ChristianBerlin

SchwammDrüber-unerhört+ubersehen

13.03.2010 | 14:07

Kreativität abschöpfen: Eine Methode kommt in Mode

Noch ist der Creative Heads Contest von Google und Hermann Vaske nicht vorbei, da stoße ich hier in einer Annoce schon auf den nächsten Wettbewerb dieser Art, diesmal veranstaltet von der Hugo Boss AG aus Metzingen:

Kreativ sein lohnt sich sehr - Kreativitätswettbewerbe veranstalten noch mehr

Auszug aus den Teilnahmebedingungen des Boss Orange Design Contests:

  • 33. Mit der Teilnahme am Contest überträgt der Teilnehmer HUGO BOSS, den mit HUGO BOSS verbundene Unternehmen sowie deren jeweiligen Rechtsnachfolgern und sonstigen von HUGO BOSS autorisierten sonstigen dritten Personen oder Firmen die sämtlichen Nutzungsrechte an den nach den gesetzlichen Vorschriften entstandenen oder zukünftig entstehenden Urheber-, Leistungsschutz- oder sonstigen Schutzrechte an den eingereichten oder anlässlich des Contest (etwa im Gewinnfall während Besuch bei HUGO BOSS) erstellten Designs, Zeichnungen und sonstigen grafischen Werken unentgeltlich, unwiderruflich, in ausschließlicher, übertragbarer sowie inhaltlich, örtlich und zeitlich unbegrenzter Form, zum Zwecke sämtlicher mit dem Contest verbundenen Maßnahmen, insbesondere damit verbundenen Berichterstattungen, Dokumentationen, Pressearbeiten und Werbung jeglicher Art, sowie die Rechte für sämtliche Nutzungsarten, insbesondere die Rechte zur fotografischen, filmischen und drucktechnischen Nutzung in kommerzieller und nicht kommerzieller Weise, im Zeitpunkt des jeweiligen Entstehens ein. HUGO BOSS ist zur Veröffentlichung berechtigt, aber nicht verpflichtet.
  • 34. Der Teilnehmer verzichtet auf die Ausübung des Rechts, eine Entstellung oder eine andere Beeinträchtigung seines Werkes zu verbieten, die geeignet ist, seine berechtigten geistigen oder persönlichen Interessen am Werk zu gefährden sowie auf sein Recht, vom Besitzer des Originals oder eines Vervielfältigungsstückes zu verlangen, dass ihm das Original oder ein Vervielfältigungsstück zugänglich gemacht wird.
  • 35. Der Teilnehmer verzichtet auf sein Recht zur Namensnennung mit Ausnahme der Namensnennung bei den eingereichten Entwürfen während der Durchführung des Contest.

Grundsätzlich verstehen solche Wettbewerbe das Mitmach-Web optimal zu nutzen: Nicht zur bloßen Verbreitung der eigenen Produkte, sondern bereits zu deren Herstellung - was im Nebeneffekt noch ein Maximum an Aufmerksamkeit generiert.

Aber muss dabei zwangsläufig immer das Urheberrecht in alle Richtungen gebeugt werden, bis fast nichts mehr davon übrig bleibt? Und diese Schmach für nur 1.500 Euro Preisgeld (Flug nach Metzingen muss man selber bezahlen)?

 

 
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Kommentare
Ehemaliger Nutzer schrieb am 14.03.2010 um 21:35
Gut das es das Freitags-Tagesupdate per email gibt, sonst wäre mir Dein Beitrag wegen der unzähligen LIMA posts glatt entgangen...

Das Urheberrecht ist seit Jahren unter Beschuss. Jedes Provinzblättchen hatte "Fotowettbewerbe" mit ähnlich grausamen Bedingungen. Von den Gross-Verlagen ganz abgesehen die sich Archive anlegen. Ich hab noch nicht einmal ein einziges Foto bei Flikr hochgeladen. Auch bei diesen Webseiten ist das Urheberrecht nur noch rudimentär vorhanden. Wenn es ein Gesetz gäbe das die AGBs ausgedruckt und von beiden Seiten unterschrieben werden müssten würden viel mehr Menschen auch genauer lesen worauf sie sich einlassen.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 14.03.2010 um 22:03
Hier gehts um Crowdsourcing - ins Spiel gebracht durch das Wired-Magazin vor einigen Jahren. Heute bezeichnet man das als "Kunden für sich arbeiten lassen". Es ist ein sich selbst über die Jahre pervertierender Prozess, der anfangs gut gemeint war, weil die Absicht dahinter stand, ausschließlich Fragestellungen an die Crowd zu delegieren, die inhouse NICHT gelöst werden konnten. Heute ist es oftmals eher eine Form von Outsourcing zu denkbar schlechtesten Bedingungen. In diesem Zusammenhang steht auch der Begriff Schwarmintelligenz.

Näheres dazu: metropolenmond.de/node/9
ChristianBerlin schrieb am 15.03.2010 um 18:31
@sachichma & Hexogen

Dank an euch beide für die weiterführenden Hinweise zur Mode dieser Methode.

Ich fand vor allem kurios, dieser Werbung hier direkt auf Freitag.de zu begegnen (siehe screenshot), wo es hier doch gerade erst heftige Kritik daran gab.

LG CB
ChristianBerlin
Evangelischer Theologe (Pastor) und Freier Journalist. Lebt in Berlin. Mitglied im Journalistenverband Berlin-Brandenburg (JVBB) und im Pfarrverein der EKBO. Singt im Straßenchor.
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