Die Universität St. Gallen habe eine Studie durchgeführt, worin es darum ging, wie sich Börsenhändler in einer Spielsituation verhalten. Offenbar setzte man vorraus, dass sie sich in etwa verhalten würden, wie Psychopathen. Ein Artikel darübr ist hier zu finden:
www.scilogs.de/chrono/blog/gute-geschafte/allgemein/2011-10-16/so-z-chtet-man-psychopathen
Leider ist kein Quellenlink angegeben - oder sonstige Information über den Inhalt und Durchführung der Studie. Der Blogger aber gibt an, dass also Börsentrader im Vergleich mit Psychopathen noch ungünstigere Spielergebnisse produzierten. Dabei ging es in den angewandten Strategien soweit, dass nicht nur ein jeweilger eigener Gewinn im Fokus gestanden haben soll, sondern auch das Ziel der Schädigung der Wettbewerber - also scheinbar die strategische verhinderung des Gewinnes des Konkurenten. Aus dem Beitrag wird leider nicht ersichtlich, wie dies im Spielaufbau der Studie zu erkennen war.
Diese zusätzliche Strategie führte offenbar dazu, dass das eigene Spielergebnis schlechter ausfiel, als bei der Vergleichsgruppe der Psychopathen. Es kommt aber auch darauf an, aus welchem Blickwinkel man das Ergebnis betrachtet und welche Grundbedingungen man als erwünscht vorraussetzt.
In der Verhaltensforschung scheinen diese Spielsituationen gerade sehr in Mode zu sein. man hört viel über Studien darüber. Ob sie aber auf den Ernstfall (dem berufsleben) übertragen werden können, bleibt für mich fraglich. Der ist nämlich von viel mehr Bedingungen abhängig, als ein simuliertes Spiel (quasi mit überschaubarem Ausmaß) zur verfügung hat.
Wenn ich mir mal die Geschäftspraxis mit den Kreditverbriefungen vorstelle, die dann in alle Welt ( an interessierte "Finanzdienstleister") als Finanzprodukte gehandelt wurden, dann stimmt das Ergebnis der Studie zwar nicht überein, aber die aktive Schädigung von Marktteilnehmern mag man darin erkennen können.
Interessant die These, dass sich die Personalauswahl der Finanzmarktteilnehmer (und wohl schon die Berufswahl der Bewerber) scheinbar so entwickelten, dass sich gerade eine dazu prädestinierte Gruppe zusammenfindet, die das "knallharte" Finanzwesen dann auch nicht nur aushält, sondern auch aktiv formt. Eigendlich nur logisch - allerdings machen dann diese ganzen Spielstudien keinen Sinn, wenn man die Tendenzen als gegeben und erwünscht vorraussetzt. Hinge doch davon der Erfolg des Unternehmens ab. Für die Beachtung solcher Details spricht dann nur noch die allgemeine Frage der Nützlichkeit für die Weltwirtschaft. Wenn eine Branche sich strukturell fast vollständig vom Realleben abgekoppelt hat, wie sie dann zukünftig noch kooperativ und eben nützlich für den Kapitalkreislauf wirksam ist.
Ich habe es mal so ausgedrückt:
Innerhalb 20 Jahren hat die Finanzwirtschaft das System bis auf den letzten Spielraum ausgehölt und unterwandert. Ich finde, es ist eine enorme Leistung (wenn auch keine Ruhmreiche).
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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