Der Mensch als Naturfremdes Wesen - in städten, Kollonien und urbanen Bedingungen eingerichtete Umgebung. Der Mensch also richtet sich seine Umgebung nach seinen Bedürfnissen ein. Das ist nicht immer Naturfreundlich oder insgesammt mit der Natur Konform.... aber ... alles, was der Mensch auch nur irgendwie in seinem Sinne verändert, ist trotzdem von der Natur und aus der Natur abgeschaut und gleichgemacht.
Francais Bacon:
"Nun beruht die Herrschaft des Menschen über die Dinge bloß auf den Künsten und Wissenschaften, denn man kann der Natur nur gebieten, wenn man ihr gehorcht."
-> Das bedeutet, dass es nichts Menschengemachtes geben kann, was nicht auch entweder schon in der Natur gegeben hat, oder aus der Natur werden könnte - rein technisch gesehen. Die Natur bleibt die Grundlage und Bedingung der Wissenschaften und seiner Erfindungen und Entdeckungen. Nichts kann der Mensch entdecken, was nicht auch in der Natur enthalten oder aus ihr entstehen kann.
Der Mensch ist also insofern ein Gebieter der Natur. Und Natur liefert alle Möglichkeiten für Kunst und Wissenschaft... und in der Folge die Möglichkeiten der Gestaltung und Formung der Natur und der Umgebung des Menschen.
Natur gehorchen, heisst sie zu kennen. Diese Aussage ist auch umgekehrt gültig: Die Natur zu kennen, heisst ihr zu gehorchen. Kenne (und gehorche) ich der Natur, so habe ich die größten Möglichkeiten, sie zu verändern und zu Nutze zu machen.
Rene Descartes:
"Der Mensch ALS der Herr und Eigentümer der Natur..."
-> Laut der anerkannten Wissenschaft und darin die Evolutionstheorie, ist der Mensch also Teil der Natur. Ebenso, wie jedes Tier und jede Bazille in ihr. Und dieser Teil der Natur meint nun der Eigentüner der Natur zu sein?...
Das geht nicht. Er ist werder Herr, noch Eigentümer der Natur. Er hat nur bescheidene Fähigkeiten, sich die Natur zu Nutze zu machen, damit der sich dadurch bestimmte Umfelder erschaffen kann. Dass der Mensch Tatsächlich schon so weit wäre, dass er zum Herrscher und Besitzer der Natur werden könnte, das mag ich mal bezweifeln. Derartiges ist noch nicht bekannt, dass es gelingen könnte, diese Stellung einzunehmen. Nur wer meint, das Zerstörung schon Ausdruck von Macht und Herrschaft sei, kann auf solche Ideen kommen.
Descartes irrte also. Mit Sicherheit wohl noch zu seiner Zeit. Nicht einmal effektive Maschinen zur Landschaftveränderung waren damals existent. Eine Säge, ein Spaten, ein Pferdepflug ist ein Werkzeug - ein simpler verlängerter Arm des Mesnchen. Leidlich geeignet, um die Natur zu beherrschen.
Selbst die ultimative Atombombe ist noch nicht das Ding, was die Natur beherrscht. Diese beherrscht nur den Menschen und Tiere. Den Menschen gar bevor die Bombe explodiert - nur aufgrund der Existenz und Möglichkeit der Anwendung. Dem Tier bekümmert diese Bedrohung nicht.
(Angeregt durch: Philosophie -Ökologie_Arte.de www.arte.tv/de/Philosophie/2235124.html)
Zizek hingegen aber ist der Meinung, es bedarf der deutlichen Abtrennung des Menschen von der Idee und den Grundlagen der Abhängigkeit von der Natur und der Ökologie.
Zitat: (ab Minute 37:20 im Film)
Ökologie wird sich möglicherweise langsam zum Opium des Volkes entwickeln - basierend auf dem, was Marx als Religion definierte. Wir erwarten von Religion eine Art unangreifbare höchste Autorität. Sie ist Wort Gottes, also wird sie nicht infrage gestellt. Ich (Zizek) behaupte heute, dass Ökologie mehr und mehr eine Rolle einer konservativen Ideologie einnimmt. ...
Es gibt noch einen andren populären ökologischen Mythos. Einen sponntanen ideologischen Mythos. Die Vorstellung, wir im Westen in unserer künstlichen, technologisierten Welt, seien von der unmittelbaren natürlichen Umgebung abgeschnitten und dürften nicht vergessen, dass wir Teil der lebendigen Erde sind. Wir seien nicht abstrakte Ingenieure, nicht Theoretiker, welche die Natur ausbeuten, sondern selber Teil der Natur, die unser unergründlicher undurchschaubarer Ursprung sei. ... Wir brauchen eine konsequente Auseinandersetzung mit den tatsächlichen Gefahren ökologischer Katastrophen. Nicht diesen New-Age-Kram mit dem Ausbrechen aus der technologischen Welt, damit wir unsere Wurzeln in der Natur finden. Ganz im Gegenteil - wir müssen die Wurzeln durchtrennen. Wir brauchen eine gößere Entfremdung von unserer Lebenswelt, von unserer spontanen Natur. Wir müssen artifizieller werden.
Wir sollten einen viel beängstigeren, neuen abstrakten Materialismus entwickeln. eine Art mathematisches Universum, in dem es nichts gibt, ausser technischen Formeln usw...
Zitat ende...
Sternstunde Philosophie vom 15.012012 www.podcast.sf.tv/Podcasts/Sternstunde-Philosophie
Das ist schon mal eine konkrete Aufforderung. Er spricht auch die "Genpflanzen-Angst" an und die Doppelmoral der Erkenntnis über globaler Erwärmung, das Müllproblem (was ich nicht mehr sehe, ist nicht mehr da) und über die Schwierigkeit in einer technologisierten und formelhaften Welt noch das nötige Maß an Poesie und Ästhetik denken und leben zu können ... und sogar Liebe hält er noch für möglich.
Er ist offenbar der Meinung, dass eine gewisse Beherrschung des Menschen über die Natur (oder hier Ökologie) möglich sei und es dem Menschen ermöglicht sich gegenüber derer zu emanzipieren. Allerdings muß sich diese mathematische Welt auf die Ideologisierung von Weltbildern beschränken. Denn im grunde wird dieses mathematische Universum auch nicht ohne diese Erde und ihrer "Natur" funktionieren - was im Kern daran liegt, dass eben diese technologischen Formeln sich nur auf die uns erkenntliche "Natur" begründen und nur diese Erklären. Ohne Erde keine Formel die sie beschreibt. Sehrwohl aber ist der Begriff "Natur" hinsichtlich der ideologischen Vision in der grundlegenden Bedeutungd durchaus diskutabel und kann also überdacht werden.
Seine Idee der Artifizialisierung der Menschheit ist keine besondere. Diese Künstlichkeit der Lebensumstände geht einher mit jeder zivilisatorischen und kulturellen Entwicklung - ja diese bestehen ausschliesslich nur aus ihrer "künstlichkeit". Und allermeist waren entsprechende Weiterentwicklungen nur die Steigerung (Übertreibung) von Entfremdungstendenzen aus den Grundbedingungen der Homo-Spezies. Dies eindeutig zu erkennen ist dem Individuum zu allen Zeiten nahezu unmöglich - ist er doch mit einer zu erwartenden Lebensspanne bis maximal 120 Jahre etwa kaum in der Lage über diesen ihm bewusst ersichtlichen Tellerrand der ihm umgebenen Gesellschaft hinaus zu blicken.
Und ... zuletzt:
Ich hatte einmal einen kühnen Traum. In diesem Traum ging es eben um die Herrschaft des Menschen über die ihm zugrunde gelegte Umwelt - ja sogar das ganze Universum. Dieser Traum hatte auch eine Gottfunktion darin enthalten und noch einen Haufen weiterer sonderbarer Begebenheiten. Allerdings atmeten wir Menschen trotzdem Luft und aßen weiterhin Brot und Frucht und tranken Wasser. Das, was wirklich anders war, war eben nur was sich in den Köpfen abspielte. Sonderbar, dass sich ein Traum im Bewusstsein abspielt, indem sich wiederum alles nur im Bewusstsein abspielt. Aber im Rückblick sei das alles gar nicht so weit von Realität entfernt.
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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