativen Internaten und Schulen,

zum Teil Kinderschändung, Gewalt gegen Schutzbefohlene etc.

Die Reaktion darauf:

Die Bürger stimmen aktiv über ihre Kirche ab,

indem sie handeln,

indem sie konsequent agieren und aus der Kirche austreten.

Die katholische Kirche heute - ein Sodom und Gomorra?

Der Papst schweigt noch zu den Entwicklungen in Deutschland, obwohl doch ein klares Wort zu sprechen wäre?

Nicht den Philosophen wollte die Kirche  die "Moral" überlassen sein; nein, selbst wollte man sie ausüben und dabei 

die Philosophie zur Magd der Theologie reduzieren!

Und nun? Was ist daraus geworden?

Eine antiquierte Einrichtung, die am Zölibat festhält,

an der Zementierung der Unnatur und an der Beibehaltung der Heuchelei und Scheinheiligkeit in vielen Formen.

Das ist vielfach durchschaut:

Der mündige Bürger verlässt jetzt seine Kirche, weil sie in seinen Augen und nach seinem Empfinden die christlichen Werte verraten hat.

Bald wird er auch die Parteien verlassen, die das "C" im Namen pervertieren wie die Liberalen den heiligen Wert der "Freiheit".

Wozu brauche ich eine Kirche, wenn sie mit ihrem Tun mein Gewissen mehr belastet, als sie meine seelischen Nöte und Sorgen lindert?

Und was hat diese Kirche noch mit Gott zu tun?

Fragen stellen sich bis hin zur Theodizee - weshalb lässt Gott das zu?

Weshalb lässt Gott das vorsintflutliche Treiben zu, ohne über seinen irdischen Stellvertreter einzuschreiten?

Wo Bleibt die Katharsis, das irdische Purgatorium?

Hat die Kirche noch die Kraft zur Selbstreinigung, zur Wahrheit?

Die Frage ist,

stellt sich die katholische Kirche der Reform und Erneuerung ( auch in dogmatischen Fragen!)

oder hinkt sie weirhin geistig-moralisch den Notwendigkeiten des modernen Menschen hinterher?

Auch die Kirche muss - wie der Staat und seine Politiker - für die Menschen da sein; also muss sie mit der Zeit gehen und alles Unzeitgemäße, ja Kranke aus dem Organismus entfernen.
Erinnert sei an den faulen Apfel im Korb, der alle anderen ansteckt und faul macht - oder an ein Krebsgeschwulst, das aus dem Körper herausgeschnitten werden muss, wenn nicht der ganze Korpus Krankheit und Vernichtung Preis gegeben werden soll.
Weshalb duldet die katholische Kirche ihre (mehrfach tätigen, längst überführten) "schwarzen Schafe", die sich weiter an Kindern versündigen, obwohl ihre Untaten seit Jahren auch höheren Etagen bekannt sind?

 
Weshalb duldet eine ethische Instanz Unzucht und ermutigt sie noch, indem man über Versetzung einem "Weiter so" Vorschub leistet?
Wo liegt die Verantwortung?


Beim kleinen schwarzen Schaf, das, durch Krankheit und Trieb determiniert, auch "moralisch" versagt oder auf höherer Verantwortungsebene, die das Versagen durchschaut, es aber nicht konsequent abstellt?

Als Savonarola noch vor 1500 mit seiner Kirchenkritik und Reformarbeit begann, war die katholische Kirche bereits zum Tode krank - heute, nach der Reformation, fast fünfhundert Jahre später, reichten schon wenige Korrekturen zur Erneuerung:

Der Abschied vom Zölibat und eine konsequente Umsetzung humanistischer Moral auf der Grundlage der Werte des Evangeliums.

Die Wahrheit wird euch frei machen, lehrte Jesus.

Was der Vatikan und der Heilige Vater von dieser Sentenz halten, ist mir nicht bekannt.


Es heißt, Papst Benedikt VI. werde (heute noch!) den irischen Bischöfen schreiben, so wie er die amerikanischen Bischöfe ermahnte nach den Missbrauchsfällen dort - in Sorge um die gesamten Katholische Kirche und Christenheit. Auch wird er den deutschen Biscöfen Empfehlungen geben, die Sache zu bereinigen.

Doch reicht es, dieses gewichtige Thema zu delegieren, der Provinz zu überantworten?

Wäre nicht ein Machwort des Papstes angesagt, das sein Zeichen der Erneuerung setzen könnte?

Solange die Thematik Kinderschändung innerhalb der katholischen Kirche nicht von höchster Warte aus und von Papst Benedikt VI. selbst bereinigt wird, muss jeder kleine Preister an der Basis mit einem Stigma leben - und mit dem Vorwurf, ethisch versagt zu haben.

Inzwischen hat Papst Benedikt VI. gesprochen: "Kindesmissbrauch", Kinderschändung sind in seinen Augen abscheuliche Verbrechen - Null Toleranz für Pädophile im Priesteramt!

Das war angeblich seine Botschaft an die irischen Bischöfe, gültig und verbindlich für alle Katholiken weltweit.

Ob er deutlicher wird, wenn die gesamte Dimension des Kinderschänderskandals in Deutschland feststeht?

Zur Erneuerung der katholischen Kirche, zu Reformen hat der Papst wohl nichs gesagt? 

 Carl Gibson   

 

 

 
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Kommentare
luggi schrieb am 18.03.2010 um 21:24
Was zur Hölle sind christliche Werte?
Carl Gibson schrieb am 18.03.2010 um 21:30
Gute Frage! Lesen Sie doch nach, was Jesus so gesagt hat in den vier Evangelien, etwa in der Bergpredigt - und fragen Sie dann, was die Kirche daraus gemacht hat, vor und nach der Reformation.
Carl Gibson
luggi schrieb am 18.03.2010 um 21:39
"Gute Frage!" find ich gute Antwort.
Auch mit dem Hintergrund verschiedener, also unterschiedlicher, christlicher Kirchen, die die christlichen Werte usurpiert haben.
Nüscht gegen relig. Glauben von Menschen; aber wenn das Mittelalter müffelt...
luggi schrieb am 18.03.2010 um 21:41
btw. luggi hat 'n "u" wie in "du"; nur die "Blauen" siezen mich, aus Respekt.
weltzeituhr schrieb am 18.03.2010 um 21:35
Kirchenaustritte? Das gab es schon in der DDR, zur Genüge, da die Pfarrer Wendehalse waren, sie predigten von der Kanzel .....vorsichtige Worte, denn es konnte ja ihr Kartenhaus einfallen und ihre Genüsse des täglichen Lebens wollten sie nicht gefährden. Aber, mich hat bis heute die Kirche als Institution nur enttäuscht.

Die Kirche ist ein Machtapperat, seit ewigen Zeiten, die Menschen für ihre Intrigen benutzt.

Das brauche ich nicht, der Glaube ist grenzenlos und nicht gebunden!
Carl Gibson schrieb am 18.03.2010 um 21:57
Nicht nur der Christenmensch Luthers, jeder freie Mensch hat ein unmittelbares Verhältnis zu "seinem" Gott - es bedarf keiner Institution Kirche als Mediator.

Erinnert sei noch an den materiellen Aspekt eines Kirchenaustritts:
Kirchensteuer dient auch der Alimente-Bezahlung für Priesterkinder (bei Missachtung des Zölibats).
In Zeiten, wo das allgemeine Einkommen der Bürger knapper wird, ist der aufzubringende Kirchensteuerbetrag kein Pappenstiel mehr.

Apropos DDR-Pfarrer als "Wendehälse" -

das ist keine genuine DDR-Spezialität!

Überall im Ostblock wurden Kutten und Talare gewendet - aus roten Engeln wurden über Nacht schwarze, einige davon traten auch als Wolf im Schafspelz auf und wurden als Bock zum Gätner gemacht, sie wurden Behördenleiter und Minister!
Alles mit dem Segen von oben!
Carl Gibson
luggi schrieb am 18.03.2010 um 22:05
Ich achte jeden integren Menschen; ob als Theist oder Atheist. Aber die Integrität muss den gesellschaftlichen Fortschritt beinhalten.
weltzeituhr schrieb am 18.03.2010 um 22:19
Nein, Kirchenaustritte waren gekoppelt an Enttäuschung, nicht als materielleler Aspekt gewehrtet. Mein Pfarrer lebte in einer tollen Wohnung und die gesamte Familie genoß die Annehmlichkeiten und Besonderheiten wie z.B.des Reisens, die Genüsse ( Kleidung, Essen usw,)wie die Staatsmänner, Herr Ulbrich hinter den Gardinen!!???...
weltzeituhr schrieb am 18.03.2010 um 22:19
Nein, Kirchenaustritte waren gekoppelt an Enttäuschung, nicht als materieller Aspekt gewehrtet. Mein Pfarrer lebte in einer tollen Wohnung und die gesamte Familie genoß die Annehmlichkeiten und Besonderheiten wie z.B.des Reisens, die Genüsse ( Kleidung, Essen usw,)wie die Staatsmänner, Herr Ulbrich hinter den Gardinen!!???...
Magda schrieb am 25.03.2010 um 13:02
Wendehälse - und elitär. Vor allem die Katholen. Die haben ihren Schäfchen gepredigt, mit den bösen Kommunisten nichts gemein zu machen und lieber auf Karriere zu verzichten usw.
Und dann gingen sie hin und soffen mit dem Staatssekretär für Kirchenfragen ordentlich Rotkäppchen Sekt auf das Wohl der verehrten Partei- und Staatsführung. Fürchterlich bigottes Pack.

Es gab aber einzelne Pfarrer, die menschenfreundlich waren und lieb und gut. Ich kannte so einen.
Rahab schrieb am 18.03.2010 um 21:48
hilfe! was ist denn schon wieder "vorsintflutliches Treiben"?

und nein, den vergleich von kirche und ost-block, den halt ich ja im kopp nich aus!
luggi schrieb am 18.03.2010 um 21:58
"...hilfe! was ist denn schon wieder "vorsintflutliches Treiben"? ..."

die Freitags-com? sry, mal nur so...
Rahab schrieb am 18.03.2010 um 22:03
die? hier?
wo die göttersöhne mit den menschenmädeln oder so?
Carl Gibson schrieb am 18.03.2010 um 22:05
"Vorsintflutliches Treiben" ist die Quintessenz von Sodom und Gomorra,
moral-philosophisch ausgedrückt:
Werteverfall,
Niedergang -
Guido Westerwelle würde vieleicht sagen:

"vor-römische Dekadenz"!

Die Diktatoren im Ostblock hielten es mit Ludwig IV. : "L'etat c'est moi" (Der Staat bin ich!) ... noch mehr aber mit Madame Pompadour: Apres moi le deluge!

(Nach mir die Sintflut) - das verband die roten Machthaber mit den Borgia Papst in Rom zur Zeit der Vor-Reformation.
Carl Gibson
luggi schrieb am 18.03.2010 um 22:07
und menschenbuabn; und wie
luggi schrieb am 18.03.2010 um 22:12
lieber Carl,
ich war nahe an der Macht, dass ich das so apodiktisch nicht gelten lassen darf, muss, kann oder sonstwas. Ich kenne hervorragende und menschliche und so weiter MenschInnen (mich auch mit der gebotenen Bescheidenheit), in Führungsgremien. Und auch Gegenteilige.
Rahab schrieb am 18.03.2010 um 22:24
Carl Gibson, so geht das nicht!
Sodom und Gomorra war NACH der sintflut! auch moral-philospohisch .... moment. wieso moral-philosophisch ausgedrückt? bist du homophob?
Rahab schrieb am 18.03.2010 um 22:25
oder, schlimmer noch, misogyn?
Rahab schrieb am 18.03.2010 um 22:25
oder einfach nur ein putzteufel?
Lee Berthine schrieb am 18.03.2010 um 21:58
Gottseidank (wie passend) bin ich nicht katholisch, sondern "nur" evangelisch getauft und konfirmiert. Aber die Institution Kirche hat mich von jeher nicht angezogen und überzeugt.
Trotzdem bin ich immer noch nicht ausgetreten. Der bürokratische Aufwand wäre ja zu bewältigen. Etwas anderes scheint mich zurückzuhalten oder ich verdränge, die Konsequenz aus meiner Einstellung zur Kirche zu ziehen.
Vor kurzem habe ich einen Pastor getroffen, dessen Arbeit in seiner Gemeinde mich beeindruckt hat, er setzt sich für Arbeitslose, Migrantinnen und Menschenrechte, sogar Umweltschutz ein und hat da viel Erfolg und Einfluss.
Es gibt eben auch solche Vertreter der Kirche!
Carl Gibson schrieb am 18.03.2010 um 22:30
Ja, es gibt sie, die Guten und Gerechten, auch in der Kirche, in der Regel an der Basis, sonst wäre die Kirche längst ausgestorben! Nur, weiter oben, in den Schaltzentralen der Macht,lieber luggi, werden die Tugenden und Werte rarer, weil es keine Macht ohne (faule) Kompromisse gibt, es sei denn im Himmelreich!
Carl Gibson
weltzeituhr schrieb am 18.03.2010 um 22:34
Was heißt Vertreter der Kirche, katholisch oder evangelisch...das sollte grundsätzlich immer ihr Ziel sein, denn sie haben mit ihrem Amtsantritt, der gekoppelt ist mit besonderer Gesetzespflichterfüllung, diesen freiwillig angenommen.
Lee Berthine schrieb am 18.03.2010 um 22:36
Wie jetzt, luggi sitzt in der Schaltzentrale der Macht? Ich hatte dich ganz woanders verortet, luggi.
bin perplex...
luggi schrieb am 18.03.2010 um 22:37
Meine Oma, ev. und nie in einer Partei, Trägerin des Mutterkreuzes(nationalsoz.), war stolz auf Walter Ulbricht; sie konnte Adenauer nicht leiden. Auch nicht andere aus Adenauers Umfeld. Und weißte warum? Weil Schluss gemacht wurde mit der Ausbeutung, und Fron, und Ungemach und all den kapitalistischen Werten.
Lee Berthine schrieb am 18.03.2010 um 22:37
@ weltzeituhr
Ja, genau: "sollte" - vieles "sollte" so und so sein. Ist es aber nicht.
luggi schrieb am 18.03.2010 um 22:39
@ Lee,
arbeitete, Vergangenheit.
Rahab schrieb am 18.03.2010 um 22:45
wie? wo? gegen wen? die Guten und Gerechten doch nicht etwa?

---

och nöh. das is einfach nur blöde.
die leute fliehen heute aus der kirche wie weiland ausm ostblock ... in welcher denomination/congregation ist denn die wahre glückseligkeit zu finden, wenn ich mal fragen darf?
weltzeituhr schrieb am 18.03.2010 um 22:51
Genau, Lee Berthine, es sollte und muß so sein! Aber alle überschreiten ihre Grenzen und Gesetze, die kirchlischen Vertreter, die Politiker und ?auf Kosten des Volkes! Höre ich eine Gleichgültigkeit aus Ihren Worten?
Lee Berthine schrieb am 18.03.2010 um 22:56
@ weltzeituhr,
da haben sie wohl vor lauter Ticken irgendwas gehört, aber von mir kamen keine gleichgültigen Geräusche.
Mir ging es lediglich um das Argument, etwas "sollte" doch bitte so und so sein. Das heißt nicht, dass ich es gleichgültig hinnehme, wenn Leute sich daneben benehmen, kriminell oder bösartig.
Aber es bringt (leider) nichts, denen zu entgegnen: Ihr solltet eigentlich anders sein, glaub ich.
Verstehen Sie mich jetzt besser?
hibou schrieb am 25.03.2010 um 13:04
im Herzen :-)
hibou schrieb am 25.03.2010 um 13:05
@rahab :-)
Carl Gibson schrieb am 18.03.2010 um 22:54
Verwerflich ist, dass gerade dort, wo junge Menschen für das Leben vorbereitet werden sollen, in Elite-Klosterschulen, wo ein ethisches Fundament gelegt werden soll, christliche Werte mit Füßen getreten und pervertiert werden - gerade von den bildungsbeflissenen Jesuiten etc.

Die Sexualmoral der katholischen Kirche passt nicht mehr in die Zeit!
Wenn man nicht weiter heuchlerisch Symptome therapieren will, müssen die Ursachen beseitigt werden.

Ein Bürger, der der Amtskirche den Rücken zuwendet, kann sich mit dieser Kirche und ihren Praktiken (Vertuschung, unter den Teppich kehren, Schweigen, Tabus aufrecht erhalten etc.) nicht mehr identifizieren.

Wasser predigen, aber Wein trinken - diese Bigotterie wurde schon vor der Reformation duchschaut, ebenso die Verstrickung in die Schuld in einer langen "Kriminalgeschichte" der Kirche ... von den ersten Christen bis zu den Faschisten ( Karlheimz Deschner, Abermals krähte der Hahn).

Es wird Zeit zur Reinigung, zum Gang nach Canossa, zur geistigen Erneurung, zu einer modernen, zeitgemäßen Kirche, die den Bedürfnissen des Menschen der Gegenwart gerecht wird.
Sonst wird es noch viel mehr Kirchenaustritte geben, auch bei den Protestanten, die eine scheinbar Schuldig-Gewordene, aber Aufrechte preisgaben und ziehen ließen, ... um die Moral zu wahren.

Carl Gibson
h.yuren schrieb am 18.03.2010 um 23:16
lieber carl, nicht nur die moral ist antiquiert bei den römern im vatikan, alles, alles ist da nur noch museal. das ist der hauptwert der institution: du findest uralte geschichte nachgespielt. die hierarchie vom betenden bettler bis zum oberhirten, mit unfehlbarkeitszertifikat, die hohe pharaomütze, die ollen zitate, die landessprachlich daherkommen, aber das alter von ein, zwei, drei tausend jahren nicht abschütteln können; der gespenstische glaube an auferstehung etc. die inhalte und die formen an allen ecken sind so alt, dass sie längst aus der zeit und verständlichkeit fallen, aber weiterbestehen wie schlechte gewohnheiten.
auf eine formel gebracht: wahn und gewalt wie eh und je. komplizenschaft mit anderem wahn und anderer gewalt überall und immerzu. pädagogisch gefährlich.
Carl Gibson schrieb am 19.03.2010 um 09:29
Das klingt alles sehr pessimistisch, lieber yuren!
Die Frage ist, stellt sich die katholische Kirche der Reform und Erneuerung ( auch in dogmatischen Fragen!) oder hinkt sie geistig-moralisch den Notwendigkeiten des modernen Menschen hinterher?

Auch die Kirche muss - wie der Staat und seine Politiker - für die Menschen da sein; also muss sie mit der Zeit gehen und alles Unzeitgemäße, ja Kranke aus dem Organismus entfernen.
Erinnert sei an den faulen Apfel im Korb, der alle anderen ansteckt und faul macht - oder an ein Krebsgeschwulst, das aus dem Körper herausgeschnitten werden muss, wenn nicht der ganze Korpus Krankheit und Vernichtung Preis gegeben werden soll.
Weshalb duldet die katholische Kirche ihre (mehrfach tätigen, längst überführten) "schwarzen Schafe", die sich weiter an Kindern versündigen, obwohl ihre Untaten seit Jahren auch höheren Etagen bekannt sind?
Weshalb duldet man Unzucht und ermutigt sie noch, indem man über Versetzung einem "Weiter so" Vorschub leistet?
Wo liegt die Verantwortung?
Beim kleinen schwarzen Schaf, das, durch Krankheit und Trieb determiniert, auch "moralisch" versagt oder auf höherer Verantwortungsebene, die das Versagen durchschaut, es aber nicht konsequent abstellt?

Als Savonarola mit seiner Kirchenkritik und Reformarbeit begann, war die katholische Kirche bereits zum Tode krank - heute, nach der Reformation, fast fünfhundert Jahre später, reichten schon wenige Korrekturen zur Erneuerung:
Der Abschied vom Zölibat und eine konsequente Umsetzung humanistischer Moral auf der Grundlage der Werte des Evangeliums.

Die Wahrheit wird euch frei machen, lehrte Jesus.
Was der Vatikan und der Heilige Vater von dieser Sentenz halten, ist mir nicht bekannt.
Carl Gibson
Lee Berthine schrieb am 19.03.2010 um 10:44
Jesus?
Hat der nicht auch gesagt, "dein Glaube hat dir geholfen" ?
Carl Gibson schrieb am 19.03.2010 um 11:02
Dein Glaube ...an Gott, als Summe des Guten (summum bonum)!
Krankheit und Niedergang der Kirche (1000 Jahre nach der spätrömischen Dekadenz) verweisen auf das Gegenteil davon!
h.yuren schrieb am 19.03.2010 um 21:35
lieber carl, das muss ein missverständnis sein. nein, ich bin nicht pessimistisch, vielmehr bin ich optimistisch, dass jeder spuk vorübergeht, die frage ist nur, wann.

dostojewskis großinquisitor, ein stück aus dem roman Die Brüder Karamasow, beschreibt die lage der kirche im 19. jahrhundert recht gut. es geht vor allem um machterhalt.
wenn die oberen weiterhin so ungeschickt lavieren, ist die macht freilich nicht zu halten. mal abgesehen von den problemen in der krisenhaften weltgesellschaft.
Carl Gibson schrieb am 20.03.2010 um 19:00
Es bleibt wohl beim Kreuz mit dem Kreuz, lieber h.yuren! Die Katholische Kirch wird der Welt sicher noch eine Weile erhalten bleiben, auch wenn sich der Vatikan noch so manche Eskapaden leistet.

Ich erinnere mich noch ganz dumpf an die Probleme der Vatikan-Bank (Banco di Santa Spirito?) wo eine gewisser Kardinal Macinkus? Jahrzehnte vor der globalen Finanzkrise ein kleines Debakel auslöste und das Interesse der Öffentlichlkeit auf die Anlagen und Geschäftsaktivitäten des Kirchenstaates lenkte.

Einiges war wohl jenseits von Gut und Böse, von christlicher Ethik und Moral.

Dann kamen die Kindesmißbrauch-Fälle in den USA und im erzkatholischen Irland - was wurde daraus?
Krochen die schwarzen Sutanen einsichtig und reuevoll zum Kreuz mit einem "mea maxima culpa" auf den Lippen?
Verbal vielleicht!
De facto aber machten sie weiter - nach Canossa, in Deutschland, in der sauberen und prüden Schweiz Calvins und sonstwo, nach dem Motto:
Alles untern Teppich - nur nicht an die große Glocke!
Die Welt könnte davon erfahren und die Christenheit in Verruf bringen! (Gerade jetzt, wo das Abendland von der Islamisierung bedroht ist quasi als Retourkutsche für die Kreuzzüge ins Heilige Land!)

Die Medien sagen, der Papst schweige immer noch - zur übergroßen Schuld!
Weiter so?
In erzkatholischen Bistürmern wie Bamberg soll es schon zu Massenkirchenaustritten gekommen sein.
Carl Gibson
h.yuren schrieb am 20.03.2010 um 23:43
allerdings, lieber carl, das kreuz mit dem kreuz bleibt uns noch eine ganze weile erhalten.
aber mal abgesehen von den entgleisungen der geweihten und ihrer oberen, die jetzt gerade im gerede sind, das menschenbild der katholen ist schrecklich antiquiert und gehört eigentlich verboten.
das knien, nicht vor dem großen geist, sondern vor dem stellvertreter, das handküssen mit kniefall passt prima in vergangene jahrhunderte.
und das gebet: "Herr, ich bin nicht würdig, dass du eingehst unter mein Dach ..." offenbart eine herrenmoral, der die sklavenhaltung andrerseits entspricht. ist so was mit der menschenwürde vereinbar?
ich meine, nein.
Carl Gibson schrieb am 21.03.2010 um 00:16
Die Opfer sind mit der Botschaft des Papstes, noch mehr aber mit den Konsequenzen aus dem Missbrauch-Fällen unzufrieden. Es sind wohl Schweigegelder geflossen - und die Akteure der Vertuschung, die zuständigen Bischöfe kamen ungeschoren davon.
Zu Deutschland schwieg der Papst, obwohl die gesamte Dimension des Skandals noch nicht absehbar ist.
Also dürfen wir annehmen, lieber h. yuren, das es auch in Sachen Sexualmoral (Zölibat) und dogmatisch-moralischen Festlegungen beim Alten bleiben wird. Alles nicht so schlimm!
Also Schwamm drüber!
Erneuerung, Reform, Flexibilität im Miteinander der Religionen und Kulturen, das bleibt Zukunftsmusik.
Und die Diskriminierung des Schwachen Geschlechts im Katholizismus ist etwas, was die emamzipierten Frauen von heute selbst mit der Altherrenrunde im Vatikan ausmachen sollten. Carl Gibson
Carl Gibson schrieb am 22.03.2010 um 13:36
Nachtrag zum Schweigen der Hirten: Eine Spiegel-TV-Sendung auf RTL gestern (21. März 2010)brachte noch mehr Klarheit: Die römisch-katholische Kirche deckt ihre Missetäter (Fall Peter H.), obwohl die Straftaten den Bischöfen bekannt waren. Selbst Wiederholungstäter werden wieder auf Schutzbefohlene losgelassen. Einzelne Bischöfe (Marx, München) weigern sich, im Detail öffentlich Stellung zu nehmen.
Carl Gibson
hibou schrieb am 25.03.2010 um 13:07
empfehle zur Lektüre: Hans Kühner, Das Imperium der Paepste, Classen 1977, Zürich. Aber nur, wenn man Blut sehen kann
Carl Gibson schrieb am 25.03.2010 um 13:26
Wer sich mit der Geschichte des Papsttums auseinandersetzt, wird notwendigerweise in der "Kriminalgeschichte des Christentums" landen.

Er wird dort vieles vorfinden, was heute noch im Gebrauch ist, den "Nepotismus" eines Alexander (Rodrigo Borgia) etwa ... unter den harmlosen Sachen oder Unzucht (ebenda), dann aber auch schimmere Dinge wie Genozid ( Ausrottung der Katharer in den Albigenser-Kriegen, Ausrottung der Templer aus Habgier und Bereicherungssucht, den "Hexenhammer" (gegen emanzipierte Frauen!), Duldung von Verfolgung und Deportation etc. etc.

Wer es philosophischer will, dem sei Nietzsches "Antichrist" empfohlen - mit dem Untertitel: Fluch auf das Christentum.
Der aufgeklärte Protestant Nietzsche wusste, wovon er redete!
Die Kinderschänder und Päderasten von heute sind nur ein schwacher Schatten dessen, was sich in 2000 Jahren n. Chr. Geburt so alles an Unmoral und Verbrechen angesammelt hat.

Wollen wir das alles vergessen?
Schwamm drüber?
Schnnee von gestern?

Oder muss sich die römisch-katholische Kirche ihrer dunklen Geschichte stellen - bis in die Jetztzeit hinein?
Carl Gibson
SiebzehnterJuni schrieb am 25.03.2010 um 14:43
Ich bin gegen Kirchenaustritt:

1.weil ich weiter Orgel üben will!
2.weil sonst auf Dauer die Musik und die musikalische
Ausbildung keine Zukunft mehr hat.
3.weil dann auch das Angebot an sozialen Diensten
gegen Null gefahren wird. (Kindergärten,
Familienberatung etc.)

Also, wie heißt es soschön in Berlin:

evangelisch - aus gutem Grund!
Carl Gibson schrieb am 25.03.2010 um 14:52
Gute Gründe sind das, SiebzehnterJuni.
Ein Philosoph hingegen, der moralisch neutral und unbefangen an die Materie herangehen will und ein kritischer Bürger, der vielleicht katholisch getauft und erzogen worden ist, sieht die Dinge etwas anders.
Er muss mit der Moral dieser katholischen Kirche leben können - und er muss mit der verbrecherischen Geschichte der katholischen Kirche leben können.

Genau so wie sich Menschen von totalitären politischen Systemen abwenden, kann man sich auch von Religionen abwenden, die das Blutvergießen legitimieren und Waffen segnen.

Der Buddhismus kam tausende Jahre ohne Blutvergießen aus.
Carl Gibson
Angelia schrieb am 25.03.2010 um 17:57
Ich kann mit diesem Artikel nicht viel anfangen und meine erste Frage wäre auch gewesen, was sind denn christliche Werte? Im Grunde ist die Kath. Theologie, Moral- und Ethiklehre nicht schlecht. Sie basiert auf den Klassikern der griechischen Philosophie und so entwickelte sich halt auch das Moral- und Ethikverständnis der Kath. Kirche. Ein wesentlicher Unterschied ist halt, dass Glauben eben immer einen Gott voraussetzt und das menschliche Wesen komplett negiert. So wundert es auch nicht, dass der Vatikan in den transzendenten Ebenen seiner Gedankengänge hängen geblieben ist und den Weg zurück in das menschliche Dasein erst gar nicht mehr antrat. Die Folgen erleben wir gerade.

Dieses Manko des Verlustes zu menschlichen Bezügen mag sich vielleicht noch vor 50 Jahren als unproblematisch für Authentizität und Glaubwürdigkeit der Kath. Kirche gezeigt haben. Es ließ sich halt mehr verschleiern. Doch nun, im Zeitalter der explodierenden Wissenschaften und medialer Wissens- und Informationsflut entwickelt sich dieses Versäumnis zu einer echten Sinn- und Authentizitätskrise für den Vatikan.

Menschen brauchen in irgend einer Form metaphysische Bezüge, insbesondere, seit dem sie den Bezug zur Natur und zu sich selbst als Mensch immer mehr zu verlieren drohen. Ich habe als Agnostikerin ehrlich gesagt keinen Plan, ob und wie man Religionen und deren Institutionen reformieren und am menschlichen Wesen orientierter gestalten kann ohne den Glauben selbst ad absurdum zu führen.

Aber ich würde wie Voltaire behaupten, gäbe es keinen Gott, so müsste man ihn erfinden. Und somit kann ich mir im Wesentlichen auch keinen institutionslosen Glauben vorstellen. Warum also sollte ich mich an einer Generalabrechnung mit der kath. Kirche beteiligen, der ich ohnehin nicht angehöre?
Carl Gibson schrieb am 25.03.2010 um 18:24
Es geht hier nicht um Generalabrechnung, Metaphysik, Gottesbeweise, Dogmatik etc. - es geht hier nur um "Sexualmoral" der Gegenwart.

Der evangelische Pastor genießt die Freuden diese irdischen Jammertals (den profanen Sex!) im sanktionierten, ehelichen Verhältnis, ohne Schuld auf sich zu laden, ohne zu sündigen.

Der katholische Priester hingegen, der im unnatürlichen Zustand des Zölibats leben muss, schleicht sich in die Zimmer von Frauen, lebt dort seine Lust aus, sündigt, belastet sein Gewissen und seine Institution, die das alles duldet und dann noch die Alimente für die gezeugten Kinder bezahlt (aus der Kirchsteuer).

Ist das nun richtig?

Weshalb toleriert die katholische Kirche diese Heuchelei, gegen die seit Jahrhunderten angekämpft wird?
Weshalb wird der Zölibat nicht abgeschafft?

Aus der Beibehaltung des Zölibats erwachsen Perversionen, die zu Kinderschändungen, Missbrauch etc. führen.
Die Fälle in den USA, in Irland und hier in Deutschland, wo ein katholischer Priester einen Schutzbefohlenen zu Oralsex verleitet oder zwingt, sprechen da eine klare Sprache.
Versagen ist menschlich - und das Fleisch ist schwach.
Aber die Institution Katholische Kirche muss das nicht alles hinnehmen und auch noch unter den Teppich kehren bzw. den schuldig gewordenen Priester erneut auf Kinder loslassen.
Hier geht es also nicht um die Rechtfertigung eines Ideals (christliche Werte), sondern um nackte Sexual-Wirklichkeit - speziell um die Umsetzung der Moralvorstellungen (Zölibat) in der Praxis, die aus oben genannten Gründen nicht funktionieren.
Carl Gibson
Achtermann schrieb am 25.03.2010 um 21:20
Du schreibst: „Aus der Beibehaltung des Zölibats erwachsen Perversionen, die zu Kinderschändungen, Missbrauch etc. führen.“

Deine These stelle ich in Frage. So einfach funktioniert Psychologie nicht. Eine Rolle, wenn nicht die mit Abstand größte, dürfte spielen, dass Menschen mit besonderen sexuellen Neigungen sich zu einem Beruf sich hingezogen fühlen, der den Zölibat voraussetzt. Hätten die Verantwortlichen dieser kirchlichen Vereinigung nicht selbst ähnliche Vorlieben, wären diese kriminellen Taten durch die Einschaltung der Staatsanwaltschaft unterbunden worden. Die Abschaffung des Zölibats bedeutete, dass im Laufe der Zeit andere Charaktere diesen Beruf ergriffen. Damit wäre die römisch-katholische Kirche von einigen Lasten befreit. Doch die Pädophilen wären damit nicht aus der Welt geschafft.
Carl Gibson schrieb am 25.03.2010 um 22:05
In vielen alten Kulturen war es üblich, dass die "Diener" einer Gottheit einzig und allein für diese Gottheit da waren, sich opferten und auf persönliches Glück (Ehe etc.) verzichteten.
Nur "Reine" wurden zu diesem Priesteramt zugelassen, "Jungfrauen" oder eben "Priester". ( Das setzte sich im Mönchtum fort)
Die Dienerschaft an Gott setzt also einen asketischen Altruisus voraus. (Hingegen ist nicht bekannt, dass Pädophile der Antike in Priesterämter gedrängt hätten.)

Das Problem heute: Auch wahrhaftige Christen, Berufene, die katholische Priester oder Mönche werden, können von ihrem Weg abfallen. Nicht zuletzt ist es unsere "Sex-Gesellschaft", die tradierte Werte in Frage stellt und auch "verführt".
Carl Gibson
SiebzehnterJuni schrieb am 25.03.2010 um 22:10
ich würde auch Ihnen einmal empfehlen:

"Befiehl Du Deine Wege und was Dein Herze kränkt, der allertreusten Pflege, des der den Himmel lenkt"

Nehmen Sie sich den Text mal vor und philosophieren Sie mal darüber...
Angelia schrieb am 25.03.2010 um 23:12
Im Schnitt werden in Deutschland lt. BKA ca 15.000 Kinder jährlich sexuell missbraucht. Die Dunkelziffer schätzt man höher. In der Gesellschaft herrscht aber kein Zölibat. Im Gegenteil. Wie also kommen Sie zu der Annahme, der Zölibat sei ursächlich für Kindesmissbrauch i.d. kath. Kirche?

"Die kath. Kirche" kann und konnte noch nie wirklich ihre eigenen Moralvorstellungen leben, weil die kath. Kirche nun mal auch nur aus Menschen besteht. Aus diesem Grund kann der Missbrauch von Kindern in der kath. Kirche nicht anders behandelt werden, als jeder andere Missbrauchsfall auch. Moral ist m.E das, was Menschen für moralisch halten.

Der sexuelle Missbrauch von Kindern hat aber nichts mit Moralvorstellungen zu tun, sondern ist schlicht ein Verbrechen. Es verletzt das Persönlichkeitsrecht der Kinder auf eine eigene sexuelle Entwicklung und beeinträchtigt dadurch deren ganzes weitere Leben.

Bei Missbrauch/Vergewaltigung ist auch nicht zwangsläufig der Sexualtrieb die treibende Kraft. Es sind verschiedenen psychische Komponenten, wie z.B. Dominanz- Machttriebe und andere.

Das Problem ist m.E nicht der Zölibat, sondern die Möglichkeiten der Kirche zur Deckung der Taten. Und, dass immer noch viele Menschen annehmen, eine Institution wie die Kirche sei der letzte Hort von Anstand, Tugend und Moral und man könne sich und die Kinder ohne Bedenken in deren Obhut geben. Dem ist nicht so.

vG Angelia
hibou schrieb am 26.03.2010 um 08:45
"gäbe es keinen Gott, so müsste man ihn erfinden"
aber wir haben doch Fussball?
SiebzehnterJuni schrieb am 25.03.2010 um 19:47
Was fehlt, sind gute Predigten! Hier mal etwas von meinem "Favorite Professor"

Liederpredigt - prof.dr.lothar steiger,heidelberg

„Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt!" Dass die Art, wie Kinder lernen, die Art des Lernens überhaupt ist, nämlich am Anfang gar nichts, dann recht wenig und später mehr und schließlich vieles zu verstehen von dem, was einem zu lernen gegeben und auferlegt ist, das muss auch der Erwachsenen Richtschnur und Maß, ja unser Mittel und Trost sein, für uns, die wir alles sogleich verstehen wollen. Ach, wenn wir nur lernen wollten, was im selben Augenblick verständlich wäre und lohnend zu behalten schiene, wir würden nie zur Welt gekommen sein, weder einen Baum noch die Sonne kennen gelernt haben. Sondern in Mutters Bauch würden wir heute noch sitzen und ratschlagen, ob geboren zu werden verständlich und zu leben lohnend wäre. Aber dahin ist es nicht gekommen, sondern auf einen Weg haben wir uns stellen lassen, nein legen, noch ehe wir gehen konnten, und ans Licht ziehen, um Baum und Sonne zu sehen. „Befiehl du deine Wege!" Dass ein Mensch nicht befehlen kann seinen Wegen, nämlich wie sie verlaufen, nicht ihnen, sondern sie befehlen muss, nämlich einem anderen, der nicht er selber ist, das ist, philosophisch gesprochen, ein identischer Satz. Wer unterwegs und nicht daheim ist, muss anheim stellen, ja darf es tun! Wege gehen zu müssen, ist, biblisch verstanden, keine Bedrohung, sondern eine Erlaubnis. Nicht auf der Stelle musst du treten und nicht im Kreis musst du laufen, sondern was du gehst, das sind Wege. Was du heute bist, das bist du nicht für immer. Was heute verborgen ist und zu begreifen schwer fällt, das kann morgen aufgehen und leicht werden.
Die Wege sind nämlich dazu da, dass uns nachträglich aufgeht, was wir einmal gelernt und doch nicht klar verstanden haben. Eines schönen Morgens beim Frühstück, wenn du die Zeitung liest - oder eines Mittags beim Kartoffelschälen - sagst du aha! und wirst eine Vorlesung oder Seminarstunde oder eine Stelle aus einem Buch nach Jahren verstanden haben. Wege, die man nicht nur handhaben, sondern wirklich gehen muss im Leben, sind, biblisch verstanden, Methode und Mittel, die zur Einsicht führen. „Weg hast du allerwegen, an Mitteln fehlt dir's nicht." Und: „dein Gang ist lauter Licht". Von Gott dem Herrn und Schöpfer aller Dinge wird dies zuerst gesagt, von seinen Wegen und seinem Gang, weil er uns, wie wir schon wissen, das Studium und Püppchenspiel vormacht, auf dass wir mitspiele
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und auch Wege gehen. Dahocken und Schreien und Nur lernen, was jetzt begreiflich ist, war der Holzweg. Vergessen hatte ein Menschenkind, er oder sie, sich einen geheimen Informationsvorsprung zu geben oder Schatz des Unverstandenen zuzulegen. Sie würde der Zeitung nie und nimmer etwas entnehmen und er die Kartoffeln nicht gerne schälen. Sondern das Wenige, das du vorher verstanden und nachher behalten hast, deine traurigen Abschlusszensuren: das wäre dein Wissensstand und -vorrat für immer.
Ware dies beschlossene Sache, wir brauchten das Semester erst gar nicht zu eröffnen. Alle Schulen dürfte man schließen. Gesetzt, ein lehrender Mensch hätte sich an seinen Lehrerfolg zu halten und daran, was sichtbar gelernt wurde von einem Studenten, Schüler oder einem kleinen Strick, er konnte sich sogleich einen großen nehmen. Nun aber heißt es: ,,dein Tun ist lauter Segen". Darfst fortfahren zu lehren, auch wenn dein Hörer Nullbock auf nichts hat.
Es ist übrigens nicht wahr, dass ein Mensch nur lerne, worauf er Lust hat. Was wir nicht verstehen, aber das ,,Herze kränkt", das lernen wir nur allzu bereitwillig und gut. Da sind wir Einserschüler und preisverdächtige Forscher, zeigen Übereifer sogar im Auswendiglernen, nehmen auf die Seele und zu Herzen, wenn es nur schmerzt, können vieles Par Coeur und by heart, wenn es um das unlustige Lernen geht, sich Beleidigungen zu merken und Verletzungen nicht zu vergessen. Bücherregale und Datenbanken konnten dieses Wissen nicht fassen und speichern. Vor Neid erblassen müsste da ein ungekränktes Herz! Ach nein, vor Schrecken blass muss dann dasselbe Herz werden und hurtig das Gegenwissen lernen und die Gegenstrophe auswendig sagen: ,,Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt..." Denn Wege muss einer wissen, wenn er zu wenig weiß, die muss er gehen, um mehr zu erfahren. Und Wege muss einer wissen, wenn er zuviel weiß, die muss er gehen, um alles los zu werden. Abfalle an Wald- und Spazierwegen, das kennt man ja. Was Stadt und Forstamt verbieten, das ist bei Gott erlaubt. Durch Krankungen wird ein Mensch Wege geführt, die durch Gestrüpp und Dunkelheit gehen. Ins Freie soll er so gelangen und zu einer Lichtung. Mehr wird er künftig wissen und gesehen haben vermittels jener befohlenen Kränkung. ......."
Achtermann schrieb am 25.03.2010 um 21:41
SiebzehnterJuni, Du formulierst weiter oben:

„Ich bin gegen Kirchenaustritt: …weil dann auch das Angebot an sozialen Diensten gegen Null gefahren wird (Kindergärten, Familienberatung etc.).“

Ich vermute, Du unterliegst einer Fehleinschätzung. Die Kirchen und die christlichen Politiker aller Parteien stellen die Situation gerne so dar, doch sie stimmt einfach nicht. Und zwar deswegen, weil der mit Abstand größte Anteil der Kosten an diesen kirchlichen Einrichtungen nicht von den Kirchen selbst, sondern vom Steuerzahler getragen wird. Prüf mal nach, wie hoch der kirchliche Anteil an den finanziellen Belastungen einer Kindertagesstätte ist? Die Eltern, die Länder, die Kirchen tragen einen Teil. Doch das Sagen und in diesen Einrichtungen haben diejenigen, die den kleinsten Kostenanteil beisteuern. – Dafür sacken sie das Renommee ein, das ihnen gar nicht zusteht. So heilig und so gerecht ist die Welt der Amtskirchen.
SiebzehnterJuni schrieb am 25.03.2010 um 22:12
der Anteil der Kirchen beträgt 75% !!
Rahab schrieb am 25.03.2010 um 23:19
woher hast du diese zahl? und was ist darin alles enthalten?

Ich weiß ja nicht, wie hessen-nassau das handhabt. aus berlin weiß ich, dass die berliner landeskirche am liebsten kitas übernahm, die zu deutlich mehr als 25% vom land finanziert waren. wenn nicht mindestens 90%, dann winkte kirche dankend ab!
dies dürfte sich nicht geändert haben, seit die EKiBB noch größer geworden ist.
SiebzehnterJuni schrieb am 26.03.2010 um 06:01
ich stamme aus einem Pfarrhaus in NRW und hatte Eiblick!

Aber wichtig ist doch die Gesamtsituation der Kirche nach den Austritten. Das ist doch extrem komplex.

Es ist zu trennen zwischen Personalkosten, Betriebskosten und Investitionskosten/Baukosten! Den Bau bezahlt die Kirche komplett selbst!

Und das Beratungsangebot bezahlt die Kirche komplett selbst.
Rahab schrieb am 26.03.2010 um 09:24
und ich saß in einem berliner gemeindekirchenrat und habe eine kita mitgebaut - das heißt: ich mußte gucken, wo das geld herkommt! da habe ich eine ahnung darüber gewonnen, wie stark interessiert die landeskirche daran ist, möglichst viele der kosten nicht tragen zu müssen. das ist subsidiarität so rum und so rum.
luggi schrieb am 25.03.2010 um 23:19
Wenn sich das so weiter entwickelt, dann tritt die Kirche aus Scham aus sich selbst aus, und das wäre gut so.
hibou schrieb am 26.03.2010 um 10:02
aus sich selbst austreten is für viele das einzig richtige!
Deaktivierter Nutzer schrieb am 25.03.2010 um 23:55
In welchem Maße ohnehin schon in ihrer natürlichen Sexualität Gestörte den katholischen Priesterberuf ansteuern, womoglich gar in der Hoffnung, als Pädophile "bessere" Wirkungsmöglichkeiten vorzufinden, in welchem Maße wiederum sich solches durch den Zölibat dann erst oder dann erst recht entwickelt, vermag ich nicht zu sagen, und es zählt letztendlich auch nicht, wie sich dies statistisch genau verteilt.
Fakt ist für mich, dass der katholischen Kirche in diesem Zusammenhang noch immer nicht im hinreichenden Maße das Handwerk der Unterdrückung und gnadenlosen Heuchelei gelegt wurde.
Ich habe mich mit den katholischen Kindergärtnerinnen meines jüngeren Sohnes sehr gut verstanden; aber was meine Söhne hier schon erfuhren, in Hammelburg, als "Ungläubige", den Ethik-Unterricht schikanös auf den Nachmittag oder gar Nachmittage gelegt, ansonsten noch von Mitschülern, die dies ja nur "von oben" haben konnten, dazu schweige ich jetzt erstmal stille.
Der hiesige katholische Pfarrer, von dem die Spatzen von den Dächern pfiffen, dass er seit Jahren eine feste Freundin hatte, wurde von der Kirche gekündigt, als er sich schließlich (was ihm zur Ehre gereicht) zu dem daraus entstandenen Kinde bekannte; und das Wehklagen darüber war groß; allein, er hatte sich in diesen Vertrag begeben, und von Kirchenaustritten derer, die solche Praxis doch durch ihre Mitgliedschaft in Wirklichkeit billigen, hörte ich nichts.
Halbschwanger gibt es nicht.
Carl Gibson schrieb am 26.03.2010 um 12:03
Das "Vorbild" ist wichtig, gerade für heranwachsende Menschen, die auf der Grundlage dieser Werte ein Ethos begründen, das sie durch das Leben führt.

Ich persönlich erlebte eine noch realtiv intakte, ja elitäre katholische Kirche, war schon als Kind etwas ungläubig, wurde Ministrant, suchte und fand bei den selbst verfolgten Katoliken Allierte und Solidarität in der Opposition, trat später in eine "C"-Partei ein, trat enttäuscht nach ca. zwei Jahren wieder aus und verließ die katholische Kirche im Alter von 33 Jahren, einsichtig wie ein Prophet in der Wüste, nicht nur aus materiellen Gründen.

Aspekte wie "Inquisition", "Index" Heuchelei machten mir zu schaffen und zersetzten das positive Vorbild meiner Jugend.

Papst Alexander (Rodrigo Borgia) hatte vier Kinder - darunter die schöne Lucrezia, den berüchtigten Machtmenschen der Renaissance ( nach Machiavelli) Cesare Borgia.

Savonarolas Versuch, die Kirche zu reformieren, begann als Opposition gegen die Krankheit der Kirche.
Borgia ( mit seinen Nepoten als Kardinäle und weltlichen Fürsten) bedeutete einen Gipfel der "christlichen Dekadenz"

Wo ist das positive Vorbild der Katholiken heute?
Carl Gibson
Fox schrieb am 27.03.2010 um 13:45
Auch ich zähle mich zu den evangelischen Christen und bin dadurch ein wenig voreingenommen. Gestaunt habe ich jedoch schon immer, dass die Katholische Kirche so an ihrem Zölibat festhält. Macht sie doch das Amt des Papstes an Petrus fest und der war bekanntermaßen verheiratet. Paulus, ein Jude mit römischen Pass (wie er dazu kam, haben wir nicht erfahren), war derjenige, der der jungen Kirche seinen Stempel aufprägte. Er war philosophisch gebildet und ein Weltmann. Da zeigte sich schon ganz früh, wie ambivalent die Katholiken ihre Welt sahen.
Und was den Kindesmißbrauch anbetrifft, bin ich sehr erstaunt über das Ausmaß. Es scheint mir, dass die Bevölkerung zu einem gewissen Grad mit Pädophilen belastet ist. Warum sollte die evangelische Kirche von diesen befreit sein? Bisher kam nur die Spitze des Eisbergs heraus. Warten wir mal ab, was noch kommt.
Carl Gibson schrieb am 27.03.2010 um 14:08
Das sehe ich ähnlich, Fox! Ich bin nicht ganz bibelfest, aber nach meinem Informationsstand kann die zölibatere Existentenzform nicht aus der Bibel ( dem Neuen Testament) hergeleitet werden. Petrus, der als Jude ein Untertan des Römischen Imperators war, also Staatsbürger "mit Pass", und andere Apostel sollten Familie (Frau und Kinder) verlassen, um nur für die Verkündung der Bostschaft Gottes dazusein, also um nur "einem" Gott zu dienen - in Reinheit, nicht in "Sünde".
Ergo ist Ehe ( aus katholischer Sicht) irgenwo auch Sünde, selbst wenn sie kirchlich sanktioniert ist? Ein Fall für Dogmatiker.
Die Praxis aber verlangt eine konkrete Realitätsbezogenheit.
Die Katholische Kirche erweist sich keinen guten Dienst, wenn einer ihrer Priester allzumenschlich dem Weg der Sünde folgt und vor den Augen der Gemeinde Liebschaften hat, Kinder zeugt etc.
Die Menschen vor Ort sehen den sündigenden Dorfpfarrer und sie schließen daraus auf die Verruchtheit der gesamten Kirche. Die Reformatoren des Protestantismus haben da schon Abhilfe geschaffen, nicht gegen das menschliche Versagen und Sündigen ( Päderastie), aber immerhin gegen die Bigotterie.
Carl Gibson
Fox schrieb am 27.03.2010 um 21:21
Nachtrag: Eigentlich habe ich mein Thema verfehlt, denn es geht ja um Kirchenaustritte, auch wenn der Blog mittlerweile in eine andere Richtung ging.
Vielmehr Grund zum Kirchenaustritt hatten die Katholiken doch in den vergangenen 2000 Jahren. Warum sollten sie heute,nach einem neuerlichen Skandal, die Kirche verlassen? Es ist doch nur ein weiterer Meilenstein in der Geschichte der katholischen Kirche. Vielmehr Grund hätte man zum Beispiel in der Zeit der Renaissance gehabt, da war doch die Moral der Katholiken am Tiefstpunkt. Mit Kardinal Ratzinger hat die katholische Kirche doch zumindest für uns Deutsche einen integren Mann, der zwar dogmatisch etwas umstritten, aber ich denke doch, sein Herz auf dem rechten Fleck hat. Im Gegensatz zu den Renaissance-Päpsten ist er ja ein rechter Heiliger.
Aber vielleicht stellt sich ja doch etwas ganz anderes heraus, was man heute nie wissen kann. Ich bin gespannt auf die Fortsetzung.
Carl Gibson schrieb am 31.03.2010 um 21:18
Während die Stimmen aus dem Volk, die eine "meschliche Sexualethik" in der Katholischen Kirche fordern, lauter werden,
holt die Vergangenheit auch hohe Würdenträger ein.

Das Wort von Bischof Mixa steht gegen die "Versicherungen an Eides Statt" der Betroffenen, der Opfer.

Was vor 40 Jahren "in Ordnung", Recht und Sitte war, nämlich körperliche Züchtigung, kann heute doch nicht Unrecht sein?

Das alles hatte man schon einmal gehört, nach 1945!

Ein Christ sollte wissen, dass Prügelstrafen und körperliche Züchtigunsmaßnahmen aller Art weder von Jesus verkündet, noch von der christlichen Ethik oder vom Humanismus eingefordert wurden.

Schläge bedeuten Gewalt - hier beginnt der Missbrauch.

Wer Gott (als der Summe des Guten) dienen will, sollte Theorie (Dogmatik) und Praxis (Arbeit am Menschen, Seel-Sorge) miteinander verbinden können.
Sonst hat er als Priester und Prälat seinen Beruf verfehlt!

Einsichtig: Kardinal Karl Lehmann!

Nach seinen Worten hat die Katholische Kirche die Tragweite der Missbrauchthematik unterschätzt.

Nach seiner Einschätzung befindet sich die Katholische Kirche inzwischen in einer tiefen Krise.
Carl Gibson
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