Die Zuständigen Geistlichen im Vatikan sind sich einig: Der tote Papst Johannes Paul der Zweite ist selig. Er hat demzufolge "das Antlitz Gottes geschaut", wie auch immer das im Detail festgestellt wurde. Auf jeden Fall braucht man dafür ein Wunder, und so wurde eine französische Nonne aufgetrieben, die von parkinsonähnlichen Symptomen genesen war. So etwas ist noch die leichteste Übung.
Dann, so heißt es, ist es etwas Besonderes, daß ausgerechnet ein Deutscher einen Polen seligspricht. Vergessen wird dabei die wichtigere und gemeinsame Staatsbürgerschaft der beiden, nämlich die vatikanische solche.
Das Eilverfahren, das ruck-zuck begann, kaum daß des Vorgängers Leiche abgekühlt war, offenbart vor allem machtpolitisches Kalkül. Auf den beliebtesten Aufsitzer des Heiligen Stuhls seit langem folgte der eher wenig sympathische Ratzinger, der in der Tat auch eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Imperator aus den originalen Star-Wars-Filmen.
Zumal ohne Selig kein Heilig, und eine Heiligsprechung käme gewiß gut an bei der schwindenden Masse der Gläubigen und in Zeiten schwindender Beliebtheit der Geistlichkeit (nicht nur wegen des seltsamen Umgangs mit Meßdienern).
Die katholische Kirche will ihre Macht wieder festigen, und zu diesem Zwecke kommen auch die Mächtigen der Welt zu diesem Ereignis, egal, wie selig, heilig oder unheilig sie sind.
Auch Zimbabwes Diktator Mugabe, dem Menschenrechte ein Fremdwort sind, ist ein geladener Gast dort, gänzlich ungeachtet seiner Verbrechen. Aber die Kirche paktierte schon immer.
Zur Not auch mit dem Teufel.
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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