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Um auf die Frage nach mehr Gewalt heute zu antworten muß man erst Gewalt definieren. Die Auseinandersetzungen zwischen Kindern und Jugendlichen in Schule und Freizeit hat es schon immer gegeben. Sie erfüllen im sozialen Zusammenleben eine wichtige Funktion. Rangkämpfe, soziale Ein-und Unterordnung, Platzsuche und Identitätsfindung und viele andere sozialen und kommunikativen Funktionen werden damit erfüllt. Dabei reichte die Spannweite von verbalen bis zu körperlichen Auseinandersetzungen. Keine Generation kann von sich behaupten das nicht erlebt zu haben. Die Stufe zur Gewalt wird meiner Meinung nach erreicht, wenn die körperliche und seelische Gesundheit geschädigt wird. Und diese Stufe wird immer häufiger überschritten, ja sie wird teilweise zielgerichtet geschädigt. Das Medien und Kommunikationszeitalter verbreitet die Nachrichten dazu zwar viel effektiver in der heutigen Zeit, trotzdem hat sich einiges verändert.
In meiner Jugend ging es darum zu gewinnen. Wer am Boden lag, oder sich andersartig ergab wurde in Ruhe gelassen. Wer gegen diese Regel verstieß sah sich der ganzen Gruppe gegenüber. Heute zeigen Handyfilme und Interneteinträge, das es nicht um Sieg, sondern um Vernichtung geht. Und das ist Gewalt in ihrer ursprünglichsten Form. Allerdings, wer will Kindern und Jugendlichen denn einen Vorwurf machen, wir, die Gesellschaft, leben ihnen dieses Verhalten tagtäglich vor. Wer sozial am Boden liegt, wer in der Hast des Lebens zurückbleibt oder irgendwie strauchelt, auf den wird weiter herumgetrampelt. Das passiert tagtäglich in der Öffentlichkeit, durch Medien publiziert, von der Politik gefördert also von der Gesellschaft akzeptiert. Jeder bekommt die Kinder die er verdient, diese alte Weisheit trifft noch immer zu. Nur wenn die Eltern ihren Kindern Achtung vor dem Leben und der Leistung anderer Vorleben werden sie diese entwickeln. Nur wenn die Gesellschaft wieder Achtung vor dem einzelnen zeigt werden unsere Kinder die Gewalt zurückdrängen können. |
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Der Schlüssel sind sicher die Eltern.
An anderer Stelle hatte ich mal geschrieben: "Eltern sollten sich weitgehend aus den Streitigkeiten der Kinder untereinander raushalten und nicht den Anwalt für sie spielen. Sonst lernen Kinder nie, sich vernüftig durchzusetzen. Eine gute Streitkultur will auch gelernt sein. Aber Eltern sollten immer einen Blick auf ihre eigenen Kinder haben und erkennen, wenn Dinge nicht in Ordnung sind, wenn systematisch Mobbing betrieben wird. Das ist für Eltern nicht leicht, diese Balance in Einmischung und Distanz zu wahren. Die Signale ihrer Kinder auch immer richtig zu deuten. Deshalb ist das Gespräch der Eltern mit den eigenen Kindern sehr wichtig." In diesem Zusammenhang und auf deinen Kommentar hin war es mir wichtig das hier noch einmal zu erwähnen. Die Grenzen zwischen "Rangkämpfen" und (brutaler) Gewalt sind sicher fliessend. Wo hört das eine auf und fängt das andere an? Sicher eine Frage der Motivation des Täters. Ob es früher weniger Gewalt gab, bezweifele ich. Wir haben nur weniger mitbekommen wahrscheinlich. Die Auswirkungen erscheinen mir aber auch heute heftiger und brutaler. |
Ausgabe 06/12
09.02.2012
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