Cassandra

findelfantasie

02.06.2011 | 05:59

Gedicht der Monatswende - Mai/Juni

für christa.

 

ich hab mir immer vorgenommen

dich mal zu besuchen

da zu sitzen dich erst zu betrachten beobachten.

dann zu sagen wer ich bin

vielleicht.

 

ich hab mir immer vorgenommen

mit dir zu sprechen

über dies und das unser stärkstes band.

dich dabei anzulächeln

vielleicht.



wir haben uns aneinander gefreut

an unseren gesprächen ähnlichkeiten unterschieden

teetanten.

dann hab ich dich aus meinem leben entlassen

und du mich aus deinem

vielleicht.



vielleicht war es auch anders

kann mich nicht richtig erinnern

verschwommen ziehen sie vorbei

vergangene emails wutanfälle heulkrämpfe.

du weißt warum

vielleicht.



seit langem

liegt in meinem mailaccount ein entwurf.

nun ohne adressatin

vielleicht?

vielleicht.

 

 

 

 

 

 

 
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Kommentare
merdeister schrieb am 02.06.2011 um 09:23
<3
Gustlik schrieb am 02.06.2011 um 09:26
christa czeka na ciebie.
Cassandra schrieb am 09.06.2011 um 13:41
oby tak było.
poor on ruhr schrieb am 02.06.2011 um 22:00
Sehr berührend und traurig. Danke für das Gedicht.
Sarah Rudolph schrieb am 03.06.2011 um 23:57
:-(

<3

berührttraurigstill.
sarah
oranier schrieb am 04.06.2011 um 11:58
Liebe Cassandra,

eine sehr schöne Form des Abschieds. Danke fürs Gedicht! Es ist das Ende der Beziehung allenfalls von unserer Seite aus.

Sie kann uns immer wieder noch erreichen durch das, was sie uns in Blogs, Kommentaren, in privaten Nachrichten, E-Mails, Chats an Geistreichem, Witzigem, Provokantem zu bedenken gegeben oder entgegengeschleudert hat.

Wir erreichen sie nicht mehr mit unserer Zustimmung und unserem Widerspruch, mit unserer Freude oder Verärgerung, mit unserem Dank und unserer Anerkennung, auch nicht mit dem Bedauern über unsere Versäumnisse, mit dem, was wir uns immer noch vorgenommen hatten.

vielleicht?
vielleicht.

Da du "für Christa" als Widmung wählst, liebe Cassi, dein Blog aber betitelst mit:

Gedicht der Monatswende - Mai/Juni,

heißt das, du möchtest ihren begonnenen und unterbrochenen Brauch fortsetzen, jeweils ein Blog zum "Gedicht des Monats" zu machen? Das wäre schön und würde sie gewiss besonders freuen.

Lieben Gruß
Heinrich
Cassandra schrieb am 05.06.2011 um 14:43
Lieber Heinrich,

ja, das hatte ich im Sinn. Sie wird allenfalls enttäuscht sein, weil ich es nicht wie sie schaffe, meine Blogs in die Meistkommentierten zu treiben :)

05.06.2011,
7. Sonntag der Osterzeit.

Joh 17, 1-11a

daraus:

9 Für sie bitte ich; nicht für die Welt bitte ich, sondern für alle, die du mir gegeben hast; denn sie gehören dir.
10 Alles, was mein ist, ist dein, und was dein ist, ist mein; in ihnen bin ich verherrlicht.
11 Ich bin nicht mehr in der Welt, aber sie sind in der Welt, und ich gehe zu dir.


M.
I.D.A. Liszt schrieb am 05.06.2011 um 20:35
Danke für dieses Gedicht, und danke für die Mitteilung.

IDA
archinaut schrieb am 06.06.2011 um 00:04
... eine schöne Annäherung:
"...da zu sitzen dich erst zu betrachten beobachten.
dann zu sagen wer ich bin..."

Vielen Dank für das Gedicht, zartfühlende cassandra!
oranier schrieb am 16.06.2011 um 13:05
Johann Christian Günther

Als er der Phillis einen Ring mit einem Totenkopf überreichte

Erschrick nicht vor dem Liebeszeichen,
Es träget unser künftig Bild,
Vor dem nur die allein erbleichen,
Bei welchen die Vernunft nichts gilt.
Wie schickt sich aber Eis und Flammen?
Wie reimt sich Lieb' und Tod zusammen?
Es schickt und reimt sich gar zu schön,
Denn beide sind von gleicher Stärke
Und spielen ihre Wunderwerke
Mit allen, die auf Erden gehn.

Ich gebe dir dies Pfand zur Lehre:
Das Gold bedeutet feste Treu',
Der Ring, daß uns die Zeit verehre,
Die Täubchen, wie vergnügt man sei;
Der Kopf erinnert dich des Lebens,
Im Grab ist aller Wunsch vergebens,
Drum lieb und lebe, weil man kann,
Wer weiß, wie bald wir wandern müssen!
Das Leben steckt im treuen Küssen,
Ach, fang den Augenblick noch an!
oranier schrieb am 17.06.2011 um 17:04
Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau (1616-1679)

Vergänglichkeit der Schönheit

Es wird der bleiche Tod mit seiner kalten Hand
Dir endlich mit der Zeit um deine Brüste streichen,
Der liebliche Korall der Lippen wird verbleichen;
Der Schultern warmer Schnee wird werden kalter Sand,
Der Augen süßer Blitz, die Kräfte deiner Hand,
Für welchen solches fällt, die werden zeitlich weichen,
Das Haar, das itzund kann des Goldes Glanz erreichen,
Tilget endlich Tag und Jahr als ein gemeines Band.
Der wohlgesetzte Fuß, die lieblichen Gebärden,
Die werden teils zu Staub, teils nichts und nichtig werden,
Denn opfert keiner mehr der Gottheit deiner Pracht.
Dies und noch mehr als dies muss endlich untergehen,
Dein Herze kann allein zu aller Zeit bestehen,
Dieweil es die Natur aus Diamant gemacht.
Cassandra
//
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merdeister hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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h.yuren hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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