ChristianBerlin

SchwammDrüber-unerhört+ubersehen

18.02.2009 | 21:13

Glos-Unfall: Ermittlungen gehen weiter

(Berlin) Gegen den Fahrer von Michael Glos wird weiter ermittelt. Das bestätigte die Staatsanwaltschaft Berlin heute im Gespräch mit dem Autor dieses Blogs.

Dem beim Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie angestellten Kraftfahrer H. waren Nötigung, Körperverletzung und Unfallflucht vorgeworfen worden. Er soll am 3. Februar einen Beamten, der den Wagen des Ministers an einer Absperrung nicht durchlassen wollte, durch mehrmaliges Anfahren zur Freigabe des Weges zu nötigen versucht haben und dem Polizisten schließlich über den Fuß gefahren sein. Anschließen soll er sich unerlaubt vom Unfallort entfernt haben, während der Minister seinen Weg zu Fuß fortsetzte.

Zwei Tage später forderte Gewerkschaft der Polizei (GdP), deren Mitglied der verletzte Beamte ist, mit ungewöhnlich scharfen Worten den Rücktritt des Ministers für den Fall, dass Glos den Beamten ebenfalls zu einer Pflichtverletzung zu nötigen versucht und ihm dazu mit dem Ende seiner Karriere gedroht habe, wie der Beamte zunächst behauptet hatte. Allerdings bestätigte die GdP auf Anfrage Berichte, nach denen der verletzte Polizist nach der sofortigen schriftlichen Entschuldigung des Ministers seinen Strafantrag zurückgenommen habe. „Mit dem Rücktritt des Ministers hat sich die Sache auch für uns erledigt“, fügt GdP-Sprecher Klaus Eisenreich hinzu.

Für die Staatsanwaltschaft aber noch nicht. Deren Sprecher Michael Grundwald dazu, dass selbst bei fahrlässiger Körperverletzung die Rücknahme einer Anzeige nicht automatisch zur Einstellung der Ermittlungen führe. Die Strafverfolgungsbehörden hätten nach § 230 StGB vielmehr zu prüfen, ob „wegen besonderen öffentlichen Interesses“ das Delikt von Amts wegen weiterverfolgt werde. Im Fall von H. habe sich die Staatsanwaltschaft dazu aber noch keine Meinung gebildet, weil hier die Ermittlungen noch bei der Polizei lägen.

Das Bundeswirtschaftsministerium wollte sich mit dem üblichen Hinweis auf die schwebenden Ermittlung nicht zu dem Vorfall äußern. Selbst die davon unabhängigen Frage, ob H. weiterhin für das Ministerium Auto fährt oder bis zur Klärung der Vorwürfe beurlaubt wurde, ließ Pressestellen-Leiter Steffen Moritz offen: „In diesem Fall sage ich Ihnen, dass wir gar nichts weiter sagen.“ Bestätigt wurde aber, dass es wegen des Unfalls eine Welle von Journalistenanfragen im Ministerium und – irrtümlich – auch in der Bundestagsverwaltung gab. Mit dem Rücktritt verebbte sie umgehend.

Ob der Fahrer ebenfalls mit einem blauen Auge davonkommt, ist eine andere Frage. Dies dürfte unter anderem davon abhängen, ob Glos’ überzeugende Entschuldigung und dessen - zufällig oder nicht – kurz darauf erfolgter Rücktritt den verletzten Beamten so tief beeindruckt haben, dass er sich als Zeuge an Einzelheiten des Vorfalls nicht mehr genau erinnern kann – insbesondere nicht an die, die er zu Protokoll gegeben hat.
 
 
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Kommentare
thomasg schrieb am 18.02.2009 um 22:23
Wenn sich das ein Taxifahrer erlauben würde , könnte er seinen Job an den Nagel hängen. Dazu müßte dieser nicht erst einen Polizisten anfahren. Sicher wird der Fahrer auf "Befehlsnotstand " argumentieren und der Herr Minister ist mit seinem Rücktritt in das wiech Polster des zahleneden Steuerzahlers gefallen. Taxifahrer müssen weiterhin sehr achtsam sein ,sonst ist die Existenz futsch, die ja so ergiebig ist.
So ist halt das Leben könnte man sagen, oder das ist Demokratie . Ich muß ja nicht alle verstehen.
thomasg schrieb am 20.02.2009 um 11:48
Dann warten wir erst einmal die "Ermittlungen" der STA ab. Sicher ist mein Beitrag hypothetisch ,aber zweifeln darf man doch ,oder?
ChristianBerlin schrieb am 20.02.2009 um 14:13
Klar, wenn Du Deinen Zweifel und Deine Mutmaßungen klar als solche kennzeichnest und der Eindruck vermieden wird, man könne diese Dinge meinem Beitrag entnehmen, ist das allein Dein Bier.

Andernfalls muss ich mich distanzieren. Sonst könnte es mir wie Stefan Niggemeier ergehen.
ChristianBerlin schrieb am 19.02.2009 um 00:19
@Thomas
Von diesem Kommentar muss ich mich leider teilweise distanzierten.

Ich habe mir die Mühe gemacht, vor allem aufgrund Deiner Fragen übrigens, Dinge herauszufinden, die Du jetzt offenbar überhaupt nicht ernst nimmst.

Nirgends geht aus meinem Text hervor, dass hier eine Klassenjustiz den Fahrer des Ministers anders behandelt als jeden Taxifahrer. Das vermutet man immer, aber der berichtete Fakt, dass weiterermittelt wird, belegt das nun gerade nicht.

Dass Politiker in das weiche Polster des Steuerzahlers fallen, wie Du es nennst, wird ebenfalls oft beklagt, ist aber, wenn sie sich nichts im Amt zuschulden kommen ließen, auch nur vernünftig. Dass Glos sich etwas zuschulden kommen ließ, halte ich nicht behauptet. Im ersten Beitrag zu diesem Thema hatte ich vielmehr gesagt, dass die Frage, ob er schuldig ist oder nicht, keine Rolle mehr gespielt hätte, wenn die Medienlawine erst einmal richtig angerollt wäre.

Mag ja sein, dass Taxifahrer durch die Politik arg gebeutelt wurden, insbesondere durch die Gesundheitsreform, Daraus lässt sich aber nicht die Behauptung ableiten, dass Politier deswegen auch alles andere Schelchte getan haben müssen, was man ihnen zutraut. Die darf - wie bei jedermann - nur auf Tatsachen gestützt werden. Das ist Demokratie. Das muss ja nicht jeder verstehen - aber Dir traute ich das eigentlich zu!
ChristianBerlin
Evangelischer Theologe (Pastor) und Freier Journalist. Lebt in Berlin. Mitglied im Journalistenverband Berlin-Brandenburg (JVBB) und im Pfarrverein der EKBO. Singt im Straßenchor.
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