23.03.2009 | 16:41

Gewalt in den Schulen gehört zum Alltag

Gewalt gibt es an allen Schulen. In allen Klassen. In jeder Alterstufe. Von der ersten bis zur letzten. Gewalt ist nicht vom Stadtteil abhängig. Sie kommt nicht nur in den bildungsarmen Ecken vor, sondern genauso auch in den sogenannten besseren. Keiner ist davon verschont. Keiner kann dem entkommen. Die Frage ist nur, wie gehen wir damit um.

Die Ursachen für diese Gewalt können nicht pauschalisiert werden. Die Anlässe sind aber immer banal. Ein falscher Blick. Ein Ton, der einem nicht gefällt. Eine ungerechte schlechte Zensur. Alles, jedes und jeder kann einen Anlass bieten, die Lunte bei einer Zeitbombe anzuzünden.

Alle Kinder erfahren Gewalt. Die meisten sind auch gewaltbereit. Wie bereiten wir unsere Kinder darauf vor? Wie bringen wir ihnen bei, wie sie sich verhalten sollen, wenn sie Gewalt erfahren oder bereit sind, Gewalt auszuüben. Gewalt in Worten. In Taten.
Die meisten Eltern wären erstaunt zu erfahren, wie sich ihre Kinder tatsächlich verhalten in der Schule. Es sind nicht immer die Kinder, die morgens aus dem Haus gehen, wenn sie in der Schule ankommen. Ihre Sprache  ändert sich. Ihre Haltung. Auch ihre Gewaltbereitschaft. Die meisten Eltern haben ein falsches Bild von ihren Kleinen. Jungs wie Mädchen ohne Unterschied.

War das früher anders? Nein. Jeder kann sich an seine eigene Kindheit und Schulzeit erinnern. Nein, Gewalt gab es zu allen Zeiten. Sie ist nicht mehr geworden. Aber auch nicht weniger. Nur die Mittel haben sich verändert, mit denen Gewalt ausgeübt wird. Besser gesagt, die Verfügbarkeit der Mittel. Die Waffen. Sie sind effizienter geworden. Was sich auch geändert hat ist, wir erfahren mehr Nachrichten über Gewalt. Nicht nur in den Medien, sondern auch in den Gesprächen der Kinder untereinander. Das erzeugt einen fatalen viralen Effekt und Formen der Gewalt sprechen sich schneller rum und erreichen schneller die Zündschnüre. Wie erkennen wir rechtzeitig die Zeitbomben unter ihnen? Und was tun wir dann?

Machen wir uns nicht vor. Ich bin Vater von drei Kindern. Ich kenne das.
 
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Kommentare
nuntius schrieb am 23.03.2009 um 17:15
Um auf die Frage nach mehr Gewalt heute zu antworten muß man erst Gewalt definieren. Die Auseinandersetzungen zwischen Kindern und Jugendlichen in Schule und Freizeit hat es schon immer gegeben. Sie erfüllen im sozialen Zusammenleben eine wichtige Funktion. Rangkämpfe, soziale Ein-und Unterordnung, Platzsuche und Identitätsfindung und viele andere sozialen und kommunikativen Funktionen werden damit erfüllt. Dabei reichte die Spannweite von verbalen bis zu körperlichen Auseinandersetzungen. Keine Generation kann von sich behaupten das nicht erlebt zu haben. Die Stufe zur Gewalt wird meiner Meinung nach erreicht, wenn die körperliche und seelische Gesundheit geschädigt wird. Und diese Stufe wird immer häufiger überschritten, ja sie wird teilweise zielgerichtet geschädigt. Das Medien und Kommunikationszeitalter verbreitet die Nachrichten dazu zwar viel effektiver in der heutigen Zeit, trotzdem hat sich einiges verändert.
In meiner Jugend ging es darum zu gewinnen. Wer am Boden lag, oder sich andersartig ergab wurde in Ruhe gelassen. Wer gegen diese Regel verstieß sah sich der ganzen Gruppe gegenüber. Heute zeigen Handyfilme und Interneteinträge, das es nicht um Sieg, sondern um Vernichtung geht. Und das ist Gewalt in ihrer ursprünglichsten Form.
Allerdings, wer will Kindern und Jugendlichen denn einen Vorwurf machen, wir, die Gesellschaft, leben ihnen dieses Verhalten tagtäglich vor. Wer sozial am Boden liegt, wer in der Hast des Lebens zurückbleibt oder irgendwie strauchelt, auf den wird weiter herumgetrampelt. Das passiert tagtäglich in der Öffentlichkeit, durch Medien publiziert, von der Politik gefördert also von der Gesellschaft akzeptiert.
Jeder bekommt die Kinder die er verdient, diese alte Weisheit trifft noch immer zu.
Nur wenn die Eltern ihren Kindern Achtung vor dem Leben und der Leistung anderer Vorleben werden sie diese entwickeln. Nur wenn die Gesellschaft wieder Achtung vor dem einzelnen zeigt werden unsere Kinder die Gewalt zurückdrängen können.
cemb schrieb am 24.03.2009 um 14:32
Der Schlüssel sind sicher die Eltern.

An anderer Stelle hatte ich mal geschrieben: "Eltern sollten sich weitgehend aus den Streitigkeiten der Kinder untereinander raushalten und nicht den Anwalt für sie spielen. Sonst lernen Kinder nie, sich vernüftig durchzusetzen. Eine gute Streitkultur will auch gelernt sein. Aber Eltern sollten immer einen Blick auf ihre eigenen Kinder haben und erkennen, wenn Dinge nicht in Ordnung sind, wenn systematisch Mobbing betrieben wird. Das ist für Eltern nicht leicht, diese Balance in Einmischung und Distanz zu wahren. Die Signale ihrer Kinder auch immer richtig zu deuten. Deshalb ist das Gespräch der Eltern mit den eigenen Kindern sehr wichtig."

In diesem Zusammenhang und auf deinen Kommentar hin war es mir wichtig das hier noch einmal zu erwähnen. Die Grenzen zwischen "Rangkämpfen" und (brutaler) Gewalt sind sicher fliessend. Wo hört das eine auf und fängt das andere an? Sicher eine Frage der Motivation des Täters.

Ob es früher weniger Gewalt gab, bezweifele ich. Wir haben nur weniger mitbekommen wahrscheinlich. Die Auswirkungen erscheinen mir aber auch heute heftiger und brutaler.
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