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Hier geht es zu Teil I und Teil II.
38. ARD, Klappe die vierte: Dr. Kai Gniffke verteidigt, dass Ausschnitte des Videos in den 20 Uhr Nachrichten gezeigt wurden:
"[G]erade in Tagen, in denen wir über den Kriegsbegriff diskutieren, musste man Teile des Videos zeigen."
Danke. Sehr gut.
Außerdem spricht er noch einen weiteren Punkt an: ist "WikiLeaks" eine vertrauenwürdige Quelle? - Er meint: zuersteinmal nein, die Informationen, die über das Portal eingehen, müssten eingehend geprüft werden - wie jede andere Nachricht auch, die nicht von einer Agentur stamme.
"Ich bin mir sicher, dass die Zahl solcher Fälle in Zukunft zunehmen wird. Deshalb müssen wir intern Strukturen schaffen, die einen verantwortungsbewussten Umgang mit diesem Material ermöglichen. Aber man muss auch für die Zukunft die Relationen richtig einschätzen. Mindestens 99 Prozent unserer Bilder werden auch künftig von Profis produziert. Aber das eine Prozent sollte uns eben auch sehr wichtig sein."
Gut, gut, Punkt für ihn - aus der Sicht eines professionellen Journalisten heraus: Wissen wir, wer Julian Assange ist, abgesehen davon, dass er als Jugendlicher (Eigenwortlaut, warum steht das eigentlich nicht in Wikipedia?) der berühmteste Computer-Hacker Australiens war? Wer noch hinter WikiLeaks steckt? Wie Daniel "Schmitts" richtiger Nachname lautet? Es wurde ja gar spekuliert, die CIA habe die Organisation selbst aufgebaut.
Ich glaube, dazu muss ich auch noch ein paar Materialien zusammenfassen. Vielleicht vorweg, bevor ich mir allzu viele Gedanken über meine eigene Motivation gemacht habe: Mir ist das einfach alles sympathisch. Damit ergreife ich vermutlich im Zweifelsfall meistens Partei für WikiLeaks, eine geniale Idee die noch immer im Aufbau steckt, weil sie nicht genug Geld zur Verfügung stehen hat. Deren Vision eines sich schnell entwickelnden internationalen Netzes von Mitarbeitern sich bisher nicht in diesem Ausmaße erfüllt hat. Deren Mitarbeiter kein Geld dafür bekommen, dass sie entweder zeitweise oder sogar Vollzeit (das sind laut Daniel Schmitt, er sagte es mE im Küchenradio) ca.5 Leute arbeiten. Das macht man doch nur, wenn etwas wirklich begeistert. Diese Leute sind einfach gut. Und der ARD-aktuell-Chefredakteur erzählt etwas davon, dass "99 Prozent unserer Bilder (...) auch künftig von Profis produziert" würden?
Das sollen keine Profis sein? Um Mal von meiner persönlichen Sichtweise wieder ein wenig Abstand zu nehmen:
a) Julian Assange erhielt "2008 den Economist Index on Censorship Award und 2009 den Amnesty International Media Award (New Media) für Berichte über Hinrichtungen ohne Gerichtsverfahren." Ganz abgesehen davon, als was und wo er überall gearbeitet hat (Quellen folgen, ich habe das nur aus einem Vortrag von ihm in Malaysia im Kopf).
b) 
c) 
d) Zur Richtigkeit der Agentur-Meldungen im Vergleich zu anderen meint hibou:
... aus meiner Zeit bei den Fernschreibern erinner ich, dass auch dpa vielfach vorgekautes Material verwendet hat... gerade die Presseagenturen in"formieren" sehr nach Gusto (der jeweils Herrschenden).
39. AlJazeera strahlte ein Interview mit den Familien der beiden Reuters-Mitarbeiter aus. Sie fordern - wie sollte es anders sein - Gerechtigkeit, die zu einem Teil auch daraus bestehen sollte, die Behandlung für die Kinder endlich zu bezahlen. Noch ein Zitat, das mir besonders auffiel: Der Sohn des getöteten Fahrers sagte: "Ich werde die Amerikaner nicht so davon kommen lassen." An dem Punkt hatte ich mein anderes Blog im Kopf: Kinder in Gaza. Und ich dachte an diesen Jungen, vielleicht 11 oder 12, der so ernst und erwachsen, aber sehr ruhig erklärte, warum er später wahrscheinlich Israelis töten werde. Sie seien Schuld daran, dass er nicht mehr wie zuvor, alle Menschen liebe, sondern nun im Vorhinein hasse, weil sie ohne Grund seinen Vater und seinen kleinen Bruder vor seinen Augen erschossen. Den Vater, ein Bauer, der mit erhobenen Händen in der Tür stand. Danach: Ein Schuss in den Körper des Vierjährigen, und dann noch einen ins Auge. Gezielt. Daran dachte ich in diesem Moment, aber der junge Mann hier sagte, er wolle die Amerikaner nicht aus den Augen lassen und selbst eine Kamera tragen, um all dies zu dokumentieren. Nicht um zu töten.
40. Na, hatte Streifzug nicht mal sowas gesagt...? Mehrfach?

41. Es gibt bereits einen wikipedia-Artikel zu "Collateral Murder" (was enorm ist, wenn man bedenkt, dass es bis vor ein paar Tagen nur einen englischen Eintrag zu Julian Assange gab, der aus zwei Sätzen bestand, der deutsche existiert seit dem 04.04.). WikiLeaks bittet via twitter, diese zu ergänzen. Findet sich vielleicht jemand aus der Community, der den deutschen Wikipedia-Eintrag erstellt? Ich habe momentan noch genug hiermit zu tun :)
42. Wie man unter meinem zweiten Beitrag sehen kann, wurde dieser auf den "ostsee-zeitung-blog" verlinkt. Dieser ist böser formuliert als meine Zusammenfassung. Gefällt mir. Insgesamt handelt es sich hierbei wohl um ein Blog, das sich ähnlich dem BILD-Blog für die Richtigstellung der dort aufgetauchten Nachrichten einsetzt. Die Ostseezeitung hat aber eine Bezahlschranke - danke also, dass Teile des Artikels zugänglich gemacht wurden. Hierin kann man laut dem Autor, Ulrich Meike, klar erkennen, dass die sog. Qualitätsmedien es noch nicht einmal für nötig halten, das Video selbst zu sehen. Zitat:
Wer das Video nicht gesehen hat und also Bunkerbewohner ist, kommt zu dem Schluss, dass
1. er weiterhin keine Ahnung hat, wer und was Wikileaks ist (Das ist von der OZ so gewollt, denn Wikileaks übertrifft inzwischen alle Agenturen, wenn es um das Aufdecken von Schweinereien geht - und das im bösenbösen Internet. Normal wäre, die OZ würde über den Verlag an Wikileaks spenden, damit mehr veröffentlicht wird).
43. JONATHAN STRAY von foreignpolicy.com hat wirklich den absolut besten Artikel zu wikileaks, den ich gelesen habe. Alles zu wiederholen wäre schwachsinnig, aber sie fassen alle wichtigen Punkte zusammen, haben offensichtlich auch Assanges Vorträge in Deutschland und Malaysia von letzten Dezember gesehen - oder zumindest die darin vorkommenden Informationen an anderer Stelle aufgesammelt. Das beste aber ist der Titel und damit die Gesamtaussage:
"Is This the Future of Journalism?"
Letzter Absatz:
Trotz des erfolgreichen Erreichens des Öffentlichkeitsinteresses bleiben lauthals verkündete Lobpreisungen selten. Der Grund hierfür liegt in WikiLeaks Missachtung von gestellten Aufträgen und die unerschrockene/ungenierte Arbeitsweise der Organisation. Jedoch: Kein Journalist, mit dem ich gesprochen habe, redete privat schlecht von WikiLeaks. Jeder Reporter weiß, dass WikiLeaks als ein unwichtiges kleines Anhängsel erscheint, dass von vitaler Bedeutung ist [Original wird das Sprichwort "the thin end of the wedge"= "schmalstess Ende eines Keils" benutzt. Ich habe versucht die Bedeutung zu umschreiben.] Wenn WikiLeaks eine gefährliche Story nicht bringen kann, dann kann es niemand.
44. Screenshot von 8.45 Uhr, 08.04.

9 Uhr: Und hier ist es auch schon. Ich bin leicht verwirrt, ich dachte, die Krankenberichte der Kinder seien schon draußen gewesen. Muss ich mir noch einmal genauer anschauen, wahrscheinlich sind diese hier detailierter. Aber ich mache jetzt ersteinmal ein paar Stunden Pause. Seht es euch selbst an. Hier ist der Bericht des Mädchens, hier der ihres Bruders.
--- Cassi hat eine 24stündige WikiLeaks-Pause eingelegt, während der sie u.a. diese NDR-Dokumentation über KiK sah (Empfehlung von merdeister). Dilemma zwischen Wichtigkeitsgrad der Sache und übertriebene Parteilichkeit der Berichterstattung diskutiere ich an diesem Beispiel oder auch am Beispiel WikiLeaks bei Interesse gerne in einem neuen Blog ---
45. Das Slate-Magazin bringt ob der sich sehr vielen Kommentatoren aufdrängenden Parallele des Videos zu einem Computerspiel eine Auseinandersetzung mit der Frage, ob Computerspiele nicht sogar solche Vorfälle verhindern könnten.
"Moderne Kriegsführung wird immer mehr wie ein Videospiel, besonders gut an der Tatsache zu beobachten, dass der Abstand zwischen Soldaten und deren Zielen wächst. Aber gleichzeitig werden Kriegsspiele auch realistischer - und das nicht nur hinsichtlich der Darstellung von Blut und Eingeweiden. Viele zwingen den Spieler die gebotenen Angriffsregeln zu befolgen und schwierige Entscheidungen darüber zu treffen, wann man schießen sollte - und wann nicht. (...)
Die schwierigsten ethischen Dilemmata sind zu komplex, um sie in 3D wieder zu geben, und Schnelligkeit als auch Verwirrung des Kriegs sind unmöglich auf einem Bildschirm darzustellen. Aber die besten Spiele könnten dabei helfen, dass Soldaten die wirklichen Bedingungen zumindest vorausahnen. Videospieler sind wohl kaum dafür verantwortlich zu machen, was in der Baghdader Tragödie des Jahres 2007 passierte. Aber sie könnten dabei helfen, die nächste zu verhindern."
46. AlJazeera sendete gestern Nachmittag (am 08.04.) eine ausführliche Zusammenfassung des Vorfalls und der anschließenden Diskussion. Die zweite Hälfte des Videos beschäftigt sich u.a. mit der Geschichte von WikiLeaks, das würde hier mE den Rahmen sprengen.
Bill Roggio von longwarjournal.org , ein ehemaliger Soldat, gibt hier zu bedenken, dass das zu Hilfe eilende Auto, in dem auch die beiden Kinder saßen, durchaus auffiel: Wer Bagdad aus der Luft betrachtet, hat auch einen Überblick (wie der Zuschauer auch später in der Gesamtfassung des Videos), wer noch alles unterwegs ist. In diesem Falle war der später beschossene Van das einzige Fahrzeug innerhalb von ganzen Straßenblocks - und dass an einem Morgen in dieser lebendigen Stadt.
Für Roggio ist damit klar, dass in diesem Gebiet etwas vor sich ging, es war offensichtlich, dass eine nicht gewaltfreie Situation aufkommen würde. Und auch ich hörte in einem der ersten Berichte, dass die beiden Journalisten gerade deswegen in das Gebiet gefahren waren: Man hatte gehört, dass "irgendetwas" vor sich ginge.
Roggio selbst steht WikiLeaks zwiegespalten gegenüber. Er findet zwar die Absichten sehr gut, aber manches von dem veröffentlichten Material sei ein wirkliches Sicherheitsrisiko für die beteiligten Soldaten. Beispielsweise könnten die Gegner nun die veröffentlichten Angriffsregeln auswerten und sich daran anpassen.
47. Zapp (NDR) beschäftigt sich mit der Frage, warum die deutschen Medien das Thema so spät aufgriffen (danke wieder an Chriguh für den Link) .
Kai Gniffke (siehe 38) meint, dass man hier durchaus ein Fake unterbringen könne; es gebe zwar Instanzen, die versuchten das zu verhindern - aber die hält er offensichtlich nicht für absolut vertrauenswürdig. Rüdiger Ditz von SpOn fügt an, man könne Bildmaterial leicht manipulieren.
Die generelle Kritik läuft darauf hinaus, dass das Video doch extrem emotional aufbereitet sei; professionelle Journalisten schreckten davor zurück - jedoch: wenn ein Medium anfinge, sei "der Damm gebrochen" und die anderen stiegen mit ein. Zu einer vernünftigen Recherche gehöre aber mehr, als bloß das Video zu sehen: Man müsse die Bestätigung durch das Pentagon abwarten, mit den eigenen Korrespondenten, die damals an dem Fall gearbeitet hatten, für mehr Informationen kontaktieren, etc. Dies werde eben nicht "frei Haus geliefert".
Das ist sicher alles richtig und klingt wunderbar verantwortungsvoll. Ich frage mich nur, warum das so wenige Medien normalerweise in ihrer Berichterstattung berücksichtigen. Wieso bspw. zögerte sogar die Bild-Zeitung so lange, bis sie das Video in seine Meldungen einfügte? Warum berichtete man nicht direkt, als das Video bestätigt worden war, sondern erst viele, viele Stunden später? Nicht einmal eine Kurzmeldung war zu finden.
Ich finde es absolut ehrenwert, wenn man das, was man berichtet vorher ganz genau prüfen will, weil man bei den veröffentlichten Dokumenten Magenschmerzen hat. Warum aber berichtet man dann nicht über die Zweifel? Bindet dies ein? Durchsucht zu diesem Zeitpunkt schon die Archive nach Materialen aus dem Jahre 2007? - Es kann schließlich nicht abgestritten werden, dass es sich hier um hochbrisantes Material handelte.
An dieser Stelle sei allein auf das Beispiel "Kachelmann" oder meinetwegen auch "Andreas Türk" hingewiesen. Berichteten die Medien denn da nicht? Wäre es nicht geboten gewesen, den Mund zu halten, bis sich die Vorwürfe als richtig oder falsch herausstellten? Stattdessen begann man, das ganze schön auszuwälzen. Nun meine Frage: Wenn man das schon hier für nötig erachtete und den Ruin der Karriere eines potentiell Unschuldigen dafür in Kauf nahm - warum dann nicht das selbe für mögliche Verbrechen im Irak oder meinetwegen: die Darstellung der Kriegsrealität?
Das von Gniffke angesprochene Problem, die etablierten Medien ständen allem, was "aus dem Internet kommt" zunächst kritisch gegenüber, nimmt mE einen noch viel größeren Stellenwert ein. "Das Internet" (oder google, etc.) wird als erstes als Bedrohung des Journalismus aufgefasst. Das darf Journalisten nicht passieren. Durch diese öfter herauszuhörende Betroffenheit verfälschen sie über kurz oder lang ihre eigene Berichterstattung; man kann "das Internet" nicht mehr ignorieren. Damit werden die Verbraucher um Nachrichten betrogen. Stattdessen wartet der NDR-Bericht damit auf, die Nachricht habe sich gefährlicherweise ungeprüft z.B. über Twitter verbreitet.
Ich frage mich nur: Hätte es nicht diesen Buzz im Internet gegeben, hätten die Medien das Video überhaupt aufgegriffen? Wie steht es denn mit dem Afghanistan-Report, den WikiLeaks vor kurzem veröffentlichte, und in dem Empfehlungen der Amerikaner zu finden sind, wie man die französische und die deutsche Bevölkerung am besten weiterhin manipuliere, damit sie nicht ihre Ablehnung des Krieges dazu nützen, der Regierung Druck zu machen. Ich habe davon nichts gehört (außer über twitter) - und ich bin eine sehr aufmerksame Leserin, die alle möglichen Zeitungen sowohl auf Papier als auch virtuell täglich liest. Es scheint, dieser Druck und diese Emotionalisierung des Videos war nötig, auch, wenn mir persönlich das nicht gefällt.
WikiLeaks ist für viele Sachen verantwortlich; beispielsweise auch für Materialien zum Kundus-Report der Bundesregierung. Hat man in den etablierten Medien irgendetwas zu WikiLeaks, also der Quelle, vernommen (abgesehen von der Erwähnung im ZEIT-Artikel)?
Diese Bekanntmachung ist aber wichtig, auch eine Nonprofitorganisation braucht Geld. Wenn sie nicht von allein geschieht, muss man eben nachhelfen, so traurig das ist.
48. Der guardian bringt einen sehr kritischen Artikel zu den Privatsphäre- und Copyrightansichten von WikiLeaks. Es ist allgemein bekannt, dass man dort darauf nicht viel gibt - aus dem Grund, dass das Ziel, wichtige Informationen öffentlich zu machen, wichtiger sei.
WikiLeaks soll laut dem Artikel jedoch nicht nur Sarah Palins gesamten Emailverkehr, sondern auch ein Buch publiziert haben, das nicht zensiert und normal im Handel erhältlich ist. Die Autorin erzählt, wie man ihr damit das Geschäft ruiniere.
Ich weiß nicht, was genau an diesen Vorwürfen richtig ist, ich müsste erst weiter recherchieren. Da ich morgen, am 13.04. jedoch erst einmal weg fahre, lasse ich es kurz so stehen. Der Artikel befindet sich hier.
49. Der Spiegel stößt in ein ähnliches Horn.
WikiLeaks-Mann Schmitt ist "total egal", dass mancher Informant durch die Weitergabe von vertraulichen Daten sich selbst nur einen Vorteil verschaffen will. "Im Idealfall gibt es eine Schlammschlacht mit der Wahrheit, und jeder bekommt was ab", sagt Schmitt.
Die letzten beiden Links verweisen mE am Rande noch auf ein anderes interessantes Problem: Inwiefern wird sich das Urheberrecht in Zukunft ändern (müssen)? Solche unauthorisierten Veröffentlichungen, wie sie im Guardian-Artikel beklagt werden, werden in Zukunft häufiger vorkommen. Die Autoren müssen trotzdem von ihrer Arbeit leben können...
50. WikiLeaks weist auf ein paar unwillkommene Reaktionen hin...aber immerhin betrachtet vimeo das Video als "unlawful" :)


51. Wow. Assange hat es in den Colbert-Report geschafft. Nach der DailyShow (der Colbert Report ist ein Ableger) mit die bekannteste Comedy-Sendung in den USA.Viele Amerikaner benutzen diese beiden Sendungen als "Nachrichten". Dadurch, dass es sich hier um eine Satire -Sendung handelt, passiert es so gut wie "natürlich", dass sowohl der Moderator als auch Assange versuchen, möglichst schlagfertig zu reagieren; Assange schlängelt sich auf diese Art ein wenig um konkrete Antworten herum.
Colbert fragt aber durchaus kritisch nach, vor allem in Sachen Titelgebung und Beeinflussung der Zuschauer durch Orwell-Zitate, hackt geradezu darauf herum, dass dies auf keinen Fall mehr neutral ist (womit er natürlich recht hat).
Antwort Assange: "Krieg ist Krieg. Wir zeigen, was das heißt." - Colbert: "Krieg ist die Hölle." - Assange: "Genau das zeigen wir. (...) Wir zeigen Soldaten auch, was sie erwartet."
Colbert: "Seid ihr die Zukunft des Journalismus?" - Assange: "Wir hoffen, dass wir nicht die Vergangenheit sind, weil der Journalismus der Vergangenheit unbedingt geändert werden muss."
Colbert bemerkt etwas spitz, WikiLeaks hätte ja in den letzten Tagen sehr viel Geld gemacht. Ob dies ein neues Geschäftsmodell sei? - Assange: "Journalismus zu machen, um zu verändern: Ich denke, das ist tatsächlich ein gutes Geschäftsmodell.
Ist sonst ganz lustig anzuschauen...
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Brillant Cassandra!
Zitat: "die Informationen, die über das Portal eingehen, müssten eingehend geprüft werden - wie jede andere Nachricht auch, die nicht von einer Agentur stamme." ... aus meiner Zeit bei den Fernschreibern erinner ich, dass auch dpa vielfach vorgekautes Material verwendet hat... gerade die Presseagenturen in"formieren" sehr nach Gusto (der jeweils Herrschenden). Kann Wikileaks nicht auch bei uns n paar Mitarbeiter gewinnen (wir sitzen ja in verschiedenen Ecken Berlins und der Welt)? Eine hat sich ja schon gefunden :-)) |
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Dankeschön, ich hatte so etwas schon vermutet - oft genug muss ja auch die dpa sich korrigieren. Ich hätte noch nach Quellen gesucht; nehme jetzt ersteinmal dein Zitat mit hinein :)
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Ganz doll klasse Cassandra! Vielen Dank! Aufklärung über die "Sauereien " der US-Armee. Gut, dass das ans Licht kommt. Da gehört es hin!
rr |
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Danke rr.
Gut würde es mir aber auch gefallen, käme nochmal kritisches Feedback, wie das von Fritz Teich in Blog I. Das habe ich natürlich bisher stiefmütterlich vernachlässigt, weil ich mich in Kriegstheorie erst einlesen müsste, aber ich bin ja nicht die einzige, die darauf reagieren kann. Ich glaube nicht, dass die Beiträge keiner Kritik bedürfen, bestätigt wird das noch einmal durch die Sternebewertung. Leider sagen mir die Sterne nicht, was nicht gefallen hat. |
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Liebe Cassandra,
Du hast recht. Das stimmt schon. Sicher bedürfen die Beiträge auch einer kritischen Betrachtung. Ich denke, dass Du aber auch schon durch die Einordnug der Beiträge der wikileaks sehr viel datu geleistet hast. Ich habe in Deinem Blog doch auch Betrachtungweisen aus anderen Perspektiven wiedergefunden. Ich denke schon, dass Du da der bloggerischen Sorgfaltspflicht peinlich genau nachgekommen bist. Herzliche Grüße rr |
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Beschossen und erschossen wurden die Iraker von einem Apache-Kampfhubschrauber. Ich empfehle, einmal nach Videos von dieser fliegenden Waffenhydra zu suchen (ich erspare mir entspr. Links).
Die Iraker wurden mit einer 30-mm-Maschinenkanone beschossen, d.h., da werden Granaten abgefeuert, da dann explodieren. Es gibt seit Jahren ein PC-Spiel gleichen Namens. Ich weiß, warum ich diese Art von Spielen nicht mag. Der Name des Kampfhubschraubers hat absolut nichts gemein mit dem besten HTTP-Server der Welt. |
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...und ich habe prompt in meinem Reader etwas dazu gefunden. Da ich in den letzten Tagen nur meine Hauptlesezeichen überflogen habe, ist mir der Slate-Artikel dazu entgangen. Ich bau ihn ein, auch, wenn ich nach erstem Überfliegen leicht skeptisch bin. Beim besten Willen kann ich mir nicht vorstellen, dass diese Computerspiele "helfen" sollen. Vielleicht gilt das gerade noch für die Army, aber warum sollen Leute wie du und ich lernen, wann es nötig ist, das Risiko Zivilisten zu töten oder nicht? Und was bringt ein virtuelles Gefängnis bei brechen der Rules of Engagement, wenn man im Spiel jeder Zeit neu beginnen kann? Ist da ein Lerneffekt?
Natürlich kenne ich auch "normale" Leute, die diese Spiele spielen, die sagen, es ginge hauptsächlich um Strategie. Ich habe aber mal den Selbsttest gestartet und es nicht ausgehalten. Ich bin da zu empfindlich. Verteufeln will ich trotzdem nichts, ich kann anderen Leuten nicht in den Kopf schauen, was diese Spiele bei ihnen auslösen. Ein Foto dieses Hubschraubers findet man auch auf collateralmurder.com - aber das ist natürlich nichts dagegen, diese Maschine fliegen zu sehen. Ich fühle mich immer unangenehm an eine überdimensionale Hornisse erinnert, oder an Zwerg-und-Riese-Märchen, in denen der Riese den Zwerg mit dem Zehennagel zermalmt. |
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Mein Hinweis auf das PC-Spiel soll keine neue Diskussion aufflammen lassen. Es gibt auch ein neues, ab 18 Jahre frei, das entspricht dann schon eher bestimmten realistischen Vorstellungen. Von mir gern keine Korrelation zwischen PC-Spielen und Gewaltausbrüchen von Menschen. Massaker gab es bereits vor Film- und Rechnerzeitalter.
Es gibt aber den Effekt des Trainings sowohl im zivilen als auch militärischen Bereich. Und der Effekt ist für automatisierte Handlungsabläufe gewollt. Wenn man beim Video auf die Zeitdifferenz zwischen Abschuss und Explosion achtet, kommt man zu dem Ergebnis, dass der Apache-Kanonier aus weiter Entfernung geschossen hat. |
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Wenn man beim Video auf die Zeitdifferenz zwischen Abschuss und Explosion achtet, kommt man zu dem Ergebnis, dass der Apache-Kanonier aus weiter Entfernung geschossen hat.
In der Tat, das ist mir auch aufgefallen. |
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Apache
Nachdem sie sie und viele andere Stämme ausgerottet hatten, um auf deren Boden eine Demokratie zu errichten, benutzten sie deren Namen für sich und ihre Zwecke. Sie gründeten Manhattan dort, wo Häuptling Mannahatta gelebt hatte. Sie bauten Cheyenne-Geländewagen, Dakota-Flugzeuge und Apache-Helikopter. Traditionell galten die Apache-Krieger als mutig, verwegen, fair, und sie vertrauten ihrer Intuition um im Einklang mit der Natur zu leben und zu sterben. Sie ehren ihre Gegner. Die Ratsversammlung und der gute Rat standen am Anfang all ihrer Unternehmungen. Sie wehrten sich nach Kräften gegen einen technisch überlegenen Feind, der sie unter anderem mit Büchsenfeuer und Feuerwasser niederstreckte. Erst nachdem sie sich nach den Regeln ihres Volkes bewährt hatten, erhielten sie ihren Namen. Der Apache-Hubschrauber transportiert diesen Mythos. Zu Recht? Deren Piloten sind vollkommen Technik- und Netzwerk-abhängig. Nie sehen sie das Auge des Feindes. Mit ferngelenkten Geschossen verwüsten sie Büros und Häuser, töten mit Vorderladern oder Steinschleudern bewaffnete Gegner und metzeln Frauen und Kinder nieder. Kein eigener Mann soll dabei umkommen. Sie malen die Namen ihrer Gegner samt einer höhnischen Botschaft auf ihre Bomben, bevor sie sie abwerfen. Sie bringen die Demokratie und entehren dabei selbst die Namen ihrer Feinde. Auch filmen und fotografieren sie ihre Gefangenen, wenn sie sie foltern und vergewaltigen. Danach kehren sie heim und nehmen ihren Job als Drogerieverkäufer, Friedensrichter oder Kellner wieder auf. Sie sind von allen guten Geistern verlassen. Ihre Opfer schreien zum Himmel. |
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Danke für diese Geschichte mit dem spannenden Hintergrund.
www.heise.de/tp/r4/artikel/2/2441/1.html Die Idee, dass die CIA ihre Finger mit drin hat bei Wikileaks, ist so abseitig nicht. Und es gehört auch zum Instrumentarium von Geheimdiensten. Ich verlinke mal auf einen Beitrag von telepolis. Der Geheimdienst-Experte Schmidt-Eenboom zum Beispiel verweist gern auf die guten Verbindungen zwischen CIA und Amnesty International. Irgendwo - ich muss es noch finden - hat er auch geschrieben, dass Amnesty ein "Kind" der CIA ist. Nebenher ist das durchaus einleuchtend: Es geht dem Geheimdienst ja auch immer darum "Waffen" gegen Regierungen - auch gegen die eigene - zu besitzen und zu nutzen, auch wenn dies manchmal das Bild des eigenen Landes beschädigt. Die haben ein gutes Gefühl flür Machtaustarierung und denken außerdem pragmatisch. Was heute streng geheim bleiben sollte, ist morgen Munition. Auch gegen Bush werden die sowas gesammelt haben. Bin ich mir ziemlich sicher. |
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Sicher. Abwegig ist es auf keinen Fall, interessant wäre dann die Zielsetzung. WikiLeaks könnte unter diesen Bedingungen ja einerseits dazu genutzt werden, die Regierung noch mehr zu stärken (nur einzelne, relativ harmlose Dinge werden öffentlich), anderseits - sie zu ruinieren.
Nur: Wie will das Ottonormalverbraucher feststellen? Alles könnte irgendwie eine einzige Verschwörung sein, selbst die Aufdeckung der Verschwörung - huch, ich verstricke mich. :) Ich weiß nicht, gibt es Interesse, dass ich noch ein Blog schreibe, diesmal einen eigenen Text, quasi unter dem Arbeitstitel: WikiLeaks - Selbstdarstellung und Verschwörungstheorien Oder wissen das schon alle? Ich habe z.B. die Aufnahmen von zwei jeweils etwas über einer Stunde dauernden Vorträgen von Julian Assange gesehen und noch ein paar Originalwortlaute im Hinterkopf, die ich einbringen könnte. Hinzu kommen die momentan noch auf der Homepage zugänglichen Materialien, etc. |
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Gleich noch mal: Also die Verbindung CIA - Amnesty, da irre ich mich wahrscheinlich. Ich meine eine andere Organisation, hinter der die CIA stand. Ich will keine Gerüchte streuen.
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Sie meinen vielleicht Reporter ohne Grenzen und zwar die französische Sektion? Die ließen/lassen? sich tatsächlich projektgebunden vom der CIA nahestehenden? 'National Endowment for Democracy' mitfinanzieren.
Meines Wissens finanziert sich die deutsche Sektion ausschließlich sauber. |
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Greenpeace?
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Vielen Dank, Cassandra, für diesen hervorragenden Blogbeitrag (I + II + III). Ich habe das Video gesehen, bevor ich diesen Blog las. Es ist eins, zu wissen, was da draußen passiert im Namen von Freiheit und Demokratie (in unser aller Namen also). Diese Bilder aber lassen darüber hinaus SPÜREN, was da passiert und woran wir uns die Hände schmutzig machen, wenn wir nicht alles daran setzen, es zu verhindern. Sie machen auch BE-GREIFLICH, in welchem Meer von Lügen wir täglich warm gebadet werden.
Der Funkverkehr der amerikanischen Soldaten macht m.E. weniger deutlich, wie zynisch oder herzlos die Soldaten ihre dreckige Arbeit verrichten. Er wirft eher die Frage auf, wie stark man Menschen manipulieren muss, damit sie so etwas tun können. Welches Maß an krimineller, systematischer Energie dahinter stecken muss. Krieg ist immer gemein und dreckig. Das macht das Video eindringlich klar. Aus diesem Grund sind die eigentlichen Zyniker diejenigen, die -wie jüngst- publikumswirksam augenberingt Krokodilstränen an den Särgen toter Soldaten vergießen. Dabei sind die medial so wirkungsvoll Betroffenheit Gaukelnden nichts anderes als gemeine Verbrecher, Anstifter zum Mord. Und sollten auch so behandelt werden. Von den Medien und von den Gerichten. Es ist evident, dass das nicht passiert. Egal, ob es sich um Staatsterrorismus in Form von „Friedensmissionen“ handelt, um ein lasches, nationales Waffenrecht, welches schoolshootings ermöglicht oder um die Aufarbeitung der schweren Wirtschafts- und Finanzkrise. Dieser Zynismus ist nicht lediglich schlechtes Benehmen; er hat Methode und Funktion, ist systemimmanent. |
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Da hast du sicher recht. Ich glaube auch, manchmal braucht man noch einmal einen "Erinnerungsstups". Man weiß zwar auch theoretisch, dass die Welt kein roser-roter Himmel ist, aber der Mensch neigt ja zum Selbstschutz dazu, das zu verdrängen oder theoretisieren...
Die Tränen an den Särgen - müssen sein. Ganz pragmatisch. Sonst wäre u.a. die Bild-Zeitung empört, das kann man sich nicht leisten. Beruhigt es nicht zu sehen, wie verantwortungsvoll der Herr Minister von und zu nicht nur die schwere Last auf sich nimmt, junge Soldaten diesem Risiko für das Land auszusetzen, sondern auch noch sich persönlich das Herz zerreißt, wenn diese dann ums Leben kommen? Wenn uns so viel Verantwortung abgenommen wird, können wir doch beruhigt schlafen gehen :) Ich hab gestern abend nochmal ergänzt. Inzwischen mehren sich die Verschwörungstheorien, es ist ein Vergnügen. |
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Ich habe mir gerade die Ergänzungen angeschaut - da kommt ganz schön was zusammen. Wenn du so weiter machst, hast du bald ein Buch ;-).
Danke für die Zusammenstellung der vielen Informationen. |
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Ich habe gerade per twitter noch ein Video hereinbekommen. Sieht so aus, als hätte Julian Assange langsam seinen Text auswendig gelernt, ich jedenfalls kann ihn bald auswendig, so gut wie Wort für Wort.
Das zeigt aber auch: Er muss oft sprechen. Die Publicity-Strategie scheint gut aufzugehen. |
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Ebenfalla danke für den Betrag.
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Ebenfalls danke für den Beitrag.
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Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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