Cartagena

Sonntagsidyll

12.04.2009 | 13:53

Das Tragen von Kutten schränkt das Denkvermögen ein

Einer von Deutschlands Oberpfaffen mag es mal wieder nicht mit ansehen, wie ihm seine Schäfchen, sprich überzeugte Gläubige, sprich zahlende Kundschaft abhanden kommt und hat passend zum Osterfest mal wieder zu stark am Kelch genippt.

Aus der vorab veröffentlichten Osterpredigt des Bischofs Mixa - Moment, da war doch was … ach ja, durchgeknallt oder faschistoide Züge, richtig - werden ein paar Zitate beim Spiegel zitiert. Und da schlackert man ganz schön mit den Ohren, wenn solche Sätze auftauchen wie “Wo Gott geleugnet oder bekämpft wird, da wird bald auch der Mensch und seine Würde geleugnet und missachtet” oder “Eine Gesellschaft ohne Gott ist die Hölle auf Erden.”. Oh weh, ich wusste nicht, dass es so schlimm ist.

Und dann, ja, ich kann es fühlen, will er die epochale Komponente regelrecht herausfordern und zitiert Dostojewski:

Ohne Gott ist alles erlaubt.

Damit begeht er einen Fehler, der oft genug von Personen gemacht wird, die dann einfach nicht mehr weiter wissen und gerade irgendetwas Hochtrabendes von einem bedeutenden Namen in ihren Kontext setzen. Gut, man soll ja Menschen bekanntlich, wenn schon, mit ihren eigenen Mitteln schlagen.

Would a theist seriously argue that because we are not permitted to park in front of fire hydrants, there must be a God? - Rober J. Fogelin

Hm?? Entschuldigung, ich war gerade nicht aufmerksam. Ich habe irgendwo gerade einen Ausgleich fallen hören. Wenn es überhaupt darum geht.

Na ja, und dann geht es eben weiter. Von wegen “die Unmenschlichkeit des praktizierten Atheismus haben im vergangenen Jahrhundert die gottlosen Regime des Nationalsozialismus und des Kommunismus mit ihren Straflagern, ihrer Geheimpolizei und ihren Massenmorden in grausamer Weise bewiesen”. Ja und Ihr habt oft genug nur Beifall klatschend dabei zugesehen. Wie war es denn, als Ihr 1933 gemerkt habt, dass Euch jemand an die dicken Ostereier will und die Nazis schnell gemerkt hatten, dass Ihr für ihre Stimmverluste verantwortlich seid.

Ach, stimmt ja, Hitler erlaubte Euch weiter zu kircheln und im Gegenzug hobt Ihr euer Verbot für Eure Glaubensgemeinschaft der NSDAP beizutreten. Keine Frage, es gab auch Ausnahmen, aber als Institution habt Ihr so genannten Gläubigen versagt.

Ich, als Agnostiker, spreche weder kategorisch für einen Gottglauben noch lehne ich ihn einfach so ab, aber mich und ein paar andere gleich als Unmenschen darzustellen, weil es ohne christlichen Glauben keine wahre Menschlichkeit gäbe, na ja, ich weiß nicht. Was mögen da dann erst Moslems zu sagen?

 
Senden Bookmarken Drucken
Kommentare
Magda schrieb am 12.04.2009 um 16:26
Hallo, hallo
Du bist ja noch einen Zahn schärfer als ich.
Ich habe vor einigen Tagen was kommentiert und mir Tadel zugezogen.

www.freitag.de/community/blogs/magda/unziviliertes-lamento-

Kannst Du nachlesen, wenn Du Lust hast. Aber ich gebe dennoch zu bedenken. Du bist aus meiner Sicht zu sehr im Rundumschlage-Modus.
Andererseits - man kann nicht immer differenzieren, wenn einer wie Bischof Mixa, den ich auch ganz besonders "genascht" habe, völlig undifferenziert herumhetzt an der restlichen Menschheit.

Wie gesagt, als ich ihn da neulich so sitzen sa, die reine Milde im Gesicht, aber im Grunde genommen ein geistloser aber machtbewusster Schwätzer, da ging auch bei mir der Hut hoch.

Um es ins Ökumenische zu bringen: Bei Bischof Huber wird mir auch ziemlich übel.

Guck mal hin.

In diesem Sinne
Frohe Ostern
Cartagena schrieb am 12.04.2009 um 23:09
Hallo Magda,

ich habe soeben Deinen Artikel gelesen. Ob ich da in der Tat einen Zahn schärfer war, weiß ich im Moment gar nicht mal zu beantworten :-)

Du liegst mit dem Rundumschlag-Modus natürlich völlig richtig. Und keine Frage, so etwas kann gefährlich werden. Aber erstens, hatten wir wohl beiden "grimmigen Spaß" beim Schreiben. Zweitens, wie Du schon richtig festgestellt hattest, kann man nicht immer differenzieren. Mitunter auch weil es einem manchmal als unmöglich erscheint, erst recht wenn die Sache oder Person, die man kritisiert selbst pauschalisiert, und zwar ohne Gnade.
Jedoch habe ich ja dann aber immerhin, die von Dir erwähnte 'coolness' schon längst abgelegt, und das halbwegs gebildet, will ich meinen ;-)

Mein Kommentar darf nun auch nicht so verstanden werden, dass ich etwas gegen die Kirche habe. Nein, nein, jeder soll auf seine Weise glücklich werden. Dennoch, da sind wir uns einig denk ich mir, sitzen auf manchen Plätzen dort die falschen Menschen. Wie es eben so oft ist.
Aber man liest oder hört eben viel über alles Mögliche und manchmal platzt einem der Kragen und dann muss man schreiben. Dann muss ich schreiben.
Irgendwie dann doch kein so ganz schlechter Kreislauf...
Columbus schrieb am 14.04.2009 um 21:04
Joachim, Cartagena,

"Kutte" als verständliches Bild. - Erklärt verstehe ich es. Aber, das Bild ist doch für die meisten Leser mit dem Bild und der Person eines Mönchs verbunden. Sogar für Atheisten, die das um Berlin herum, im Saarland allemal, zumindest in ihren Schulbüchern als "Mönch am Meer", im Kino und Roman als kuttentragende Mordaufklärer und Philosophie-Fans, als Atos-Mönche und verweltlicht als Maske so mancher weltlicher Firma (des Clans, der Spieler bei verbotenen Spielen) kennen können. Die echten Mönche neigen zu "ora et labora" und zur nachdenklicher und gläubiger Innerlichkeit, sind gute Gastgeber ohne Ansehen der Person, manches Mal Klausner und Beter, manches Mal helfende Hände. Sehr selten schwingen sie sich im kategorischen Eifer zu Hasspredigten und apodiktischen Urteilen auf, betätigen sich als Bilderstürmer oder religiöse Revolutionäre (Mönchlein, Mönchlein...), sehr selten erklimmen sie Prälatenstühle. Es soll allerdings einige Brüder geben, die lieber "General" spielen und Manager beraten, was sie wieder näher an Bischöfe und Kardinäle bringt und sowohl ihren Habit, als auch ihren Status verändert. Einmal auf diesem himmlichen Niveau angekommen, reden sie dann manchmal so wie Bischof Mixa zu Ostern. Dann ist Ihnen aber kaum noch zu helfen, denn superbia und acedia, die Laster des Hochmuts, der Eingebildetheit und des trägen Herzens, haben sie fest im Griff. Trotzdem werden gerade solche "Führungsfiguren" gerne zu Talkshows eingeladen und schreiben Ratgeber für die Mediengläubigen, weil es so schön kracht, blitzt und donnert und trotzdem gut schmeckt. Sie gelten auch als besonders "festes Fleisch" bei der Sicherstellung der Prärogative der Kirche. - Das gilt natürlich für viele Würdenträger, vieler Kirchen.

Ich finde, gemeinsame Blog-Anstrengungen, gerade hier, bei "der Freitag" lohnen sich, um die Bilder zu schärfen, d.h., deren Wahrhaftigkeit zu prüfen.
Frohe Ostern sind ja kein x-beliebiges Fest

Liebe Grüße

Christoph Leusch
Cartagena schrieb am 14.04.2009 um 23:06
Hallo Christoph,

da stimme ich Dir uneingeschränkt zu. Ich habe ja bereits eingeräumt, dass das Bild wohl nicht das best gewählte ist.

Diese Anstrengungen dürfen auch niemals aufhören. Das ist schließlich die essentielle Komponente des Blogs. Erst die Kommentare machen dort einen Artikel erst so richtig rund und komplett. :-)

Beste Grüße
Joachim Losehand schrieb am 13.04.2009 um 16:12
Die Kausalkette funktioniert leider umgekehrt: wer eine Kutte angezogen resp. in der Hierarchie aufsteigen will, muß ein eingeschränktes Denkvermögen und Konformität mitbringen. Das ist in Hierarchien so, dazu braucht's aber auch keine Kutten ...
Cartagena schrieb am 13.04.2009 um 16:29
Nun ja, soweit wollte ich dann doch nicht gehen bzw. manche Kirchenherren haben dann doch immer noch ihren ganz eigenen Sinn für Humor ;-)
Columbus schrieb am 14.04.2009 um 17:48
Lieber Sonntagsidylliker,

Hierarchisch dürften "Kuttenträger" in der RK-Kirche eher selten oben sein. Bischöfe und Prälaten tragen selten Kutte, schon gar nicht bei der Sonntagspredigt. Es gab schon Ausnahmen in der Geschichte, das waren dann die "Hunde des Herren", die Ausführenden der Inquisition, später manche Jesuiten, die aber auch nicht bevorzugt als "Kuttenträger" auftraten.

In der Frage der Menschenverachtung schenkten und schenken sich Atheisten und Gottesfürchtige nichts. - Ich schreibe das mit Bedacht, denn es gibt auch die reinen Seelen, die auf ihre Fahne "Glaube,Liebe, Hoffnung" nähen. Die werden aber sowohl von den Würdechristen, als auch von den getauften Christen, die aber partout nicht jesuanisch leben wollen, als auch von den Atheisten zumeist milde belächelt, schlimmstenfalls als Realitätsblinde abgelehnt.

Zweifel und vor allem der fortwährende Selbstzweifel sind die wahren Grundlagen des "Kuttenträgers".
Das sind die "Minderbrüder" unter uns, so jedenfalls wurden sie in alter Zeit genannt. Die verdienen Hochachtung und Respekt, selbst dann, wenn man nicht glaubt.

Tatsächlich war das 20 Jh. eher ein Anschauungsunterricht, dass, mit und ohne Gott, Alles erlaubt zu sein schien.

Grüße

Christoph Leusch
Joachim Losehand schrieb am 14.04.2009 um 18:21
Lieber Christoph Leusch, eine hier gemeinte "Kutte" muß keine Kutte sein, muß nicht einmal etwas anzuziehen sein. "Kutte" ist hier die Metapher für einen Habit(us); sozusagen ...
Cartagena schrieb am 14.04.2009 um 19:02
Sicherlich ist der Gebrauch des Wortes Kutte formal und dann auch inhaltlich nicht korrekt. Aber wie Joachim Losehand bereits sagte, es ist eine Metapher mit der, nebenbei bemerkt, die meisten etwas anfangen können, etwas direkt assoziieren können.
klagefall schrieb am 14.04.2009 um 22:54
Etwas offtopic, aber ich assoziiere mit "Kutten" eine vestimmte Art von Fußballfans, die gerade nicht so im medialen Mittelpunkt stehen, wie es die Ultras tun.

Ich bitte die Störung zu entschuldigen.
Cartagena schrieb am 14.04.2009 um 23:10
@klagefall Hehe, ja richtig. Die Fußballkutte! Damit ist diese Jeansweste gemeint, die mit allerlei Aufstickern (Wappen, Sprüche, etc.) verziert ist.

Ist ja quasi schon eine Inspiration für einen eigenen Artikel zum Thema Kutte, Begrifflichkeit und Formen :-)
Joachim Petrick schrieb am 15.04.2009 um 01:10
Hallo Cartagena,
vielen Dank!, dass mit Ihrem Beitrag der lutherische Protestantismus aus seiner Schockstarre zu Wittenberg, angesichts des dreisten Papstes Purpur Gloria Pop, Pomp, Prunk, Protz im Petersdom zu Rom, zu altem Poltergeist entzückt Botschaften des Freigeistes zündelnd, im Glanze der Worte Tanz, zurücke findet.
Was mich mit Ihnen als Bruder im Geiste verbunden findet.

Seit der kolossal kardinal klerikalen Ermächtigung der Unfehlbarkseiterklärung des Papstes „ex cathedra“ durch das dritte vatikanische Konzilium von 1870 wissen wir, das selbst in der Römisch-Katholischen Kiche nicht mehr das gesprochene, sondern nur das schriftlich vor- wie hintergelegte Wort vertragstauglich als verbindlich gilt.

Was die Frage aufwirft, warum Papst Benedikt XVI nicht den Holocaust per Unfehlbarkeitserklärung „ex cathedra“ geächtet, Adolf Hitler, Heinrich Himmler, Albert Speer u. u. postmortem exkommuniziert, bevor er die exkommunizierte Pius- Bruderschaft mit ihrem gewaltigen Spenden- Aufkommen wieder zurück in den Schoß der Katholischen Kirche unverhohlen unverstohlen geladen?

Insofern pflegt Bischof Mixa die alten, polternd lauten wie zischend leisen Weisen des brachial gesprochenen Wortes der reinen wie inquisitorischen Überlieferungskultur klerikaler Marktschreier von der Kanzel, in Mikrophone der Medien, die stellvertretend die Welt als Schall & Rauch uns deuten, nahe sakral klerikalem Krimi mit der Mimmi nächtlich „Smoking Gun“.
ff Teil II
Joachim Petrick schrieb am 15.04.2009 um 01:13
Teil II
Letztens hat Bischof Mixa bei Sandra Maischberger, angesichts der Weltfinanzkrise, auf sein, das der Kardinäle, wie des Papstes Benedikt XVI teures wie exclusives Out- Fit angesprochen, selbstentlarvend aus dem katholisch klerikalen Nähkästchen der Glaubenskongreation geplaudert.
Seine brillierend gegelte Plauderei gipfelte in der Antwort, die er scheinheilig eilig als Frage tarnte:
“Hat nicht selbst Jesus ein teures Gewand am Kreuze zu Golgatha getragen? Warum wohl sonst, haben die römischen Legionäre am Fusse seines Kreuzes um sein Gewand gewürfelt?“.

Worauf eine geladene wie ausgewiesene Atheistin, frei von missionarischen Eifer für gesellschaftlich praktizierte Gottesferne, den Bischof Mixa fassungslos wieder auf das Gleis seines Glaubens hob, dem er geradewegs ebenda entglitten, als sei er „In Persona“ das überdimensionierte mörderisch fehlgesteuerte Projekt „Transrapid“ in Ostfriesland.
“Aber Herr Bischof, muss ausgerechnet ich Ihnen die Bedeutung des Gewandes Christi erklären?
Das Gewand Jesu war den weltläufig römischen Legionären so teuer, weil es vom Messias der Juden, ebenda von Jesus war, doch nicht, weil das Tuch des Gewandes Jesu an sich so teuer in einer klerikalen Edel- Boutique erworben war“.
Worauf Bischof Mixa sichtlich purpur betreten, still & stumm, ertappt, kleinmütig aber leutselig vor sich, nichts- wie vielsagend, hinsann, bis ein anderer geladener Bruder in dunkelbrauner Kutte ihm, eilfertig gewogen, mit den Worten beisprang:
“Auch Christen sind nur Menschen und durchaus zu kleinen Eitelkeiten aufgelegt Ho! Ho! Ha! HA!“. Da war unversehens alles wieder im Lot.
Was lehrt uns das?
Wenn den Klerikalen aller religiösen wie politischen Farben wirklich kein Argument mehr einfällt, noch als Bote vom Himmel, der Partei, dem Verband kommt, fangen sie unerwartet an, umwerfend entwaffnend zu menscheln.
Was den Christen/innen wie Bischof Mixa, mit Gloria von Thurn & Taxis Gnaden. eine kolossal klerikal affirmative Dröhnung:
„Wo Gott geleugnet oder bekämpft wird, da wird bald auch der Mensch und seine Würde geleugnet und missachtet” oder
“Eine Gesellschaft ohne Gott ist die Hölle auf Erden“.
„Ohne Gott ist alles erlaubt“, kündet von der Not dieser Menschen im Glauben, voran Bischof Mixa, täglich einigermaßen klerikal dosiert, mit Gott annähernd so menschlich zu sein, wie andere ohne Gott.!, Gebrechen in, mit oder ohne Gott soll man/frau niemandem vorwerfen!, oder?
tschüss
JP
Cartagena schrieb am 15.04.2009 um 11:50
Eine andere Antwort auf Ihre Frage was uns das lehrt? Auch wenn pauschal formuliert: Glaube und Religion sind vielleicht gar nicht mal so verkehrt, wer weiß, wäre da nur nicht die (katholische) Kirche :-)
merdeister schrieb am 15.04.2009 um 07:33
Aber was soll der arme Mann denn machen? Er glaubt doch an das, was er sagt. Wahrscheinlich geisselt er sich jeden Abend für seine Eitelkeit und möchte nur lieb gehabt werden. Und wir, die kaltherzigen Atheisten und lauwarmen Agnostiker sind nicht dazu in der Lage Mixa zu lieben, weil Gott uns fehlt, so einfach ist das nämlich.
Der Bischof testet uns: Wer Mixa liebt, kann jeden lieben. Und Mixa liebt Mixa!
Joachim Petrick schrieb am 16.04.2009 um 18:02
Hallo Cartagena,

das klingt für mich eher arglos bis verharmlosend, wenn Sie schreiben“.. wäre da nur nicht die (katholische) Kirche :-) „, was ist mit den fundamental protestantischen Angelikanen, Calvinisten u. u. im Bibelring Nordamerikas, den schrillen Bibel- Missionsvereinen hierzulande die von Gemeinden geladen, den versammelten Gläubigen die Furcht vor dem Herrn auf alte Weise einflößen, nach dem umwerfenden Motto der Pastoren/innen, Kirchen- Vorstände:
“Die Amtskirche darf davon offiziell nichts wissen, auch wenn sie diese fundamentalen Missionare/innen in den geheiligten Räumen der Kirchen stillschweigend duldet!“.
Auf Nachfrage, sagt sodann der Pastor frischwärts munter, sich seine Hände in gespielter Unschuld waschend:
„Der geladene Missionar auf der Kanzel da.....predigt nur für sich, das ist nicht die Predigt, noch Meinung unserer Amtskirche, wenn Sie wissen was ich meine!?“.

Im übrigen, will es mir erscheinen, ist die Frage von Glaube, Unglaube und Religion keine Frage von richtig, falsch, gar verkehrt, sondern eine Frage der Wahrnehmung, dass Glaube, Unglauben wie Religion als Meinung unter anderen, einfach, schlicht und ergreifend, als vorausgenommene, wie behauptete Gewißheit wie Ungewißheit da, oder nicht!?
Dass der Glaube im Rahmen unserer Amtskirchen ein steuerlich wie durch Spendenaufkommen subventionierter Meinungsblock ist, wie Parteien, Gewerkschaften, Verbände, Stiftungen, gemeinnützige Vereine, Berufs- und Branchenorganisationen steht auf einem anderen Blatt.
Jawohl!Siestewohl!
tschüss
JP
ChristianBerlin schrieb am 19.04.2009 um 01:23
@Cartagena

Trifft Deine verallgemeinernd formulierte These auch auf Georges Lemaître zu?

Der soll in der Frage nach dem Anfang der Welt klüger als Einstein gewesen sein - obwohl er eine Sutane trug. Vgl.

de.wikipedia.org/wiki/Georges_Lemaître
Cartagena schrieb am 20.04.2009 um 14:20
Nein, natürlich nicht!

Eines habe ich aber auf alle Fälle gelernt: keine allzu plakative Titel mehr auf dem Freitag wählen. :-)
ChristianBerlin schrieb am 20.04.2009 um 14:41
Ach was - normalerweise versieht man eine gewagte Headline einfach mit einem Fragezeichen, und schon stimmt sie, auch wenn sie nicht stimmt - ist ein alter Redaktionstrick und nicht mal unseriös ;-)
Cartagena schrieb am 20.04.2009 um 14:56
Ehrlich gesagt, es freut mich, was Du schreibst. Ich bin nämlich ein Freund äußerst plakativer Überschriften. Unglücklicherweise kann man kaum noch mit anderen Hilfsmitteln als dem Vorschlaghammer Menschen zum selbstständigen Reflektieren bringen.

Ich muss auch zugeben, es hat mich ehrlich gesagt, etwas geärgert, dass es manchen hier wohl wichtiger war, den Wahrheitsgehalt der Überschrift zu ergründen und eine kleine Kuttendiskussion loszutreten. Aber gut, damit muss man immer leben sobald man öffentlich schreibt :-)
Der Freitag schrieb am 20.04.2009 um 14:56
Lieber Christian,
willkommen zurück ;)
Viele Grüße
Tessa
ChristianBerlin schrieb am 20.04.2009 um 15:13
@freitag

Liebe Tessa,

danke für die herzliche Begrüßung. Freut mich ebenfalls, wieder an Bord zu sein!

LG CB
ChristianBerlin schrieb am 20.04.2009 um 15:33
@Cartagena

Die Sachdiskussion interessiert mich natürlich brennend. Deren Tragödie ist, dass sie nicht stattfindet. Aus meiner Sicht gibt es ein Sprach- oder Verständigungsproblem. Hier, in Berlin schafft das aktuell extreme Polarisierungen, obwohl die Engagierten auf beiden Seiten eigentlich dasselbe wollen: das bestmögliche Recht auf freie Entfaltung für unseren Nachwuchs. Was fehlt, ist die Fähigkeit, hinter den Argumenten des des Meinungsgegners sein Anliegen zu erkennen ihm konstruktiv kritische einen realistischeren Weg zu dessen Verwirklichung anzubieten.

Hier, beim Freitag, in der Community hat das im Vergleich zur Berliner Diskussion erstaunlich gut funktioniert. Aus Deiner Kritik an Mixa lässt sich ebenfalls was machen. Vielleicht können wir das Verständigungsproblem ja noch weiter entschlüsseln. Ich komme darauf in Kürze zurück.
Cartagena schrieb am 20.04.2009 um 16:44
Absolut richtig Christian.
Viele Diskussionen und Argumentationen scheitern schlicht und ergreifend daran, dass die jeweiligen Seiten keine Lust/kein Interesse/es nicht einsehen, die Motivation einer Handlung oder einer Denkweise zu erkennen. Jemanden abstempeln funktioniert doch soviel leichter.

Ich bin gespannt, was da noch von Dir kommen mag :-)
ChristianBerlin schrieb am 21.04.2009 um 08:28
@Cartagena

Danke für die Vorschusslorbeeren - will sehen, was ich machen kann. Vergiss bitte nicht, zu widersprechen, wenn ich danebenliege. ;-)
ChristianBerlin schrieb am 20.04.2009 um 18:42
Ich muss - aus Zeitmangel - inhaltlich gleich Medias in Res gehen - in dem Versuch, Mixa und ähnlich Argumentierende zu verstehen/kritisieren.

Der Kern dieser Argumentation steckt im Dostojewski-Zitat, was Du ja treffend herausarbeitest. Dieses Argument bieten u.a. auch von Horvath (in seinem antifaschistischen Roman "Jugend ohne Gott"), Kant (in seiner Schrift über den "einzig möglichen" Beweisgrund Gottes) und möglicherweise unterschwellig auch ProReli an (man kann es hinter dem Slogan "Werte brauchen Gott" vermuten).

Mein Urteil: Es ist nicht schlüssig, aber es weist auf einen psychologischen Effekt hin, den das aufgeklärte Denken leider völlig unterschätzt.

Das Gegenargument von Fogelin, das Du zitierst, lässt sich zur Hälfte mit dem Hinweis entkräften, dass in dem Beispiel auch ein Glaube (statistisch messbar) für das Parkverhalten massgeblich sein wird - und zwar der an die Existenz einer Politesse.

So sind wir menschen gestrickt. Der enttäuschendste Beweis dafür ist das Milgram-Experiment aus den 60ern, das zuletzt 2008 mit identischen Ergebnissen wiederholt wurde.

Sobald der Versuchsleiter durch zwei weitere Personen verstärkt wird, wird das Gewissen in 90 von 100 Fällen mit Voraussagerelevanz schachmatt gesetzt. Nur 10 Prozent der menschlichen Population weisen einen Internalisierungsgrad auf, der solchen persönlichen Beeinflussungen standhält.

Und ähnlich ist es mit dem - an sich unvernünftigen - Parken vor dem Hydranten, mit dem Schwarzfahren (ohne Not), mit dem Finanzwesen etc. Sobald die Kontrollen abgeschafft werden, wird das Unvernünftige um kurzfristiger Vorteile willen attraktiver.

Ich vermute, die oben genannten beziehen sich auf dieses (ohne jeden Glauben messbare) Phänomen. Dabei sind sie überzeugt, dass der Glaube an Gott eine höhere Internalisierung von Werten und so (sozial wie individuell) letztlich vernünftige Handlungen begünstigt.

Richtig kann das allenfalls dann sein, wenn es sich um echten Glauben handelt und nicht lediglich um sozial gefügiges Verhalten (gewissenswidrige Lippenbekenntnisse auf Druck). Und falsch wird es, wenn es Ausschließlichkeit beansprucht. Es sind auch andere hochwirksame Internalisierungsfaktoren bekannt (z.B. glaubwürdige menschliche Vorbilder/Bezugspersonen, die aber keine Übermenschen sein wollen).

Interessant wäre, was die neueren Auswertungen der Milgram-Versuche über diese Hintergründe bei den 10 % moralisch gegen das Experiment Resistenten ergeben. Das müssten wir mal recherchieren...
Cartagena schrieb am 23.04.2009 um 11:55
Entschuldige, dass ich jetzt erst antworten kann.

Ich glaube, Du überschätzt das von mir angeführte Fogelin Zitat. Natürlich impliziert es, so wie Du so schön sagst, den Glauben an die Existenz einer Politesse. Aber erstens, ich denke wir befinden uns hier auch im Raume der Diskussion, gibt es so etwas wie Gott? Ich meine, wenn man nur durch ihn und mit dem Glaube an ihn menschlich sein kann, muss diese Frage erlaubt sein. Diese Frage ist aber bei der Politesse schon längst geklärt, möglicherweise zum Leidtragen mancher Anwesenden hier :-)
Zudem deute ich selbst das Zitat so, dass Fogelin es durchaus durch die Blumen sagen wollte, die Aussage "Ohne Gott ist alles erlaubt" ins Lächerliche ziehen wollte. Offen gestanden, ich finde die Aussage auch tendenziell lächerlich.

Deine Argumentationsweise mit dem Milgram-Experiment halte ich dennoch für sehr interessant und das könnte durchaus passen.
Es mag dann sogar sein, dass der Gottglaube die von Dir angesprochene Internalisierung von Werten initiiert. Aber eben wirklich nur dann, wenn es sich um einen echten Glauben handelt. Und danach kommen wir zu dem entscheidenden, essentiellen Punkt, und zwar die Ausschließlichkeit. Erstens, das Ausschließen aller Nichtgläubigen, zweitens aller Andersgläubigen. Denn laut Mixa klappt es ja offenbar nur mit dem christlichen Glauben.
Glücklicherweise benennst Du selbst Beispiele für weitere Faktoren.

Das einzige, was ich über neuere Auswertungen auf die Schnelle herausfinden konnte, dass vor zwei, drei Jahren Jerry Burger von der Uni Santa Clara in Kalifornien es gelungen ist, dass Experiment bei ähnlichen Bedingungen nochmals durchzuführen. Allerdings mit wesentlich geringeren Volt-Zahlen, dass dieses Mal auch Frauen unter den Probanden anwesend waren und dass zudem im Raum immer eine weitere dritte Person anwesend war, die sich grundsätzlich schockiert zeigte, sobald irgendwelche Regungen vom Schüler zu hören waren. Trotzdem schloss Burger das Experiment mit ähnlichen Ergebnissen wie Milgram selbst ab. Bzgl. einer Variante mit zwei weiteren Versuchsleitern ist mir bis jetzt nichts bekannt.
Cartagena
Informationstechnologe, Blogger, Netzjunkie und Gooner.
Ort:
Zweibrücken
Mitglied seit:
3 Jahre 16 Wochen
Zuletzt aktiv:
23.04.2009
Status:
Blogger
Aktivität:
Beiträge: 3
Kommentare: 27
Mein Projekt:
Logbuch
22:06
gerhard monsees hat gerade einen Kommentar geschrieben.
22:03
h.yuren hat gerade einen Kommentar geschrieben.
22:02
Der König von Prussia hat gerade einen Kommentar geschrieben.
22:02
Heiko Zorn-Bürger hat gerade einen Kommentar geschrieben.
22:01
heidenplejer hat gerade einen Kommentar geschrieben.
Jürgen Roth Gazprom – das unheimliche Imperium Westend Verlag 2012

316 Seiten. Gebunden.

19,99
 
Das Imperium Gazprom verfügt über eine eigene Armee und einen mächtigen Geheimdienst. An verantwortlichen Positionen arbeiten ehemalige KGB-Agenten, sein privater Besitz ist absolut geschützt, die Verantwortlichen sind unantastbar. Mit Hilfe williger deutscher und europäischer Industrieller versucht es, den Energiemarkt zu monopolisieren und die Verbraucher abzuzocken. Jürgen Roth enthüllt, wer hinter den Kulissen die Fäden zieht >> mehr
Arte-Kooperation

portlet_ArabienArte.png

portlet-gaertnerbuch.png

wir müssen reden

Augstein und Blome

portlet_Phoenix-12.png

Probe-Abo

probeabo260x120.jpg

Aktuelle Ausgabe bestellen
Der gefährlichste Mann Europas?

Ausgabe 21/2012
24.05.2012

keine Versandkosten
kein Aufpreis

Einzelpreis: 3.60 €

>> bestellen
der Freitag Kollektion

Freitag-Kollektion_Gaertner.jpg

Arte

portlet_arte+zeile.pngportlet_arte+zeile.png

Freitag-Buchshop.png

 
 
 
 
© der Freitag Mediengesellschaft mbH & Co. KG