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Blog von chrislow

31.01.2012 | 12:38

Wenn der Bruch laut wird und nicht Lautstärke zur Unterbrechung

Die Kritik des falschen Ton´s

 

Lautlose Melodien der affektiven Interpretationen

 

Wenn der Bruch laut wird und nicht Lautstärke zur Unterbrechung

 

Wenn Form und Farben Klang erzeugen

 

 

Musik:

 

Viele falsche Töne hat die Musik schon häufig vorgebracht. Manche sind durch einen Zufall entstanden und berechnend beibehalten worden; andere Künstler haben an dem falschen Ton ihre Kunst überhaupt entwickelt; wieder andere setzen ihn berechnend ein. Ein gutes Beispiel für den falschen Ton sei der Gesang von Björk. Bei ihr ist er zur Kunstform geworden und überrascht dennoch. Fasziniert so manches mal ganz aufs neue. Bei manchen Jazz-Stil erscheint der provozierte Bruch in der Melodie als höchste Kunstfertigkeit, dass man es nicht mehr als falschen Ton erkennen kann. Und auch beim Dubstep tendiert man zielstrebig in diese Richtung. Faszination kann dabei aber nur aufkommen, wenn es eben noch das Gegenteil gibt; die aalglatte nichtssagende Schlagermelodie etwa - oder auch die Klassik, welche mit allen Tönen spielt, bis in die Perfektion zu größtmöglicher Harmonie verformt. Wobei sie diese auch mal bricht, dann aber am lautesten ist und selbst noch Heavy Metal seinen Rang abläuft - lauter ist auch die dann nicht.

 

 

Natur:

 

Auch das Rauschen der Natur ist Ton, ist Klang, ist Geräusch, kann Lautstärke sein. Aber den meisten Menschen fällt dies nicht mehr auf - die Natur hat uns nichts mehr zu sagen; spricht uns nicht mehr an. Sie ist nicht stumm, dennoch hört sie niemand mehr an. wie auch immer - sie wird wohl inzwischen nicht mehr ernst genommen; keine Bedrohung scheint sie mehr zu sein. Da sei der Klimawandel wohl eine Kompensation für verlorene Achtung vor unserer Existenzgrundlage? Wir haben uns an ihrem Klang gewöhnt - sie klingt, so wie wir sie hören inzwischen harmonisch und erfüllt also die gewisse Ästhetik zur Möglichkeit des beruhigten Ignorierens.

Wehe aber es kommt Sturm auf - dieser klingt ganz anders und lehrt uns dann doch noch das Fürchten und wir hören wieder hin.

 

 

Politik:

 

Eine Rede lebt (leider) hauptsächlich von dessen Melodie und Tonlage. Die Schönheit des angesprochenseins und des Ansprechens zeigt sich darin, dass sie es nicht tut. Und das geht eben auch über den Ton. Inhalte sind aus bestimmten Gründen nicht mehr nötig und so bleibt der Ton als letzte Möglichkeit zur "Unauffälligkeit". Gewisse Vertreter der Liberalen jedoch entziehen sich regelmässig dieser Methode indem sie sich im Ton vergreifen. Aufmerksamkeit ist ihnen sicher - ob Positiv oder Negativ sei trotzdem gleich. Hauptsache Öffentlichkeit. Hier braucht kein Name genannt zu werden - jedem ist sofort einer im Sinn.

Was der Ton noch auslösen kann, zeigt eine Studie, welche man zur Erkenntnis über Gehirnaktivität angesichts von Präsidentschaftskandidaten in den USA vorgenommen hat. Die Ansicht eines Kandidaten hatte bei den Probanden jeweils verschieden hohe Aktivität im Gehirn gezeigt. Aber was es mit dem Ton nun aufsich hat? Wir hören sofort diesen Menschen reden, wenn wir sein Bild sehen. Sonderbar nur, dass der zum Präsidenten wurde, bei dem es in diesem Versuch bei fast allen Probanden am wenigsten Gehirnaktivität zu erkennen gab. Hörten die alle keine Stimme?

 

Bildene Kunst:

 

Sie ist der Prototyp des falschen Tons und seit dem Expressionismus in ihrer sehr wahrscheinlichen Radikalität sogar am lautesten. Viele stoßen sich am Klang. Ist das Bild zwar so bezeichnet, jedoch nicht nach des Betrachters Idee davon, hört der sofort grelles Kreischen im neuronalen System und schimpft es entartet. Der scheinbare Dilettantismus dieser "Malerei" ist für manche nicht auszuhalten. Grelle Farben, harte Kontraste, keine Übergänge, fehlende Tiefe ... das strapaziert dann doch arg die so eingeschätz "schönste" Phantasie und zuletzt auch mal jeden Genuß. Aber ... Herrschaftsleut, die naiven Künste waren damals vorbei und es an der Zeit für (un)deutlicheres. Und eins ist sicher - jene Künstler damals haben genau so gelitten, wie der ungeneigte Betrachter.

 

Das Wort:

 

Literatur hat auch Töne. Und an seinen Vorlieben erkennt man deren "Hörer". Anzusehen bei den Liebhabern der wöchentlichen Liebesschnulzen-Heftchen, deren Töne kaum mehr wahrzunehmen sind. Nicht, weil sie etwa leise seien, sondern nur nach einem klingen. Deutlich "hörbarer" wird es dann bei Kriminalgeschichten und wenn wir ehrlich sind, ist das Märchen doch das Schrillste, was wir uns anhören können. Wir erinnern uns zwar, dass man diese nur den Kindern erzählt - was die da zu hören bekommen, hat es insich. Davon bekommen wir aber nichts mit - wir sind ja nicht angesprochen. Mit der Zeit ist die Bibel zum sonderbarsten Geräusch geworden, was es zu lesen gibt. Ein "Kunstwerk" besonderer Güte. Inhalt und Melodie haben ein seit Jahrtausenden erprobtes Klangbild erschaffen, dessen Geheimnis wohl nicht zu entschlüsseln ist.

Deutlicher allerdings klingt da noch das Widerwort. Mancher registriert dann auch mal nicht den eigenen Filmriß und hört direkt unvermeidliche Echos. Solcher Bruch im "Schönheitsrauschen" seiner Einbildung ist existenziell und bindet regelmässig die ganze Aufmerksamkeit.

 
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