Carsten

Carsten Herkenhoff

20.03.2009 | 10:56

Richlings Satire Gipfel

In letzter Zeit hat es einiges an Aufhebens
um die älteste deutsche Kabarett-Sendung im Fernsehen,
“Scheibenwischer”, gegeben. Bruno Jonas ist ausgestiegen, hat Mathias Richling damit sozusagen das Feld überlassen und dieser wollte das
Grundkonzept neu überdenken. Er kam zu der Einschätzung, man müsse auch
Comedians die Chance geben,
in einer derartigen Sendung aufzutreten. Daraufhin entzog Dieter
Hildebrandt, der Vater der Sendung, der ARD den Titel und schwupps
wurde die Sendung unbenannt in “Satire Gipfel”.

Und wer die Sendung gestern gesehen hat und Mathias Richling etwas
kennt, war wenig enttäuscht. Wer ihn nicht so kennt, war dagegen
enttäuscht. Bei der Abendzeitung z.B. saß wohl jemand der ihn nicht
kannte und dauernd von einem HerrnRiechling” sprach. Gottseidank war noch jemand anders von der Abendzeitung wach und konnte seinen Kollegen korrigieren. Der Focus sah sich heute Morgen genötigt, das Fallbeil zu schwingen und sprach von einem Gipfel der Enttäuschung, was aber nur an der eigenen überzogenen Erwartungshaltung gemessen sein worden kann.

Richling ist halt immer ein Einzelspieler gewesen und als solcher
war er sehr gut. Da braucht man nicht viel, um zu konstatieren, dass er
es als Anchor-Man schwer haben wird.
Auch als Erfinder einer neuen Kabarettsendung hat er sich gestern
keinen Namen machen können, aber war das zu erwarten? Seine
Kabarett-Formate in den dritten Programmen sind schnell, aber unterm
Strich auch im Ablauf einfach gestrickt. Vielleicht hätte ein guter
Programmgestalter aus der Sendung mehr machen können. Angekündigt war
ja ein “Newsroom”, aus dem heraus gesendet werden sollte. Klang nach
einem Gegenkonzept zur Anstalt, aus der heraus das ZDF seine
Kabarettsendung sendet. Und gerade bei der derzeitigen Medienkrise,
wäre das ein ideales Bild gewesen, um daraus zu schießen.

Die eingeladenen Auftretenden hinterließen einen faden Geschmack, es
sah aus wie eine allenfalls zweite Reihe deutschen Kabaretts. Nach
Richling sei die deutsche Kabarettszene nicht sonderlich breit gestreut, das macht  in den Mitternachtsspitzen und in der ZDF-Anstalt
allerdings einen anderen Eindruck, gerade verglichen mit guten
Comedians. Nur scheinen diese Leute nicht unbedingt zu Richling zu
kommen oder von diesem eingeladen zu werden. Der Einbezug von Comedians
in die ARD-Kabarettsendung war nicht sonderlich verkehrt, eine
derartige Öffnung ist auch wünschenswert, funktionierte früher nur eben besser.

So ist es innerhalb kürzester Zeit zu einer Ablösung der ARD als Vorzeige-Kabarett-Sender gekommen. Das ZDF führt mit Neues aus der Anstalt,
hat aber auch lange Lehrjahre mit Kabarettprogrammen und -sendungen auf
3sat hinter sich. Aber wenn sich die größten deutschen Sender um die
bessere Kabarett-Sendung streiten, ist das für das deutsche Kabarett
eine sehr gute Zeit.
 
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Carsten
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