Sonderbarer Selbstläufer der occupy-Bewegung
In diesem Jahr entstanden weltweit scheinbar unvermittelt Proteste in vielen Städten, deren Zielsetzung nicht einfach so offensichtlich ist. Selbst bei genauem hinhören wird man nicht direkt darauf stoßen, welche genaue ursachen und also daraus erkennbare Angeklagten sich benennen lassen. Einzig leicht zu vernehmen sind etwa die 99 zu 1 % These, Wunsch nach mehr Demokratie oder eine diffuse Kritik an der Finanzwirtschaft. Ach ja, es soll gelegendlich auch um Arbeitsplätze gehen. Aber eben nichts genaues weiß man nicht. Die Demonstrationen gehen insgesamt meist friedlich vonstatten und die Beteiligten sollen dieses mal tatsächlich aus allen Gesellschaftsschichten und Altersgruppen der jeweiligen Nationen kommen. Scheinbar alles in allem irgendwie doch sonderbar.
und es geht noch weiter. Zwischenzeitlich kam die Befürchtung auf, es würde die Bewegung von externen Institutionen unterwandert. Dies war auch in der FC ein Thema. Und wenn von Unterwanderung die Rede ist, da gehen gleich alle Alarmglocken an und es stiftet erheblich Verunsicherung, denn es klingt in unseren Ohren irgendwie unkontrollierbar und feindlich. Der Gedanke, es könnte bei der Unterwanderung auch nur um eine geradezu zwingend ergebende Beteiligung handeln, kam dabei nicht auf. Mir scheints auf die Befürchtung der Unterwanderung hin den Effekt gehabt zu haben, dass die Bewegung nun allein dasteht und von sich aus auch keine weitere Beteiligung oder auch nur irgend Fortschritte zulassen würde. Der Anfang also im Keim erstickt - allein wegen eine diffusen Angst vor einer Unterwanderung? Vielleicht war das auch von irgendwem so gewollt...!?
Beteiligung, Mitmachen, Unterstützung, Beistand .... Ich bin nicht wirklich gut informiert, aber ich mag erkennen wollen, dass davon kaum etwas zu erkennen ist. Selbst linke Politik scheint sich durch die Bewegung nicht wirklich inspirieren zu lassen. Dabei wäre eigendlich nur noch "Die Linke" zu nennen, denn die SPD sei inzwischen nicht mehr links zu sehen. Tatsächlich ist auf der Webseite der Linken ein Bericht über eine Konferenz und Kundgebung vom 18. November 2011 zum Thema im Ticker. Leider fällt der Bericht recht dünn aus; es gibt lediglich "Fotoimpressionen" darüber zu sehen. Keinerlei inhaltliche Informationen. Das ist natürlich ein wenig lau. Mir kommt es vor, als ob sich selbst linke Politik überhaupt nicht für die Occupy-Bewegung interessiert. Stattdessen wird von linken-Promis verkündet, man sei "eng befreundet"...
Das Thema Unterwanderung hatten wir, bliebe also noch die auch schon vernommene Befürchtung des Aufspringens auf einen fremden Zug. Scheinbar hat sich durch die Medienberichte inzwischen der Konsens herumgesprochen, dass man diesen Demonstranten in den Städten ihren weg gehen lässt und sich nicht einmischt. Das ist traurig. Jeder macht seins... keine vermischung von Interessen. Dabei gibt es erkennbare Gemeinsamkeiten. Weshalb mir die Zurückhaltung der etablierten Parteien und gerade der Linken irgendwie suspekt ist. Ist es doch ihre Pflicht auf solche Begebenheiten zu achten und hinzuhören.
Nein, es scheint dann doch eher so, dass es entweder für die Ziele der Demonstrationen gar keine Lösungen gibt, ... oder keine gefunden werden wollen oder eben können. Die Zeiten für linkes Gedankengut scheinen eigendlich nie besser gewesen zu sein, als gerade jetzt, doch daraus ergibt sich nichts. Man muß sich schon wundern. Ist denn linke Politik eine Unterhaltungsveranstaltung? ... dazu da, eine Utopie in die Menge zu halten, wenn gerade etwas Luft dafür vorhanden ist? Da scheinen ernsthaft ganze Wirtschaftsideologien sich selbst zu diskreditieren, aber es passiert einfach nichts. Ganz im Gegenteil scheints mir, dass seit den Wirtschaftsunregelmässigkeiten die Linke immer zurückhaltender wird. Normalerweise müssten jetzt alle linken Parteien an vorderster Front agieren und nicht locker lassen - die Geschichten vom Wachstum, vom freien Markt, die Idee der Geldwirtschaft, die abgehobenen Finanzmarktzielsetzungen, ... all solche Strategien müssten just in solchen Zeiten, wo sich scheinbar von alleine ergibt, dass es so nicht so reibungslos funktioniert, wie die Deregulierungsideologie propagierte, unnachlässig von der Linken torpediert werden. Was man jedoch so hört, sieht nicht danach aus und enttäuscht dann doch reichlich. Freilich gehörte dazu eigendlich (und sowieso) eine immer aktuell erarbeitete strukturell funktionierende Alternative zu den angeprangerten Missständen. In mir entzündet sich aber der verdacht, dass solche Strategien und Pläne überhaupt nicht existieren. Stattdessen hängt man an kurzen und populistischen Zwischenrufen, zusammenhangslosen Kleinstdetails, die gerade zum Thema passen einfach nur öffentlichkeitswirksam aussprechen, so dass es möglichst viele hören können... scheinbar lauter heisse Luft.
Ist eine linke Politik in dieser (westlichen) Welt überhaupt noch gewollt? Ist sie überhaupt noch machbar? Wissen die überhaupt noch, was es sein soll? Wenn sich nämlich beinahe alle Beteiligten gerade zu dieser Zeit plötzlich auffällig zurückhalten, wo doch just sich eine Möglichkeit auftut, die linken Alternativen laut und deutlich gegen die Misere auszusprechen...kann man nur auf einen solche Schlüsse kommen. Das würde aber bedeuten, dass viele linke Bekentnisse entweder Geisteswirrungen sind, oder eine Art Übersprungverhalten nach der Art: ich bin links, weil ich mal ein bischen auf den Putz hauen will (zumindest verbal) und weil ich neidisch auf die hohen Löhne bin...
In der linken Politikszene ist derzeit offenbar nicht viel los. und wohl auch deshalb scheint es in der FC derzeit schlechte Stimmung zu herrschen - sodass sich reichlich Blogger nach und nach verabschieden. Wahrscheinlich haben sie es satt sich mit dem derzeit herrschenden Aktionsvakuum zu begnügen. Was aber machen sie anstatt? Was macht ein resignierter linker?
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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