Cassandra

findelfantasie

18.07.2011 | 03:30

Gedicht des Monats: Juli

In der Tradition von Tittas Blog-Serie kann hier wieder eine Sammlung in den Kommentaren entstehen: mit gefundenen Gedichten.

Fundort: keine Vorgaben. Vom eigenen Kopf über einst Auswendiggelerntes bis Internetsuche ist alles er- und gewünscht.

wilbertbaan // CC BY-NC-SA 2.0


Motto: Manch einer beschwert sich momentan, es gebe dieses Jahr gar keinen richtigen Sommer. Was ist denn ein "richtiger" Sommer? Ist Regen nicht auch schön? Steht der nur dem Herbst zu?

Wenn die Tropfen an die Scheibe prasseln und in der Ferne die Autos über die regennasse Fahrbahn schlittern, wenn ein Blumenkübel vom Wind fünf Stockwerke hinabgestürzt wird und krachend am Boden zerschellt.

fritscdejong // CC BY-NC-ND 2.0

 

Oder dieser Moment vor dem Sturm, wenn sich langsam die Wolken zusammenziehen, warme Luft die Haare zerzaust und den Menschen atmen lässt nach einem drückenden Tag... 

...oder etwas ganz anderes.

 

 
Senden Bookmarken Drucken
Kommentare
kay.kloetzer schrieb am 18.07.2011 um 03:51
fuer titta

dein regen flieht schon wieder,
da mein baum noch dampft.

dein regen kommt,
während ich grille.

wäre wasser eine dusche,
würde ich baden.
da es aber wie butter auf dem brot ist,
tu' ich so, als hätte ich es nicht bemerkt.
Cassandra schrieb am 18.07.2011 um 04:18
Gute Idee

Der Regen hatte die Wege ausgewaschen,
sie lagen jetzt voller Bucheckern
und die Biker hatten Mühe
ihre Geschwindigkeit einzuhalten.
Dir war kalt, deswegen wolltest du schnell zurück.
Aber auch das Apartment war kalt
und wir hatten keine Lust
zu lesen oder fernzusehen,
wir gingen einfach ins Bett, damit
ich dich wärmen konnte und du mich.

Wolfgang Bittner
in: Überschreiten die Grenze / Granicę przekroczyć
Athena-Verlag 2004)
born2bmild schrieb am 18.07.2011 um 08:50
sommerlied

wir sind die menschen auf den wiesen
bald sind wir die menschen unter den wiesen
und werden wiesen, und werden wald
das wird ein heiterer landaufenthalt

Ernst Jandl
goedzak schrieb am 18.07.2011 um 08:51
h.yuren schrieb am 18.07.2011 um 09:49
die menschen am horn von afrika
und die wenigen auf antarktika
möchten auch mal regen sehn.
jayne schrieb am 18.07.2011 um 10:13
Stiller Vers
jayne schrieb am 18.07.2011 um 11:12
Cassandra schrieb am 19.07.2011 um 21:05
beides wunderschön, aber das Gedicht in Buchstaben hat es mir besonders angetan.
KalleWirsch schrieb am 18.07.2011 um 10:19
Wer weiß

Es ist Herbst da draußen
Vielleicht auch Winter
Oder Sommer
Wer weiß das schon so genau

Wer weiß
Was da los ist
Da draußen
Wenn alles in Veränderung begriffen
Wenn etwas geht
Den Schatten sucht
Zurückbleibt
Anderes beginnt
Ins Licht strebt
Gebiert
Wer weiß

Ist es wirklich Herbst da draußen
Vielleicht noch Sommer
Oder schon Winter
Wer weiß das schon

Eigentlich müsste Frühling sein
Um das Neue zu begrüßen
Aber wer kann das schon genau sagen

Manchmal schneit es im April
KalleWirsch schrieb am 18.07.2011 um 10:25
Kleine Geschichte

Litt einst ein Fähnlein große Not,
halb war es gelb, halb war es rot,
und wollte gern zusammen
zu einer lichten Flammen.

Es zog sich, wand sich, wellte sich,
es knitterte, es schnellte sich,-
umsonst! es mocht nicht glücken,
die Naht zu überbrücken.

Da kam ein Wolkenbruch daher
und wusch das Fähnlein kreuz und quer,
dass Rot und Gelb, zerflossen,
voll Inbrunst sich genossen.

Des Fähnleins Herren freilich war
des Vorgangs Freudigkeit nicht klar -
indes, die sich besaßen,
nun alle Welt vergaßen.

Christian Morgenstern
indyjane schrieb am 18.07.2011 um 10:35
Der Regen regnet sich nicht satt.
Es regnet hoffnungslosen Zwirn.
Wer jetzt 'ne dünne Schädeldecke hat,
Dem regnet's ins Gehirn.
Im Rachen juckt's. Im Rücken zerrt's.
Es blöken die Bakterienherden.
Der Regen reicht allmählich bis ans Herz.
Was soll blos daraus werden?
Der Regen bohrt sich durch die Haut.
Und dieser Trübsinn, der uns beugt,
Wird, wie so manches, subkutan erzeugt.
Wir sind porös gebaut.
Seit Wochen rollen Wolkenfässer
Von Horizont zu Horizont.
Der Neubau drüben mit der braunen Front
Wird von dem Regen täglich blässer.
Nun ist er blond.
Die Sonne wurde eingemottet.
Es ist, als lebte sie nicht mehr.
Ach, die Alleen, durch die man traurig trottet,
Sind kalt und leer.
Man kriecht ins Bett. Das ist gescheiter
Als dass man klein im Regen steht.
Das geht auf keinen Fall so weiter,
Wenn das so weiter geht.
(erich kästner - rezitation im regen)
indyjane schrieb am 18.07.2011 um 10:38
Die Wolken haben sich getürmt und getürmt,
der Regen fällt und fällt,
Die acht Schichten der Himmel
falzen sich zu einer Schwärze,
Und die weite flache Straße dehnt sich.
Ich halte in meinem Zimmer nach Osten ein, still, still,
Ich tätschle mein neues Weinfäßchen.
Meine Freunde sind abgefallen oder weit von hier,
Ich neige den Kopf und halte still.
II
Regen, Regen, die Wolken haben sich getürmt,
Die acht Schichten der Himmel sind Schwärze,
Das flache Land verwandelt sich zum Strom.
»Wein, Wein, hier ist Wein!«
Ich trinke an meinem Ostfenster.
Ich denke an Gespräche und Menschen,
Und kein Kahn, kein Wagen kommt.
(…)
(ezra pound - die reglose wolke)
indyjane schrieb am 18.07.2011 um 10:39
Das innerste Afrika

Komm in ein wärmeres Land
mit Rosenwetter
Und grünen laubigen Türen
Wo unverkleidete Männer
Deine Genossen sind.
Dahin! Dahin
Möcht ich mit dir, Geliebter
Komm

aus deinem Bau deinem lebenslänglichen Planjahr ewigen
Schnee / Wartesaal wo die Geschichte auf den vergilbten
Fahrplan starrt die Reisenden ranzig / Truppengelände
TRAUNERN IST NICHT GESTATTET

Unter die sachten Tamarisken
In den Tropenregen, der die Losungen
Abwäscht, trockenen Protokolle.

Sieh das Meer, das dagegen ist
Mit fröhlichen Wellen, und ins Offene geht
dahin

Dahin führt kein Weg.

Wenn du gehst, hebt die Zeit ihre Flügel.

Nimm den Pfad gleich links durch die Brust
Und überschreite die Grenze.

Wo die Zitronen blühn, piff paff!

En quelque soir, par exemple, le touriste naïf EUROPA
SACKBAHNHOF die verdunkelten Züge aus der vierten
Welt vor Hunger berstend / hinter der Zeitmauer Getöse
unverständliche Schreie / Blut sickert aus den Nähten
der Niederlage / Zukunftsgraupel und fast will / Mir es
scheinen, es sei, als in der bleiernen Zeit

Sie können dich töten, aber vielleicht
Kommst du davon
Ledig und unbestimmt
komm! ins Offene, Freund!

Nicht im Süden liegt es, Ausland nicht
Wo unverkleidete Männer
Wo der Regen
Denn nicht Mächtiges ists, zum Leben aber gehört es
Was wir wollen
wo dich keiner
Das innerste Land, die Fremde
Erwartet. Du mußt die Grenze überschreiten
Mit deinem gültigen Gesicht.

Dein rotes Spanien, dein Libanon

Erreiche es vor der Rente.

Wir befinden uns, sagte er, auf einer schiefen Ebne. Alles
deutet darauf hin, daß es abwärts geht. Schließen Sie ein-
mal die Augen und hören Sie, wie es knirscht. Das ist das
Ende. Warten wir ab, wir werden es erleben. Wir sind
auf dem besten Weg. Wir brauchen nur fortzufahren mit
der Übung. Vor einiger Zeit konnten wir z. B. das Brett
oder wie man es nennen will zurückwippen über den Null-
punkt und sagen: es geht aufwärts! Jetzt ist es eine end-
gültige Schräge in den Keller. Zu den Kakerlaken, meine
Damen und Herrn. Bleiben Sie ruhig, gehn Sie in die
Firma, wickeln Sie sich in die Plane, fassen Sie sich kurz.
Wir haben die furchtbare Nachricht vernommen, wir
haben nichts hinzuzusetzen. Adieu. Sagte der Mann in
Itzehoe und glitt hinter dem Fenster hinab.

Non! wir werden den Sommer nicht mehr in diesem geiz-
igen Land verbringen, wo wir immer nur einander ver-
sprochene Waisen sind,
komm

Steckmuscheln, Zikaden
Mach dich auf
Lebenslänglicher Leib:
SIEH DAS MEER, DAS DAGEGEN IST.
ERREICHE ES VOR DER RENTE.
DU MUSST DIE GRENZE ÜBERSCHREITEN.

volker braun
indyjane schrieb am 18.07.2011 um 10:42
dame.von.welt schrieb am 18.07.2011 um 10:48
In Erwartung der Heimkehrer

Ist das die Hütte meiner Lieben dort vorn auf dem Sand,
die wacht wie ich mit dem Regen?
Ich, Sohn des Odysseus, warte auf Post aus dem Norden…
Die Seeleute riefen ihn, aber er reiste nicht ab.
Er hielt die Schiffe zurück und wandte sich zu den Bergen.
- O Stein, auf dem mein Vater für einen Rasenden gebetet,
dich verkaufe ich nicht für Juwelen.
Ich werde nicht gehen,
werde nicht gehen,
nicht gehen!

Die Stimmen meiner Lieben durchdringen Mauern und Wind.
- O Mutter, warte auf uns vor der Tür. Wir kehren heim.
Diese Zeit ist anders als ihr glaubt.
Wie der Seemann es will, so weht der Wind,
und das Schiff bezwingt der Strömung Lauf!

Was hast du uns gekocht? Wir kehren heim.
Sie haben unsere Ölvorräte geraubt und unsere Säcke Mehl.
Bring Kräuter, bring Erbsen vom Feld,
wir kehren heim!

Die Schritte meiner Lieben sind Seufzer des Steins in eiserner Hand,
und schlaflos stehe ich mit dem Regen.
Umsonst lass ich meinen Blick in die Ferne schweifen,
denn ich werde bleiben … auf dem Stein … unter dem Stein …halte Stand.

Mahmoud Darwish
Ehemaliger Nutzer schrieb am 18.07.2011 um 11:10
Musikalischer Vers

koslowski schrieb am 18.07.2011 um 11:15
14. Juli 80:
Na, das sieht mir ja beinah schon puffig aus,
der Klacks Tulpen mitten im Giersch;
aber sagt was ihr wollt,
diese eigentlich nur mangels gärtnerischer Pflege
aufgekommene Laszivität
hat mir rückhaltlos imponiert

aus: Peter Rühmkorf, So viele Stücke auf der Staffelei mittlerweile (1989)
S. Steinebach schrieb am 18.07.2011 um 11:22
Ich schaue zu, wie sich die alte Welt
in mir erhebt und immer wieder streitet,
und wie die neue sanft darübergleitet,
so wechselweis verdüstert und erhellt.

Ich schaue zu. Wie endigt wohl der Krieg?
Wird sich der trübe Rauch zu Boden schlagen
und morgendliche Klarheit drüber tagen?
ICH schaut mir zu. Vielleicht wirkt dies den Sieg . . .

Christian Morgenstern aus:
Wer vom Ziel nicht weiß, kann den Weg nicht haben. Piper Verlag, München. 1939
Jan Fremder schrieb am 18.07.2011 um 15:44
Der Regen fällt.
Schimmern benetzt die Adern dieser Stadt.
Von Ferne bellt
ein Hund, den jemand rausgeworfen hat.

Glitzern jedes Blatt der Bäume.
Wer es sieht, darf glücklich gähnen.
in den Augen funkeln Träume.
Stille – Stille dann Sirenen.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 18.07.2011 um 20:16
Ähm... ja. Das nenne ich mal Stimmung. Wenn man schon aus der Ferne erkennt, dass ein Hund nicht einfach so bellt, sondern rausgeworfen wurde...

Unter anderen Umständen hätte ich gefragt, ob Sie Unterstützung brauchen... aber Sie wissen ja schon.
Jan Fremder schrieb am 18.07.2011 um 20:34
@Fahrenheit 451
Zitat: "Ähm... ja. Das nenne ich mal Stimmung. Wenn man schon aus der Ferne erkennt, dass ein Hund nicht einfach so bellt, sondern rausgeworfen wurde... "

Da gibt es schon Unterschiede. Ob jetzt fröhlich zur Kommunikation in die Nacht gebellt wird, aggressiv, zur Begrüßung, oder weil er im Regen ausgesetzt wurde und wieder rein will.
Vadis schrieb am 18.07.2011 um 21:04
Das Gedicht legt fest, was es schreibt:

Dass der Hund rausgeworfen wurde.

Dass er bellt.

Dass er bellt, weil er rausgeworfen wurde, steht nirgends.
Vadis schrieb am 18.07.2011 um 21:06
Ging @ Fahrenheit 451
Joachim Petrick schrieb am 18.07.2011 um 15:47
Faust 2011

Es strebt der Mensch, solang er wirrend irrt
Zwar weiss ich nichts, doch will ich vor allem
von allem auch nichts wissen

Hier bin ich unbehaust im 32 Stock
Meiner in meiner Seele gewiss
den Menschen fern, dem Himmel nah
hier darf ich s sein.
Der Geist, der sich stets im Ungeist erst bejaht

Kluges Zeug kann man selten in Zungen reden
kann es weniger noch schreiben
wird weder Leib noch Seele heilen
es wird nichts beim Alten bleiben

Rätselhaft Dunkles aber vors Auge gestellt,
fordert ein magisches Recht,
indem es die Sinne voller Strenge
gefesselt hält
bleibt der Geist ein dreister Dealer.
Und die Gäste in der Nacht
Walter Kohl hier,
Joachim und Christian Gauck da-
gauckeln ihre wackere Rechenschaft
als kommode Menschen Postkarten Pracht (PP)

bis zu guter Letzt
sie uns auf einen Beckmann
adrenalingesteuert gar nicht fies
doch feist im Menschenfleisch
bescheuert und belämmert
um den Schlaf gebracht.

Hab Acht, wenn Du nach Rom kommst
oder war es Hannover, Weimar, Leipzig,
Hamburg, Dresden, München, Düsseldorf, gar Berlin?
Warte nur ein Weilchen,
Dann kommt der Harnack
Mein Gott Walter!
mit seinem Hackebeilchen,
Facebook auch zu Dir

Aufstehen!,
der Kohldampf fordert
seinen ungestümen Aus- und Freigang
raumfüllend
seinen gen Himmel stinkenden Tribut
Ullrich Läntzsch schrieb am 18.07.2011 um 15:56
Schööööön, danke

Grüße
Joachim Petrick schrieb am 18.07.2011 um 16:03
das ist eine frei assoziierte Ode an Goethes Faust
Joachim Petrick schrieb am 18.07.2011 um 16:04
Goethes milder Wutbürger Faust
Joachim Petrick schrieb am 18.07.2011 um 16:11
@Ullrich Läntzsch

Grüsse mit besten Tschüss zurück
Joachim Petrick schrieb am 18.07.2011 um 16:11
@Ullrich Läntzsch

Grüsse mit besten Tschüss zurück
Joachim Petrick schrieb am 18.07.2011 um 16:11
@Ullrich Läntzsch

Grüsse mit besten Tschüss zurück
Joachim Petrick schrieb am 18.07.2011 um 15:56
Guter Raum im Bösen

Der sicherste Ort in der Welt im Guten
ist der Raum im hohlen Zahn des Bösen
ed2murrow schrieb am 18.07.2011 um 16:29
sähe ich gern im Schaukasten!
Magda schrieb am 18.07.2011 um 19:43
Die große Fracht

Die große Fracht des Sommers ist verladen,
das Sonnenschiff im Hafen liegt bereit,
wenn hinter dir die Möwe stürzt und schreit.
Die große Fracht des Sommers ist verladen.

Das Sonnenschiff im Hafen liegt bereit,
und auf die Lippen der Galionsfiguren
tritt unverhüllt das Lächeln der Lemuren.
Das Sonnenschiff im Hafen liegt bereit.

Wenn hinter dir die Möwe stürzt und schreit,
kommt aus dem Westen der Befehl zu sinken; .
doch offnen Augs wirst du im Licht ertrinken,
wenn hinter dir die Möwe stürzt und schreit.

(Ingeborg Bachmann)
ostello jaeger schrieb am 19.07.2011 um 00:13
au ja - ich mach auch mit, also denn dann:

erinnerung

weiße möwen
höre ich immer noch singend lachen
neben fernen feuern roter drachen

und das matt gestaltete
mehr und immer mehr
will sich zu ungeheuren stürmen
auftürmen

daneben das große staunen
das ich noch einmal zu versuchen suche
löst sich auf in allerkleinste wunder

wie die wunder von der vergeblichkeit
meiner erinnerung
die wie die stümpfe von statuen sind

und du katze - fauch
und du feuer - rauch

und du kind - lauf
und du mond - in glanz, zieh auf

denn nur schwach schwelender dunst ist
bis zum letzten augenblick
archinaut schrieb am 19.07.2011 um 02:41
.... eine schöne Idee, liebe cassandra....,
ich geb auch mal eins::

So breitete mein Körper sich aus, nachts
waren meine Arme Schnee,
meine Füße sturmgepeitschtes Land,
und ich wuchs an wie ein Fluß beim Wolkenbruch
und wurde fruchtbar mit allem,
was in mich fiel, Keimungen,
Gesänge zwischen Blatt und Blatt, Käfer,
die sich begatteten, neue
Wurzeln, die aufstiegen
zum Tau,
Stürme, die noch immer da schütteln,
die Türme des Lorbeer, den Scharlachbusch
der Haselnuß, die heilge Geduld
der Lärche,
und so war meine Jugend
Erdreich, besaß
Inseln, Schweigen, Berg, Wachstum,
vulkanisches Licht, Lehm der Wege,
den wilden Rauch verbrannter Äste.

aus:
"Wo der Regen geboren wird"
von Pablo Neruda 1964,
übertragen von Gerda Schattenberg/Erich Arendt
Wiesengrund schrieb am 19.07.2011 um 18:44
Pakikid

Sommer, Sonne, Strahlenschein
das Kind der Straße stirbt allein
und stirbt es auch im kühlen Schatten
das Licht der Welt spendet einen matten

Atem - los fließt Plastik, von Öl umgeben
durch die Gosse, keine Chance für ein Leben
in Hitze, Hemd & Hüttenkrümel
auf ein Vier-Jahres-Zeiten ICH
Cassandra schrieb am 19.07.2011 um 21:07
Danke an alle, das ist eine wunderschöne Sammlung geworden.
Don Quijote schrieb am 21.07.2011 um 22:53
Der Schicksalsfluß wäre furchtbar
hätte ich nicht meine Krebse
  alles fließt zum Meere hin
  doch die Krebse
  kriechen langsam zurück
  zu den Quellen

Imants Ziedonis
oranier schrieb am 22.07.2011 um 16:39
Danke, liebe Cassandra, für das Blog und die Fortsetzung von Tittas Serie!

Passend kommt mir natürlich nochmals deren "Resümee aus der Sommerzeit des Lebens" in Erinnerung. In diesem ihrem schönsten Blog schwingt ja auch mit: der Sommer als die Jahreszeit der prallen und reifen Früchte zeigt auch zugleich schon den Umschlag ins Vergehen und Sterben an.

Nur drei Tage vor ihrem Tod schickte sie mir eine ganze Reihe von wunderschön fotografierten Bildern mit prächtigen Blumen von ihrem Dachbalkon. Kurz zuvor war ihre beste und langjährige Freundin gestorben, und bei ihrem letzten Besuch mit ihrem Mann an deren Grab soll sie beim Weggehen gesagt haben: "Bis bald, Lisa!"

Und mir schickt sie die Blumenbilder mit dem Kommentar: "Das ist momentan fast das einzige, was mich tröstet. Ich habe Lisa versprochen, mich um meine Dachterrasse zu kümmern, damit sie Freude hat beim Runterschauen."

Möge sie sich nun beim Herunterschauen, wenn möglich, erfreuen an den vielleicht letzten Rosen auf ihrer Dachterrasse, an der weitergeführten Seite mit den Gedichten hier, nicht zuletzt an ihrer von mir hier niedergelegten Rose und dem entsprechenden Lied dazu!

roterose

Von den wunderbaren Sängerinnen meiner früheren, opernbegeisterten Tage habe ich die Version mit Anneliese Rothenberger ausgewählt, hier mit dem ebenso wunderbaren Fritz Wunderlich, der ebenfalls allzu früh aus dem Leben gerissen wurde:



Oder, für den, der's so lieber mag:

mathegudrun schrieb am 23.07.2011 um 18:03
Mein Lieblingssommergedicht vom Regen:

Grüner Juni

Tropische Stimmung im märkischen Garten.
Regendünste dicken die Luft,
Sämig schon vom blühenden Duft
Der Holunder, die zu Wäldern entarten.

Als wir begannen, wurzelten wir
Schößlinge vier von dem wilden Flieder.
Jetzt beugen vierzig Bäume sich nieder,
Bekrochen von allerlei niederm Getier.

Und durchflogen von Vögeln. Die blaue Meise
Ist wie ein Tropfen im Schaum versunken.
Da hat im Herbst die Drossel getrunken.
(Narkotische Kräfte zur glücklichen Reise.)

Nur fehlt nur noch, daß Kolibris fliegen
Durch unsern tropischen Regengarten.
Daß wir auf Paradiesvögel warten,
Läßt uns über alle Zweifel obsiegen.

(Eva Strittmatter)
Cassandra
//
Mitglied seit:
2 Jahre 51 Wochen
Zuletzt aktiv:
03.03.2012
Status:
Bloggerin
Aktivität:
Beiträge: 49
Kommentare: 1938
Mein Projekt:
Logbuch
22:37
born2bmild hat gerade einen Kommentar geschrieben.
22:35
merdeister hat gerade einen Kommentar geschrieben.
22:34
h.yuren hat gerade einen Kommentar geschrieben.
22:31
heidenplejer hat gerade einen Kommentar geschrieben.
22:30
efa hat gerade einen Kommentar geschrieben.
Jürgen Roth Gazprom – das unheimliche Imperium Westend Verlag 2012

316 Seiten. Gebunden.

19,99
 
Das Imperium Gazprom verfügt über eine eigene Armee und einen mächtigen Geheimdienst. An verantwortlichen Positionen arbeiten ehemalige KGB-Agenten, sein privater Besitz ist absolut geschützt, die Verantwortlichen sind unantastbar. Mit Hilfe williger deutscher und europäischer Industrieller versucht es, den Energiemarkt zu monopolisieren und die Verbraucher abzuzocken. Jürgen Roth enthüllt, wer hinter den Kulissen die Fäden zieht >> mehr
Arte-Kooperation

portlet_ArabienArte.png

portlet-gaertnerbuch.png

wir müssen reden

Augstein und Blome

portlet_Phoenix-12.png

Probe-Abo

probeabo260x120.jpg

Aktuelle Ausgabe bestellen
Der gefährlichste Mann Europas?

Ausgabe 21/2012
24.05.2012

keine Versandkosten
kein Aufpreis

Einzelpreis: 3.60 €

>> bestellen
der Freitag Kollektion

Freitag-Kollektion_Gaertner.jpg

Arte

portlet_arte+zeile.pngportlet_arte+zeile.png

Freitag-Buchshop.png

 
 
 
 
© der Freitag Mediengesellschaft mbH & Co. KG