Cassandra

findelfantasie

23.10.2010 | 01:51

Der Irakkrieg - eine Dokumentation

Eigentlich rechnete man mit der Herausgabe der Irak-Dokumente bereits am Montag. Wer an dem Tag nach Nachrichten rund um wikileaks suchte, wurde dementsprechend fündig: es gab viele neue Artikel mit so gut wie keinem neuen Inhalt. Die Medienwelt hatte sich offenbar auf ein Ereignis eingestellt, das nicht stattfinden würde. Als dann am Abend ein Kommentar von Julian Assange via twitter verbreitet wurde, las sich dieser eher wie unverhohlener Spott gegenüber dem Technik-Magazin wired, das das angebliche Veröffentlichungs-Datum im Zuge der internen Streitigkeiten rund um die "Suspendierung" Daniel Domscheit-Bergs genannt hatte.

Nun sind die Dokumente also da (hier und hier und hier auf den offiziellen Wikileaks-Seiten); es sind nicht nur mehrere zehntausend, wie zuletzt bei den Afghanistan War Logs, sondern gar hunderttausende, eine schwer fassbare Zahl. Dafür hat sich auch die Anzahl der berichtenden Medien erweitert. Wo im Juli Guardian, New York Times und Spiegel veröffentlichten, findet man heute nicht nur diese drei sondern zusätzlich Le Monde und The Bureau of Investigative Journalism, das sogar eine eigens für dieses Projekt gestartete Homepage betreibt und mit mehreren anderen Medien kooperiert. Im Folgenden ein kurzer Link-Überblick.

New York Times

nyt

 

Die NYT stellt die Dokumente auf den ersten Blick klassisch durch Artikel samt Fotos vor. Je weiter man sich vorklickt, desto mehr findet man jedoch. So erstellte sie auch Beispiele für typische Kriegs-Protokolle sowie eine Bildergalerie.

 

 

The Guardian


Der Guardian wartet mit mehreren interaktiven Karten auf. Eine zeigt eine Übersicht über die Toten, die andere beschreibt die Ereignisse eines "alltäglichen" Kriegstages. Außerdem gibt es ein Video und selbstverständlich Artikel. Der Schwerpunkt ist aber eindeutig interaktiver als bei der NYT.

 

Der Spiegel

Der Spiegel hat eine übersichtliche Zeitleiste zum Verlauf des Krieges erstellt. Hinzu kommen mehrere Karten, die nicht nur den Kriegsverlauf, sondern auch Ethnologie und Bodenschatzverteilung graphisch darstellen.

Das alles ist graphisch sehr ansprechend gemacht; jedoch scheint sich der Spiegel nach der Veröffentlichung der Afghanistan War Logs bemüßigt zu sehen, die Veröffentlichung zu rechtfertigen und den Wert der Dokumente zu betonen.

"Neu an diesem Logbuch des Feldzugs ist vor allem die Perspektive. Die US-Soldaten selbst sind es, die die Dramen des Krieges schildern. Dramen, die sich zum Beispiel immer wieder an den Kontrollpunkten im Irak ereignen. (...)

Neu ist auch, dass die US-Militärs selbst dokumentiert haben, wie desaströs das Unternehmen "Irakische Freiheit" wirklich verlaufen ist, mit welcher Brutalität sich die von Diktator Saddam Hussein befreiten Iraker gegeneinander gewendet haben. Wer die Nachrichten in den vergangenen Jahren verfolgt hat, wird darüber zwar nicht überrascht sein - doch die Irak-Dokumente schildern eben nicht nur einzelne Vorfälle, sie zeichnen ein Bild der Realität aus insgesamt 391.832 Teilen, das die Grundlage für die künftige Geschichtsschreibung dieses Krieges sein wird."

Le Monde

...erscheint im direkten Vergleich dazu mit seinen Artikeln und einer Infographik sehr schlicht.

The Bureau of Investigative Journalism

schießt in der gesamten Reihe rein vom Volumen her den Vogel ab. Auf einer eigens dafür eingerichteten Internetseite hat man nicht nur graphische Spielereien à  Guardian und Spiegel zur Verfügung; die Artikel sind zudem übersichtlich nach Themenschwerpunkt sortiert. Zudem stehen sämtliche Materialen dort unter einer Creative Commons-Lizenz - man darf sie also unter Namensnennung des Urhebers selbst weiter verbreiten.

Außerdem arbeitete man hier mit einigen Partnern zusammen, die den Warlogs weitere mediale Aufmerksamkeit bescheren. Vor allem Al Jazeera dürfte für eine Verbreitung in weniger westlichen Gebieten sorgen.

Inhaltlich werde ich heute Nacht nicht mehr groß auf die Dokumente eingehen. Nur zwei kurze Anmerkungen zum thematischen Schwerpunkt.

Einerseits ist man bemüht, vor allem die dokumentatorische Seite der Tagebücher heraus zu kehren, denn sehr viel Neues bieten die Dokumente nicht. Der einzige Punkt, der vorher nicht so klar gewesen sein dürfte, ist, in welchem Ausmaße Folter auch irakischer Befehlshaber an der Tagesordnung war und wie die US-Militärs an den oberen Stellen trotz Meldung nichts dagegen unternahmen.

Die mediale Strategie von WikiLeaks erscheint mir ein bisschen langweilig. Nun ist die Plattform wohl keineswegs dazu da, den großen Entertainer zu spielen, aber die Strategie "größer - weiter - mehr" hat irgendwann irgendwo auch ihre Grenzen. Schon bei den Afghanistan Protokollen hatte man es mit einer Masse von Daten zu tun; diese ist jetzt noch einmal um ein Vielfaches gesteigert worden. Das betont man selbstverständlich hinreichend, steigern wird man dies in Zukunft wohl kaum können, und wenn doch wird es langweilig, immer die selbe Parole von der größten Veröffentlichung überhaupt zu hören. Zudem löst es bei mir schon ein Stirnrunzeln aus, dass man sich in der Hauptsache wieder auf guardian, NYT und Spiegel gestützt hat. Um medienunabhängig zu bleiben wäre es besser gewesen, diesmal komplett andere zum Zuge kommen zu lassen. Oder wollten andere sich schlicht nicht beteiligen? CNN deutet so etwas jedenfalls an - man sei mit den von WikiLeaks vorgebenen Bedingungen nicht einverstanden gewesen, welche das auch immer waren.

Updates/Ergänzungen

23.10., 17.25 Uhr jayne verweist als Ergänzung zu den Diaries auf einen Film (und Streifzug findet eine Version, die nicht nach sieben Tagen aus den Archiven verschwindet, danke) zu den Foltermethoden in Afghanistan, dem Irak und Guantanamo.

23.10., 17.50 Uhr  Streifzug hat die Pressekonferenz eingebunden, die auch das ZDF heute morgen streamte. Hier trat nicht nur, wie es in der Vergangenheit öfter vorkam, Julian Assange alleine auf. Zusätzlich waren Kristin Hrafnsson, ein isländischer Investigativjournalist, der mit Wikileaks zusammenarbeitet, Phil Shiner für die Public Interest Lawyers, John Sloboda von Iraq Body Count sowie einem Moderator, dessen Namen ich gerade nicht zusammen bekomme (wird nachgereicht) und beantworteten spezifische Fragen.

Hat Assange damit auf seine Kritiker reagiert? Auf jeden Fall liegt die Betonung nicht mehr so stark auf dem Australier, was der Veranstaltung mE gut tut.

 

 

 
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Kommentare
archinaut schrieb am 23.10.2010 um 02:50
Liebe cassandra,
hab herzlichen Dank für so viel Mühe zu später Stunde!
Auf das Echo im Blätterwald bin ich gespannt.....
Cassandra schrieb am 23.10.2010 um 10:37
Und danke für's Lesen um die Uhrzeit! Echo kommt noch, wobei das nicht so vollständig wird ausfallen können wie bei dem Video damals. Da berichteten die Medien ja nur tröpfchenweise.
Alien59 schrieb am 23.10.2010 um 08:14
Allerdings spannend - mal sehen, was mit etwas Zeitabstand in diesen Dokumenten zu finden sein wird. Alles kann man ja kaum lesen....
Cassandra, danke fürs Aufarbeiten der Umstände und für die die links.
Cassandra schrieb am 23.10.2010 um 10:38
Nein, alles wird kaum möglich sein. Aber dass man sie überhaupt lesen kann, das finde ich zukunftsweisend.
jayne schrieb am 23.10.2010 um 08:40
ergänzend dazu ein film, der donnerstag auf arte lief: taxi zur hölle. Eine dokumentation über die verhör- und foltermethoden der us-streitkräfte in iraq, afghanistan und auf guantanamo:
videos.arte.tv/de/videos/taxi_zur_hoelle-3483212.html
Cassandra schrieb am 23.10.2010 um 10:40
Danke, werde ich mir anschauen, hört sich sehr spannend an.
Gold Star For Robot Boy schrieb am 23.10.2010 um 14:42
Dieser Film sagt mehr als Hunderttausend Dokumente.
Streifzug schrieb am 23.10.2010 um 14:50
ebertus schrieb am 23.10.2010 um 09:18
Blauäugige Distanz

Der mediale Mainstream zeigt sich betroffen, allen voran in Deutschland der Spiegel. Hat er doch einen relativ exklusiven, ersten Zugriff auf die aktuell veröffentlichten Dokumente zum Irak-Krieg. Distanzierte, vordergründig zelebrierte Betroffenheit; und keinen Deut besser als Bushama's Begriff vom "dummen Krieg".

Aber hey, dann lüftet doch mal den Mantel der Geschichte, soweit er "uns", soweit er Deutschland und seine aktuellen Repräsentanten nicht nur peripher tangiert. Ja genau, was zum Beispiel unsere aktuelle Kanzlerin und ehemalige FDJ-Sekretärin sehr konkret betrifft. In einem totalitären Staat aufgewachsen, ausgebildet, sozialisiert und in einer staatstragenden Organisation funktioniert, so gibt es darüber hinaus verschiedene historische, bundesrepublikanische Wahrheiten; zumindest Erinnerungen, über denen im medialen Mainstream der Mantel der Geschichte gnädig weht.

2004, als damalige Oppositionsführerin - so meine schwache, unmaßgebliche Erinnerung - wollte sie uns einreihen in die "Koalition der Willigen"; und gen Irak ziehen lassen. Soll man sich nun freuen oder betroffen sein, dass eher keine deutschen Namen auf diesen Protokollen zu finden sein dürften?
Cassandra schrieb am 23.10.2010 um 10:42
Guter Punkt. Ich ziehe es vor mich zu freuen - die wahren Absichten müssen ja nicht auch noch in die Tat umgesetzt werden.
Rahab schrieb am 23.10.2010 um 11:17
wieso?
wurden sie dennoch
wenn auch nicht mit direkter truppenbeteiligung

denn, abgesehen von den nachschubwegen durch die luft (Leipzig - war da nicht was?)
blitzten ab und zu die kleinen beteiligungen auf
irgendwelche pappnasen in Bagdad, die hinterher heftig herumruderten, sie hätten keine ziele markiert, sie doch nicht!
hat uns herr Grund hier in diesem theater nicht auch mal mit einem kleinen blog über den ganz geheimen geheim-ausschuß beglückt?
der Mann der niemals lebte schrieb am 28.10.2010 um 15:08
Der BND war der besten vernetzte Geheimdienst im Irak zu Zeiten Sadams...ohne uns wäre das ganze vorhaben gar nicht möglich gewesen...das war auch der Grund warum sich Walker Bush mit einer nicht Truppen Beteiligung zufrieden gegeben hat...es war ein Deal unter der Hand...so einfach ist das...1+1 =2
Streifzug schrieb am 23.10.2010 um 09:49
Hallo Cassandra,

sehr übersichtlich aufbereitet.

Habe ich die Links zur original Wikileaks Seite übersehen?

Und zu den Unterseiten?
War Logs Browse the diaries, rate and comment the reports.

Diary Dig Browse the diaries and make complex searches

Die Videos von Democracy NOW!

Kurz noch zum Inhalt. Nun sind die Dokumente also da; es sind nicht nur mehrere zehntausend, wie zuletzt bei den Afghanistan War Logs, sondern gar hunderttausende, eine schwer fassbare Zahl. Genau genommen 391,832 reports.

Dazu schreibst du Einerseits ist man bemüht, vor allem die dokumentatorische Seite der Tagebücher heraus zu kehren, denn sehr viel Neues bieten die Dokumente nicht. Wie? Alle schon gesichtet? Das nenn ich blitzschnell.

Weiter Die mediale Strategie von WikiLeaks erscheint mir ein bisschen langweilig. Langweilig? Nun ja, natürlich lassen sich tote Kinder, Frauen, Folteropfer, Zerstörung ... etwas peppiger aufbereiten, so dass sie verwöhnten westlichen Sehgewohnheiten entsprechen. Mir persönlich wäre eine minimalistisch, dunkl gehaltene Aufbereitung lieber. Es gibt da durchaus unterschiedliche Vorstellungen.

Dann noch Um medienunabhängig zu bleiben wäre es besser gewesen, diesmal komplett andere zum Zuge kommen zu lassen. Ist aus gewissen Gründen, auch der Sicherheit, eine Beschränkung nicht durchaus sinnvoll? Kann man einer FAZ vertrauen, die von Beginn an einen strammen Pro-Irakkriegkurs gefahren ist und noch nie Zweifel daran gelassen hat, auf welcher Seite sie steht wenn es hart auf hart kommt?

Ansonsten, tolle Arbeit Adlerauge :)
Streifzug schrieb am 23.10.2010 um 09:50
Ich reiche ein paar """""""" nach. Bitte entsprechend einfügen.
Cassandra schrieb am 23.10.2010 um 10:05
Kritik ist berechtigt, aber lass mich erstmal wach werden. War auch gestern Nacht nicht mehr die fitteste. :)
Streifzug schrieb am 23.10.2010 um 10:14
Du warst wohl
Cassandra schrieb am 23.10.2010 um 10:36
Ja, so in etwa.
Streifzug schrieb am 23.10.2010 um 11:20
Wikileaks landet neuen Mediencoup mit den Iraq War Logs
Jetzt wird die militärische Supermacht gewissermaßen von innen her unterwandert, ohne sich militärisch zur Wehr setzen zu können. Mordanschläge wie im Kalten Krieg oder der Einsatz von Drohnen, um Gegner zu verfolgen und zu töten, sind nicht praktikabel, da nun die Weltöffentlichkeit sehr genau beobachten wird, wie das Pentagon damit umgeht.
merdeister schrieb am 23.10.2010 um 11:45
Wär Cassi fit gewesen, hätte sie die Dokumente alleine ausgewertet.
Cassandra schrieb am 23.10.2010 um 12:44
Also, kleine Antwortrunde:

Gestern Nacht war ein Zugriff auf wikileaks nicht möglich, genau wie in den vergangenen zwei Wochen. Aber, Asche auf mein Haupt, die Unterseite hätte ich einfügen können, jetzt kommt beides in ein Update.

Zu der Zahl: kommt weiter unten in dem Spiegel Zitat :)

Die Aussage, es käme mehr auf den dokumentarischen Zweck als die neuen Sachverhalte an, die im Vergleich wenig sind, habe ich dem Spiegel entnommen & geglaubt. Shame on me. Ganz davon abgesehen bin ich mir aber sicher, dass dem tatsächlich so ist: dokumentarisch ist das alles sehr viel wertvoller als dass es wirklich großartige Neugikeiten brächte. Hinzu kommt die mediale Aufmerksamkeit, die für mich auch eher zum Zweck gehört als mehrere riesige Geheimnisse aus den Dokumenten zu filtern.

Zu langweilig: damit war nicht der Inhalt gemeint, ich habe mich auch etwas missverständlich ausgedrückt. Langweilig finde ich eine großaufgemachte Inszenierung, die auf Effekthascherei abzielt. Wenn man diese Strategie nämlich mehrmals hintereinander anwendet, guck ich jedenfalls nicht mehr so gern zu. Ich will sehen, worum es geht, und nicht erst noch die drei Lagen Geschenkpapiert wegräumen.

Sinnvoll? Ja, vielleicht kurzfristig, aber nicht unbedingt auf Dauer. Der Gedanke ist aber noch nicht ausgereift, kommt später nochmal was.
Streifzug schrieb am 23.10.2010 um 14:22
Wikileaks veröffentlicht Irak-Protokolle
Gegenüber den Militärberichten aus Afghanistan vor drei Monaten, an deren Veröffentlichung der Spiegel, der Guardian und die New York Times beteiligt waren, konnte Wikileaks erheblich zulegen, was die Zahl der Medienpartner anbelangt. Neben dem Spiegel, dem Guardian und der New York Times sind diesmal auch der Fernsehsender Al Jazeera und die Jerusalem Post dabei, außerdem das schwedische Fernsehen, der britische Channel 4 und BBC Radio.
Al Jazeera hat es gut visualisiert.
Streifzug schrieb am 23.10.2010 um 14:28
Streifzug schrieb am 23.10.2010 um 14:34
Streifzug schrieb am 23.10.2010 um 14:39
Streifzug schrieb am 23.10.2010 um 14:39
Streifzug schrieb am 23.10.2010 um 14:45
1984-2010

Ministerium für Frieden (Minipax): Dieses Ministerium befasst sich mit der Kriegspropaganda und damit, den immerwährenden Krieg in Gang zu halten.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 23.10.2010 um 10:22
Cassandra, Du hast es hier sehr schön zusammengestellt!

Das Pentagon hat zumindest 120 Propagandaleute installiert. um die Wirkung der Veröffentlichungen zu neutralisieren.

Das "OWNI" ist absichtlich schlicht gehalten. Von Anfang an war klar das die Dateien nur für Leute wie z.B. Historiker interessant sind,- nicht so sehr für Journalisten.

In den USA sind bereits einige ex-Armee-Leute verhaftet worden. Es ist aber noch kein Fall bekannt das die "Antiterrorkrieger" in A-stan oder Iraq Opfer eines Angriffs durch die "Terroristen" wurden. Ganz offensichtlich wird in den USA nun der Feind im Inneren verfolgt wird.
Cassandra schrieb am 23.10.2010 um 10:36
So nach dem Motto: Zuerst kommt man dem transnationalen Terrorismus mit veralteten Kriegsstrategien und dann mit dem Kampf nach Innen? Na, das wird Al Quaida aber mächtig freuen, einen größeren Gefallen könnte man denen ja kaum tun...
Cassandra schrieb am 23.10.2010 um 11:28
Gerade läuft eine Pressekonferenz mit u.a. WikiLeaks und Iraq Body Count. Hier der Livestream:

www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/live/1172424/Pressekonferenz-von-Wikileaks#/beitrag/livevideo/1172424/Pressekonferenz-von-Wikileaks
Streifzug schrieb am 23.10.2010 um 11:30
Stream das doch hier rein ;)
Cassandra schrieb am 23.10.2010 um 11:58
Bin dazu beim ZDF-Stream nicht in der Lage. Kann mir jemand technisch da weiterhelfen? Weiß aber nicht, ob es jetzt noch lohnt...
ed2murrow schrieb am 23.10.2010 um 11:30
Liebe Cassandra,

vielen Dank für die wirklich große Arbeit, die Rezeption der Veröffentlichung von wikileaks darzustellen. Das habe ich mit großem Gewinn gelesen. Als eher etwas distanzierter Betrachter stellt sich mir freilich die Frage -auch mit Blick auf den Aufwand, den Sie selber betrieben haben, hochgerechnet auf die inhaltliche Aufarbeitung von nahezu 400.000 Einzeldokumenten-, ob nicht Teile der Medien, die Sie darstellen, Vorabinformationen erhalten haben (müssen), um auch nur annähernd qualifiziert berichten zu können. Insofern würde es mich nicht wundern, wenn „die Drei“ wieder an vorderster Front stehen, das geht m.E. sehr in die Richtung von erprobt und bewährt.

Inhaltlich kann ich gar nichts sagen, der Zugang zur Domain, auf der das War Log liegt (mit der Endung .fr) ist derzeit recht schwergängig. Dazu wird mich aber interessieren, ob und inwieweit die Dokumente neue

- Aufschlüsse zum Motiv dieses Kriegs bieten,
- Erkenntnisse liefern, ob und inwieweit die kriegführenden Parteien gegen von ihnen selbst verbindlich gemachte Regeln insb. des sog. humanitären Völkerrechts verstoßen haben,
- Anhaltspunkte geben, ob bejahendenfalls jenseits von Befehlsketten (wobei diese schon sehr bedeutsam sind) die politische Zuordnung derart gesichert werden kann, dass darauf stringente Verantwortung herausgelesen werden kann,
- relevante Umstände die Frage auszuleuchten vermögen, ob auch nicht von den kriegführenden Parteien als verbindlich angesehene Regelungen zur Geltung verholfen werden sollte.


Für mich -als Leser mit zuweilen recht eigenwilligen Schwerpunktsetzungen- bedient alles andere überwiegend einen latenten Voyeurismus und liefert höchstens präzisere Zahlen zu statistischen oder essayistischen Zwecken. In diesem Sinne habe ich bei SPON den Hinweis, „Was die Protokolle wirklich aussagen“ als hilfreich empfunden: „Es gibt innerhalb der Dokumente Widersprüche. Die SPIEGEL-Dokumentation hat schon nach Durchsicht von weniger als hundert zufällig ausgewählten Dokumenten mehrere solche Fälle gefunden.“ Das war am 22.10..

Ihr e2m
Ehemaliger Nutzer schrieb am 23.10.2010 um 12:12
@ e2m

"Für mich -als Leser mit zuweilen recht eigenwilligen Schwerpunktsetzungen- bedient alles andere überwiegend einen latenten Voyeurismus und liefert höchstens präzisere Zahlen zu statistischen oder essayistischen Zwecken." OWNI WARLOGS ist gut zu erreichen
Journalisten sind in diesem ganzen Zusammenhang mit den Wikileaks-Docs m.E. so wichtig wie ein Fahrrad für einen Fisch. Journalisten sind nicht wichtig.
Die Docs sind mehr relevant für Historiker und Rechtsanwälte wie z.B. Paul Wolf die Informationen brauchen um Forderungen für ihre Mandanten zu sammeln.
Gut das der Domscheit da endlich weg ist!
ed2murrow schrieb am 23.10.2010 um 12:46
Ist ja nett, dass Sie Anwälten so viel Kompetenz zusprechen. Aber die picken sich grds. nur die Teile heraus, die für Mandant oder Hinterbliebenen sprechen (und selbst da sagt mir meine Erfahrung, dass die §§-Reiter zuweilen ihre Defizite haben). Die Objektivierung ist deren Geschäft jedenfalls nicht.

An der Stelle lohnte sich eine Überlegung: Erfahren wir nach freien Kriegsberichtserstattern in Vietnam, deren Umwandlung zum "embedded reporter" nun die historisierende Version des Journalisten? Warten, bis alles vorbei ist, um dann, wenn die Docs vorliegen, die Leichen zu zählen? Ein recht verführerisches Geschäftsmodell: Kein Verleger muss sich mehr Gedanken um Lebens- und andere Versicherungen machen, weil er niemanden in situ zu entsenden braucht. Letztlich nur eine andere Qualität von Presseagentur, die wir erleben?

Gerne reite ich auf dem Thema herum, weil Assange & Co. nicht darum verlegen sind, sich selbst stets als journalistische Plattform zu präsentieren.
Cassandra schrieb am 23.10.2010 um 12:48
Das Inhaltliche muss ich leider erstmal übergehen, lieber e2m, weil ich ein wenig unter Zeitdruck stehe. Ich bemühe mich aber, darauf noch einzugehen.

Dazu passt: Ja, es ist eine verdammt aufwendige Arbeit, und ja, viele Medien hatten schon vorab Zugriff auf die Dokumente, um heute daraus berichten zu können. Dazu gehören u.a. der schwedische Fernsehsender svp, die BBC und CNN.
Gold Star For Robot Boy schrieb am 23.10.2010 um 14:27
SPON war noch nie widerspruchsfrei und mischt seit Jahren fleißig mit beim Aufblähen der Terrorhysterie, die uns seit geraumer Zeit von US-Strategen und ihren Helfern in den Medien um die Ohren gehauen wird, um ihre Angriffskriege,Drohnenangriffe,targeted killings,Folter und andere Verstöße gegen Menschen- und Völkerrecht, zu legitimieren.
Inhaltlich fasst die Huffington Post die Dokumente prägnant zusammen:
"Torture, Abuse, Murder". Die "stringente Verantwortung" für Mord und Folter wird sehr gut in der Doku "Taxi zur Hölle" beschrieben, der oben bereits erwähnt wurde.Ein bedrückender Film, nichts für zartbesaitete Menschen, aber Mord und Folter sind nun mal grausam.
Sie fragen, ob die Dokumente neue Aufschlüsse bezüglich des Kriegsmotivs bieten ? Nicht verhandene Massenvernichtungswaffen lassen sich leider schwerlich dokumentieren. Alan Greenspan sagte 2007:“I am saddened that it is politically inconvenient to acknowledge what everyone knows: the Iraq war is largely about oil.” Darüberhinaus empfehle ich Ihnen die Lektüre Naomi Klein's "Die Schock-Strategie: Der Aufstieg des Katastrophen-Kapitalismus", falls Ihnen daran gelegen ist die Profiteure des Irak Krieges kennen zulernen.
120 Pentagon Mitarbeiter kümmern sich um die Veröffentlichung der Irak Kriegsdokumente ? Die Kapazitäten hätte ich weitaus höher eingeschätzt:
www.wired.com/dangerroom/2009/02/27000-work-in-p/
www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,548519,00.html

In der Summe lässt diese Mischung aus rechtswidrigem Krieg,Folter,Propaganda,Wahlmanipulation, exzessiver Überwachung,Lobbyismus und der Verquickung privater Interessen mit staatlicher Politik nur einen Schluss zu:
Die USA predigen Demokratie und praktizieren Faschismus.
Alien59 schrieb am 23.10.2010 um 11:54
Fast so interessant finde ich die entsetze Reaktion aus den USA. Das spricht in meinen Augen dafür, DASS man etwas zu verbergen hat. Wäre von dort nichts gekommen, so in etwa:"alles kalter Kaffee" - würden mich die Dokumente weit weniger interessieren.
Es bleibt spannend.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 23.10.2010 um 12:23
@ Alien59, es ist nicht so sehr die "Spannung". Das Archiv wächst. Das Problem ist eher das jedes System das Masse produziert Gefahr läuft an sich selbst zu ersticken.
h.yuren schrieb am 25.10.2010 um 10:12
lieber sachichma, welches system meinst du? es wäre doch keine gefahr, wenn es erstickte am eigenen qualm. ich meine das kriegssystem.

@ alien
spannend ist die enthüllung nicht. wenn es auch stets wieder interessant ist zu sehen, welche wege sich die wahrheit sucht, um ans licht zu kommen. wie das gras auf dem dach oder durch das stramme pflaster der straßen und plätze.
vor 300 jahren lief das noch etwas anders. aber auch damals war sonnenklar, dass der krieg das größtmögliche verbrechen ist. voltaire hat es klargemacht. klarer als viele andere.
der Mann der niemals lebte schrieb am 28.10.2010 um 15:17
das ganze schreit danach inszeniert worden zu sein....es wird ja eher die sichtweise der US Soldaten dargestellt..und die schlimmen vergehen der Irakischen Einheiten Wolfsrudel ect.

Assange ist spätestens nach den Vergewaltigungsvorwürfen gekauft...er zahlt jetzt den Preiß um einem Internationalen Haftbefehl zu entgehen...Zugriff und gezielte Tötung wäre ja auch ein bisschen zu PR trächtig...also macht man das über diesen weg....1+1=2
poor on ruhr schrieb am 23.10.2010 um 14:11
Starke und interessante Recherche mit dem Ohr am Puls der Zeit! Wooow!

poor
j-ap schrieb am 23.10.2010 um 14:49
Interessant ist ja auch, was in dieser schieren Übermenge von Dokumenten mitgeleaked wurde:
So it’s more than a little ironic that, with its newest document dump from the Iraq campaign, WikiLeaks may have just bolstered one of the Bush administration’s most controversial claims about the Iraq war: that Iran supplied many of the Iraq insurgency’s deadliest weapons and worked hand-in-glove with some of its most lethal militias.

The documents indicate that Iran was a major combatant in the Iraq war, as its elite Quds Force trained Iraqi Shiite insurgents and imported deadly weapons like the shape-charged Explosively Formed Projectile bombs into Iraq for use against civilians, Sunni militants and U.S. troops.

One report from 2006 claims “neuroparalytic” chemical weapons from Iran were smuggled into Iraq. Others indicate that Iran flooded Iraq with guns and rockets, including the Misagh-1 surface-to-air missile, .50 caliber rifles, rockets and much more.

As the New York Times observes, Iranian agents plotted to kidnap U.S. troops from out of their Humvees — something that occurred in Karbala in 2007, leaving five U.S. troops dead. (It’s still not totally clear if the Iranians were responsible.)


Chemical Weapons, Iranian Agents and Massive Death Tolls Exposed in WikiLeaks’ Iraq Docs
ed2murrow schrieb am 23.10.2010 um 14:59
... was schon einmal zur (oben, 11:30 Uhr nur intendierten) Frage führt, wer alles Kriegspartei ist oder dazu gerechnet werden kann.
Streifzug schrieb am 23.10.2010 um 15:06
Lieber J.A.-P.,

das ist doch ein alter Hut. wired.com ist etwas verschnupft wegen Julian Assange.

Alles ein Blowback. Erst haben die USA, ihre Geheimdienste, den Schah Mohammad Reza Pahlavi installiert, der nichts Eiligeres zu tun hatte, als alle "Linke" zu töten und zu foltern. Danach kamen die religiösen "Experten" daran, die den wenigen verbliebenen Linken den Rest gaben / geben. Nun ist der Iran bald frei von kritischen Geistern und kann wieder ins System eingegliedert werden.

Die religiösen "Experten" bekamen vor der gewaltsamen Zerstörung des eigenen Weges des Iran in die Freiheit gerade mal ~ 9% der Stimmen. Die Anzahl der linken Stimmen war den USA zu hoch.

Auch hier kann man wieder sehen: Libertäre Gewalt duldet keine Freiheit.
Streifzug schrieb am 23.10.2010 um 15:15
At haec individua bona, pax et libertas, ea tam omnium tota quam singulorum sunt.
Emma in Uniform schrieb am 23.10.2010 um 15:43
Chapeau!

stalkingsche Grüße - Emma
Gold Star For Robot Boy schrieb am 23.10.2010 um 15:55
Interessant, insbesondere vor dem Hintergrund, dass der Irak mit freundlicher Unterstützung westlicher Rüstungsfirmen und der US-Regierung, im ersten Golfkrieg chemische Waffen gegen den Iran eingesetzt hat.
Mein Bild
Iran trainiert schiitische Widerstandskämpfer,die CIA unterstützt sunnitische Terroristen im Iran.
blogs.abcnews.com/theblotter/2007/04/abc_news_exclus.html
www.telegraph.co.uk/news/worldnews/1543798/US-funds-terror-groups-to-sow-chaos-in-Iran.html
Vielleicht sollten die USA (und andere) einfach damit aufhören Diktatoren und Terroristen aufzurüsten, um deren Länder anschließend im eigenen Interesse (freie Handelswege, Transportwege für Öl und Gas,Ressourcensicherung, Kriegs- und Ölwirtschaft), in Schutt und Asche zu legen.
Gold Star For Robot Boy schrieb am 23.10.2010 um 15:59
So isses.
ed2murrow schrieb am 23.10.2010 um 16:00
@ Streifzug

"Alles ein Blowback" ist ein ein wenig simplizistischer Erklärungsversuch. So auch die nunmehrige (!) Degradierung der Plattform. So funktionieren vielleicht Sympathien, aber kein Abklopfen auf Belastbarkeit.

Btw.: Seneca gibt's auch für Manager :)
www.amazon.de/Seneca-f%C3%BCr-Manager-Sentenzen-taschenbuch/dp/3458333568
Streifzug schrieb am 23.10.2010 um 16:17
@ed2murrow,

da wir gerade dabei sind
Quis nescit primam esse historiae legem, ne quid falsi dicere audeat? deinde ne quid veri non audeat? ne quae suspicio gratiae sit in scribendo? Ne quae simultatis?

Cicero, De oratore
und natürlich
Lex neque innocenti propter simultatem obstrigillat neque nocenti propter amicitiam ignoscit.

Varro, Saturae Menippeae
j-ap schrieb am 23.10.2010 um 16:24
(ed2murrow schrieb am 23.10.2010 um 14:59)

Eben, das kam mir auch spontan in den Sinn. Daß dieser Konflikt mittlerweile ein Selbstläufer ist, auf den gelegentlich verschiedentliche Interesse aufspringen, je nach Bedarf, und daß wir mit klassischen Frontstellungen aus dem 17. Jahrhundert nicht mehr weit kommen, sollte doch zwischenzeitlich klar sein.

Ich harre jedenfalls der Dinge, die da kommen. Vierhunderttausend Seiten wollen ja auch erstmal gelesen und bewertet werden.

In jedem Falle aber mal danke an die Autorin dieses Artikels.

Streifzug: Inwiefern ist Wired wegen Assange »verschnupft«? Sind's der Guardian und die New York Times auch (immerhin wird dorthin verlinkt)?
Streifzug schrieb am 23.10.2010 um 16:29
@Gold Star For Robot Boy,

die entsprechenden Hofschranzen sind doch schon ganz geierig darauf, endlich, endlich, endlich wieder ein gut ausgerüstetes deutsches Profiheer in den Kampf um Rohstoffe schicken zu dürfen. Entsprechende Wege sind schon gebahnt und geebnet.

Daher ist es kaum verwunderlich, dass sich die üblichen Verdächtigen mit Veröffentlichungen von in und nach völkerrechtswidrigen Kriegen begangenen Verbrechen nicht anfreunden können.
Streifzug schrieb am 23.10.2010 um 16:30
@Emma in Uniform

:)
Streifzug schrieb am 23.10.2010 um 16:32
Hallo J.A.-P.,

warum die verschnupft sind? Na, wegen des Tempos :)
Streifzug schrieb am 23.10.2010 um 16:40
Preisfrage an die Herren Anwälte:

Was ist mit Tötungen in einem fremden Land, die nach Beendigung eines völkerrechtswidrigen Krieges getätigt werden?
j-ap schrieb am 23.10.2010 um 16:46
Das kommt drauf an, Streifzug.

Ich bin übrigens gar kein Anwalt.
Alien59 schrieb am 23.10.2010 um 16:49
Streifzug - gute Frage. Auch, wie gehabt, mit den Tötungen, die mal grad jenseits der Grenze getätigt werden...
Streifzug schrieb am 23.10.2010 um 17:00
Oben genannte Tötungen, Internationaler Strafgerichtshof, Beweise, Anklagen ... hier wird es auf anderer Ebene wirklich spannend.

Kein Wunder, dass die USA diesen Gerichtshof strikt ablehnen, praktizierter Täterschutz sozusagen.

Von der Warte aus betrachtet rutschen die durch Wikileakdokumente gefährdeten US-Soldaten schnell in die Position der von der Regierung gedeckten Täter.

Huhu Cassandra, :)

eine etwas andere Sichtweise als die Frage, ob die schon langweilig werdende Masse an Dokumenten nicht medial besser aufgepeppt werden könnte. Welche Medien beschäftigen sich ausführlich mit den rechlichen Aspekten?
Streifzug schrieb am 23.10.2010 um 17:01
Wie??? J.A.-P., Sie sind mal was nicht? :)
j-ap schrieb am 23.10.2010 um 17:03
Ja: Anwalt. ;-)
Rahab schrieb am 23.10.2010 um 17:05
na ja, streifzug
wer geht schon gern zur freiwilligen feuerwehr, wenn droht, dass die auch wirklich mal zum löschen ausrücken muß?
Streifzug schrieb am 23.10.2010 um 17:14
J.A.-P., war da nicht mal was? iur. utr.? Die Rechte mal wieder :)
Streifzug schrieb am 23.10.2010 um 17:16
@Rahab

unterschätz das feuerrote Spielmobil nicht.
j-ap schrieb am 23.10.2010 um 17:18
Was hat das damit zu tun, Streifzug?

Merke: Jeder Anwalt ist Jurist, aber nicht jeder Jurist auch Anwalt.
ed2murrow schrieb am 23.10.2010 um 17:18
@ Streifzug

Hehre Sätze in die Runde werfen, ohne sich dabei zu versichern, dass man nicht auch wiederum das Funktionale entdeckte: Der Autor Cicero war, wenn ich mich recht entsinne, anläßlich seiner philippischen Reden, vor allem der zweiten, nicht gerade der Ausbund historischer Tugendhaftigkeit. Ihn, den durchaus machtbewußten Politiker und Politikanten, zu zitieren, ist nichts anderes, als die Ambivalenz im Forum wieder zu geben. Allerdings sehr kultiviert :)

Mit Varro habe ich mich nicht näher beschäftigt, versage mir daher dazu den Kommentar.

Ihre weitere Fragestellung, die mich mit der Anrede nicht betrifft, da ich nicht praktizieren, habe ich bereits weiter oben, 11:30 Uhr vorweg genommen. Ich stelle Ihnen gerne anheim, noch einmal und gründlich nachzulesen.

Ihr e2m
Rahab schrieb am 23.10.2010 um 17:19
tu ich nicht
aber ich weiß: das is nix für wer zum klavierschleppen nach handschuhen fragt
j-ap schrieb am 23.10.2010 um 17:26
Frage in die Runde:

Was war nochmal schnell das Thema des Artikels da oben?
Rahab schrieb am 23.10.2010 um 17:29
unter anderem
wer was damit anfangen kann
wozu e2m erklärte, anwälte ja, aber im sinne/interesse ihrer mandantschaft
also nicht objektivierend
ed2murrow schrieb am 23.10.2010 um 17:30
Antwort: Die Rezeption auf die jüngste Enthüllungen von wikileaks. So hat's Freitag zumindest betitelt und getwittert.

Paßt doch, oder?
ed2murrow schrieb am 23.10.2010 um 17:32
@ Rahab

Und verdient damit sogar Geld. Sagt Ihnen Vergès etwas?
Streifzug schrieb am 23.10.2010 um 17:38
Ein Jurist und ein nicht Praktizierender. O. k., ihr Anwälte der Freiheit, der benannte Unterschied ist mir geläufig. Hat mein Gedächtnis mir einen Streich gespielt.

Stimmt e2m, Sie haben genau diesen Punkt oben angeschnitten. Er entgleitet allerdings schnell in die Richtung, ob die Veröffentlichung juristische Probleme für Wikileaks aufwirft, nicht das Veröffentliche für die USA.

Ist das kein Anreiz? Wenn an so einem wichtigen Punkt drei Koniferen wie Rahab, e2m und J.A.-P werkeln würden, käme Vertrauen in die Welt zurück, die Freiheit würde obsiegen ...
Rahab schrieb am 23.10.2010 um 17:39
ja
und?

und wie heißt der von kachelmann?
j-ap schrieb am 23.10.2010 um 17:45
Nein, Streifzug.

Ein Jurist ist jemand, der das Studium an einer juristischen Fakultät mit der Ersten Juristischen Staatsprüfung abgeschlossen hat. Wer danach noch ein zweijähriges Referendariat absolviert und die darauf folgende Zweite Juristische Staatsprüfung besteht, erlangt die sog. »Befähigung zum Richteramt« (und ist ugs. »Volljurist«), die nach wie vor das formale Ziel des juristischen Studiums ist. Wer die Befähigung zum Richteramt besitzt, der kann eine Zulassung als Anwalt beantragen — muß das aber nicht.

So.
ed2murrow schrieb am 23.10.2010 um 17:46
@ Rahab
Kachelmanns Berobter ist mir ziemlich wurscht, könnt' auch ein Bossi sein, der §§-Himmel hab ihn selig.
Eigentlich sollte das nur ein Hinweis auf Frage- und Bemerkungstechniken von ... versierten Verteidigern sein. Nicht mehr und nicht weniger. Und in der Tat:

"Die Objektivierung ist deren Geschäft jedenfalls nicht", wie ich schon oben anmerkte.
Rahab schrieb am 23.10.2010 um 17:55
in den fällen, um die es hier ginge, wohl aber schon

eine art subjektiver objektivierung
bevor alles ins "fühlt sich ungerecht behandelt" abgedrängt wird
jedenfalls für die überlebenden

und was die befehlshaber angeht
wir können auch gern bei den nürnberger prozessen anfangen
ed2murrow schrieb am 23.10.2010 um 18:01
@ Streifzug

Ich mach' Ihnen eine ganz einfache Rechnung auf: Nachdem die Veröffentlichungen in den nächsten Tagen und Wochen, bei Historikern vielleicht sogar in Jahren, sämtliche Färbungen im Meinungsspektrum hervorrufen werden, wird mein kleines Lichtlein auch nicht unter Beihilfe der beiden echten Leuchten (das verstehe ich als Kompliment) wirklich brillieren. Mit dem Unterschied, dass zur Vergeblichkeit auch noch die Kostenlosigkeit käme, während andere mit solch notwendigerweise akribischer Arbeit satte Honorare einstreichen. Das überstiege ein wenig, nein: eigentlich um Vieles meinen Begriff von "Blog".

Im Gegensatz zu Ihnen vermerke ich in dieser Diskussionsfolge kaum eine Spur des Versuchs, wikileaks zu desavouieren. Daher verstehe ich Ihren Spott einfach nicht. Wenn Sie sonst nichts weiter beizutragen haben, sei's drum.
Streifzug schrieb am 23.10.2010 um 18:03
Cassandra wurde bestimmt schon von der CIA entführt. Oder vom BND. Oder vom SAVAK. Oder vom Freitag.
Cassandra schrieb am 23.10.2010 um 18:04
Cassandra ist leider gerade sehr durch andere Sachen in Beschlag genommen. Aber macht ihr mal. Mir ist übrigens egal, wo ihr landet, das muss nicht mehr viel mit dem Blog zu tun haben, das war ja nur der Anstupser. Hauptsache es ist interessant.
Cassandra schrieb am 23.10.2010 um 18:07
(PS. Streifzug, der BND ist doch mein Arbeitgeber. Aber psst.)

Ich klinke mich auch nicht ganz aus, nur die nächsten zwei, drei Stunden noch.
Streifzug schrieb am 23.10.2010 um 18:11
Lieber e2m,

Wikileaks desavouieren? Spott? Wo? Ach was, wenn Sie es so empfinden, Ihr gutes Recht.

Vergeblich? Das denke ich nicht. Schmetterlingseffekt.

Neratius Priscus tres facere existimat collegium.
Gold Star For Robot Boy schrieb am 23.10.2010 um 15:01
Im Namen von Freiheit und Demokratie demütigen US-Soldaten irakische Gefangene:
www.michaelmoore.com/words/mike-friends-blog/systematically-trained-abusive-soldiers
Gold Star For Robot Boy schrieb am 23.10.2010 um 15:01
Im Namen von Freiheit und Demokratie demütigen US-Soldaten irakische Gefangene:
www.michaelmoore.com/words/mike-friends-blog/systematically-trained-abusive-soldiers
Emma in Uniform schrieb am 23.10.2010 um 17:18
Moin,

warum so pathetisch:

"Im Namen von Freiheit und Demokratie demütigen US-Soldaten irakische Gefangene:"

Nö.
Dat tun diese rassitischen Affen wohl kaum. Und wenn sie daß behaupten, ist das mit Sicherheit keine Absichtserklärung, sondern purer Sarkasmus. Sie demütigen im Namen Ihrer eigenen Willkür und ihrer sadistischen Triebabfuhr, wenn Sie wohl gestatten. Und ironisieren nebenbei ihre eigene Primitivität, um sich selbst zu bespaßen. Punkt.

Würde man diesen Sadisten in Flagranti erwischen, jeder von ihnen würde sich wieder mal das Gesicht verdecken und tränenreich schämen, daß Sie bei solcherlei "Privatvergnügen" erwischt wurden, so wie diese debile Zwergin mit der Leine.

Der Einwand, es würde von oben herab oktroyiert oder zumindest heiß empfohlen, den gefangenen Feind so zu demütigen, ist hinlänglich bekannt.

Aber: Die US-Armee hat aus anderen Gründen den Irak zusammengeschossen, als "Freiheit und Demokratie" zu verteidigen resp. zu verwirklichen.

Und m.E.n. wissen auch alle Soldaten in der US-Armee, um die Beweggründe für diesen Feldzug:
Es geht vornehmlich um Rache und Machtdemonstration.
Alien59 schrieb am 23.10.2010 um 17:26
Nur mal zum letzten Satz, Emma. Wenn ich mir überlege, was ein Durchschnittsamerikaner von der Welt im Allgemeinen weiß, frage ich mich, ob das stimmt. Sie könnten es wissen, ja, wenn sie alle Informationsquellen, die zur Verfügung stehen, nutzten. Aber tun das die, die zur Army gehen, weil sie wenig andere Aussichten haben?
Ich will keine Täter in Schutz nehmen, ich denke, meine Einstellung ist hier bekannt. Aber hier stutzte ich doch.
Gold Star For Robot Boy schrieb am 23.10.2010 um 17:50
"Aber: Die US-Armee hat aus anderen Gründen den Irak zusammengeschossen, als "Freiheit und Demokratie" zu verteidigen resp. zu verwirklichen."
Ach was. Das wurde bloß ständig behauptet.

"Und m.E.n. wissen auch alle Soldaten in der US-Armee, um die Beweggründe für diesen Feldzug:
Es geht vornehmlich um Rache und Machtdemonstration."
Rache ? Wofür ?
j-ap schrieb am 23.10.2010 um 18:17
(Emma in Uniform schrieb am 23.10.2010 um 17:18)

Ich schrieb's doch nebenan:
Adorno. F-Skala. Heißt: »Studien zum Autoritären Charakter«. Beinhaltet: Stereotypie und Projektion.

Bei Ihnen hier in nahezu lupenreiner Form darstellbar.
Streifzug schrieb am 23.10.2010 um 18:31
Aber Stereotypie ist das Wesen der Volkskunst, die Märchen kennen den rettenden Prinzen und den Teufel wie der Film den Helden und den Schuft, und noch die barbarische Grausamkeit, mit der die Welt in Gute und Böse aufgeteilt wird, hat der Film mit den höchsten Märchen gemein, welche die Stiefmutter in glühenden Eisenschuhen zu Tode sich tanzen lassen.

Theoder W. Adorno
Minima Moralia
Reflexionen aus dem beschädigten Leben,
Wolf als Großmutter
Emma in Uniform schrieb am 24.10.2010 um 03:19
Nun, es wurde von der Bush-Clique als Rachefeldzug insziniert. Für 9/11.
Und er wurde im Laufe dieses grausamen Krieges wieder gewählt.
Unter dem Vorwand, ja, "Freiheit und Demokratie" im Irak und Afghanistan zu "befördern".

Zu Ihrem vorherigen Einwand: Stimmt. Für den Durchschnitt der Soldaten ist die wirtschafliche, naja, Absicherung natürlich ein wichtiges Motiv, wenn nicht zusammen mit ernsten Depressionen bzw. mangelnder Bildung das Hauptmotiv, Sie haben völlig recht. Ich habe mich von meinem persönlichen Eindruck, der nicht relevant, da unrepräsentativ, hinwegreißen lassen. (Ich hatte mit einigen Aktiven und Ehemaligen Kontakt in den letzten 6 Jahren, die waren weder ungebildelt, schon gar nicht unbedarft.)

Das amerikanische Sozial- und Bildungssystem züchtet sich ja auch regelrecht sein Kanonenfutter

dankt für den Hinweis -Emma
Emma in Uniform schrieb am 24.10.2010 um 03:49
qu-ak, qu-ak

Und jetzt kommen Sie schon wieder mit diesem hinlänglichem, unausgegorenem Psychologismus.

Als würden Sie je anders über sich selbst reflektieren als mild ironisch, zugewand und selbstverzückt.

Aber man gewöhnt sich tatsächlich dran:
Nach Ihrer Ohnmachtserfahrung, nebenan, folgt mal wieder eine selbstreferentielle, autistische Replik.

Adorno mag Ihr Gott sein - meiner nicht.;)
Emma in Uniform schrieb am 24.10.2010 um 03:53
Jetzt habe ich doch glatt, verzeihen Sie vielmals Alien59, Ihren und den Kommentar von Gold Star Boy vermischt:(
Ehemaliger Nutzer schrieb am 24.10.2010 um 10:52
Hallo Emma:
"von der Bush-Clique als Rachefeldzug insziniert. Für 9/11." war der Krieg im Irak nicht. 9/11 mag peripher damit zu tun haben, aber es ging (und geht) um klassisches imperiales Prinzip: Containment Politik & permanente Basen schaffen, und das auch noch mit der Hoffnung volle Kontrolle über die Ölreserven zu bekommen. Letztere Hoffnung hat sich nicht materialisiert, Malaysia, Indien und Kanada haben die meisten Förderverträge.
Gold Star For Robot Boy schrieb am 24.10.2010 um 11:27
Natürlich war es eine Inszenierung,die immer wieder von mutmaßlichen Beziehungen des Saddam Regimes zu Al Qaida phantasierte.Die Bombardierung Afghanistans und Iraks wurde stets mit den Ereignissen des 11.9. gerechtfertigt,womit wir wieder beim Thema wären,das so gerne ausgeblendet wird:
www.antikrieg.com/aktuell/2010_02_26_derwegnach.htm
Zur Materialisierung ökonomischer Hoffnung:
Was kaputt gebombt wird,muss auch wieder aufgebaut werden:
"The United States is hoping that a share of Iraqi reconstruction projects will help revive the US economy in an ambitious goal of doubling American exports globally in the next five years."
www.csmonitor.com/World/Middle-East/2010/1006/US-trade-official-American-businesses-should-invest-in-Iraq-now
"Some U.S. businesses are investing in Iraq. Boeing and General Electric have won large contracts here. This week, the technology and manufacturing company Honeywell International opened an office in Baghdad to provide equipment for Iraq's oil and gas sectors."
www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2010/10/06/AR2010100606236.html
Emma in Uniform schrieb am 24.10.2010 um 13:11
Hallo Sachichma,

Das "klassisches imperiale Prinzip: Containment Politik & permanente Basen ", ja, das war das treibende Motiv.

Aber als solches wurde diese Invasion ganz sicher nicht verkauft.

Sondern als Rachefeldzug insziniert. Und nach wenigen Monaten, als sich keine Massenvernichtungswaffen ausfindig machen ließen, flux in einen "Demokratisierungsauftrag" umgemünzt, um das Gemetzel unter den Zivilisten und den losgetretenen Bürgerkrieg als unmittelbare direkte innenpolitische Folge Saddams Regimes darzustellen.

Und das Öl. Hat nicht ganz geklappt.
Aber löblicherweise wurde durch private US-"Sicherheitsdienste und Söldnern, Stichwort Blackwater, auf dem privaten Kriegsdienstleistungssektor üppige Gewinne abgeschöpft; zudem veraltetes, schrottiges oder gebrauchtes Kriegswaffengerät en masse verhöckert, auch, um die Gegener nun nicht zu schnell alt aussehen zu lassen, so ganz ohne "moderne", haha, Waffensysteme.

Es haben sich seit 2001 reichlich geldwertige US-Träume im Irak materialisiert.
Emma in Uniform schrieb am 24.10.2010 um 13:12
Stimme zu. Ich hatte Sie zunächst mißverstanden -mein Fehler.
Emma in Uniform schrieb am 24.10.2010 um 13:12
Stimme zu. Ich hatte Sie zunächst mißverstanden -mein Fehler.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 23.10.2010 um 20:29
@ e2m
>"Ein recht verführerisches Geschäftsmodell: Kein Verleger muss sich mehr Gedanken um Lebens- und andere Versicherungen machen, weil er niemanden in situ zu entsenden braucht."<

DAS IST EINE GANZ EINFACHE RECHNUNG:

z.B. 600 akkreditierte Journalisten, davon beissen 60 in Grass = 10 %. Also Versicherungsdeckungssumme 100.000 = 10.000 . Pro Monat! Das ist wirklich so. Mir wurde das so schon vor 15 Jahren von einem ehemaligen Kunden so vorgerechnet. Er sagte das allein die Versicherung 10.000 $ kosten würde und als ich fragte kam eben 100.000 als Deckung heraus. Bei einem Bauchschuss deckt das höchstens die erste Operation und vor allem den Transport. Und weil das alles so teuer wurde haben sich die grossen Verlage zusammengetan und dieses "Institute for War & Peace Reporting". Da wurden dann lokale Reporter darin trainiert journalistische Ethik am rechten Platz zu haben. Als die in den Irak zurück kamen starben die einer nach dem anderen, aber die Folgekosten fielen für die Verlage weg. (Wer bei der IWRI ein Training gemacht hatte kam auch irgendwie bei einem wire-service oder einer grösseren Medien Organisation als so eine Art "Stringer" unter.)

JOURNALISTEN: Um vernünftig von solchen Konflikten berichten zu können muss in Hardware investiert werden (eine SNG z.B. die "Advent" kostet schon eine halbe Million). Kein Freelancer geht heute noch solch ein Risiko ein. Noch wichtiger sind die Kontakte und Quellen vor Ort und natürlich militärische Kenntnisse! Solch rühriger Kram wie z.B. die Angehörigen von Opfern knipsen um an der tollen Betroffenheits-Kultur zu verdienen ist zwar geschickt aber es werden nur Klischees bedient. Wer in solch ein Gulag um dann mit ein paar Euro abgespeist zu werden hat entweder ein mentales Problem oder ein Finanzielles? Und dann, WIE gross ist denn wirklich der Anteil in Bevölkerung an solchen Themen? Da seh' ganz schwarz. Und dann noch die zynischen CvD's... Ich traue den Journalisten weniger als den

ANWÄLTEn:
Natürlich ist einem Anwalt egal, er braucht nur die relevanten Beweise. Das ist alles. Er will für seine/n Mandanten etwas erreichen. Das ist viel wichtiger als hier die Wahrheit zu finden die eh nicht gefunden werden kann.
ed2murrow schrieb am 23.10.2010 um 21:27
Lieber Sachichma,

ich wollte nicht den Journalistenberuf in Grund und Boden verdammen, im Gegenteil. Ich bin groß geworden mit den Reportagen (dann in Büchern zusammengefasst) von Oriana Fallaci u.a. aus Vietnam, und Himmel: Die Frau konnte schreiben, wenn sie ihre Haut zu Markte trug.

Giuliana Sgrena ist hier weniger bekannt, auch wenn sie gelegentlich für ZEIT schreibt, hauptsächlich aber für Il Manifesto. Die jetzigen wikileaks-Dokumente legen einen Teil der Zusammenhänge offen, warum ihr Fahrzeug in Bagdad auf dem Weg zum Flughafen 2005 von amerikanischen Soldaten beschossen worden war. Sie war von Aufständischen im Irak entführt, nach Zahlung eines Lösegelds (wohl 500.000 Euro) befreit worden und befand sich in Begleitung des ital. Geheimdienstmannes Nicola Callipari auf dem Weg zur Rückreise nach Italien. Callipari starb durch die Schüsse, Sgrena wurde leicht verletzt. www.repubblica.it/esteri/2010/10/23/news/wikileaks_calipari-8352927/?ref=HRER2-1

Will sagen: Es ist immer schon ein eminent gefährlicher Beruf gewesen, Krisen-/Kriegsreporter zu sein. Das aber ist nicht das Problem. Wer Abenteuerlust verspürt oder die höheren Weihen genießen will, macht das und anderes. Sondern darum, dass sich die gesamte Medienwelt das embedding gefallen lässt. Wie Sie schreiben, dafür auch noch ein geschäftliches Konzept entwickelt.

Ich würde z.B. gerne wissen, ob die Medien, die nun begierig Honig für sich aus den leak-Docs saugen, auch nur einen Cent für die Verteidigung der whistleblower, für deren Verdienstausfall, für deren späteres Fortkommen zahlen. Oder ob auch diese Informanten, so wie es die Army macht, als collateral damage durchgehen.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 23.10.2010 um 22:28
Lieber e2m,
ach was, hab doch selbst geschrieben das Journalisten mit der WL Thematik nicht klarkommen.

Und ja, Oriana Fallaci rockt! Oder Loretta Napoleoni die "Terror Inc" & "Insurgent Iraq" schrieb. Dann der Fisk. Es gibt wirklich hervorragende Autoren! Von den amerikanischen ganz zu schweigen! Die arbeiten aber nicht mehr im Sinn journalistischer Tradition und bei Robert Fisk weiss ich das er die Entwicklung der Medien sehr kritisch. Es bewundernswert das er dem Independent treu bleibt. Aber in Deutschland haben wir ja den Joffe und den Reissmüller ;-0)).

Diese ganze Wikikiste wird juristisch entschieden werden, die Massenmedien merken gar nicht das sie selbst instrumentalisiert werden. Natürlich sind denen die Leute bei WL so egal wie jeder andere der sich für ein paar Euro thematisieren lässt. Darum ist es gut das Cassandra bei dem Thema stur und beharrlich bleibt. Ich hätte da längst keine Lust und Zeit mehr weil die Realitäten doch längst klar sind.
Gold Star For Robot Boy schrieb am 24.10.2010 um 21:14
In Deutschland haben wir den Bert-Donnepp-Preisträger STEFFEN GRIMBERG, der sich an einem CNN-Interview mit Assange aufgeilt:
"Wikileaks-Gründer Julian Assange:
Enthüller in Bedrängnis.Der Enthüllungsplattform Wikileaks gelingt ein neuer Scoop und lenkt damit von der eigenen Krise ab. Und die geht über Vorwürfe an den Chef Julian Assange hinaus.(...)Am Samstag ließ Assange ein Interview mit dem internationalen Nachrichtensender CNN platzen, nachdem er zunächst Fragen zu Kritik an seinem persönlichen Führungsstil ausgewichen war. "
www.taz.de/1/leben/koepfe/artikel/1/enthueller-in-bedraengnis/
Glenn Greenwald hierzu:"Yesterday, Assange walked out of an interview with CNN, which he thought had been arranged to discuss the significance of the Iraq War revelations, because the CNN "reporter" seemed interested in asking only about petty, vapid rumors about Assange himself, not the substance of the leaks. The Nation's Greg Mitchell summarized that interview this way: "Assange to CNN: 'Do you want to talk about deaths of 104,000 people or my personal life?'" CNN's answer could not have been clearer: the latter, definitely."
Die NYT bläst ins gleiche Horn:
John Burns über Assange :"Erratic and imperious behavior." "Delusional grandeur. "Imperious." "A vendetta against the United States." "Not in his right mind."
www.salon.com/news/opinion/glenn_greenwald/
thinktankgirl schrieb am 24.10.2010 um 21:45
@sachichma

Es gab mal bei Al Jazeera eine mehrteilige Doku-Serie Shooting the messenger , über die Gefahren der Journalisten in Krisen-/Kriegsgebieten.
Waren früher Journalisten (mehr oder weniger) unantastbar, sind sie heute Opfer gezielter Tötungen, da sie, wenn nicht embedded, unangenehme Wahrheiten verbreiten könnten.
Fritz Teich schrieb am 25.10.2010 um 06:44
<<
Callipari starb durch die Schüsse, Sgrena wurde leicht verletzt. www.repubblica.it/esteri/2010/10/23/news/wikileaks_calipari-8352927/?ref=HRER2-1
>>

Ist ja nett, dass sich jemand im Zusammenhang mit den Strassensperren an Calipari erinnert, aber was bringt wikileaks denn nun an Neuigkeiten dazu?
ed2murrow schrieb am 31.10.2010 um 01:04
Es wird evident aus den Unterlagen, dass die U.S.-Streitkräfte von den Entführern geleimt wurden. Die hatten nämlich über einen "Gewährsmann" vermeldet, dass das Fahrzeug, auf dem Sgrena und Callipari fuhren, mit Sprengstoff vollgestopft sei, was die Streitkräfte ohne weitere Nachprüfung geglaubt haben. Damit wird evident, dass die offizielle These, es habe sich um ein bedauerliches Mißverständis wegen des Fahrverhalten des Chauffeurs, zumindest fragwürdig ist.
Gold Star For Robot Boy schrieb am 23.10.2010 um 20:39
"Die knapp 18 Minuten Film (Collateral Murder) sind schwer zu ertragen, auch weil nicht klar ist, was schlimmer ist: die Bilder sterbender Menschen, die im Kugelhagel in den Straßenstaub von Bagdad sinken, oder die Gespräche der Hubschrauber-Crew, die ebenfalls aufgezeichnet wurden. "Hübsch, gut geschossen", sagt ein Soldat nach einer tödlichen Salve. "Schau, diese toten Bastarde." In diesem Tonfall geht die Konversation weiter. (...) Die Iraker "kamen heraus und wollten sich ergeben", heißt es in dem Dokument zum Vorfall. Offenbar ist die US-Hubschrauberbesatzung einen Moment lang ratlos, wie sie mit der Situation umgehen soll. Sie fordert über Funk die Unterstützung eines Militärjuristen. Weiter im Bericht: "Der Anwalt sagt, dass sie sich einem Fluggerät nicht ergeben können und noch immer legale Ziele sind."Das Dokument lässt wenig Zweifel daran, dass es sich hier um einen tödlichen Angriff auf Menschen handelt, die sich offenkundig ergeben wollten. Es dürfte die US-Streitkräfte in Erklärungsnot bringen - trotz der zitierten Einschätzung des Militärjuristen.(...) Die jetzt bekannt gewordenen US-Militärberichte machen deutlich, dass jener "Apache"-Angriff vom 12. Juli 2007 höchstwahrscheinlich alles andere als ein tragischer Einzelfall war. Er wurde nur genauer untersucht als andere - vor allem weil bei dem Bombardement zwei Mitarbeiter der Nachrichtenagentur Reuters umkamen und das Medienunternehmen Aufklärung verlangte.Das Militär hat den "Collateral Murder"-Fall gleich in den Tagen nach dem tödlichen Beschuss intern untersucht. Das Ergebnis lautete, die Hubschrauberbesatzungen hätten nicht gegen die Einsatzregeln verstoßen."
www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,724482-2,00.html
BanaBab schrieb am 24.10.2010 um 08:51
Im Namen dwer Menschlichkeit: Anklage gegen Bush, Rumsfeld, Powel, Cheny, Yooh, Gonzales, Hutson, Mora, Lewin, Craddock, J.Fischer, Merkel, v.Guttenberg , Westerwelle, Joffe (stellvertretend).........................................................
und Einspruch gegen die Vorbereitungen hiesiger Marionetten (s.o.) unsere Bundeswehrstruktur für "gleichwertige" Einsätze umzugestalten.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 24.10.2010 um 10:56
@ BanaNab, die Dimension über die Änderungen bei der Bundeswehrstruktur wird weder hier in der FC (hurra Wehrpflicht ist weg...) oder bei Der Linken wirklich richtig thematisiert. Irgendwie sitzen viele noch in den 80zigern...
Rahab schrieb am 24.10.2010 um 11:21
sag das nicht, sachichma
ich hab das schon mit im blick - und zwar nicht so, wie j-ap es beliebte, in die diskussion um "alphamädchen an die front?" einzuführen
ob ich es damit gleich wieder so 'wirklich richtig' thematisiere, wie keine ahnung wer meint, dass es thematisiert gehöre, das weiß ich nicht (woher auch?)

aber in diese tagung
www.boell.de/calendar/VA-viewevt-de.aspx?evtid=8362&returnurl=/index.html
unter der überschrift
"Krisen bewältigen, bewaffnete Konflikte beenden - Friedenspolitische Strategien von Männern und Frauen
Zum 10. Jahrestag der UN-Resolution 1325"
gehört das durchaus mit rein, beispielsweise
BanaBab schrieb am 24.10.2010 um 12:07
@Rahab,
Ausnahmen wie glücklicherweise Du betätigen die.........:-) oder besser :-(
ehrlich!
Rahab schrieb am 24.10.2010 um 12:16
noch mal
so so

nutzt nur nix, denn am ende kommt immer, ich hätte ja von diesem oder jenem clausewitz oder so keine ahnung, weil frau
denk ich manchmal
aber!
BanaBab schrieb am 24.10.2010 um 11:17
@sachichma,
offenbar hat kaum einer die seit Jahren in diese Richtung geleitete Politik mitbekommen, der verbreitete und auch nachvollziehbare Gedanken (hauptsächl. männlicherseits) diese unangenehme Pflicht vom Hals zu haben überwiegt und den systematischen Aufbau eines Guttenberg diese langstratekisch angelegte Politik durchzuziehen (durchzusetzen ist gar nicht nötig angesichts der überraschten Ratlosigkeit einer in diesem Fall wieder harmlosen Opposition) wurde auch völlig verschlafen.
Emma in Uniform schrieb am 24.10.2010 um 13:19
Guter Punkt. Die Gefahr, daß die Bundeswehr langfristig auch in eine Privatarmee der Rüstungs- und "Sicherheits"industrie mutiert, ist unterschätzt worden.
Gold Star For Robot Boy schrieb am 24.10.2010 um 21:29
Mein Bild
War es das wert ?
Frau Albright zu den tödlichen Sanktionen gegen den Irak:
"We have heard that half a million children have died. I mean, that's more children than died in Hiroshima. And, you know, is the price worth it?" and Albright replied "we think the price is worth it."
en.wikipedia.org/wiki/Iraq_sanctions
Gold Star For Robot Boy schrieb am 24.10.2010 um 21:40
Deaktivierter Nutzer schrieb am 28.10.2010 um 01:06
"Beiß' nicht gleich in jeden Apfel " - so sangen The Sex Magnum Forces against War Crimes. und hatten sie nicht die musik auf ihrer seite ...
ich jedenfalls finde nicht mehr durch, ich muß mir abstrakt via politik eine entscheidung machen. und die usa, haben die nicht doch eine leitwährung ... ohne "d" ...
Cassandra
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