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Die Hagia Sophia in Istanbul ist einer der weltweit majestätischsten Denkmäler der sakralen Architektur. Sie war lange Zeit die grösste christliche Kathedrale der Welt. Eine orthodoxe Basilika. Erbaut 537 vom byzantinischen Kaiser Justinian wurde sie nach der Eroberung der Stadt 1453 von den türkischen Osmanen als Moschee umgestaltet und um vier Minarette und einige Nebenbauten erweitert. Heute ist sie nach der Gründung der Republik 1923 ein Museum. Sie liegt prächtig zwischen dem Goldenen Horn, dem Bosphorus und dem Marmara-Meer gut sichtbar auf einem der Hügel Istanbuls. Ihre grosse abgeflachte Kuppel war das spätere Vorbild für die grossen imperialen Baumeister des Osmanischen Reiches, wie für den grossen Architekten Sinan, Erbauer der berühmtesten grossen Moscheen und Paläste des 16. Jahrhunderts . Die Hagia Sophia symbolisiert durch ihre Geschichte wie kein zweites Gebäude die Befruchtung zwischen Oxident und Orient. Aber auch zwischen dem arabischen Nordafrika und dem slawischen Kulturraum im Norden. Bis heute ist in Istanbul übrigens immer noch der Sitz des Metropoliten, des Oberhaupts der griechisch-orthodoxen Kirche.
Interessanterweise gibt es auch ein berühmtes Gegenstück zur Hagia Sophia, am anderen Ende des Mittelmeeres: Die Mezquita de Córdoba, die von einer islamischen Moschee (erbaut 784) in eine christliche Kathedrale (1236) umgewandelt wurde. Dabei hat man ihr einen Glockenturm hinzugefügt. Auch sie steht für die wechselvolle Geschichte zwischen Muslimen und Christen. Ich würde sie sehr gerne einmal besuchen eines Tages.
Ich bin stolz, genau an diesem Schnittpunkt der Kulturen geboren zu sein. Meine Heimatstadt ist Byzanz, Konstantinopel und Istanbul gleichermassen. Einer der ältesten noch bestehenden Städte der Welt mit über 2.500 Jahren ununterbrochener Geschichte, die heute noch spürbar ist. Stadt der Begegnung zwischen Ost und West. Nord und Süd. Heute, Gestern und Morgen. Stadt der Völker. Stadt der Verständigung der Kulturen, Sprachen und Religionen. Stadt der Toleranz. Das hat mich in meiner Haltung geprägt wie keine andere Stadt.
Abbildung: Hagia Sophia, Lithographie der Gebrüder Fossati, "Aya Sofia Constantinople", London 1852, pl. 25 (Athens Gennadeios Library) digital wieder aufgelegt bei Octavo Editions
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die hagia sophia ist wirklich eines der schönsten und interessantesten bauwerke der geschichte. ich besuche sie fast jedes mal, wenn ich nach istanbul fahre. sie ist weniger "imposant" als die blaue moschee direkt gegenüber. es gibt dort auch garnicht so viel zu sehen. was sich bei ihr fast physisch mitteilt, ist die präsenz einer weit zurück liegenden vergangenheit, ein gefühl von dem, was mit dem belasteten wort "abendland" beschrieben wird. zugleich meint man an der schnittstelle von ost west zu stehen, wenn man das frappierende ineinander von christlichen relikten und der späteren nutzung durch den islam in augenschein nimmt.
interessanter weise gibt es seit einiger zeit bestrebungen, die von atatürk verfügte umwandlung der hagia sophia zum museum - ein akt der säkularisierung - rückgängig zu machen. die initiatoren gibt es sowohl auf christlich-orthodoxer wie auch auf muslimischer seite. insofern ist die hagia sophia nicht nur das symbol für die "befruchtung zwischen oxident und orient", wie sie schreiben. sie ist vor allem das symbol eines waffenstillstands zwischen diesen beiden großen religionen.was an dieser stelle diskutiert wird und passiert, ist auch ein barometer für dieses verhältnis. in dem touristischen trubel drumherum vergisst man das leicht. |
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Diese Betrebungen, die Hagia Sophia in die eine oder andere frühere Funktion zurückzuführen hat es immer schon gegeben. Gerade nach der Umwandlung in ein Museum. Gut, dass die aufgeklärten Kräfte und die Gestze bisher das verhindern konnten.
Mit der Mezquita in Cordoba hat es ähnliche Bestrebungen gegeben. Mit dem Unterschied allerdings, dass meines Wiossens sie heute offiziell eine Kirche ist und kein Museum. Es ist schön zu lesen, dass du regelmässig in der Hagia Sophia warst bei deinen Istanbul-Besuchen. Grüss mir das Goldene Horn und den Bosphorus. Ich habe dann eine Geschichte für dich hier demnächst. Eine über die Fähren. |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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